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Nr. 16.
Mitteldentsche Sonn tags⸗Zeitung.
Seite 3.
fern von großer Bedeutung, als die Aus einandersetzung zwischen der reformistischen und der radikalen Richtung innerhalb der italienischen Sozialdemokratie bevorstand. Von der deutschen Partei ist Genosse Dr. Rob. Michels als Vertreter erschienen, Dr. Adler von der öster⸗ reichischen, Rappaport von der französischen usw. Als Prästident des Kongresses fungiert der greise Andrea Co sta. Bei der Eröffnung wurde ein Schreiben des Bürgermeisters von Bologna verlesen, worin er den Kongreß im Namen der Stadt begrüßt. Genosse Michels hob in seiner Begrüßungsrede hervor, daß die Stärke der deutschen Sozialdemokratie in ihrer Disziplin und Einigkeit liege; Revolutionäre und Reformisten kämpften in Deutschland Schulter an Schulter.
Es kam in den weiteren Verhandlungen, wie vorauszusehen war, zu sehr heftigen Kämpfen.
Vor Beginn der Debatte über„die beiden Tendenzen“ stellt Soldi einen Antrag, demzu⸗ folge der Kongreß, bevor er in die Verhand⸗ lungen eintritt, die Einigkeit der Gesamt⸗ partei proklamieren und es für die Pflicht aller Sozialisten erklären soll, sich den Mein⸗ ungen der Majorität anzuschließen.— Nach einer ebenso langen wie heftigen Debatte wird schließlich auf Antrag Ferris beschlossen, die Frage Soldi vorerst zu vertagen.
In der nun beginnenden Debatte kommt elne lange Reihe von Rednern zu Worte, die sich mit den schärfsten Ausdrücken gegen die Tendenz der Revisionisten werden; auch einige vermittelnde Redner kommen zu Worte. Die Debatten steigern sich stellenweise bis zu solcher Siedehitze, daß der Vorsitzende Mühe hat, die Verhandlungen weiter zu führen und daß sogar Tätlichkeiten unter den Angehörigen der beiden Flügel nur mit großer Anstrengung vereitelt werden können.
Die Debatte über die Taktik endete mit der Annahme der Resolution Ferri, welche die Unvereinbarkeit der„Teilnahme an der Re⸗ gierung“, also des Ministertaltsmus, mit der marxistischen Theorie erklärt, aber auch die Einheit der Partei aufs neue betont.
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Russisch⸗japanischer Krieg.
Seuchen im russischen Heere. Die sanitären Verhältnisse in der russischen Armee haben sich sehr verschlimmert, wie Nachrichten aus Charbin besagen. Es wird dies noch eine große Rolle im Kriege spielen, da schwer eine Besserung der Zustände erreichbar ist. Die Wasserversorgung aus dem Tiefland ist schlecht. Die Fälle von Cholera und Typhus sind seit dem Eintritt der wärmeren Witterung in Aus⸗ breitung begriffen. Der Oberbefehlshaber der Garnison klagte Kuropatkin, daß die Truppen gezwungen seien, das Lager wegen des hier herrschenden übergroßen Schmutzes zu verlassen. Kuropatkin überzeugte sich selbst von der Wahr⸗ heit dieser Angabe. Die Offtziere befolgen nicht die Instruktionen. Der Zar selbst ordnete
strenge Maßnahmen und die Bestrafung der
Schuldigen an, da die große Gefahr einer allgemeinen Verseuchung besteht.
Eine schwere Schlappe haben die Russen wiederum erlitten. Eines ihrer besten Schiffe, der Panzer„Petropawlowsk“ ge⸗ riet am Dienstag vor Portarthur auf eine Mine, die explodierte und das Schiff zum Kentern brachte, das mit ca. 700 Mann Besatzung unterging. Admiral Ma⸗ karopw ist anscheinend umgekommen. Großfürst Cyrill ist gerettet, aber verwundet.— Der Schrecken darüber mag in Petersburg nicht gering sein. Es wird von dort berichtet, daß der Zar sofort Trauergottesdienst angeordnet habe, wodurch das Unglück allerdings nicht geringer wird.
Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.
