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Seite 4.
Mitteldentsche Sountaas⸗Zeitung.
Nr. 42.
Latein auskommen. Darum handelt es sich bet unseren Forderungen nicht; warum wir die Einheitsschule erstreben ist folgendes:
Bei den derzeitigen Schul- und Besitz⸗ verhältnissen sind alle gelehrten Berufe, alle Be⸗ amtenstellen ein Privileg der„oberen Zehntausend“. Ist der Vater Regierungs⸗ rat muß auch der Sohn, trotz vielleicht aller „Flachköpfigkeit“, studieren. Umgekehrt nützt den unteren Kreisen alle Befähigung ihrer Kinder nichts, wenn es im Geldbeutel hapert. Das wollen wir mit unserer Forderung der Einheitsschule beseitigen. Alle sollen zusammen in die Einheitsschule, die Fähigsten sollen ausgewählt werden zu den schwierigsten Studien; heute sind die Reich sten allein die Auserwählten und darum auch die unerfreuliche Erscheinung, daß manche Beamten in ihren Leistungen unter dem Mittelmaß bleiben.
Liebenswürdig ist es von dem Verfasser, daß er anerkennt, daß Leute, die heute Handwerker, Kaufleute, Arbeiter ꝛc. sind, das Zeug zum Studieren erhalten hätten; wir revanchieren uns, indem wir erklären: Manche Akademiker wären besser Handwerker oder Kaufleute geworden, da ihnen zum Studieren der„Spiritus“ fehlte. Was heute an Durchpeitschen, Nachhilfestunden, Dressuren usw. an unbegabten Kindern gesündigt wird, ist himmelschreiend. Wäre es nicht besser, wenn Herr„St.“ uns helfen würde, diese „Aermsten“ lieber den Handwerkern, Bauern oder Kaufleuten zuzuführen und aus diesen Kreisen Befähigtezu nehmen?— Lehrern und Kindern würde dadurch eine Wohltat erzeigt und die reiche Mittelmäßigkeit würde nicht überall in erster Linie am Staatsfutterkasten stehen.—
Die Anrempelung unserer Genossin Zetkin schenken wir dem Verfasser gerne; es gehört heute zu der„offtziellen Wissenschaft“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit einem Sozial⸗ demokraten eins auszuwischen, uns schmerzt es weiter nicht, und Herr St. glaubt vielleicht etwas ganz besonders wissenschaftliches und „fachmännisches“ zu sagen, wenn er die Genossin Zetlin als„die widerwärtigste Erscheinung des sozialdemokratischen Zukunftstaates“ beschimpft. Frau Zetkin wird sich darüber zu trösten wissen. Sie versteht vom Schul- und Unterrichtswesen und was damit zusammenhängt ganz bedeutend mehr als der Flachs⸗— pardon, Fachmann des„Gießener Anzeiger“.
— Militär⸗Boykott und Einquartierung. Bei den diesjährigen Manövern hat die Stadt Gießen zahlreiche Einquartierung erhalten. Früher wurde die⸗ selbe an die Bürger verteilt und zwar je nach den Vermögens⸗ und Einkommenverhältnissen. Diesmal machte man es anders, es übernahm nach Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung die Stadt auf eigene Rechnung die Verpflegung der Mannschaften und vergab sie wieder an diejenigen Bürger gegen Entgelt, die sich dazu meldeten. Auf diese Art werden zweifellos die Besitzenden verschont, und es fällt die Einquar⸗ tierungslast der Gesamtheit der Steuerzahler zur Last, die Aermsten werden dadurch in gleicher Weise wie die Reichen herangezogen. Darin liegt unbedingt eine Un⸗ gerechtigkeit. Man sollte meinen, daß gerade die besitzende Klasse bei ihrer Verehcung des Militarismus mit Vergnügen die Last und die Kosten auf sich nehmen würde. Die bedankt sich aber schönstens dafür. Auch hier zeigt sich wieder, daß der Patriotismus beim Geld— beutel aushört. Diese Art der Unterbringung der Sol⸗ daten hat übrigens in unserer Nachbarstadt Wetzlar Beifall gefunden; in der Stadtverordnetensitzung am Montag stellte der Stadtverordnete Dr. Heertz das Gießener Verfahren als nachahmenswert hin.