Nr.
Seite 4. g Mitteldeutsche Sonutaas⸗geitung. 8 lagte, man solle sich vor Distussionen mir den die nicht arbe ten, trosdem aber ein Wohlleben futren, Pon Uah und Fern. Pastoren hüten, denn da gibts kein Ende, die] auf der andern Seite die Masse derer die bel unab⸗
Hessisches.
— Ein neues Gemein dest euer gesetz soll für Hessen geschaffen werden. Die Re⸗ gierung hat die Grundzüge zu dem Entwurf erst einmal den beteiligten Gemeinden zur Begutachtung und Rückäußerung zugehen lassen, ehe sie der Kammer Vorlage macht. Neben der Grundsteuer und der Gewerbesteuer will stie den Gemeinden eine dritte Steuer, die Kapi⸗ talrentensteuer, zuweisen. Ihr soll die Aufgabe zufallen, das Kapitalvermögen in gleicher Weise mit einer Sondersteuer zu belegen, wie dies bezüglich des Grundbesitzes und Gewerbebetriebes bereits geschehen ist. Die Steuer soll in Zu⸗ kunft nach dem Gemeinwert des Kapitalver⸗ mögens erhoben werden und ein Abzug von Schulden oder sonstigen persönlichen Lasten nicht stattfinden. Diese Besteuerung des Kapitals selbst wird auch das zinslose Kapital treffen und damit eine Lücke der seitherigen Renten⸗ besteuerung ausfüllen.. a
— Staatliche Schlachtvieh versiche⸗ rung. Dem Landtage ist eine Vorlage zuge⸗ gangen, nach welcher für das Großherzogtum eine staatliche Schlachtviehversicherung mit Ver⸗ sicherungszwang eingerichtet werden soll. Der Versicherung unterliegt das im Großherzogtum zur Schlachtung kommende Rindvieh im Alter von mehr als drei Monaten. Von der Versicherung soll ausgeschlossen bleiben Schlacht- vieh, das dem Reiche oder einem anderen Bundes⸗ staat gehört und solches, das bereits nach seinem Zustand vor der Schlachtung als zum Genuß für Menschen ungeeignet anzusehen ist und solches, das innerhalb eines Monats vor der Schlachtung aus einem andern Staate einge⸗ führt ist. Die Versicherungsanstalt hat den Versicherten dafür zu entschädigen, daß das Fleisch des Tieres für untauglich, bedingt tauglich, oder minderwertig erklärt wird. Als Entschädigung ist der Schlachtwert zu ge⸗ währen, nach Abzug des tatsächlichen Wertes der verwendbaren Teile des geschlachteten Tieres. Außerdem werden die Kosten der Schlachtvieh⸗ und Fleischbeschau, Schlachtgebühr und Schläch⸗ terlohn mit einem dem Verhältnis der Ent⸗ schädigung zum Schlachtwert entsprechenden Betrag ersetzt. Die für die Entschädigungsbe⸗ träge, und die Kosten der Schätzungsausschüsse erforderlichen Mittel werden aufgebracht durch einen festen Beitrag für jedes der Ver⸗ sicherung unterliegenden Tiere. Die Höhe des festen Beitrags wird für jedes Rechnungsjahr auf Vorschlag der Versicherungsanstalt vom Ministerium des Innern festgesetzt.— Durch die Schlachtviehversicherunz werden namentlich auch die Verluste durch Tuberkulose ge⸗ troffen. g
— Im Landtage kam am Dienstag das Hütekinderwesen im Vogelsberg zur Be⸗ sprechung. Veranlassung dazu gab ein vor längerer Zeit in der„Frkftr. Ztg.“ veröffent⸗ lichter Artikel eines Pfarrers, in dem auf die Mißstände hingewiesen wird, welche durch das Hütekinderwesen verschuldet sind. Hirschel und Genossen wollten das nicht Wort haben, denn nach ihrer Ansicht ist auf dem Lande alles Gute, und in der Stadt alles Schlechte. Sie interpellierten deshalb. Die Berichte der Kreis⸗ schulinspektion bestätigen aber im Wesent⸗ lichen das, was in jenem Arttkel gesagt war.
Gießener Angelegenheiten.
— Sie geben keine Ruh! Die Herren Pastoren nämlich, wegen des Friedhofs⸗ streits. In der neulichen Stadtverordneten⸗ Versammlung verlas der Oberbürgemeister ein langes Schreiben des Pastor Naumann, in dem letzte er gegen den Beschluß der Stadtver⸗ ordneten prokestiert, wonach den Geistlichen aller Koufessionen gestattet wurde, Gräber ihrer Konfession zu weihen. Weiter wird noch be⸗ hauptet, daß der Oberbürgermeister kein Alt⸗ katholik sondern Katholik sei, was doch niemanden etwas angeht. Die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung legte die Epistel zu den Akten.— Man sieht, wie recht Krumm s. Zt. hatte, als er
Leute haben zu viel Zeit.
