Ausgabe 
18.9.1904
 
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weil sie uns nicht vollständig erwiesen schienen,

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Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

60 Pfg.(0) zeigt deutlich die ungeheure gesundheit⸗ liche Bedeutung wirklicher Volks bäder.

Mit unserer Bemerkung wollten wir natürlich nicht sagen, daß die Errichtung eines Volksbades in Wieseck an sich verfrüht sei, sondern nur andeuten, daß man es damit in Wieseck kaum sehr eilig hat. Der Ge⸗ meinderat wird wohl nicht so schnell mit Bewilligung der Mittel bei der Hand sein. Im Uebrigen stimmen

wir vorstehenden Ausführungen als vollkommen zu⸗

treffend bei. Aus dem Rreise Wetzlar.

* Herr Bäckermeister Köhler sendet uns in Erwiderung auf die Notiz in voriger Nummer und eine früher erschienene, folgende Znschrift:

In Ihrem Blatte wurde in letzter Zeit zwei mal die Aufmerksamkeit Ihres Leserkreises von seiten vor⸗ maliger Gesellen auf meine Bäckerei gelenkt. Der erste Ihrer Gewährsmänner war nach 12 Tagen von mir entlassen worden, weil er trotz meiner Verwarnung die Stunden des Spätabends, die jeder Geselle zur Ruhe am nötigsten hat, zum Wirtshausbesuche verwendete. Als Revanche schickte er mir, vermutlich, die Reviston. Das von mir verbackene Mehl geht seit meiner Etablie⸗ rung durch die Siebmaschine. Die Verunreinigung einer Kiste Staubzucker durch Mäuse ist durch die Lässigkeit eines Gesellen, der die Kiste gegen meine Anordnung offen stehen ließ, geschehen. Nach der Entdeckung der Unreinheit wurde der Zucker sofort durch neuen ersetzt, nicht etwa wie Ihr Gewährsmann es darzustellen be⸗ liebt, in Folge der Revision, sondern vorher.

Der zweite Gewährsmann ist am Abend des 2. Sept. von mir eingestellt worden. Am 3. Sept. mittags ver⸗ langte er seinen Abgang. Die 20 Stunden haben ihm schon genügt, sich über meinen Betrieb ein verächtliches Urteil zu bilden. Seine Behauptungen sind auch dar⸗ nach. Sein Vorgänger hat am 2. Sept. abends 6 Uhr das Gesellenzimmer bezw. mein Haus verlassen. Dieser war 8 Monate bei mir gegen 12 Mark Wochenlohn. Es ist bei mir Sitte, daß jedem neueingetretenen Gesellen sein Bett frisch überzogen wird. In dem Falle am 2. Sept. konnte dies am Abend nicht mehr geschehen, weil der zweite Geselle bereits in dem Zimmer schlief. Im übrigen wird die Bettwäsche alle zwei Wochen ge⸗ wechselt. Das Bett, welches der neue ingetretene Geselle die eine Nacht benutzte, war fünf Tage vorher frisch

überzogen worden

Der Abort liegt nicht neben der Backstube, sondern hinten im Hof und hat Klosettspülung mit Kanalanschluß. Die Backstube hat ihr Fenster nach der Straße bezw. nach dem Schillerplatz und ist vom Hof durch eine Backstein starke Mauer getrennt. Der Zugang zur Back⸗ stube ist ebenfalls von der Hoftüre etwa 2 Meter ent⸗ fernt und liegt zudem auf halber Tr ppenhöhe. Die Backstube kommt somit weder mit dem Abort noch mit dem Hof in direkte Berührung.

Nun zur Mehlkammer. Ihr Gewährsmann stellt es so dar, als ob diese nur von der Hofseite Licht hätte. Sie hat aber außer dem Hoffenster je ein Fenster nach dem Schillerplatz und nach der Einfahrt zum Solmser Hof. Boden und Wände, auch der Backstube, find durch Zement und Blechbeschlag, so gegen Mäuse gesichert, daß sich solche nicht darin einnisten können. Außerdem halte ich gegen Ratten und Mäuse einen scharfen For⸗ terrier. Daß es diesem noch nicht gelungen ist, die ganze AUnterstadt, bis zu Herrn Brustus, von diesem Ungeziefer zu säubern, bedauere ich. Meine Kundschaft, die mit meinem Hause vertraut ist, weiß, daß ich keine Kosten gescheut habe und immer bedacht war, mein Haus in sanitärer Hinsicht zu verbessern. Meine Vorgänger haben 3. B. Schweine gehalten, während ich auf diesen Neben⸗ verdienst von vornherein verzichtet habe, und mich nur auf das notwendige leichte Wagenpferd beschränke. Da ich annehme, daß Sie es ablehnen, nur eine Seite in Ihrem Blatte zu Wort zu lassen, so erwarte ich, daß Sie meine Rechtfertigung in vollem Umfange aufnehmen.