„Die Verteilung nach Vermögen sei ja die einzig richtige und gerechte Art, aber schwer durchzuführen,“ bemerkt er. So? Weil also schwer durchzuführen, ladet man einfach den Minderbemittelten höhere Lasten auf. Das ist aller⸗ dings sehr bequem. Uns dünkt die Durchführung gar nicht so schwer. Bei der Verteilung der Einquartierung in Gießen ging es aber ebenfalls ungerecht zu. Unter vielen andern hatte sich auch der Wirt L. zur Aufnahme von Soldaten gemeldet. Die Quartiermacher fanden seine Räumlichkeiten, Betten ꝛc. in Ordnung und er erhielt 8 Mann zugesagt. Trotzdem bekam er keine von der Stadt zugewiesen. Warum nicht? Vielleicht, weil seine Wirtschaft für Militär verboten ist, weil böse Sozis dort verkehren? Danach hatte die Stadt gar nicht zu fragen; der Mann muß seine Steuern so gut und so viel wie jeder andere bezahlen, man hat gar keinen Grund und kein Recht ihn derart geschäftlich zu schädigen.
— Die neugeborene Amtsblatt⸗ redaktion. Wir haben in voriger Nr. auf
die faule Ausrede hingewiesen, mit der der „Gießener Anzeiger“ auf die Erwähnung jener Affäre antwortete, die das sozialdemokratische Wahlkomitee in der 1896er Wahlbewegung mit dem Amtsblatt hatte. Bekanntlich erklärte damals die Redaktion des Amtsblattes, daß sie erst bei dem Kreisamt anfragen müsse, ob ein Inserat der soziald. Partei aufge⸗ nommen werden dürfte. Den noch allgemein bekannten Tatsachen und durchaus wahrheits⸗ gemäßen Darstellungen des Offenbacher Abend⸗ blattes gegenüber hatte der Anzeiger die Kühn⸗ heit von einer„Anekdote“ zu reden, deren Richtigkeit die„Heutigen“ des Amtsblattes nicht nachkontrollieren könnten. Schließlich hieß es in der Notiz:„Bekanntlich sind sett 1898 Druckerei und Verlag des„Gieß. Anz.“ in anderen Händen und die Redaktion auf gänz⸗ lich neuer Basis auf⸗ und ausgebaut.“
„Das ist die dümmste Ausrede, die das Blatt machen konnte“, antwortete darauf sehr richtig unser Offenbacher Parteiblatt.„Es handelt sich nicht um etne Anekdote, sondern um eine Tatsache, die die Redaktion des Gieß. Anz. sehr wohl noch nachprüfen kann. Der Redakteur, der jenes Geständnis machte und mit dem Manuskript im Regterungsgebäude war, lebt noch und zwar in Gießen; der Regierungsrat Dr. Wallau lebt auch noch und zwar nicht weit von Gießen entfernt; der So⸗ zialdemokrat, der mit Dr. Wallau konferierte, erfreut sich gleichfalls bester Gesundheit und zwar in Offenbach. Aber weiter: die„neuen Männer“ im G. A. mögen doch den Jahrgang 1896 ihres Musterblattes nachprüfen, ob sie auch nur ein Wort finden, das man der Dar⸗ stellung in der M. S.⸗Z. entgegen zu setzen gewagt hätte.“— Wir erinnerten weiter das Amtsblatt an den„Fall Biermer“, der sich unter dem Regiment der„Heutigen“ abspielte. Professor Biermer äußerte sich danach über die Qualität des Anzeigers folgendermaßen:
„Zu meiner großen Ueberraschung ließ mir der Verleger des Gießener Anzeigers nach zwei Tagen durch seinen politischen Redakteur mitteilen, daß er die Artikel in seinem Blatte doch nicht aufnehmen könne; denn die Artikel kritisierten die hessische Fin anzwirtschaft der letzten Jahre, und eine solche Kritit könne dem Blatte, das amtliches Organ des Großherzoglichen Kreisamtes sei, schaden. Ich bemerke hierzu, daß natürlich meine Artikel nicht anonym erscheinen sollten, sondern mit meinem vollen Namen unterzeichnet waren und wie alle Zeitungsartikel, die ich bisher geschrieben habe, unter gruudsätzlichem Verzicht auf jedes Honorar. Obgleich also der Gießener Anzeiger gar nicht die Verantwortung zu tragen gehabt hätte, machte er mir aus einer geradezu kindlich en Angst vor der Staatsregierung unüberwindliche Schwie⸗ rigkeiten, mich in sachlicher Weise über die Finanz⸗ zustände des Großherzogtums in seinen Spalten zu äußern.
