Ausgabe 
14.8.1904
 
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Nr. 33.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

Aber er brachte das Wort nicht über die Lippen. Meister Ehrlich hatte seine Hand wie in einem Schraubstock gefaßt und ihn zu sich niederziehend, flüsterte er dem jungen Manne einen warnenden, aber auch zugleich drohenden Blick zuwerfend:Pst Schwiegersohn, seien Sie gescheit und fügen Sie sich geduldig in das Unabänderliche, daß Sie nicht auch noch am Ende ausgelacht werden. Was jetzt geschehen ist, ist geschehen das Wort des Geistlichen

steht unauslöschbar fest und bedenken Sie

vor allem, wo Sie sich hier befinden.

Aber Ihre Tochter rief Salomo.

Hat gehandelt, wie sie mußte, sagte der alte Mann, ihn mit sich beiseite führend.Die Schmach, die sie ihr angetan, durfte ste nicht auf sich sitzen lassen, sie wäre gebrandmarkt gewesen für ihr ganzes Leben und das hat mein braves Kind nicht ihrer selbst willen nicht um Sie verdient. Sie ist gestraft genug, daß Ste ihr Mann geworden sind.

So bin ich verraten worden.

Nein, das nicht, lächelte der Meister,aber verheiratet und da es, trotz Ihres eben nicht freundlichen Betragens, bei unserer früheren

Verabredung bleibt, so hoffe ich noch einen tüchtigen braven Mann und ordentlichen Aus⸗

schnittwarenhändler aus Ihnen zu machen.

Und Hanke& Blenkert.

Was gehen uns Hanke& Blenkert an, sagte der Schneidermeister ruhigjetzt führen Sie Ihre Frau nach Haus. Lassen Sie aber doch um Gottes willen nichts vor den beiden Mädchen merken. Die Dinger können ja den Mund nicht halten und wenn die nur eine Ahnung davon hätten, wie die Sache wirklich steht, wüßte es morgen früh ganz Kheim, und daran liegt Ihnen doch gewiß nicht viel.

Salomo Schönbein war wie vor den Kopf geschlagen. An dem Geschehenen ließ sich aber in der Tat darin hatte der Meister recht nichts mehr ändern. Die Trauung war nach allen Regeln, Formen und Gesetzen vollzogen und Salomo Schönbein lieber Leser Salomo Schönbein fügte sich alsdaun in das 1 und hat später die Heirat nicht

ereut.

Hanke& Blenkert, aus deren Geschäft er natürlich augenblicklich treten mußte, machten sechs Wochen später einen bösartigen Bankrott und Salomo Schönbein stand schon in derselben Zeit einem Geschäft vor, das sich durch des alten Ehrlichs Umsicht alljährlich vergrößerte.

Fanny hat übrigens ihrem Mann, als sie sich endlich verständigten, fest versprochen, nie wieder Ja zu sagen, wenn sie eigentlich Nein sagen sollte, und daß sie das jenes eine Mal getan, hat niemand weniger bereut als Salomo Schönbein.

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Ein Frauen ⸗Schicksal.

Kürzlich wurde in Wien eine Dienstmagd wegen Kindesmord zum Tode verurteilt. Jälle dieser Art sind nicht selten, aber dieser wird durch einige Nebenumstände über das Alltäglich⸗Traurige hinaus gehoben. In der Frkf. Ztg. wurde darüber berichtet. Christine Rizek wurde von Wiener Geschworenen zum Tode verurteilt, weil sie ihr verkrüppeltes und halb idiotisches Kind, das nicht gehen und nicht sprechen konnte, das man im Spital nicht be⸗ halten wollte, in den Donaukanal geworfen hat. Der ganze Jammer einer verzweifelten Mutter ist wohl nicht auszudenken. Die Rizek war arm, sie erhielt als Dienstmagd fünfzehn Kronen Monatslohn, sollte davon 12 Gulden Kostgeld für das Kind bezahlen, wußte den unglücklichen, drei Jahre alten Jungen nirgends zu betten und sah keine Hilfe, empfing keinen Rat. Ueberdies hatte sie für ein zweites noch jüngeres Kind, das sie ihrer Mutter zur Ver⸗ wahrung gegeben hatte, zu sorgen und hat auch erwiesenermaßen Geld nach Hause gesendet. Die Rizek sieht ein, sich furchtbar versündigt zu haben, sie will die erste Regung zu ihrer Tat von einem unbekannten Weibe empfangen haben, das ihr zusprach, das Kind den Futen zu über⸗ liefern, um es aus einem aussicheslosen Dasein, um sich von einer Last zu befreien. Wir glauben ihr aufs Wort, wir sind fest überzeugt, daß sie

