Ausgabe 
16.10.1904
 
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Nr. 42.

Mittel dentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

er auch nichts von den Gemeindeangelegenheiten. Unser Genosse versäumte aber nicht, diesem Herrn in gebühren⸗ der Weise heimzuleuchten. Antisemit Sommer suchte die Aeußerungen seines Freundes Leicht damit zu entschul⸗ digen, daß er ihn als besoffen hinstellte. Leicht wollte sich dann auch selbst entschuldigen, es sei ein Druckfehler gewesen, wahrscheinlich glaubte er, die Arbeiter wären noch so dumm und gäben einem Manne ihre Stimmen, der sie in gemeinster Weise beschimpft. Die Versammlung hat uns eine schöne Anzahl Stimmen und Freunde für weiterhin zugeführt. Die Ordnungs⸗ säule Leicht, welche auch wieder kandidierte, fiel dann auch zu allem Schmerz seiner Freunde glänzend durch. Unser tiefgefühltes Beileid! Der von den Gegnern mit Hartnäckigkeit und Anwendung ziemlich unsauberer Mittel geführte Wahlkampf ist für uns trotz aller Entzweiungs⸗ versuche auf das Beste verlaufen. Mögen die Pflicht⸗ ver essenen sich dies zum Exempel nehmen: Nur durch einheitliches und geschlossenes Zusammenarbeiten kann etwas zum Wohle der Gesamtheit erreicht werden! Die Arbeiterschaft hat nicht nötig, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Darum auf Genossen, für uusere Sache immer unermüdlich weitergearbeitet, dann wird der Erfolg niemals ausbleiben!

Sehr unbeliebt muß sich der Land⸗ tagsabgeordnete Weid ner, früher Bürgermeister in Herchenhain, bei seinen Mitbürgern gemacht haben. Bei der neulichen Bürgermeisterwahl dortselbst erhielt er nicht eine einzige Stimme. Er ließ zwar erklären, daß er auf eine Wiederwahl verzichtet habe, dies be⸗ zeichnet jedoch der neue Bürgermeister Komp in einem Schreiben an den Gieß. Anz. für falsch. Weidner hätte sich vielmehr alle Mühe gegeben, ein Lokal für eine Wahlversammlung zu erhalten, jedoch hätten ihm beide Wirte ihre Lokalitäten verweigert. Ferner habe er er⸗ folglos versucht, durch weitgehendste Versprechungen Leute auf seine Seite zu bringen. Weitere Aufschlüsse werde noch ein Beleidigungsprozeß bringen, zu dem Termin am 2. November anstehe.

Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach.

* Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Als⸗ feld⸗Lauterbach fand am Sonntag im Keutzer'schen Lokale in Lauterbach statt. Etwa 20 Delegierte, außer⸗ dem eine Anzahl Zuhörer, darunter mehrere Frauen, waren erschienen. Das Landeskomitee war durch Orbig⸗ Gießen vertreten; der Kandidat Genosse Michels war ebenfalls erschtenen. Nachdem der Kreisvertrauensmann

Eder und der Kassierer Martin Bericht erstattet

hatten, entspann sich über den Punkt der Organisation und Agitation eine sehr lebhafte Debatte. Michels tadelt ausführlich die Säumigkeit der Genossen im Kreise. Im vergangenen Jahre sind im ganzen Kreise nur 2 Versammlungen abgehalten worden. Wenn Redner sich zur Uebernahme von Referaten und Ver⸗ sammlungen anboten, erhielten sie keine Antwort. Auch die Mitteld. S.⸗Ztg. brächte so gut wie keine Mit⸗ teilungen aus dem Kreise, obgleich doch genug Wissens⸗ wertes in ihm passiert. Das müsse endlich anders werden. Redner bringt deshalb zwei Resolutionen ein. Nach der einen soll der Vertrauensmann verpflichtet werden, dafür Sorge zu tragen, daß mindestens alle zwei Monate an einem zu bestimmenden Orte im Kreise Versammlungen abgehalten und der Termin hierzu min⸗ destens zwei Wochen vorher bestimmt wird. Die andere schlägt die Ernennung eines dem Kreise verantwortlichen, ständigen und besoldeten Korrespondenten vor. Beide Resolutionen, sowie eine dritte, von Genossen Orbig an⸗ geregte, wonach der Vertrauensmann beauftragt werden soll, eine Liste der uns zur Verfügung stehenden Ver⸗ trauensleute in den einzelnen Ortschaften anzufertigen, wurden von der Konferenz angenommen. Der zum