Diese Vorgänge sind ungemein charakteristisch, denn sie beweisen, auf welchem Niveau der Geschäftsjour⸗ nalismus Gießens steht. Wir haben es in Gießen mit unseren Preßverhältnissen also wirklich so weit ge⸗ bracht, daß man Originalartikel von allgemeinem In⸗ teresse, die nach der einen oder nach der anderen Richt- ung hin vielleicht unbequem werden könnten, nicht unterbringen kann.“
Das mögen sich die auf- und ausgebauten Kreisblattredakteure vor Augen halten.
— Im Wahl verein erstattete am Sams⸗ tag Genosse Beckmann Bericht über den Parteitag in Bremen. Redner gab in klaren Darlegungen ein Bild der Parteitags verhand— lungen, besprach ausführlich die einzelnen Gegen⸗ stände, die in Bremen ihre Erledigung fanden und begründete seine Stellungnahme dazu. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Genossen Siller, Widera, Krumm und Vetters beteiligten. Folgende Resolution fand einstimmig Annahme:
Die Versammlung erklärt sich mit der Tätigkeit des Genossen Beckmann anf dem Parteitage einverstanden, — Ebenso ist sie einverstanden mit den Beschlüssen des Parteitaas und begrüßt es besonders, daß die Ausein⸗ andersetzungen in Bremen in so ruhiger, sachlicher Weise stattfanden. Die Versammlung ist überzeugt, daß die Beschlüsse des Parteitags der Partei förderlich sein werden.
— Der Gesang verein„Eintracht“ hält nächsten Samstag, den 22. Oktober, sein Stiftungsfest im Saale des Café Leib ab.
Hoffentlich werden es sich alle Parteifreunde und Gewerkschaftsmitglieder angelegen sein lassen, den Arbeitergesangverein durch zahlreichen Besuch seines Festes zu unterstützen. Im Uebrigen verweisen wir auf das Inserat.
— Eine öffentliche Holzarbeiter⸗ Versammlung findet diesen Sonntag nach⸗ mittag ½4 Uhr im„Wiener Hof“, Johannis⸗ straße 3, statt.
Im Stadttheater wird am Sonntag Suder⸗ manns„Ehre“ gegeben. Wir empfehlen unseren Lesern den Besuch der Vorstellung.
Aus dem Rreise gießen.