Der Aerztekrieg in Leipzig. Am 1. April haben die bisherigen für
mit knapper Mehrheit.
ie Leipziger Ortskrankenkasse tätigen Aerzte ihre Tätigkeit! und verw. Berufsgenossen hätte im letzten
niedergelegt. Doch haben ste damit nicht er⸗ rescht, was sie wollten, nämlich die Kasse matt⸗ setzen und unterkriegen. Es bessert sich im Gegenteil die Lage täglich zugunsten der Kasse. Bis jetzt sind 83 Distriktsärzte in Tätigkeit, mit einer weiteren Zahl von Aerzten steht die Kasse in Unterhandlung. Die bürgerliche Presse wußte über zahlreiche Beschwerden zu berichten, die in letzter Zeit gegen das Bezirksärzte⸗System eingelaufen seien. Der Ortskrankenkassenver⸗ waltung ist davon jedoch nichts bekannt; bei der Kreishauptmannschaft liefen zwar einige Beschwerden ein, die aber— von früheren Aerzten und deren Helfershelfern herrührten. Immerhin muß noch mit einem Einschreiten der Behörden gerechnet werden. Die Kasse wird daher die ärztliche Familienbehandlung, die im Statute vorgesehen ist, vorübergehend aufheben; doch erklären die Bezirksärzte, daß ste nach wie vor die Familienangehörigen der Kassenmitglieder unentgeltlich weiter behandeln werden. Mit dieser Maßnahme ist wohl der Aerztekrieg zugunsten der Kasse entschieden.—
Dagegen sind in Köln a. Rh. die Aerzte Sieger geblieben, dank der Unterstützung der Regierung, die in ganz ungehöriger Weise Partei für die Aerzte nahm und die Selbstver⸗ waltung der Krankenkasse gewissermaßen auf⸗ hob. Jetzt hat auch der Vorstand der vereinigten Ortskrankenkassen für das Handwerk sein Amt niedergelegt, weil der Regierungspräsident eine gegen ihn erlassene Verfügung nicht zurücknehmen wollte. Die wenigen von den herangezogenen, noch praktizierenden Aerzte suchen loszukommen, weil ihnen durch die behördlichen Anordnungen die Ausübung ihrer Praxis sehr erschwert wird. Sämtliche durch die Aerzte verschriebenen Re⸗ zepte müssen nämlich durch die Behörden ab⸗ gestempelt werden, bevor die Apotheken ihre Anfertiguug vornehmen.—
Konkurs einer Genossenschafts⸗ bäckerei. Zu dem von uns bereits in der vorigen Nummer erwähnten Konkurs der Genossenschaftsbäckerei in Posen sagt unser Breslauer Parteiorgan:„Wir haben die Gründung dieser Genossenschaft, an welcher zahlreiche Parteigenossen beteiligt sind und die deshalb von Gegnern die„sozialistische“ Genossen⸗ schaftsbäckerei genannt wird, von Anfang an für ein verfehltes Unternehmen gehalten. Die Arbeiterorganisation ist in Posen noch nicht so weit gediehen, daß ste den nötigen Stamm von Konsumenten stellen könnte. Außerdem mangelte es in Posen dur haus an den Alg Leitern und die häßlichen Streitigkeiten, die nun schon seit Jahren die Arbeiterbewegung dort am Fortkommen hindern, haben jedenfalls das Weitere getan, um die Gründung zu einer ver⸗ fehlten zu machen. Jedenfalls lehrt der Posener Vorfall aufs neue, daß die organisterten Arbeiter neue Gründungen recht, recht sehr überlegen müssen!“
Bei der Gewerbegerichtswahl in Duisburg siegten die christlichen Kandidaten Das ist hoffentlich der letzte Sieg der Christlichen in dieser ihrer Hochburg.
Der Zentralverband der Zimmerer hat sich im Jahre 1903 in erfreulicher Weise nach vorwärts entwickelt. Ende 1902 zählte er in 464 Zahlstellen 22811 Mitglieder, am Schluß des Jahres 1903 29998 Mitglieder, das ist eine Zunahme von 7187 Mitgliedern. Das Vereinsvermögen stellte sich seit 1909 am Schluß des 4. Quartals in der Hauptkasse wie folgt: 1900 Mk. 245862,27, 1901 302 183, 58 Mark 1902 245 769,41, Mk. 1903 307 329,83 Mark. Das gesamte Verbandsvermögen beträgt 558 045,86 Mk. In den sieben Jahren von 1897 bis 1903 hat der Verband, auschließlich kleinerer Platzsperren, zusammen 621 Kämpfe zu führen gehabt, die 907 138,70 Mk. Kosten verursachten. Im gleichen Zeitraum wurden durch die Wirksamkeit des Verbandes die Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse der Berufskollegen in 1276 Orten resp. Fällen verbessert. Davon ist an einer Reihe von Orten wiederholt eine Aufbesserung erfolgt.