Korrespondenten gewählte Genosse erklärte, sein Amt ohne

Geldentschädigung übernehmen zu wollen. Genosse Orbig weist in längerer Rede auf den Wert der Agitation im Kleinen hin, die Genossen sollen in die Dörfer gehen und dort werben, um so über das ganze Land eine feste und starke Organisation zustande zu bringen. Ohne Organisation keine Agitation! Gemeinsam mit dem Ge⸗ nossen Michels weist er darauf hin, daß der Kreis nun auch dem Landeskomitee gegenüber, welches sich er⸗ boten habe, dem Kreis ganz besonders unter die Arme zu greifen, seine Schuldigkeit tun müsse. Aus der längeren Diskussion, an der noch mehrere andere Genossen teil⸗ nahmen, sei noch hervorgehoben, daß Genosse Häber⸗ ling, ein Kleinbauer, der sich durch seine Agitation auf dem Lande besondere Verdienste um unsere Sache er⸗ worben hat, in einem interessanten Referat u. a. auch darauf hinwies, wie notwendig es sei, daß sich unsere

Genossen, wenn sie auf dem Lande Flugblätter verteilen.

der Würde ihrer Aufgabe und ihrer Partei entsprechend verhalten. Genosse Wiegandt besprach noch die Dumm⸗ heit vieler Arbeiter im Kreise, die vorn Hurra schrieen, während ihnen hinten das Hemd herausschaue. Dann hielt Genosse Dr. Michels das Referat zum Parteitag in Bremen, indem er besonders auf die Notwendigkeit der Jugendorganisation und der Klarheit über die Frage des Generalstreiks hinwies, die Diskusstonsredner äußerten

sich in gleichem Sinne. Gegen 7 Uhr wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Zum Kreisvertrauensmann wurde Genosse Jakob Eder, zum Kasstierer Genosse Karl Martin wiedergewählt. Bei allseitigem guten Willen wird die Kreiskonferenz zweifellos gute Früchte tragen. An intelligenten und auch rede⸗ gewandten Genossen fehlt es im Kreise nicht.

Aus dem Nreise Wetzlar.

h. Die Stadtverordnetenwahlen sind auf Dienstag den 8. November festgesetzt. Die dritte Ab⸗ teilung wählt vormittags 8 bis nachmittags 1 Uhr; die zweite von bis und die erste um 6 Uhr. In jeder Abteilung find für zwei ausscheidende Stadt⸗ verordnete Ersatzwahlen vorzunehmen und außerdem auch infolge der Eingemeindung von Niedergir es zwei neu zu wählen. Den Wahlberechtigten werden noch Wahlkarten zugestellt. Ob von seiten unserer Partei⸗ genossen Kandidaten aufgestellt werden, ist noch zweifel⸗ haft. Wir sind allerdings der Meinung, daß dies un⸗ bedingt geschehen müßte. Bisher war die zahlreiche Arbeiterschaft Wetzlars im Stadtparlament nicht ver⸗ treten, ihrer Interessen hat sich keiner der Herren Stadt⸗ väter angenommen. Von vernünftiger, nach bestimmten Grundsätzen und klarem Programm arbeitender Kommu⸗ nalpolitik war keine Rede. Für die sozialdemokratischen Gemeinde⸗Kandidaten und Gemeinde ⸗Vertreter hat der Beemer Parteitag Richtlinien gegeben, an die sie sich halten können und sollen und die die Wohlfahrt der Gesamtheit bezwecken. Geeignete Kandidaten zu finden kann unseres Erachtens nicht schwer sein. Wir sind also der Meinung, daß unsere Parteifreunde energisch in den Wahlkampf eingreifen sollten.

