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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung⸗
1 Nr. 25.
Der Brauerverband hielt vergangene Woche in Frankfurt seinen 14. Ver⸗ bandstag ab. Nach dem Geschäftsbericht hat der Verband in den letzten 2 Jahren einen Zuwachs von ca. 4000 Mitgliedern zu ver⸗ zeichnen und er zählt deren jetzt 18 000. Die Einnahmen betrugen in den beiden Rech⸗ nungs jahren 374479 Mark; die Ausgaben 279 587 Mk., was also einen Ueberschuß von fast 77000 Mk. ergiebt. Für Unterstützungen wurden in derselben Zeit 138 136 Mk. veraus⸗
gabt; an die Generalkommisston 2768 Mk. ab⸗ geführt. Außer Streikunterstützung gewährte
der Verband seinen Mitgliedern noch Rechts⸗
schutz, Umzugskosten, Unterstützung in außer⸗
ordentlichen Fällen, sowie Kranken-, Arbeits⸗ losen- und Gemaßregelten⸗Unterstützung. Der Verbandstag beschloß unter anderm die An⸗ stellung besoldeter Gauvorsteher.
Pon Nah und Lern.
Hessisches.
— Ueber die Wahlrechtsvorlage ist der Bericht des Ausschusses erschienen. Er enthält zugleich die Wahlkreiseinteilung für die 60 vorgesehenen Wahlkreise. Oberhessen bekommt 18 Abgeordnete, 4 aus den Städten, 14 aus den Landkreisen. Es heißt, daß die Regierung den Beschlüssen des Ausschusses zu⸗ stimmen werde, trotzdem ist nicht ausgeschlossen, daß die verkappten Wahlrechtsfeinde die Reform noch vereiteln.
Zu den Gemeinderatswablen.
In vielen Gemeinden Hessens finden be⸗ kanntlich in diesem Jahre Gemeinderatswahlen statt, in einzelnen sind sie schon vollzogen. Unsere Parteigenossen und besonders die Par⸗
telorganisationen müssen denselben die größte
Aufmerksamkeit zuwenden und überall, wo einige Aussicht für uns vorhanden ist, eingreifen und versuchen, Parteigenossen in die Gemeinde⸗ vertretungen zu bringen. Notwendig ist in erster Linie, sich über den Termin der Aus⸗ legung der Wählerlisten zu infor⸗ mieren. Wo die Zeit der Auslegung bekannt gegeben ist, darf kein wahlberechtigter Partei⸗ genosse es versäumen, sich sofort zu ver⸗ glewissern, ob sein Name in die Wählerlisteeingetragenist, da spätere Einwendungen nicht mehr berücksichtigt werden. Natürlich müssen unsere Genossen auch sonst nach Kräften agitieren und dahin arbeiten, daß
die arbeitende und minderbemtttelte Klasse in
den Gemeindeparlamenten zu Worte kommt!
Bei den Landgemeindewahlen ist den minderbemittelten Angehörigen der Ge⸗ meinden Gelegenheit gegeben, durch ihre Stimm⸗ abgabe für dite sozialdemokratischen Kandidaten Prbotest zu erheben gegen die einseitige, einzig und allein auf die Interessen der Besitzenden gerichtete Kommunalpolitik der meisten Gemeinden.
Wohl handelt es sich bei den Gemeinde⸗ wahlen nicht um so tief in das Wirtschafts⸗ leben des gesamten Volkes einschneidende Fra⸗ gen wie bei der Reichstagswahl, wohl sind die Gemeindevertretungen im Gegensatz zum Reichs⸗ tage und zu den Landtagen keine gesetzgebenden sondern in erster Linte Verwaltungskörper⸗ schaften, aber trotzdem wäre es ein verhängnis⸗ voller Fehler, wollte man ihre Bedeu⸗ tung unterschätzen. Genau wie in andern Parlamenten bietet sich auch hier oft genug Gelegenheit, Angriffe auf Rechte und Freiheiten der Bevölkerung abzuwehren, genau wie in andern Parlamenten gilt es auch hier, ein zutreten für die Interessen der Besitzlosen.
