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Seite 6.
Mitteldent sche Sonutaas⸗Zeituna.
Nr. 33.
Von Nah und Lern. Familie Pückler.
Das Kriegsgericht in Halle verurteilte den aus der Haft vorgeführten Major Graf Nikolaus Pückler, den Bruder des bekannten Dreschgrafen, wegen Vergehens gegen den Pa⸗ ragraphen 175 des Strafgesetzbuches und Miß⸗ brauch der Dienstgewalt zu sechs Monaten Gefängnis und Dienstentlassung. Graf Pückler bleibt in Haft. Die Verhandlung, die unter strengem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, dauerte 15 Stunden.
Schweinereien in der Berliner Fleisch⸗ beschau.
In der Nacht auf Montag hat die Berliner Kriminal⸗Polizei eine Massen-Razzia bei den Großschlächtern einzelner Vororte, insbesondere in Reinickendorf und Weißensee, abgehalten und, wie die Morgenpost erfährt, ganz ungeheuere Entdeckungen gemacht. Mit einem großen Auf⸗ gebot der Kriminalbeamten wurden nach Mitter⸗ nacht die Schlachthäuser sämtlicher Großschlächter in Reinickendorf besetzt und unter Zuziehung von Tierärzten eine eingehende Rebision vor⸗ genommen. Die Maßregel soll dadurch veran⸗ laßt worden sein, daß der begründete Verdacht vorlag, es sei ungestempeltes Fleisch vertrieben worden. Schon vor längerer Zeit war der Kriminalpolizei mitgeteilt worden, daß mit dem aus den nördlichen Vororten in Berlin ein⸗ treffenden Fleisch Durchstechereien getrieben würden. Es wurde sogar behauptet, daß auch krankes, im Absterben befindliches Vieh von Vorortschlächtern gekauft und geschlachtet wurde. Das Fleisch ist angeblich dann der Kontrolle entzogen worden. Im Laufe der eingeleiteten Untersuchung wurde der vereidigte Stempler Schalnart verhaftet und es wurde dabei ein fascher Stempel bei ihm gefunden, wie solche noch mehr in anderen Vororten im Gebrauche waren. Der Fleischbeschauer Rehberg wollte sich vergiften, doch wurde durch sofortiges ärzt⸗ liches Eingreifen die unmittelbare Lebensgefahr für ihn beseitigt, so daß er zur Verantwortung gezogen werden kann.
Gesindeordnung und Sittlichkeit.
Der Bauhofsbesitzer Joachim Schultz in Wolgast hat zwei Mädchen im Dienst. Diese beiden Mädchen müssen, wie der„Stettiner Volksbote“ schreibt, in einem Bette zusammen⸗ schlafen. Das eine Mädchen ist 35 Jahre alt, kennt die Welt— und die Männer. Sie ist manchmal krank und hat damit ihre Bettgenossin — 15 Jahre alt— angesteckt, so daß dieselbe schon in ärztlicher Behandlung war. In diesen Tagen war die ältere krank, die jüngere durch die Erfahrung gewitzt, wollte nicht mehr bei ihr schlafen. Die„Herrschaft“ gab aber kein Bett her, verwies das Mädchen vielmehr auf den Fußboden. Das Mädchen hat darauf drei ganze Nächte in ihren Kleidern auf der Diele geschlafen. Auf ihre Beschwerde hat sie der „Herr“ Schultz noch geohrfeigt und mit dem Stock über den Arm geschlagen, worauf das Mädchen den Dienst verlassen hat. Der Herr weigert sich nun natürlich, den Lohn und einen Koffer mit Kleidungsstücken, sowie die Papiere herauszugeben. Zum Verlassen des Dienstes liegen(nach der Gesinde-Ordnung) keine gesetz⸗ lichen Gründe vor, sagte er. Das Mädchen hat Klage angestrengt, doch ist es noch fraglich, ob nicht die„Herrschaft“ sie durch die Polizei wieder zurückbringen läßt. Warum auch nicht? Wie kann auch so ein Mädchen um eine solche Bagatelle den Dienst verlassen!
Wirkung moderner Massen⸗ mordwerkzeuge.