ts. Staatsretterei auf dem Westerwalde, Welch' nette Blüten die Furcht vor dem Umsturz zeitigt, davon können wir hier im Westerwald wieder eine Probe anführen. Von der Kreisverwaltung Westerburg wurde beabsichtigt, einen Koch⸗ und Haushaltungskursus in Emmerichenhain zu errichten. Es hielt jedoch schwer, eine für diesen Zweck geeignete Lokalität in diesem Orte aufzutreiben. Diesem Mangel war aber unser dortiger Genosse Türck in der Lage abzuhelfen, er stellte sein Lokal zur Verfügung und es stand nun diesem nützlichen Unternehmen kein weiteres Hindernis mehr im Wege. Aber da besaunen sich besorgte Gemüter darauf, daß Türck Sozialdemokrat ist und die im Hause eines solchen gekochten Speisen hätten doch leicht staatsgefährlich wirken und die Milch der fromme Denkart in gährend Drachengift verwandeln können. Schnell wandte man sich daher mit der Anfrage an den Landrat, ob unter diesen Umständen bei Türck ein solcher Kursus abgehalten werden könne und postwendend kam die Antwort, daß dies unter keiner Bedingung angehe. Mittlerweile war denn auch anderweitig eine Lokalität frei geworden und so siedelte man dorthin über in dem seligen Be wußtsein, schreckliches Unheil verhütet zu haben. Unsere holde Weiblichkeit bleibt nun vor Vergiftung glücklich bewahrt und der Staat in seiner ganzen Größe erhalten. Doppelt interessant würde die Sache aber noch, wenn Genosse Türck, der sich anderweitige vorteilhafte Verwendung seines Lokals durch erwähnte Zusage entgehen lassen mußte, Anspruch auf Schadenersatz erheben würde.

Aus dem Nreise Marburg-Nirchhain.

r. Auf die Partei versammlung, welche diesen Samstag(15. Okt.) im Lokale von Jesberg stattfindet, sei nochmals besond rs aufmerksam gemacht Es liegt eine reichhaltige und interessante Tagesordnung vor und es darf deshalb wohl ein recht zahlreicher Besuch der Parteigenossen erwartet werden.

r. Bürgerlicher Zeitungsschwindel. Zum Leidwesen der Preßkosaken und Zeilenreißer der gegne⸗ rischen und sogenanntenunparteiischen Presse ist der Bremer Parteitag kein zweites Dresden geworden, es ließ sich daher mit dem besten Willen nichts heraus⸗ schlagen. Verschiedene versuchen sich deshalb in eigen⸗ tümlicher Art über den Parteitag lustig zu machen und zwar damit, daß sie sich einzelne Parteigenossen heraus⸗ suchen und über diese die unglaublichsten Dinge erzählen. Der Pforzheimer Anzeiger z. B., der uns zufällig in die Hände fiel, beschäftigte sich in einem Berichte über die Frauenkonferenz, besonders mit dem Genossen Michels in Marburg, über den er die tollsten Märchen erzählt. Man muß staunen darüber, daß ein Mensch derartiges Zeug aus den Fingern saugen kann und ist geneigt, es als das Phantaste⸗Produkt eines Insassen der Heilanstalt bei Cappel zu halten. Das StöckerscheVolk in Siegen, dessen Redakteur, wenn wir nicht irren, der bg. Dr. Burckhardt ist, leistet sich übrigens Aehn⸗ liches. Es verzapfte folgende faustdicke Lüge:

Zu den Jüngsten gehört Dr. Michels, einer der schwerreichen Mitglieder der Partei, der.. fetzt in Marburg ein Schloß besitzt und rote Gast⸗ mähler gibt.