Die Gegner der Sozialdemokratie sind ängstlich darauf bedacht, das Eindringen der Sozialdemokratie in die Gemeindevertretung zu verhindern. Wissen stie doch, daß die Wahl auch nur eines Arbeitervertreters das Ende ihrer Vetternwirtschaft bedeutet und daß es dann mit dem beschaulichen und behaglichen Dasein, das sie meist führen, vorbei ist. Die Herren wollen hübsch unter sich bleiben, nie⸗
mand soll sie kontrollieren, niemand ihnen in die Karten gucken, wenn sie hinter ver⸗ schlossenen Türen„tagen“. Daher ihre Bemühungen, durch kleinliche Schikanen der Arbeiterklasse das Wählen zu verekeln und die Wahlzeit so zu legen, daß es den Arbeitern uur schwer und nur mit ungeheuern Opfern an Zeit und Geld möglich ist, ihr Recht aus⸗
zuüben.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß soziale Reformarbeit im wahren Sinne des Wor⸗ tes in den Gemeindeparlamenten nur in sehr geringem Maße geleistet wird. Aus eignem Antriebe sind die besitzenden Klassen auf diefem Gebiete noch niemals bahnbrechend vorangegangen, jede Reform, und mag ste noch so winzig sein, muß ihnen in hartem Kampfe abgerungen werden. Sogar die selbstverständ⸗ lichen Einrichtungen auf kommunalem Gebiete bleiben unbeachtet, so lange rückständige Bür⸗ gerliche und Bauern unumschränkt schalten und walten.
Darum müssen unsere Parteigenossen in den Landgemeinden so gut wie die Genossen in den Städten sich hurtig an die Arbeit machen. Ueberall müssen rote„Hechte“ in die bürger⸗ lichen Karpfenteiche gesetzt werden!
— Die Jahresberichte der Ge⸗ werbe⸗Inspektionen sind erschienen. Bisher wurden den Zeitungsredaktionen Exem⸗ plare zugestellt, in diesem Jahre jedoch nicht mehr. Ob's dazu in Hessen nicht mehr langt? Nach unserm Dafürhalten sollte doch die Re⸗ gierung dafür sorgen, daß die Berichte in weitesten Kreisen bekannt würden, denn was haben die Arbeiten für einen Wert, wenn ste in die Archive eingeschlossen werden, unter Aus⸗ schluß der Oeffentlichkeit erscheinen?
Gießener Angelegenheiten.
— Die Sadtverordnetenversammlung be⸗ schloß in ihrer Sitzung am Donnerstag unter anderem, einen Steinbrecher auzustellen zur Bearbeitung des von der Stadt benötigten Steinmaterials, außerdem die Quellenbohrungen für die Wasserleitung bei Queckborn in eigener Regie zu übernehmen. Letzterem widersprach Herr Löber, et wollte die Arbeiten an einen Privat⸗ unternehmer vergeben wissen. Ferner wurde die An⸗ schaffung von Dienstkleidern für die Straßenarbeiter be⸗ schlossen, und damit eine alte Forderung der betreffenden Arbeiter erfüllt. Ein Stiftungsvertrag mit Kommerzienrat Gail über 1200 Mk. wird genehmigt.— Das Grab der als erste auf dem neuen Friedhofe unter Beteiligung des Stadtvorstandes beerdigten Elise Becker soll herge⸗ richtet werden. Der Betrag dafür wird bewilligt.— Die Lahnkanalisation soll bei der Regierung befürwortet werden.
— Auf eine professorale⸗krie⸗ gervereinliche Scharfmacheret wer⸗ den wir von einem Genossen aufmerksam ge⸗ macht, dem in einer müßigen Stunde die im Anzeiger abgedruckte Festrede des Herrn Prof. Biermann in die Hände fiel, die dieser auf dem Fest des„Gardevereins“ am Sonntag hier gehalten hat. Wer noch einen Funken Frei⸗ heitsgefühl in sich trägt, dem müssen beim Lesen dieser Leistung eines Universitätsprofessors allerdings verschiedene andere Gefühle und unter Umständen der Mageninhalt aufsteigen. Welch“ schauerliche Byzantinerei! Natürlich gehört auch der Kampf gegen den„innern Feind“ zum Programm. Ueber die„Zerstörung des Staates“, „Korrumpierung der Armee“,„Deklassierung des Vaterlandes“(das„Vaterland“ sind natürlich nur die,„die etwas haben“) verlieren wir kein Wort, das ist immer der Text für Krieger⸗ vereins⸗Festredner. Aber von einem skrupel⸗ losen Terrorismus der Sozialdemo⸗ kraten zu reden, ist so unverfälschte Scharf⸗ macherei, wie es Schweinburg nicht besser leistet. Angesichts der Praxis der Verwaltungs- behörden, der Polizei, der Un ernehmerverbände, und leider auch teilweise der Justiz vom Ter⸗ rorismus unserseits zu sprechen— dazu gehört allerdings ein außergewöhnlicher Mut, den selbst nicht jeder„Gardist“ besitzen dürfte. Wir em⸗ pfehlen dem Herrn Professor, den Saarbrücker Prozeß zu studieren, vielleicht dämmert es dann dem verehrten Herrn, wo in Wirklichkeit Ter⸗ rorisutus zu suchen ist.
