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Nr. 16.
Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung.
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Seite 5.
indem er— vielleicht— von politischen Geg⸗ nern abgeurteilt wurde, weshalb man diesem Urteil und seiner Begründung nicht allzugroßes Gewicht beilegen dürfte. Aber von der unauf⸗ richtigen Kampfesweise haben wir ohnehin Proben genug. i ö t. Eine schristlich⸗soziale Ve⸗samm⸗ lung fand am Freitag(8. April) in Frohn⸗ hausen statt, dem Orte, wo der christliche Sozialismus durch Einschlagen der Fenster und Prügeln der Gegner propagiert wird. Herr Dr. Burkhardt war der Redner und gab sich Mühe, seine durch den Herborner Prozeß etwas ramponierte Wahrheitsliebe wieder zu reparieren. Gelungen ist's ihm nicht. Unter anderm erzählte er seinen Schäflein, er sei für die Erhöhung der Kriegsinvaliden⸗Rente einge⸗ treten. Seit Dr. Burkhardt im Reichstage ist, wurde dort über diesen Punkt noch gar nicht verhandelt!
aus dem greife Marpurg⸗Nirchhain.
r. Ortskrankenkasse. Die nächste Generalver⸗ sammlung der Marburger Ortskrankenkasse findet Mitt⸗ woch, den 20. April, abends 8 Uhr in der alten Real⸗ schule statt. Die Mitglieder wollen dazu recht zahlreich erscheinen.
r. Die politische Polizei in Marburg. Unter polizeiliche Kontrolle ist der hiesige Fortbild⸗ ungsverein gekommen, Obwohl der Verein bei allen möglichen patriotischen Festen und Umzügen mitwirkt, ist er doch bei der Polizei in den Verdacht gekommen, sozialdemokratisch gesinnt zu sein, und zwar aus dem Grunde, weil— weil— weil— die„Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ und der„Wahre Jakob“ aufliegt. Trotzdem diese beiden Zeitungen der Fortbildungsverein umsonst von der sozialdem. Partei in Marburg erhält, werden sie jetzt verschwinden müssen. Es ist ja auch schrecklich, wenn die Mitglieder des Fortblldungsvereins, dem u. a. auch der Oberbürgermeister, der Beigeordnete Siebert, viele Professoren ꝛc. angehören, sich durch Lesen in den beiden sozlaldemokratischen Zeitungen fortbilden könnten.— Ob nun aber auch die Biblio⸗ thek des Fortbildungsvereins von der Polizei durch⸗ stöbert werden wird? Verschiedene Bücher, z. B. Bebels „Frau“ und eine Reihe andere sind zwar zur Fort⸗ bildung vortrefflich geeignet, aber in punkto„Gutge⸗ finntheit“ können sie vor dem Poltlzei⸗Zensor nicht bestehen, man wird sie also aus der Bibliothek ver⸗ bannen müssen. Denn der Fortbildungsverein soll ein patriotischer, königstreuer und gutgesinnter Verein sein, so wünscht es die Polizei und ihr Wunsch ist für viele Leute im Fortbildungsverein Befehl. So ist kaum daran zu zweifeln, daß der Vorsitzende, Professor Westerkamp, schnellstens die Entfernung der poltzeianstößigen Blätter 1 und Bücher anordnen wird.— Nun, uns soll's kalt lassen. Von den 350 Mitgliedern des Vereins find vielleicht nur der 12. Teil Arbeiter, die übrigen Stadt⸗ verordnete, Magistratsmitglieder, Professoren, Lehrer und Geschäftsleute. Deren Sache wäre es, sich gegen die polizeiliche Bevormundung zu wehren, aber man wird einem etwaigen Konflikte sorgsam aus dem Wege gehen.
9 soll nach einer Meldung aus Toulon nicht gestorben,
* sondern nur schwer erkrankt sein und sich bereits auf dem Wege der Besserung befinden. Diese Nachricht wird überall in der kämpfenden Arbeiterschaft Freude hervorrufen.
Ein vielseitiger Parteimaun.
In Lechhausen bei Augsburg wurde dieser Tage ein Gastwirt beerdigt, und zum nicht geringen Erstaunen der Trauerversamm⸗ lung legten am Grabe ihres verstorbenen Mitgliedes folgende Vereine Kränze nieder: 9 1. der katholische Arbeiter⸗ und Bürger⸗ verein; 2. der liberale Bürgerverein und 3. der sozialdemokratische Wahlverein.— Der Mann verstand sein Geschäft.— In einem Nachbarorte von Gießen suchte vor einiger Zeit ein Wirt auf ähnliche Art es allen Leu⸗ ten recht zu machen, der dortige soztaldemokra⸗ tische Wahlverein hatte dafür aber kein Ver⸗ ständnis, sondern dankte für die Mitgliedschaft des Betreffenden.
Herren und Kuechte.
