Ausgabe 
17.1.1904
 
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Nr. 3.

Mitteldeutsche Kountags⸗Zeitung.

Seite.

finden sind. Die nicht sozialdemokratischen

Arbeiter vereine(christliche, nattonale usw.) un⸗ terstützen natürlich die Bürgerlichen.

Ausland.

Aus Frankreich.

Die französische Deputiertenkammer eröffnete am Dienstag mit der Wahl des Präsidiums ihre ordentliche Tagung. Als Prä⸗ sident wurde der Radikale Henri Brisson mit 257 Stimmen gewählt. Brisson, der schon öfters Ministerposten bekleidete, war der Kan⸗ didat des sogenanntenBlocks der Republi⸗ kaner. Bei der Wahl der Vizepräsidenten wurden Ettenne, Lokroy, Gerville-Reache, und Guillain gewählt, Jaures ist nicht wieder⸗ i die Bürgerlichen in dem Verbande

er republikanischen Parteien haben das Ueber- einkommen gebrochen und den Sozialisten durch⸗ fallen lassen.

Ausschluß Millerands. Der Verband der sozialistischen Komitees von Paris und des Seine⸗Depar⸗ tements beschloß den Ausschluß Millerands aus der sozialdemokratischen Partei, weil er bei der jüngsten Kammerdebatte über die Abrüstung für die Regierung und gegen den Antrag Hubbard auf Herabsetzung der Heeresausgaben stimmte. Wir finden den Ausschluß aus diesem Grunde vollkommen gerechtfertigt. Millerand hat sich dahln geäußert, daß er trotz dieses Beschlusses seiner Ueberzeugung teeu bleiben werde, neuestens wird aber vermutet, daß er an die Spitze einer neuen Par⸗ teigruppe treten werde.

Einsichtsvoller König.

Aus Italien kommt die Nachricht, daß der König Viktor Emanuel die Herabsetz⸗ ung der Zivilliste selbst beantragen werde. Er soll darüber unlängst mit Giolitti 5 haben. Schon jetzt habe der König

efehl gegeben, daß alle Villen und Landhäuser des königlichen Hauses, die nicht benutzt wer⸗ den, in Pacht gegeben werden sollen. Der König hat eine Zivilltste von 15 050 000 Lire. Er führt ein schlichtes Leben und hat eine bi Abneigung gegen Festlichkeiten. Reich⸗ ich 12 Millionen Mark ist ja ein anständiges Stück Geld; immerhin würde noch nicht jeder

König die Ermäßigung seines Gehaltes selbst beantragen.

Mußlaud und Japan.

Die Lage in Ostasien hat sich gegen die Vorwoche nicht viel geändert. Die Nachrichten ließen die friedliche Beilegung des Konflikts als ziemlich sicher erscheinen. Dagegen sieht eine am Mittwoch veröffentlichte Depesche, welche die japanische Gesandtschaft aus Tokio erhielt, sehr ernst aus. Die Depesche besagte, die russische Antwort sei ungünstig und könne von Japan nicht angenommen wer⸗ den. Falls Rußland nicht einlenkt, werde Ja⸗ pan genötigt sein, schleunigst zu den Waffen zu gretfen. In einer Depesche des Reuter'schen Bureaus heißt es, daß im japanischen Volke das Interesse an dem Aus⸗ gange bis zur Siedehitze gestiegen sei.

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Crimmitschau.

Pfaffen auf Seite der Unterneh- mer. Wie es mit der christlichen Nächstenliebe der Diener der Kirche bestellt ist, zeigt ein offener Brief, den der Crimmitschauer Orts⸗ pfarrer Dr. Schink in derChristlichen Welt veröffentlicht. Brutal und einsichtslos stellt der Diener Christi sich auf die Seite der Fabrikanten. Auf Seite der Arbeiter kann er wederin materteller noch in formeller Be⸗ ziehung irgend welches Recht in diesem Kampfe

nden. Für die Opferwilligkeit der deutschen rbeiter hat der hochwürdige Herr nur Hohn und Spott. Höhnisch meint er:Wie manchem Arbeiter draußen, der seine sauer verdienten Groschen zum Streikfonds beisteuert, geht es 1 175 als den hiesigen Streikenden, die ich nichts abgehen lassen. Die Presse auch die bürgerliche, die die Partei der Streikenden ergreift, bezeichnet der wackere Diener Christi alsverrottet. Die Arbeitgeber

