Ausgabe 
14.8.1904
 
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Nr. 33.

Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Aus dem Rreise Friedberg⸗Büdingen

Die Gemeinderatswahl iu Vilbel findet Eade dieses Monats statt. Vom 9. 18. August liegt die Liste der Stimmberechtigten auf der Bürgermeisteret zu Jedermanns Ein⸗ sicht aus. Das sozialdemokratische Wahlkomitee hat Abschriften der Liste in verschiedenen Wirt⸗ schaften, imPfau,zur Rose, bet Schraub, Mai und Weil Wtwe. aufgelegt. Sehe jeder Genosse die Listen nach!

Mie Wohnungsnot in Büdingen wird immer größer. Es fällt, wie derVolksst. geschrieben wird, jetzt auch den pünktlich zahlenden Leuten schwer, rechtzeitig eine passende Wohnung zu erhalten. In Arbeiterkreisen sollte man einmal die Frage ventilieren, ob nicht eine Baugenossenschaft auf volkstümlicher Grundlage gegründet werden kann. Was in anderen, kleineren hessischen Orten möglich ist, sollte auch hier nicht unmöglich sein.

Aus dem Rreise Wetzlar.

* Christlich⸗soziale Wahlrechts⸗ feinde. Herr Behrens-Berlin, der den Wetzlarer Kreis wiederholt als christlich-sozialer Agitator im Vereine mit Herrn Apotheker Dr. Burckhardt beackerte, befand sich kürzlich auf einer Agitationsreise am Niederrhein. In einem Vortrage, den er im Verlauf derselben in Mörs hielt, sagte er nach Berichten bürgerlicher Blätter u. a.: Einen Fehler hätten die führenden Parteien gemacht, indem sie den Arbeitern das allgemeine Wahlrecht gegeben hätten, ohne sie zu politisch mündigen Männern zu machen. Wie könne der Staat Leuten mehr Freiheit geben, die ihn zu stürzen suchen! Diese Auf⸗ richtigkeiten müssen niedriger gehängt werden. Uebrigens hat Dr. Burckhardt vorigen Winter in Marburg in gleicher Weise aus der christ⸗ lichen Schule geplaudert, indem er für ein ständisches Wahlrecht eintrat. Bei den Wahlen aber steckten die Herren ihre Wahlrechtsfeindschaft hübsch in de Tasche und hängten sich ein volks⸗ freundliches Mäntelchen um.

h. Eine Parteiversammlung für den Wahlkreis Wetzlar findet Sonntag, den 21. August nachmittags imWiener Hof in Gießen statt. Die Tagesordnungspunkte find unter Parteinachrichten bekannt gegeben und sie sind von solcher Wichtigkeit, daß wohl ein zahlreicher Besuch erwartet werden darf. Vor allem ist die Schaffung einer Parteiorganisation zu erwägen und wir wollen hoffen, daß jetzt endlich der Wetzlarer Kreis zu einer solchen kommt.

h. Bei der nächsten Stadtverord⸗ netenwahl haben für folgende Stadtver ordnete, deren Mandat mit Ende des Jahres abläuft, Ersatzwahlen stattzufinden:

Rentner Karl Ehlinger, Fabrikant O. Dietrich, Fabrikant H. Seibert, Kaufmann Aug. Staud, Apothekenbesitzer S. Hiepe und Gewerke Josef Raab.

Außerdem sind noch 6 neue Stadtverordnete für Niederairmes zu wählen, zwei aus jeder Wählerklasse. Insgesamt zählt die Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung vom 1. Januar ab 24 Mitglieder. Das Mandat Dietrichs ist übrigens jetzt schon erloschen, weil D. in Konkurs geraten ist.

aus dem Rreise Dillesthurg⸗ Herborn.

Nochmals: Christlich⸗-Sozitales. Von der Zuschrift des Genossen Trott⸗Haiger, gegen die Entstellungen in dem Scöckerblatte, war kürzlich die Stelle wegen der Unterstützung der Nationalliberalen zurückgestellt worden. Trott schreibt da: ö

Schließlich beschäftigt sich Dr. B. mit der Notiz über die natl. Versammlung in Nr. 20 derMitteld. Sonntags⸗Ztg. und glaubt damit einen Trumpf gegen uns ausspielen zu konneu, daß er uns die Unterstützung der Nationalliberalen bei der Stichwahl vorwirft. Da⸗ raus wird gar kein Hehl gemacht. Abg. Hofmann gab uns aber die Gewähr, daß er einen Wahlrechtsraub nicht mitmachen werde, während wir den ganzen Versprechungen Burckhardts nicht trauten und wir haben Recht behalten. Kaum war Dr. Burckhardt gewählt und zwar auf eine Art und Weise, auf die er nicht stolz sein kann, so ging er zu den Wahlrechtsseinden über und sprach sich in Marburg gegen das allgemeine Wahlrecht aus, ver⸗