Zweierlei Poltzeistunde hat die Polizei in Schroda(Posen) festgesetzt. In der Ver⸗ ordnung heißt es:
„Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß die
Louise Michel
Verlängerung der Polizeistunde über 10 Uhr hinaus 5 nur für die sogen. besseren Gäste Gültigkeit
hat. Personen aus der niederen Volksklasse dürfen nur bis 10 Uhr in den Lokolen geduldet werden.“ Es wird allerdings seine Schwierigkeiten haben, die„Erstklassigen“ von den Angehörigen der„niederen Volksklasse“ zu unterscheiden.
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Parteitag für Hessen⸗Nassau.
Am Sonntag tagte im Frankfurter Gewerkschafts⸗ hause ein Parteitag für Hessen⸗Nassau und die an⸗ grenzenden Wahlkreise, der von 67 Delegierten besucht war. Aus dem Wahlkreise Höchst waren 26, Wies⸗ baden 8, St. Goarshausen 2, Limburg 2, Dillenburg⸗ Herborn 4, Frankfurt 4, Hanau 11, Marburg 1, Wetz⸗ lar 5, Aschaffenburg 3, Lohr 1 Delegierte anwesend und außerdem Abg. Schmidt⸗Frankfurt sowie die Ge⸗ nossen Brühne, Lehmann, Gräf und Diehl als Kandi⸗ daten der Wahlkreise. Nachdem der Gesangverein„Union“ zwei Lieder in prächtiger Weise zum Vortrag gebracht und nach Wahl des Bureaus, das sich aus den Genossen Maler⸗Frankfurt, Rudolf⸗Rödelheim, Hüttmann⸗ Frankfurt, Fauth⸗Wetzlar und Trott⸗Haiger zu⸗ sammensetzt, wird in die Beratung der Tagesordnung eingetreten. Als deren erster Punkt wird die Organi⸗ sationsfrage behandelt Bis jetzt war für die sechs nassauischen Kreise sowie für Wetzlar, Marburg, Hanau, usw. eine Provinzialorganisation nicht vorhanden, viel⸗ leicht das einzige Gebiet im Reiche, das über eine solche nicht verfügt. Errichtung einer Organisation war also die Hauptaufgabe des Parteitags. Es lag hierzu eine Resolution von dem Genossen Mater⸗Frankfurt und ein Organisationsentwurf von Gen. Vetters⸗Gießen (vom III. nassauischen Wahlkreis delegiert) vor. Nach eingehender Beratung wurde der Entwurf des Genossen Vetters angenommen. Er gipfelt darin, daß für den Regierungsbezirk Wiesbaden und sür die ihm angrenzen⸗ den Wahlkreise ein Agitatlonsbezirk geschaffen wird, dem auch Aschaffenburg, Lohr und Friedberg sowie Marburg beitreten können. An die Spitze dieser Organisation wird ein Agitationskomité von 5 Mitgliedern gestellt, das seinen Sitz in Frankfurt hat. Zur Beratung wichtiger Fragen kann dieses Komité die Vorstände der Kreisorganisationen und die Kandidaten der einzelnen Wahlkreise hinzuziehen. Es hat allzährlich einen Partei⸗ tag für die Provinz einzuberufen. Die Beschlüsse des Provinzialparteitages sind für die Genossen im Bezirk bindend. Jeder Wahlkreis hat pro Jahr und Kopf seiner organisterten Genossen 20 Pfg. als Beitrag zur Bezirkskasse zu leisten. Publikationsorgane des Komités sind die Frankfurter„Volksstimme“, das„Offenbacher Abendblatt“, die„Mainzer Volkszeitung“ und die„Mittel⸗ deutsche Sonntagszeitung“. In den geschäftsführenden Vorstand der veuen Organisationen wurden gewählt: Gewerkschaftssekretär Hüttmann, Arbeitersekretär Gräf, Konsumvereinsverwalter Althaus, Gewerkschaftssekretär Dorschu und Parteisekretär Dittmann.
Nach Erledigung der Organisationsfrage hielt Gen. Dr. Quarck ein sehr beifällig aufgenommenes Referat über die Aufgaben der sozialdemokratischen Gemeinde⸗ vertreter. Wir haben die Ausführungen Quarcks im heutigen Leitartikel im Wesentlichen wiedergegeben. Eine kucze Debatte schloß sich an das Referat nnd zum Schluß wies Gen. Mater⸗Frankfurt noch auf Ver⸗ breitung der Presse als unser vorzüglichstes Agitations⸗ mittel hin. Er betonte, daß die„Volks stimme“ in Bezug auf Reichhaltigkeit von keinem bürgerlichen Organ mehr überflügelt werden könne. Wenn sich die Genossen ihre Verbreitung weiter angelegen sein lassen, wird noch weitere Vergrößernng und Verbesserung möglich sein, weil jeder Gewinn nicht zur Bereicherung eines Kapita⸗ listen, sondern zur Verbesserung des Blattes verwendet wird.