Von einem Artilleriekampf mit mo⸗ dernen Geschützen entwirft ein Arzt im russtschen Heere(der Zögeschen Kolonne) folgende inter⸗ essante Schilderung: Es ist was Grausiges um die Wirkung dieser Geschosse. Ein platzendes Schrapnell überschüttet eine Strecke von 200 Metern mit Kugeln und bei Wafangnou haben die Japaner in 2½ Stunden am 2. Juni
auf die 3. und 4. Batterte 20 000 Schrapnells geschossen. Kein Wunder, daß die Geschütze genommen wurden! Da könnt ihr einen Be⸗ griff von dem Spektakel bekommen, den wir dort in nächster Nähe genossen haben. Die reine Hölle muß es sein, da noch zu arbeiten und ein solches Feuer zu erwidern. So haben diese Batterien denn auch nur den Moment, wo die Japaner von neuem laden mußten, dazu benutzen können, zu antworten. Die übrige Zeit hat alles an die Laufgräben gedrückt dagesessen und ernst und bleich vor sich hingestarrt. Als Feuerwerk genommen, ist der Anblick von groß⸗ artiger Wucht und Schönheit und wäre auch ein Genuß, wenn dies entsetzliche Heulen und Pfeifen nicht wäre, das einen hindert, sich ob⸗ jektiv an dem gewaltigen Schauspiel zu freuen. Man wird dabei von einem fast unerträglichen Druck beherrscht und echter, rechter Präkordial⸗ angst, wie viele sagen. In solchen Augenblicken sieht man an den Soldaten, welche Erleich⸗ terung der Glaube an eine höhere Macht ge⸗ währt, die diesen nächsten Vorgang leitet— tatsächlich verhält sich der gemeine Soldat wunderbar gleichgültig der greifbarsten Gefahr gegenüber, obgleich anderseits die Panik unter ihnen eine stärkere ist. Ein Feuerwerker hat sich während der Schlacht und nachdem er das Geschütz stundenlang unverletzt bedient hat, mit seinem eigenen Revolver erschossen. Er hat es nicht mehr ertragen können— und eine halbe Stunde darauf ist der Rückzug befohlen worden! Einige vereinzelte Fälle von Kriegspsychose sind beobachtet worden— fast alle haben mit Selbstmordversuchen ihren Anfang genommen. Unsere Soldaten aber sind von bewunderungs⸗ würdigem Humor und einer Genügsamkeit, die jeder Beschreibung spottet; zerlumpt, durchnäßt und hungrig finden sie noch Zeit und Lust, sich einer über den andern lustig zu machen und schlechte Witze zu reißen. Sie haben nur leider alle zu viel Gepäck zu schleppen— zu schwere Stiefel— und oft zu wenig im Magen. Die Japaner tragen am Schlachttage nichts bei sich außer Flinte und Patronen und haben Schnürstiefel mit Gamaschen— in den Bergen von unermeßlichem Werte. Und in die Ebene werden sie auch nie gehen— dazu sind sie in den Bergen zu sehr zu Hause. Darauf wird aber sehr gehofft.
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2 1 7 b AUnterhaltungs-Cril.
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42 Amsterdam.
Sie kommen ohne Kronen, Gesetz und Söldnerschaft: Erwählte der Nationen, Die Blüte ihrer Kraft.
Sie kommen aus Rebengauen, Aus dem Gebrause der Stadt Und über die Wogen, die blauen, Sum großen Bölkerrat.
Sie tragen kein Gewaffen, Nicht Stern noch Ordensband, Sie säen und sie schaffen
Auf weitem Sukunftsland.
Sie führen keine Titel,
Die Fürstengunst verleiht,
Der blaue Arbeitskittel,
Das ist ihr Ehrenkleid.
So kommen sie zusammen, Rings von der Erde Rund, Im Herzen heilige Flammen Und kluges Wort im Mund. Der Bölker tiefste Fragen, Sur Lösung steh'n sie hier— Und über ihrem Tagen Fliegt blutrot das Panier.
Hier wird kein Krieg beschlossen, Hein Friedensbund geleimt;
Der Arbeit Weltgenossen
Naben noch nie geträumt.
Der Menschheit gilts zu bauen.
Ein sichres Haus, indeß Noffende Völker schauen Und grüßen den Kongreß.