Selbstverständlich. Warum hat aber Herr Köhler

nicht sofort die schon vor längerer Zeit erschienene Notiz

berichtigt? Die darin enthaltenen Angaben stammen nicht nur von den Gesellen, sie wurden uns von anderen zuverlässigen Leuten bestätigt; sie werden ja auch nicht weiter bestritten. Wenn sich Herr Köhler bemüht, Besse⸗ rungen zu schaffen, so ist das gewiß lobend anzuerkennen. Umsomehr, als in sehr vielen Bäckereien Mißstände dieser Art herrschen. Wir haben schon zahlreiche uns darüber zugegangene Mitteilungen unbeachtet 1 1

5 wollen nicht das Allergeringste veröffentlichen, was nicht der Wahrheit entspricht.

h. Im Wetzlarer Krankenhaus. Am

4. August erkrankte die Tochter eines achtbaren Arbeiters

an Blinddarmentzündung. Auf Veranlassung ihrer Dienstherrschaft wurde sie vormittags 11½ Uhr ins Krankenhaus gebracht. Gegen 6 Uhr abends ging der Vater ins Krankenhaus und erfuhr dort zu seinem

Schrecken, daß sich noch kein Mensch um die Kranke gekümmert habe.

Auf seine Fragen bemerkte die Oberin, daß sie wiederholt nach dem Krankenhausarzt Dr. Herr

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geschickt habe, derselbe set jedoch noch nicht gekommen. Unterdessen war das Fieber der Kranken auf nahezu 40 Grad gestiegen. Der Vater eilte zu Dr. Herr, der ihm erklärte, daß er erst morgen Vormittag in das Krankenhaus gehe und wenn ihm(dem Arbeiter) das nicht passe, solle er seine Tochter auf den Buckel packen und heimtragen. Dieser Rat wurde befolgt und dann von anderer ärztlicher Seite eingegriffen. Das Verhalten des Dr. Herr, der sonst nicht unbeliebt ist, muß doch als höchst sonderbar bezeichnet werden. Uebrigens sollten die zuständigen Behörden doch mal eine eingehende Reviston der Krankenhausverhältnisse stattfinden lassen.

O. Auf der Bahnstrecke Wetzlar⸗Lollar herrscht in der Personen⸗Beförderung eine recht eigen⸗ tümliche Praxis. In dem Frühzuge in der Richtung nach Lollar laufen zwei geschlossene Wagen IV. Klasse mit, die erst bei der Station Wismar, der letzten vor Lollar geöffnet werden. Man will damit offenbar die zwei Wagen für die in Wismar einsteigenden Passagiere freihalten. Weil aber hier auch nur wenig Leute ein⸗ steigen, so gestaltet sich die Sache so, daß die Leute in den andern Wagen von Krofdorf aus, wo mit diesem Zuge ein starker Verkehr ist, wie die Schafe zusammen⸗ gepfercht werden, während die zwei Wagen leer mit⸗ laufen! Die Bahnverwaltung sollte doch für Beseitigung dieses Mißstandes Sorge tragen.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

Auf das Stiftungsfest derEin⸗ tracht, das diesen Sonntag im Schloßgarten statt⸗ findet, machen wir nochmals aufmerksam.

c. Ueber die berühmte Scheune des Bierbrauereibesitzers Bopp ist es nun zu einem Vergleich mit der Stadt gekommen. Bopp soll danach seine Scheune am Pilgrimstein der Stadt für 10000 Mk. überlassen und das zur Verbreiterung des Pilgrimsteins nötige Ge⸗ lände zur Verfügung stellen, wofür er ein

leich großes Stück vom Haas'schen Grund⸗ stüc erhält.

*Die Arbeits verhältnisse bei der Firma Niederehe. Zu der Berichtigung der Herren Nieder⸗ ehe wird uns von einem früher dort beschäftigten Ar⸗ beiter mitgeteilt, daß die Angaben der Firma über die verdienten Löhne keinesfalls zutreffend sein können. Ein Tagesverdienst von 4,70 Mk. könne höchstens in ganz vereinzelten Fällen und nur erzielt sein, wenn der Be⸗ treffende bis abends 10 Uhr arbeitete. Einen Durch⸗ schnittstagelohn von 2,85 könnten nur sehr gut einge⸗ übte Männer ohne Ueberstunden erzielen. Die besten Arbeiter kamen ohne Ueberstunden auf 15 16, mit Ueberstunden 1718 Mk. Wochenlohn. Die Arbei⸗ terinnen wohnen meist in Schreck, Bauerbach, Großfelden, Sarnau ꝛc., hätten also bis zur Fabrik Stunde zurückzulegen, also 3 Stunden pr. Tag.