mit einer Stimme, ob nun einer äußeren oder inneren, Zwiesprache hielt, ehe sie sich von ihrem Kinde trennte, obwohl der Vorsitzende die ganze Erzählung von der unbekannten Frau als rein erdichtet ansteht; dieGeschichte trägt den Stempel der Wahrheit. Von den Vätern der beiden Kindern ist der Mutter nur der des kleinen Paul bekannt, der Vater der 8 Monate alten Anna nicht, weil er ihr eine falsche Ad⸗ resse angegeben hat. Welcher listige Schurke! Eine verschmitzte Niedertracht, die wie ein Blitz⸗ licht die Rücksichtslosigkeit beleuchtet, und die Freiheit in der Wahl der Mittel, derer man sich im Kampfe der Geschlechter bedient. Der Vater des getöteten Paul, der den Stall, wo sein Sohn das Licht dieser besten aller Welten erblickte, für die Wöchnerin höchst passend fand, glich sich vor Gericht mit 440 Kronen aus und machte sich um diese Summe von seinen Vaterpflichten frei. Wir finden diese summarische Abfertigung barbarisch und ungerecht und hoffen, daß ein kommender Gesetzgeber den natürlichen Vater anhalten wird, Alimente bis zum voll⸗ endeten vierzehnten Jahre der Kinder zu zahlen, daß es ihm nicht gestattet werde, sich dieser Pflicht durch einmalige Zahlung einer Abfin⸗ dungssumme zu entziehen, daß er für das Kind gleichermaßen zu sorgen verbunden werde, wie die Mutter. Im Vergleich zum deutschen und dem neuen schweizerischen Recht, verfährt das geltende österreichische mit unehelichen Kindern und ledigen Müttern grausam und unvernünftig, und es kommen Fälle vor, deren krasse Albern⸗ keit zum Himmel schreit. Dergleichen Brutali⸗ täten verursacht das Gesetz, dieses hat auch das Schicksal der Rizek verschuldet. Wenn man aber so die Fehlerhaftigkeit alles Menschenwerkes mit Händen greifen kann, um so milder und vorsichtiger sollte man über die Opfer denken, um so zurückhaltender in seinem Urteile sein. Während der Verhandlung sind unangenehme Ausdrücke gebraucht worden, und eine gewisse Voreingenommenheit und Herzens⸗ kälte äußerte sich in betrüblicher Weise. Man warf der Angeklagten vor, sie habe einmal als Kind Obst gestohlen; wir glauben, daß jeder tüchtige Junge und jedes Mädchen einmal Obst gestohlen hat. Die Rizek war einmal auf einem Maskenball und kam auch darum einmal nach Torsperre heim. Der Vorsttzende rief ihr zu, als ste vor Schluchzen nicht sprechen konnte: Reden sie doch lauter! Auf dem Masken⸗ ball haben Sie gewiß besser reden können. Und als ste weiter heulte:Wollen Sie ruhig sein, sonst lasse ich Sie abführen! Machen Sie nicht solche Geschichten! Du lieber Gott, wenn ein Mensch, der vor dem Galgen steht, keine Geschichten machen soll, wer denn sonst? Sonderbare Forderung an eine Magd, die, ins Leben gestoßen, schuldig wurde, die aus Verzweiflung ihr Kind weglegt, die vom Gesetz zur Mörderin gemacht schluchzt, im Verhör, das ihr ganzes Dasein vor ihr auf⸗ rollt, sich nicht zu fassen weiß. Wir sind über⸗ zeugt, auch der Herr Vorsitzende würde sich nicht enthalten können,Geschichten zu machen, wenn er einen zwangsläufigen Lebensabschluß zu erwarten hätte; denn es ist ja die Mitgift aller erschaffenen Kreaturen, den Tod zu fürchten!