Clara Müller im„Wahren Jakob.“
So du mir, so ich dir. Erzählung von Friedrich Gerstäcker. (Schluß.) Salomo Schönbein konnte jetzt nicht mehr
zurück. Er nahm seinen Hut und befand sich wenige Minuten später mit Fräulein Fanny in
einem glücklicherweise geschlossenen Wagen, der
ste auf des Mädchens Angabe rasch zum Bahn⸗ hof brachte.
Unterwegs sprach Fanny kein Wort. Den Schal um sich geschlagen, lehnte ste in der einen Wagenecke und preßte ihr Tuch gegen die Augen. Auf dem Bahnhofe zahlte Salomo die Plätze, und war nur froh, daß er dort keinen Bekannten traf und in Ersheim angekommen, wurden sie an dem nämlichen Hause, vor dem sie gestern abgestiegen, von der dort ihrer harrenden Fa- milie empfangen.— Aber niemand begrüßte ihn, oder nahm nur die geringste Notiz von
ihm. Stillschweigend und mit kalter Höflichkeit
deutete die Mutter auf den Kaffeetisch, und als
sich Schönbein mehr aus Verlegenheit, als weil
er irgend ein Bedürfnis danach fühlte, eine Tasse eingeschenkt und sie getrunken hatte, mel⸗ dete der alte Ehrlich schon, daß der Geistliche 1 57 harre, und die Zermonie sogleich beginnen. önne.
Salomo Schönbein war es, als ob er zum Hochgericht geführt werden solle; aber er biß die Zähne fest aufeinander. In einer Stunde ging der Zug wieder nach Xheim zurück, dann war alles vorüber, alles überstanden, und die peinliche Viertelstunde, die ihm noch zu durch⸗ leben blieb, ging ja auch vorüber. Er bot so⸗ gar in aller Verlegenheit seiner Pseudobraut den Arm, diese wies ihn jedch kalt, wenn auch nicht unfreundlich zurück und der kleine Zug begab sich quer über die schmale Straße, in die dicht vor dem Haus stehende Kirche.
Dort fanden sie den Geistlichen wie gestern, in seinem Ornat; aber keine Blumen waren, wie gestern, gestreut, kein freundliches Lächeln der Eltern begrüßte die jungen Leute an der heiligen Stätte. Alle nötigen Vorbereitungen wurden wohl feierlich, wie sie der Ort mit sich brachte, aber still und stumm und ernst beendet und zitternden Herzens trat der Bräutigam zum Altar— er fühlte nicht einmal, daß die Hand der Braut, die sie ihm jetzt der Form wegen lassen mußte, noch stärker in der seinen bebte, als er selbst.
„Wollen Sie die Jungfrau,“ frug ihn da der Geistliche wie gestern,„Fanny Sophie Bar⸗ bara Ehrlich zu Ihrer ehelichen Gattin wählen, wollen Sie in Freud' und Leid, in Krankheit und Trübsal treu bei ihr ausharren und ihr hilfreich und liebend zur Seite stehen, in allem, was das Schicksal Ihnen auferlegen möge?“
„Ja,“ sagte Salomo mit nicht sehr lauter, aber fester und deutlicher Stmme und zu Boden. gesenktem Blick, denn er wußte, was jetzt folgen mußte.
„Und wollen Sie“— wandte sich dann der Geistliche an die totenbleiche Braut,„diesen Junggesellen, Herrn Salomo Gotthelf Schön⸗ bein, zu ihrem ehelichen Gatten wählen? ihm treu sein und gehorchen und bei ihm ausharren in Freud und Leid, in Krankheit und Trübsal und ihm hilfreich und liebend zur Seite stehen, in allem, was das Schicksal Ihnen auferlegen möge?
„Ja,“ antwortete da Fanny, mit fester und entschlossener Stimme und Salomo ließ erschreckt ihre Hand los und starrte sie mit weit aufge⸗ rissenen, stieren Augen an. Der Geistliche nahm den Ring von seinem Finger— er fühlte es nicht— er steckte ihm den andern an, ohne daß Salomo eine Ahnung davon hatte— er sprach die üblichen Formeln und den Segen,— er hörte nichts davon und nur erst als die Mutter die junge Frau in die Arme nahm und ste küßte und Meister Ehrlich Salomos Hand er⸗
griff, fuhr dieser in blinder Wut empor und
schrie:„Betrüg—!“
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