übte gewissermaßen dadurch Treubruch. Uebrigens haben Burckhardts Leute die Nationalliberalen in vielen Fällen unterstützt und sie können uns nicht als Sünde anrechnen, was sie selber tun. Wie wars aber mit der Zent⸗ rumsunterstützung? Damals erklärte Dr. B. auf meine diesbezügliche Anfrage, er b friedige die Neugier eines Gegners nicht. Seinen Vereinshaus-Wählern teilte er durch Postkarte mit, daß er kein Bündnis mit dem Zentrum habe. In Werdorf aber mußte Dr. B. im Januar ds. Is., in die Enge getrieben, erklären, der Kompromiß bestände insofern, daß seine Parteigenossen im Elberfelder Bezirke dem Zentrum zum Siege verhalfen, wofür ihn dann das Zentrum unterstützt hat. Also? Wenn schließlich Burkhards Tintenkuli mir in politischer und gewerkschaftlicher Beziehung Unreife vor⸗ wirft, so erwidere ich ihm, daß er sich erst einmal um sich bekümmern solle und dafür sorgen, daß in seinem Betriebe wenigstens der Tarif anerkannt und die Arbeiter nicht mit Hungerlöhnen abgespeist werden.

Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain.

r. Der Konsumverein hielt am Montag im Hildemann'schen Saale seine Generalver sammlung ab, die zahlreich besucht war. Aus dem Bericht des Geschäftsführers ging hervor, daß die Genossenschaft sich auf das beste ent⸗ wickelt. Die Zahl der Mitglieder nimmt stetig zu sie hat jetzt das vierte Hundert über⸗ schritten und ebenso steigt der Umsatz in erfreulicher Weise, er betrug fast das Dreifache des Vorjahres. Bei den Revisionen, die jeden Monat vorgenommen werden, wurden Bücher und Kasse in bester Ordnung befunden. Die nach dem Statut vorzunehmenden Wahlen für den Vorstand und Aufsichtsrat ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder.

Eine grö zere Diskussion entspann sich bei der Beratung der Bäckerei-Angelegenheit. Von allen Seiten wurde betont, daß man danach streben soll, eine eigene, der Neuzeit ent⸗ sprechende Bäckerei auf eigenem Grundstücke zu errichten. Zu gleicher Zeit soll die Errichtung eines Zentrallagers in Erwägung gezogen werden. Ein dahingehender Antrag, der Vorstand möge in einer der nächsten Versammlungen mit Vorlagen und Kostenanschlägen aufwarten, wurde mit großer Mehrzahl angenommen.

r. Streikbrecher für das Baugewerbe sucht der Bauunternehmer Hausberg in Barmen. Sein Polier Brandenburger sucht die ganze Marburger Gegend ab und verspricht den Leuten den Himmel auf der Erde. Da die Baufirma Hausberg in Barmen gesperrt ist, so wollen die Bauarbeiter dem Polier bei Werbungs⸗ versuchen die richtige Antwort geben.

r. In Cappel sellte am Sonntag eine Erd⸗ arbeiterversammlung stattfinden. Der Wirt Carlé hatte sein Lokal hergegeben. Als man die Versammlung beim Ortsbürgermeister angemeldet hatte, wurden Ver⸗ suche gemacht, dem Wirt die Hölle heiß zu machen, wegen der Hergabe des Lokals. Gendarmen und Orts diener bemühten sich in dieser Richtung. Der Wirt hat dann endlich dem Drängen nachgegebe! und verweigerte noch in letzter Stunde das Lokal. So glaubt die Ob⸗ rigkeit die Gewerkschaftsbewegung aufzuhalten. Da ist sie natürlich arg auf dem Holzwege. Wir haben noch ganz andere Mittel und segen uns über eine Lokalent⸗ ziehung mit Leichtigkeit hinweg. Die Arbeiter von Cappel werden wohl die nötige Lehre daraus zugezogen haben.

r. Die Versammlung der Bauhilfs⸗ und Erdarbeiter in Ockershausen war gut besucht. Gen. Dr. Michels sprach über die Gewerkschaftsbewegung. Sein Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen und es dürfte jedenfalls auch hier die Organisation dieses Berufes bald feste Wurzel fassen. 5

In der Müllerversammlung in Cölle sprach am Sonntag Weder mann über den Streik in den Wesermühlen. Die Forderungen der Steikenden müßten als durchaus bescheidene bezeichnet werden. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der den Streikenden die volle Unterstützung der Versammelten zugesichert wu de,

Eine Polizeitat.