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Partei-Nachrichten.
Die sozialdemokratische Fraktion bringt eine Interpellation wegen des Stilllegens der Kohlengruben im Ruhrgebiete im Reichstage ein.
Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei soll in Bremen in diesem Jahre schon im August und zwar 21. bis 27. im Anschluß an den internatlonalen Kongreß stattfinden.
Bier Monate Gefängnis wurden dem ver⸗ antwortlichen Redakteur des Kasseler„Volksblatt“, Ge⸗ nossen Garbe zudiktiert, weil er den Präsidenten und die Räte der Königlichen Eisenbahndirektion Kassel be⸗ leidigt haben soll. Die Beleidigung soll in einem Artikel über die Verteilung der Weihnachtsgratifikationen begangen worden sein. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, der auf drei Monate lautete.
Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 16. April.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Stichwahl zum Ver⸗ bandstage.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Steinberg. Arbeiterbildungs verein. Abends 9 Uhr Versammlung auf der Wilhelmshöhe, T.⸗O.: Beschlußfassung über Anschaffung einer Fahne.
Sonntag, den 17. April.
Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Nachmit⸗ tags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Karl Stein⸗ müller.
Staufenberg. Volks verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Zecher. Wichtige Tages⸗ orbnung!
Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. 5
.— Die Reformatoren als Fürstendiener“.
Der deutsche Bauernkrieg von 1525 war der elementare Verzweiflungsausbruch des Vol⸗ kes gegen das kirchliche und adlige Herrschafts⸗ system des Mittelalters, welches durch die Ent⸗ wicklung der Geldwirtschaft überwunden wor⸗ den war. Diese Entwicklung ging mit unbarm⸗ herzigen Schritten weiter ihren Weg, und das blutige Bauerndrama beim Ausgange des Mittelalters half nur die Steine beiseite zu räumen, welche die Entfaltung der kapitalistischen Wirtschaft hinderten.
Der Bauernkrieg hat das meiste mit dazu beigetragen, die ökonomischen Grundlagen der alten klerikalen Herrschaft, welche das Mittel⸗ alter kurzweg als die Pfaffenwirtschaft bezeich⸗ nete, zu erschüttern und zu beseitigen. Die Geistlichkeit war beim Ende des Bauernkrieges am schwersten geschädigt. Der Kirchenkoloß, gesättigt von seinem Riesenreichtum, hatte den revolutionären Bauern den wenigsten Widerstand leisten können. Der ganze ungeheure Vorrat der Kirchen, Klöster und Stifte, des geistlichen Herrentums überhaupt, an Lebensmitteln aller Art, an Wein, Vieh, an gewerblichen Pro⸗ dukten, Arbeitsgeräten, Kleidern, Stoffen, Kost⸗ barkeiten in Gold und Silber, Kunstgegenständen usw. war in den Händen der Bauern zerronnen. Wohl den letzten fetten Klosterkarpfen hatten sie aus den Teichen herausgefischt. Vielfach waren die in Jahrhunderten in den Kloster⸗ bibliotheken aufgestapelten Schätze der Wissen⸗ schaft mit den Dokumenten ihrer Sklaverei von den Bauern vernichtet worden. Ueberall, wo die Bauern aufgestanden waren, zeigten die schwarzen Brandmauern geistlicher Niederlassung den Weg, den die Haufen genommen hatten. So rasch und so blutig der Bauernaufstand niedergeschlagen worden war, so schwerfällig sich die Bauernhaufen bewegt hatten, sie hatten doch einen furchtbaren Aderlaß am Leibe der Kirche vorgenommen, von dem sie sich nie wie⸗ der erholen konnte. Alle geistige und politische Herrschaft ist begründet auf ökonomischer Macht. Die ökonomische Macht der Kirche in Deutsch⸗ land war im Bauernkrieg in tausend Trümmer geschlagen worden, nun war es auch mit ihrer ausschließlichen geistigen und politischen Herr⸗ schaft vorbei. Den großen Zusammenbruch der mittelalterlichen Pfaffenherrschaft bewirkte nicht
* Wir entnehmen diesen Aufsatz dem eben im Ver⸗ lage des Vorwärts erscheinenden Lieferungswerke: Wider die Pfaffenherrschaft von unserm leider so früh verstorbenen Gen. Roseno w. Aus dem Prospekt, der unserer heutigen Nummer beiliegt, können die Leser das weitere über den äußerst reichhaltigen und gediegenen Inhalt des Werkes ersehen, dessen Text durch zahlreiche sehr gute Illustrationen belebt wird. Hoffentlich sindet das verdienstliche Werk den Beifall der Arbeiter und den nötigen Erfolg, damit es dem Verlage möglich ist, die Aufklärungsarbeit durchzuführen.