Der Verband der Maler, Lackierer
Geschäftsjahre eine Gesamteinnahme von Mark 316 819,26 und eine Ausgabe von Mk. 295 995,52. Das Vermögen betrug am Jahresschluß Mark 207 680,82. Die größeren Ausgabeposten find: Streikunterstützung Mk. 93 217,79, Kranken⸗ unterstützung 29 488,79, Reiseunterstützung Mk. 5 555,62, Sterbeunterstützung Mk. 3 385, Ge⸗ maßregeltenunterstützung Mk. 2 265,48, Fach⸗ organ Mk. 23 460, Agitation Mk. 10 340 ꝛc. Den eingegangenen Beiträgen nach haben 19037 Mitglieder den vollen Jahresbeitrag(52 Wo⸗ chen) bezahlt. Neu aufgenommen wurden im Berichts jahre 15766 Mitglieder, eine Zahl, wie sie bisher noch nicht erreicht wurde. Von großer Standhaftigkeit sind aber die Maler ebensowenig wie die übrigen Arbeiter, denn bol den 12 757 im Jahre 1902 aufgenommenen Mitgliedern kehrten 60 pt. im ersten Jahre ihrer Mitgliedschaft der Organisation wieder den Rücken.
Den Schneiderstreik in Mannheim haben die Arbeiter für beendet erklärt, ohne daß es möglich war, die Forderungen durchzusetzen. Die Schneider befanden sich fünf Monate im Ausstande.
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Hessisches.
— Reptilredakteure. Unter vielen andern„Ordnungsblättern“ leistet auch die „Offenbacher Zeitung“ an schmutzigster Sozialistenbekämpfung das Menschenmögliche. Was für gesinnungstüchtige Männer in der⸗ artigen Organen ihr Wesen treiben, davon in Folgendem ein Beispiel. In einer gegen die „Offenbacher Zeitung“ gerichteten polemischen Notiz sagt die Frankfurter„Kleine Presse“:
„Wir begnügen uns mit der Bemerkung,
daß der politische Redakteur der„Offenbacher
Zeitung“, Herr Anton Beer, als er noch
in Plauen das dortige linksstehende Blatt
redigierte, dem Verleger, der sehr weit links stand, erklärt hat: er(Beer) sei der rechte
Mann für das freiheitliche Blatt; denn er
sei eigentlich mehr sozialdemokra⸗ tisch als freistnnig. Und derlei Leute tauchen dann plötzlich als nationalliberale Demokra⸗ tenfresser auf und reden sehr unklug und sehr unvorsichtig vom Fälschen der öffentlichen
Meinung.“ f
Solche Leute können allerdings nur die Reptilien gebrauchen, die ihre Gesinnung und „Ueberzeugung“ den jeweiltgen Anforderungen anzupassen in der Lage sind, die um ihrer Exi⸗ stenz, ihres materiellen Vorteiles willen heute dieser, morgen jener Partet dienen. Das Pu- blikum muß sich nur angewöhnen, danach auch den Inhalt der Reptil⸗ und Amtspresse zu beurteilen und zu bewerten.
— Graf Oriola will sein Landtagsman⸗ dat niederlegen, wie er am Sonntag in Fried⸗ berg einer von ihm einberufenen Wahlmänner⸗ Versammlung erklärt hat. Er sei durch das Reichstagsmandat zu sehr in Anspruch ge⸗ nommen. An seine Stelle wollen die Wahl⸗ männer den Bürgermeister Ullmann in Nie⸗ der⸗Erlenbach wählen. Das nunmehr zum Bünd⸗ lerorgan umgesattelte Blatt des Herrn Hirschel nennt diese Kandidatur eine„äußerst glückliche“ und stempelt den Erlenbacher Bürgermeister als Vertreter des Agrariertums ab. Ein paar Bürgermeister haben ja übrigens in der hessi⸗ schen Landstube noch gefehlt.
— Den geschäftskundigen Herrn Joutz hat man seines Amtes als„Eisenbahn⸗ direktor“ entsetzt, wie aus Butzbach gemeldet wird. Das Schicksal schreitet also schnell, noch vor wenigen Tagen ließ sich der Biedere als Wohltäter der Menschheit und„allverehrker Landtagsabgeordneter“ feiern. Am 31. Mai scheidet er aus seiner Stellung aus.— Von seinem Abgeordnetenmandat scheint er sich aber auch gar nicht trennen zu können. Jedenfalls wartet er, bis ihm die Wählerschaft sagt, was sich gehört und es ist ja für diese selbst be⸗ zeichnend, daß sie es noch nicht getan hat.