In Frankfurt sollte am Mittwoch Abend der österreichische Reichsratsabgeordnete Perner storfer einen Vortrag im Gewerkschaftshause halten. Vom Polizeipräsidenten wurde ihm jedoch verboten, als Redner aufzutreten, widrigenfalls er als lästiger Ausländer aus⸗ gewiesen werden würde. Pernerstorfer konnte daher nur einige begrüßende Worte an die stark besuchte Versammlung richten, während Dr. Quarck als Referent einsprang. Somit war das Vaterland gerettet.

Eingesandt aus Wieseck.

In hiesigem Orte wurde in diesem Frühjahre mit dem Baue einer Hochdruck⸗Wasserleitung begonnen, deren

Vollendung man bald entgegensieht. Die Ausführung wurde einem Unternehmer aus Gießen übertragen, dessen Art und Weise der Ausführung schon manchen Zauber gezeitigt hat. Verschiedene bis jetzt vorgekommene Un⸗ regelmäßigkeiten in der Ausführung werden hoffentlich der staatlichen Bauleitung nicht entgehen. Ein großer Mißstand ist in letzter Zeit dadurch eingetreten, daß es der einen unter großen Kosten gefaßten Quelle nicht mehr gefällt, das edle, so lange gesuchteNaß weiter zu spenden. Die Gemeinde bedarf ca. 150 cbm Wasser; die andere Quelle liefert ca. 230 cbm, also einen Ueber⸗ schuß von ca. 80 cbm. Trotzdem, daß bei Anbringung von Wassermessern der Ort für lange, lange Jahre hin⸗ reichend mit dem Wasser der einen Quelle genug hätte, soll jetzt nochmals mit Arbeiten an der halsstarrigen Quelle begonnen werden. Welche Kosten hier geopfert werden müssen, entzieht sich jeder Berechnung.

Nun, die Bürger können ja zahlen. 1.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Der Kampf im Baugewerbe des Main⸗ gebietes ist noch nicht beigelegt. Es fanden zwar Verhandlungen statt, die aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis geführt haben. Man kann aber jetzt schon sagen, daß die Unter⸗ nehmer mit ihrem Gewaltstreiche nicht erreichten, was sie wollten. Sie sind an der guten Or⸗ ganisation der Arbeiter gescheitert.

Ein langwieriger Lohnkampf, der Schreinerstreik in Offenbach, der etwa 4 Monate gedauert hot, ist nun endlich beigelegt. Man einigte sich am Montag dahin, daß zur Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse für die nächsten drei Jahre, sowie zur Erledigung aller etwa eintretender Differenzen beider Parteien eine Kommission gewählt werden soll, welche befugt sein soll zu verhandeln und zu urteilen. Jede Partei soll in der Kommission von drei Personen vertreten werden, welche gemeinschaftlich zu verhandeln haben, im Nichteinigungsfalle soll von beiden Seiten eine unparteiische Person aufgestellt werden, welche dann zu entschetden hat. Die Arbeit ist am Montag wieder auf⸗ genommen worden, doch sind noch nicht alle Ausständigen untergebracht, weshalb Zuzug von Schreinern ferngehalten werden muß.

Sozialdemokratische Partei Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag den 14. August, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse 17 in Gießen: Kreiskonferenz.

Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 2. Beratung des Organisations-Statuts. 3. Der Parteitag in Bremen. 4. Die Kommunalwahlen. 5. Kreisfest 1905.

Der Vorstand des Kreiswahlvereins.

Anträge zur Kreiskonferenz.

Staufenberg: 1. Die Landgemeinde-Ordnung abzudrucken und an die Einzelorganisationen abzugeben. 2. Das Kreisfest 1905 in Staufenberg abzuhalten.

Trohe: In 8 3 des Statuts bei der Delegation zur Kreiskonferenz zu setzen: Mitgliedschaften bis zu 25 Mitgliedern wählen 2; von 25 bis 75 Mitgliedern 3 und die größeren Vereine 4 Delegierte.

Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen.

Oeffentliche Parteiversammlung. Sonntag den 21. August, nachmittags Uhr im Lokale zum Wiener Hof, Johannes straße 3 in Gießen.

Tagesordnung:

1. Kreisorganisation, 2. Kommunalpolitik, 3. Parteitag in Bremen, 4. Verschiedenes.

Die Parteigenossen im Kreise werden ersucht, zahlreich zu erscheinen oder für entsprechende Vertretung Sorge zu tragen.

Der Vertrauensmann.

Versammlungskalender.

Samstag, den 13. August. 3 Altenbuseck. Volksverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ samn.e lung bei Wirt Becker. Delegiertenwahl. Gießen. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung

bei Orbig. T.⸗O.: Kreiskonferenz. Hess. Wahlreform.

Briefkasten.

R.⸗Mbg. An der Sammlung für die stre kenden Mühlenarbeiter beteiligen sich die organisierten Arbeiter hoffentlich auch ohne besonderen Hinweis.

D. Rommelshsn. Wird besorgt, liegt jedenfalls Irrtum vor.