Luise von Koburg

die angeblichirrsinnige Gemahlin des Fürsten von Koburg befindet sich jetzt in Frankreich in völliger Sicherheit. Sie hielt sich einige Tage nach ihrer Flucht aus Bad Elster im Haufe des Abg. Genossen Südekum in Berlin auf, von wo aus sie ohne weitere Belästigung und unentdeckt teils per Automobil, teils per Bahn die französische Grenze erreichte. Südekum erklärt u. a. in dem Pariser Blatte des Ge⸗ nossen Jaurèes dazu:

... Die Prinzessin verlangt nur ihre Freiheit. Alle anderen Pläne, die man ihr zuschreibt, die Scheidung von dem Prinzen von Koburg und die Heirat mit Mattachich, beruhen auf reiner Erfindung. Sie ist eine gläubige Katholikin; vor der Scheidung müßte sie ihre Religion wechseln; daran denkt sie ja gar nicht. Sie hat nur einen Wunsch: ihre Bewegungs⸗ freiheit zu haben, wie der Gemeinste der Sterb⸗ lichen; die freie Verfügung über sich selbst will sie wiedererobern, die man ihr genommen hatte, um an Mattachich einen nichtswürdigen Justiz⸗ mord begehen zu können. Das ist alles. Die Sache liegt so klar, daß sie die öffentliche Meinung keinen Augenblick beschäftigt hätte,

wenn es sich nicht um eine Prinzessin handelte.

Aber soll eine Frau zu einem grausamen Schicksal verdammt sein, nur weil sie eine Prinzessin ist? Diese Frage stellen, heißt sie verneinen. Und zu gleicher Zeit ist es eine Zurückweisung der Histörchen der Freunde des Prinzen von Koburg, die aus sehr durchsichtigen Gründen sich alle Mühe geben, die Motive der Freunde Mattachichs in schlechtes Licht zu stellen.

In dem in Genf erscheinende sozialdemo⸗ kratischen BlatteVooruit wird ein angeb⸗

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licher Brief der Prinzessin veröffentlicht, in dem sie erzählt, was sie von ihrem Herrn Gemahl zu erdulden hatte und plaudert auch sonst viel höfische Intimitäten aus. Es handelt sich dabei um eine Redaktions⸗Arbeit.

Herbert Bismarck

der älteste Sohn des ehemaligen Reichskanzlers ist unheilbar an Leberkrebs erkrankt. Sein Ableben dürfte nahe bevorstehen.

Geheimer Kommerzienrat Hahn

in Dresden, früher Mitinhaber der Bankfirma Rocksch Nachflar. wurde von der Strafkammer wegen Untreue und Unterschlagung zu 4 Jahren Gefängnis und 3000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Der Brave ausbesseren Kreisen hatte mit Depotgeldern Grundstücksspekulationen getrieben, so daß seine Firma in Zahlungsschwlerig⸗ keiten geriet.

Der Streiksünder.

Von der Darmstädter Ferienstrafkammer wurde der Zimmergeselle Feyh, der während des hiesigen Streiks der Zimmerleute einen Arbeiter durch Drohungen veranlaßt hatte, die Arbeit niederzulegen, zu drei Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt.

Kleine Mitteilungen.

k Vom Blitz erschlagen. Bei dem Gewitter am Dienstag wurde in Niederursel bei Frankfurt der dort beschäftigte Landarbeiter Möller aus Geisa vom Blitz getroffen und getötet. In Steinbach i. T. schlug der Blitz in das Haus des Zimmermanns Lenz und beschädigte Schornstein und Wände. Frau Lenz wurde von dem Schlage betäubt, glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen.

Ein zweijähriges Kind lief in der Nähe der Station Frielendorf bei Treysa vor die Maschine eines Zuges und wurde entsetzlich zugerichtet. Man brachte es sofort mit dem Zuge in die Marburger Klinik, wo es bald unter qualvollen Schmerzen sta rb.

Ein Gefangenenaufseher als Mörder. In Bracht im Rheinland wurde der Mörder einer Gärtnersfrau verhaftet. Es ist ein Gefangenenaufseher der Brauweiler Arbeitsanstalt, der in Beziehung zu der Frau stand.

Bergarbeitertod. Auf der Zeche Borussia im Essener Bezirk riß das Seil des Förderkübels. Er stürzte herab und zerschmetterte dem Bergmann Kallmann den Schädel. Auf der Zeche Mont Cenis stürzte der Bergmann Schurmann von den sogenannten Bremsen herab und blieb sofort tot.

r I Partei-Uachrichten.

Genosse Singer foll. wie Parteiblätter berichten, an einer schmerzhaften Venenentzündung erkrankt sein, die ihn für mehrere Wochen ans Bett fesseln wird, Der Parteitag wird den bewährten und umsichtigen Vorsitzenden stark vermissen.

Totenliste der Partei. In Frankfurt starb vorige Woche der Parteigenosse Wel ker im hohen Alter. Er war einer der ersten, welche in Frankfurt für die Sozialdemokratie damals für den allgem, deutschen Arbeiterverein agitierte.

Wahlkreis Wetzlar. Quittung. Zum Partei⸗ fonds von Mitgliedern des GesangvereinsEintracht Krofdorf 27,95 Mk.

Versammlungskalender.

Samstag, den 17. September.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Montag, den 19. Sept.

Gießen. Schneider verband.

abends 9 Uhr bei Orbig.

Versammlung

Mainzlar! Sountag, den 18. September 1904:

Kirchweih-Fest bei Phil. Müller

Gasthaus z. Adler am Bahnhof.

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