sind in seinen Augen Engel der Gerechtigkeit, die Maßnahmen der Behörden völlig be gründet. Dafür beschimpft er die Ar⸗ beiterinnen in ihrer Frauenehre aufs gröblichste, und beschuldigt, ohne den Schatten eines Be⸗ weises zu erbringen, die Arbeiter des greulichsten Terrorismus. Auch das Verbot der Weih⸗ nachtsfeier findet der Gottesmann in Ordnung, denn die Arbeiter haben ein Anerbieten der Geistlichkeit, bei diesen Weihnachtsfeiern An⸗ sprachen zu halten, abgelehnt. Schade! Es wäre aber auch zu schön gewesen, wenn da die Pfar- rer, wie sie es jeden Sonntag in der Kirche tun, offen zum Streikbruch hätten auffordern können. Ist doch der bitterste Schmerz des Pfarrers Schink, daß in Crimmitschau jetzt alle Vergehungen gegen die 10 Gebote nied⸗ riger eingeschätzt werden als Streikbruch. Mit gutem Grunde sieht derVorwärts in diesem offenen Briefe ein dauerndes zeitgeschichtliches Dokument, zum Beweis für die völlige Ver⸗ wirrung aller sittlichen Begriffe in den Kreisen derer, die angeblich und vornehmlich zu sttt⸗ lichenFührern des Volkes berufen sind. Und mit Grausen wendet sich jeder freiheitlich und gerecht Empfindende von einer Kirche, deren Vertreter einstimmig in so ernster Zeit zu einem solchen Bekenntnis fähig sind.

Mit Recht wendet sich der Heraus geber der Christl. Welt Dr. theol. Rade in Marburg D gegen seinen Amtsbruder. Er schreibt

azu:

Wenn die Fabrikanten nicht von selbst eine Herab⸗ minderung der Arbeitsstunden bewilligen wollten oder konnten, so scheint uns die sittliche Berechtigung für die Arbeiterschaft, ihrerseits diese Forderung aufzustellen, unanfechtbar. Unter den lokalen Ver⸗ hältnissen mag man die Art, wie sie gefordert und auf ihrer Forderung bestanden haben, noch so hart em⸗ pfinden, das große zuschauende Publikum darf und wird nicht vergessen: für den Kulturfortschritt find unter allen Umständen die Arbeiter eingetreten. Daß dabei ihr eigenes Interesse sie leitete, ist kein Unrecht, und wenn der Anstoß dazu etwa von außen kam, von der großen Organisation, der sie angehörten, nicht aus der Mitte der Crimmitschauer Arbeiter selbst, so liegt

auch darin kein Unrecht. Ueber das moralische Recht

der Arbeiter nach dieser Seite hin wird auch Sieg oder Niederlage am Ende nicht entscheiden. Wie denkt man sich denn, daß Fortschritte in dieser Richtung zu stande kommen sollen? Durch Kampf der Interessierten gegen die Privilegierten. So ist es unzählige Mile ge schehen in der Weltgeschichte, und so wird es immer wieder gehen. Auch eine augenblickliche Niederlage macht da vielleicht gar nicht so viel aus. Oder meint denn wirklich jemand, dieser Zehnstundentag werde den Ar beitern plötzlich einmal vom Zentralverband der In⸗ dustriellen geschenkt werden? Da ich daran nicht glaube, verdenke ich den Arbeitern ihren Versuch nicht, beklage herzlich, daß der Staat ihnen nicht in der rich⸗ tigen Weise vermittelnd zu Hülfe zekommen ist, und werde sie bedauern, wenn sie unterliegen. Das hindert mich nicht, auch der Arbeitgeber mit Teilnahme zu ge denken, sofern sie sich nicht in der Geschäftslage be fanden, den Arbeitern entgegenzukommen; aber das höhere Kulturideal können jedenfalls die Arbeiter für sich in Anspruch nehmen. Diese unter den heutigen Verhältulssen für einen Geistlichen mutigen Worte sind entsch'eden

von besserem christlichen Geiste diktsert,

als ihn der Pfarrer Schink in seinem offenen Briefe bekundet.

Mittlerweile ist der Bericht des Geheimrats!

Roscher über seiue Vermittelungsversuche be kannt geworden. Er verhandelte mit Arbeitern und Unternehmern; auch die Vorsitzenden der beiderseitigen Organisationen waren zugegen. Roscher wies darauf hin, daß bei den Streitig keiten zwischen Menschen die Schuld selten nur auf einer Seite liege. Er wies auf die große Verantwortung hin, welche sich die Unterneh mer mit der grundsätzlichen Ablehnung jedes Einigungsversuchs aufläden, betonte, daß die Heranziehung ausländischer Arbeiter mißlich sei und empfahl schließlich Arbeiterausschüsse zur Vermeidung derartiger Zwiste. Tatsache ist also, daß die Unternehmer, obwohl sie die For⸗ derungen der Arbeiter nicht als unbillig und unannehmbar bezeichnen können, doch keine Einigung wollen, sie erklären den Kampf für eine Machtfrage und wollen die unbedingte Unterwerfung der Arbeiter.