Vielleicht wünschte Michels, das möchte wahr sein

und wir wünschten es ihm auch,

r. Kriegsveteran beim Fechten. Die Brust mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt, zog dieser Tage in Marburg einreisender Veteran von einem Neubau zum andern und erzählte die seltsamsten Kriegs⸗ geschichten, wofür er ein paar Schnapspfennige einheimste. Schmunzelnd zog er jedesmal ab, wenn ihm das ge⸗ lungen war, denn es gibt ja noch genug Leute von denen, die nicht alle werden. Ob es einechter Kriegs⸗ kamerad war, ist übrigens noch, fraglich.

Fünfmal zum Tode verurteilt!

In Hamburg wurde diese Woche einerEngels⸗ macherin, einer gewissen Frau Wiese, der Prozeß ge⸗ macht. Sie war des mehrfachen Kindermordes ange⸗ klagt und das Schwurgericht hat als erwiesen erachtet, daß sie fünf inPflege genommene Säuglinge hin⸗ gemordet hat. Wegen Mordes in fünf Fällen wurde sie fünfmal zum Tode, außerdem wegen schwerer Kuppelet zu mehrjährigem Zuchthaus verurteilt. Hierbei muß ee 15 daß diesem Verbrechen durch die ekannten Inserate in der bürgerlichen Pre 5 schub geleistet wurde. 5 ein

1 Familien⸗Tragödie. In Wiesbaden erschoß der am Bismarckring wohnende Schneider Menze seine Frau, seine beiden Kinder und sich selbst mittels Revolver. Die Leute waren fleißig und lebten in geordneten Verhältnissen. Wie es heißt, machte aber Menze während der letzten Tage den Eindruck eines Tiefsinnigen. Vielleicht hat er die grausige Tat in Geistesgestörtheit begangen. Dagegen sprechen jedoch die Briefe, die von ihm gefunden wurden, und aus denen hervorgeht, daß Eifersucht das Motiv war.

Letzte Nachrichten. Russisch⸗japanischer Krieg.

Nach einer Depesche aus Tokio sind 200 000 Russen am Taitse von den Japanern besiegt worden und auf der Flucht begriffen.

Dartei-Uachrichten. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen.

Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags Uhr, im Lokalezum Ritter in Gießen, Rittergasse 17

Parteiversammlung.

Tag esordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht des Kreisvertrauensmannes. 2. Berichterstattung vom Partei⸗ tag. 3. Kreisorganisation. 4. Neuwahl des Kreis⸗ vertrauensmannes. 5. Verschledenes.

Zahlreiches Erscheinen erwartet der

Vertrauensmann.

J. Parteiversammlung in Fried berg. Diesen Sonntag, den 16. Oktober findet nachmittags 3 Uhr im Saale derKonkordia eine Parteiversammlung statt, in welcher der Delegierte zum Parteitag, Genosse Re pp, über die Parteitagsverhandlungen Bericht erstatten wird. 155 Parteigenossen wollen sich dazu recht zahlreich ein⸗

nden.

Versammlungs kalender.

Samstag, den 15. Oktober.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Ühr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orb ig.

Sonntag, den 16. Oktober.

Staufenberg. Volks verein. Nachmittags Uhr

Versammlung bei Wirt Vogel. Montag, den 17. Oktober. Gießen. Schneider verband. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Dienstag, den 18. Oktober. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.

Briefkasten.

B.⸗Stfubg. Die Landgemeindeordnung kann von unserer Expedition bezogen werden. Beckmann wird das Uebrige beantworten.

Auskunftserteilung in Arbeiterangelegenheiten.

Das Gießener Gewerkschaftskartell errichtet vom 1. Oktober ab eine Auskunfts- stelle für gewerbliche Arbeiterversicherungs⸗ und andere Sachen. Vorläufig ist dieselbe dem Redakteur der Mitteldeutschen Sonn tags⸗Zeitung, Kirchenplatz 11 III, über⸗ tragen, der täglich von 11 bis 1 Uhr mittags und Sonntags von ½9 bis 10 Uhr unentgelt⸗ lich Auskunft erteilt. Bei Anfragen von Aus⸗ wärts wird ersucht, das Rückporto beizufügen⸗