— Die Generalvpersammlung der Ortskrankenkasse fand am Mittwoch,
im Postkeller statt. Sie war ziemlich schwach
besucht, nur ca. 45 Mitglieder und 5 Arbeit⸗
geber waren anwesend. Zunächst erstattet? der
Geschästsführer Fourfer den Geschäftsbe⸗
richt, der den Generalversammlungsvertretern gedruckt vorliegt. Danach betrug im letzten
Jahre die durchschnittliche Mitgliederzahl 4840, ca. 200 mehr, als im Vorjahre. Weibliche Mitglieder gehören ca. 1000 der Kasse an. Das finanzielle Ergebnis sei zufriedenstellend, wenn es auch nicht den gehegten Erwartungen entsprochen habe. Der Rechnungsabschluß weist in Einnahme 151 192,94 Mk., in Ausgabe 140 879,32 Mk. auf. Ergiebt also einen Kassen⸗ bestand von 10 313,62 Mk. Der Reservefonds beträgt 82 552 Mk., das Gesamtvermögen
144 216 Mk., das ist pro Kopf der Mitglieder
29,79 Mk.— Mit den Aerzten wurde ein neuer Vertrag abgeschlossen, obwohl der alte noch bis Ende 1904 Gültigkeit hatte. Beinahe wäre es auch hier zu einem Streit mit den Aerzten gekommen; schließlich kam doch noch eine Einigung zum Satze von 3,50 bezw. 7,50 Mark auf 3 Jahre zustande. Vorher hatte die Kasse den Aerzten 3. Mk. für das ledige und 65 Mk. für das verheiratete Mitglied bezahlt. — Herr Winn erstattete hierauf ausführlich Bericht über die Verhandlungen des Kranken⸗ kassenkongresses zu Leipzig, zu dem die Kasse 4 Delegierte entsandte. An den Bericht schloß sich eine kurze Diskussion, in der besonders die Aerzte⸗Forderungen und Streiks erörtert wurden.
— Der Maurerverband hat in der letzten Zeit in Gießen und Umgebung eine kräftige Agitation entfaltet und auch eine ziem⸗ liche Anzahl Mitglieder gewonnen. Das ist gewiß sehr erfreulich; immerhin stehen der Or⸗ ganisation noch genug Maurer fern, die sich ihren Kollegen anschließen müssen, wenn etwas erreicht werden soll. Einige Bauunternehmer haben sich bereits veranlaßt gesehen, eine aller⸗ dings sehr geringfügige und unzureichende Er⸗ höhung des Stundenlohnes eintreten zu lassen. Tatsächlich sind hier die Maurerlöhne außer⸗ ordentlich niedrig und es ist Zeit, daß eine Besserung eintritt. Darum alle dem Verbande beigetreten!— In ganz Deutschland nahm der Maurerverband in den letzten 6 Wochen um
ca. 10 000 Mitgli eder zu und 11 jetzt
140 000. Er rapräsentiert also, sehr respektable Macht! Zum Kreisfest in Steinberg.
Seid gegrüßt Genossen alle! Herzlichen Gruß allen unsern Parteifreunden aus dem. Gießener Kreise und den Nachbarbezirken, die sich am Sonntag zu unserem Kreis feste hoffentlich in recht großer Zahl zusammenfinden! Es ist die zweite derartige Veraustaltung in unserem Kreise und ste wird, daran zweifeln wir keinen Augenblick, in gleich prächtiger Weise verlaufen, wie die erste. Selbst wenn das
chon eine
Wetter nicht ganz sein sollte, wie wir es uns
wünschen, so soll das unsere heitere Festes⸗ stimmung nicht beeinträchtigen! Wir erwarten keine besondere Genüsse; wir wollen ja nur mit unseren Freunden und Genossen ein paar Stunden zusammensein, uns untereinander kennen lernen, unsere Meinungen austauschen. Und wir kommen in einen Ort, wo eine große Zahl tüchtiger und braver Genossen schon seit Jahren für unsere gerechte Sache kämpft und sich redlich bemühte, unsere Bewegung zu fördern. Sie haben sich Mühe gegeben, den Festteilnehmern die Stunden so angenehm wie möglich zu machen und werden sich freuen, wenn alle befriedigt ihren Ort verlassen! Auch durch unser Fest wollen wir agitatorisch wirken, unsere Ziele aufs Neue zum Ausdruck bringen, für die Sache der Arbeit wirken. Trage jeder dazu mit bei! Auch Deiner Feierstunde Spiel und Sang Durchdringe, heilige ein ernst Beteuern:
Euch zu erlösen aus des Lebens Drang!
So, Mann der Arbeit sollst Du Feste feiern! Falls das Komite zur Erledigung der nötigen Arbeiten Hülfskräfte benötigt, bitten wir die
Genossen, die darum angegangen werden, sich
bereitwillig zur Verfügung zu stellen. Es ist
selbstverständich, daß jeder zu dem Gelingen des 5 7
Festes beitragen muß! a
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