ch. Wiesecker Wasserleitungs-Angelegen⸗ heit. Zu dem Bericht in voriger Nummer über die Versammlung vom 1. Oktober, in der besonders über den Wassergeldtarif verhandelt und dabet, wie die Tabelle übersichtlich zeigt, festgestellt wurde, daß danach das Wasser den Minderbemittelten bedeutend teurer zu stehen kommt als den Wohlhabenderen und größeren Wasserkonsumenten, ist noch folgendes nachzutragen:
An die Darlegungen Dech's schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich vom Gemeinderat nur das Mit⸗ glied Seibert beteiligte, übrigens der einzige, der vom Ortsvorstand erschienen war. Jedenfalls halten es die anderen nicht für nötig, ihren Wählern Aufklärung zu geben. Der Unternehmer Becker, sowie der Ingenieur, die beide durch eingeschriebenen Brief eingeladen waren, glänzten ebenfalls durch Abwesenheit. Gemeinderat Seibert bezeichnete die geübten Kritiken als Vorurteile. Dech bemerkte hierauf, daß die aufgestellten Zahlen durchaus den Tatsachen entsprechen. Wenn aber die Bürger verschiedent'ich im Unklaren sind, so sei das ein Beweis dafür, wie berechtigt unsere seit Jahren schon erhobene Forderung sei, die Gemeinderatssitzungen öffent⸗ lich abzuhalten, auch sei zu wünschen, daß die Gemeinde⸗ ratsmitglieder wenigstens alljährlich über ihre Tätigkeit Bericht erstatten. Seibert erwiderte, daß er dem zu⸗ stimme und der Gemeinderat sei ebenfalls für die Oeffent⸗ lichkeit. Doch dann würden die Sitzungen am Tage abgehalten und die Vertreter, welche gezwungen sind, ihrer Beschäftigung nachzugehen und ohnedies schon viel Zeit opfern müssen, wären genörigt, den Sitzungen fern zu bleiben. Dech meinte darauf, daß Bürgermeister und Gemeinderat die Sitzungen festsetzen und dabei doch wohl die Wünsche der Einwohnerschaft berücksichtigen könnten. Folgende Resolution fand hierauf einstimmige Annahme:
„Die heutige von etwa 250 bis 300 Bürgern be⸗ suchte Versammlung sieht in den Beschlüssen des Ge⸗ meinderats betr. Erhebung des Wassergeldes— An⸗ schluß 6 Mk., Großvieh 1 Mk., Kleinvieh 50 Pfg.— eine ungleichmäßige Einteilung, und ersucht den Orts vorstand Einführung von Wasseruhren zu beschließen.“
Der Vorstand des Wahlvereins wird beauftragt, diese Resolution an den Ortsvorstand einzureichen. Eine weitere von Dech vorgeschlagene und einstimmig an⸗ genommene Reslution hat folgenden Wortlaut:„Aus den Verhandlungen den heutigen Bürgerversammlung geht hervor, daß viele Unklarheiten in den wichtigsten Gemeinde⸗ fragen vorhanden sind. Diese ergeben sich meist daraus, daß die Bürger keine Gelegenheit haben, den Sitzungen des Gemeinderats beizuwohnen. Die heutige Bürger⸗ versammlung ersucht daher den Herrn Bürgermeister, im Interesse der gesamten Bürgerschaft zu handeln und die Sitzungen öffentlich abzuhalten. und zwar des Abends, damit einem jeden Gelegenheit geboten ist, denselben bei⸗ zuwohnen.“
r. Die Gemeinderatswahl in Watzenborn⸗ Steinberg hat am 8. Oktober uns zwar keinen vollen aber doch einen ganz erfreulichen Erfolg gebracht. Von unsern Kandidaten wurden B. Pitz mit 145 und Joh. Jak. Häuser mit 111 Stimmen gewählt. Un ser dritter Kandidat K. Häuser blieb leider mit ein paar Stimmen in der Minderheit, er erhielt 97. Wir hätten einen vollen Sieg zu verzeichnen, wenn nicht etliche „Auchgenossen“ Quertreibereien verübt und mit einem gemischten Zettel operiert hätten. Solche Leute handeln eben aus Ehrgeiz und persönlicher Streberei, nicht aus ehrlicher Ueberzeugung. Für den gemischten Zettel wurden nur 45 Stimmen zusammengebracht. Von unserer Seite wurde der Wahlkampf grundsätzlich geführt. Wir hielten zwei öffentliche Wählerversammlungen ab, in denselben sprach Genosse Häuser über Gemeinde⸗ politik in wirkungsvoller Weise. In Watzenborn traten ihm der Antisemiterich Sommer und der Krieger⸗ vereinspräsident Leicht entgegen. Ersterer suchte die Ausführungen unseres Genossen zu widerlegen, was ihm aber nicht gelang. Die Kritik, welche unser Genosse an den Beschlüssen des Gemeinderats übte, suchte er damit abzutun, daß er die Mehrheit des Gemeinderats über den Schellenkönig lobte, und die Besch üsse desselben natürlich guthieß. Dabei geriet die Ordnungssäule in solche Wut, daß er sich dazu verstieg, die Arbeiter
Faulenzer zu heißen. Dann warf er unserem Ge⸗
nossen vor, er hätte keine Aecker, infolgedessen verstande
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