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Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Die reichste Familie der Welt. Die amerikanischen Blätter sind gegenwärtig voll von Sinzelheiten über die Famille Rockefeller, die sie für die reichste der Welt erklären. Den Anlaß bietet ihnen die Mitteilung, die John D. Rock⸗ feller junior aus New⸗York von der Geburt des ersten Kindes macht. Es ist ein Mädchen und hat den Namen Abby ⸗Aldrich erhalten. Her Petroleumkönig John D. Rockefeller, der Großvater des neugeborenen Kindes, hat er klärt, daß er den größten Teil seines unermeß⸗ lichen Vermögens seiner Enkelin vermachen werde. Während der letzten zehn Jahre hat das Vermögen der Rockefeller sich beträchtlich vermehrt; wie behauptet wird, ist es von 600,000,000 Mk. auf 4000 Millionen Mk. ge⸗ stiegen. Wenn dieses Vermögen fortfahren sollte, sich im selben Verhältnis zu vermehren, könnte die kleine Abby im Alter von 60 Jahren über 394,424,000, 000,000 Mk. verfügen. Kann man sich etwas Unsinnigeres denken, als die Anhäufung solcher Vermögensmassen in ei⸗ ner Hand, bemerkt hierzu sogar die ultramon⸗ taneKölnische Volkszeitung. Wenn doch das Blatt auch die Konsequenzen ziehen und eine Gesellschaftsordnung bekämpfen wollte, die Mit Anhäufungen kolossaler Vermögen zu⸗ äßt.

Mit der Ausführung des Kinder⸗ schutzgesetzes scheint man es nicht so streng nehmen zu wollen. Der Vorstand der Berliner Bäckerinnung hat eine Petition an das Polizeipräsidium gerichtet, in der umMil de⸗ rung der Bestimmungen, die das eben in Kraft getretene Kinderschutzgesetz in gewissen Fällen zuläßt, gebeten wird. Ein Bescheid ist bis jetzt darauf noch nicht eingegangen, auf Anfragen bei einem Polizeirevier soll aber die Antwort gekommen sein, daß manvorläusig das Austragen der Backwaren wie vorher durch Kinder besorgen lassen könne(2). Die Bäckermeister glauben, daß die Polizei ihnen die Vergünstigungen, die sich auf die ersten zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Ge⸗ setzes beziehen, gewähren werde. Was nützt es nun, Gesetze zu machen, wenn sie nicht ge halten werden?

Terrorismus von Auch ⸗Gewerk⸗ schaftlern. Fromme Katholiken bilden in Ber⸗ lin dieFreie Vereintgung der Fliesenleger. Gegenüber dem Geschret in bürgerlichen Blät⸗ dern von dem Terrorismus der Sozialdemo⸗ kraten, auch die fromme Germania zetert gern darüber, soll doch darauf hingewiesen werden, daß Mitglieder der obengenannten Vereinigung wiederholt ihre Kollegen, weil diese nicht der Organisation von Unternehmers Gnaden bei treten wollten, aus der Arbeit gebracht haben. Der Vertrauensmann der Berliner Flieseuleger, die im vorigen Jahre eine Lohnbewegung nicht siegreich durchsetzen konnten, weil ihnen die Freie Vereinsgung Knüppel zwischen die Beine warf, fordert die Bauarbeiter aller Brauchen auf, die Fliesenleger in ihrem Kampf für Anerkennung ihrer Organisation moralisch zu unterstützen.

Gewerbegerichtswahlen. Die letzte Wahl zum Gewerbegericht in Essen, bei der unsere Genossen siegten, war für ungültig erklärt worden. Die Christlichen machten alle Austrengungen, sie hatten vorher alle Beisttzer gestellt. Sie unterlagen aber. Die Liste des Gewerkschaftskartells stegte mit 7892 Stimmen gegen 7246 christliche. Dieser Erfolg der freien Gewerkschaften ist um so höher, als zu Gunsten der Christlichen fast sämtliche Pfaffen, Lehrer und Beamte eingriffen und alles nur irgend Mögliche gegen die Sozialdemokratie herhalten mußte. In Ulm siegte die Liste der vereinigten Gewerkschaften mit 542 Stim- men, während für die christlichen Arbeiter 223 und für die Hirsch⸗Dunckerianer 183 Stim⸗ men abgegeben wurden. Diese Wahl fand nach dem Proportioualsystem statt; es erhielten demnach die freien Gewerkschasten 7, die Hirsch⸗Dunckerschen 2 und die christ⸗ lichen Vereine 3 Beisitzer. Wenn in Ulm

die freien Gewerkschaften in der Minderheit