Allerlei.

Emil Rosenow, unser früh verstorbener Genosse, hat das unvollendete Manuskript eines Schauspiels hinterlassen, das den seltsamen TitelDer balzende Auerhahn führt. Das Stück ist von der Witwe dem Schriftsteller Alfred Halm übergeben, der die Arbeit vollenden und vielleicht noch im Berliner Theater zur Aufführung bringen wird. Das Stück Rosenows: Kater Lampe ist an vielen Jühnen mit gutem Erfolg aufgeführt worden.

Splitter.

Wer damit anfängt, daß er allen traut, wird damit enden, daß er einen Jeden für einen

Schurken hält. 0 0 Hebbel.

(Aus dem ee Jesaia.)

Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helfet dem Unter rückten, schaffet dem Waisen Recht und helfet der Witwen Sache Deine Fürsten sind abtrünnige und Diebs⸗ gesellen, sie nehmen alle gerne Geschenke und trachten nach Gaben, den Waisen schaffen sie nicht Recht und der Witwen Sache kommt nicht vor ste.. Zion muß durch Recht erlöset erden und ihre Gefangenen durch die Gerechtigkeit, daß die Uebertreter und Sünder miteinander eee

Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere sein Schwert aufheben und werden hin⸗ fort nicht mehr kriegen lernen. e Denn alle hohen Augen werden geniedriget werden und was hohe Leute sind, wird sich bücken müssen... Denn der Tag des Herrn Zebaoth wird gehen über alles Hoffär⸗ ige und Hohe und über alles Erhabene, daß es geniedrigt werde. So laßt nun ab von dem Menschen, der Odem in der Nase hat; denn ihr wisset nicht, wie hoch er geachtet ist.

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Predigt von den Gerechten, daß sie es gut haben, denn sie werden die Frucht ihrer Werke essen... Warum zertretet ihr mein Volk und zerschlaget die Person des Elenden? spricht der Herr.... Denn ihr habt den Wein⸗ berg verderbet und der Raub von den Armen ist in eurem Hause.

Humoristisches.

Uuterschied. Gefängniswärter(zu einem neu Eingetretenen: Nanu? Sie Taugenichts waren doch auch schon mal hier! Was haben Sie denn nun wieder ausgefressen? Sträfling: Ich soll ein Porte⸗ monaie gestohlen haben. Gefängniswärter (etwas freundlicher): Ach so! Sie sind bloß ein Taschendieb. Na, dann habe ich mich geirrt, ich dachte schon, Sie wären ein sozialdemokratischer Redakteur!

Plehwes Ermordung. Wohl schrecklich ist die Tat, doch denkt daran Ihr, die ihr eilt, den Täter zu verdammen; Wie viel Untaten hat vollbracht der Manu, Der, selbst getroffen, eben brach zusammen;

Daß endlich voll das Maß ward seiner Schuld, Wie manches Jahr hat dazu beigetragen!

Wenn endlich ist gerissen die Geduld

Des armen Volks, wer wills deshalb verklagen? Ein Schauer geht durchs weite Russenland: Das war der Anfang nur, wie wird es enden? O, eine Göttin, Nemesis genannt,

Steht da, die Sense haltend in den Händen.

Kladderadatsch.

Empfehlenswerte Schriften.

Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hug o. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk.

Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg.

Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volks wohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann Preis 20 Pfg.

Grundsätze und Forderungen der Sozial demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg.

Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!

Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe).

Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.