— Kampf gegen den Alkohol. Heute giebt es sehr viele Leute, die sich den Kampf gegen den übermäßigen oder gegen den Alkohol⸗ genuß überhaupt zur Aufgabe gemacht haben. Das ist ja soweit ganz erfreulich. Auch von unserem Standpunkte aus, denn auch die polt⸗ tische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung leidet in verschiedenen Gegenden sehr unter dem Alkoholismus, sie geht dort langsamer vorwärts, wo die Schnapspest unter den Arbeitern herrscht. Gäbe es ein Mittel, diese davon zu befreien, so würden wir das gewiß mit Freuden begrüßen. In der sozial demokratischen Presse und in den Versammlungen wird denn auch das Möglichste getan, die Arbeiter über das Schädliche des übermäßigen Alkoholgenusses aufzuklären; es gibt sogar viele Abstinenz⸗Vereine, die auf dem sozialdemokratischen Standpunkt stehen. Aber wir wissen ebensogut, daß der Alkoholismus in der Hauptsache eine Begleiterscheinung der heutigen wirtschaftlichen und sozialen Zustände ist und nur durch Besserung derselben einge⸗ dämmt und beseitigt werden kann. Das ist schon oft von unserer Seite ausführlich aus⸗ einandergesetzt worden, beispielsweise auch auf verschiedenen Parteitagen. Man kann den Kampf gegen den Alkohol nicht wirksamer führen, als durch Hebung der Lage der arbei⸗ tenden Klasse. Davon wollen aber vielfach bürgerliche Anti⸗Alkoholisten nichts wissen. Das trat auch in einer Versammlung zu Tage, die vorigen Freitag im„Einhorn“, einberufen vom Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke, stattfand. Hier hielt Herr Gonser aus Berlin ein Referat, in dem er die Schäden, die über⸗ mäßiger Alkoholgenuß dem einzelnen Menschen und dem ganzen Volkskörper zufügt, darlegte. Eine recht eingehende Debatte schloß sich an den Vortrag. Sehr interessant und beachtens⸗ wert waren besonders die Darlegungen des Herrn Prof. Sommer, der die Einwirkung der geistigen Getränke auf Gehirn und Nerven sachverständig schilderte. Doch gab auch er, wie andere Redner zu, daß z. B. für Bier es heute nach kein gutes und billiges Ersatzmittel gäbe; was man heute als„alkoholfreies“ Ge⸗ tränke anbiete, tauge meist nichts. Redner wendet sich noch besonders gegen den gesell⸗ schaftlichen Zwang zum Trinken, der bei allen Gelegenheiten ausgeübt werde. Mit Aufklärung des Volkes, Errichtung von angenehmen Auf⸗ enthalts⸗Lokalitäten ohne Trinkzwang hofft man das angestrebte Ziel zu erreichen. Der Referent erklärte noch den weiteren Ausbau der Sozial⸗ reform für notwendig und auch der Vorsttzende Pfarrer Schlosser, betonte die Herabsetzung der Arbeitszeit. Letzteres, die Hebung der sozialen Lage der Arbeiterklasse überhaupt, be⸗ zeichnete Genosse Vetters als Vorbedingung zur wirksamen Bekämpfung der Alkoholseuche. Durch seine weiteren Ausführungen, in denen er auf Verschiedenes im öffentlichen und poli⸗ tischen Leben hinwies, was den Alkoholgenuß begünstigt, verursachte er böses Blut bei einem Teile der Versammlung. Man will nichts davon hören, daß die wirtschaftlichen Zustände im christlichen Ordnungsstaate die Ursache des Uebels sind, das man bekämpfen will. Man will den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen!
— Der Brauerball findet diesen Sams⸗ tag nicht im Café Leib, sondern in der Turn⸗ halle statt.
Aus dem Rreise gießen.
— Wieseck. Die Versammlung am Sonntag, in der Frau Dr. Michels über„die soziale Frage“ sprach, war recht gut besucht, es mochten sich nahe an 200 Personen in dem geräumigen Saal des„Gambrinus“ eingefunden haben. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den verständlichen und klaren Ausführungen der Rednerin, die zunächst erklärte, was man unter der Bezeichnung„Soziale Frage“ überhaupt zu verstehen habe. Mancher behaupte zwar, eine solche existiere nicht. Wer sich aber im Leben nur ein klein wenig umsehe, der erkenne bald die großen Miß verhältnisse, die in bezug auf die Lebenslage in der Bevölkerung herrschen. Auf der einen Seite eine Anzahl Menschen,
obern. Dieses Mißverhältnis besteht; dies ist die „soziale Frage“. Zustand zu ändern, zu ermöglichen, daß alle Menschen an allem Guten, was die Erde bietet, teilnehmen können. Rednerin setzt dann das Verhältnis von Kapital und Arbeit N und kommt zu dem Schluß, daß nur durch die Beseitigung des Kapitalismus die Lösung
der sozialen Frage möglich sei. Hierzu sei die Organ i⸗
sation der besitzlosen Arbeiter nötig und zwar auf
politischem, gewerkschaftlichem und konsum⸗genossenschaft⸗
lichem Gebiete. An dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine sehr angeregte Diskusston, an der sich zahlreiche Redner beteiligten.— Im Verlauf derselben wurde von einem Wiesecker Gemeinderatsmit⸗ gliede in bezug auf das in der vorigen Nr. der Mitteld. S.⸗Ztg. veröffentlichte„Eingesandt“ mitgeteilt, daß über die Frage der Errichtung einer Arzt⸗Wohnung durch die Gemeinde ein Beschluß nicht gefaßt sei.— Gegen 11 Uhr schloß die sehr gut verlaufene Versammlung.
S. Bergarbeiterversammlung. Am Sonn⸗ tag den 7 ds. Mts. fand in Utphe eine Bergarbeiter⸗ versammlung statt, in welcher der Sekretär des Deutschen Bergarbeiter⸗Verbandes Portenkirchner aus Hancham in Bayern über:„Warum müssen sich die Bergarbeiter organisteren?“ referierte. In 1½ stündiger Rede schilderte der Referent die Vorteile der gewerkschaftlichen Organi⸗ sation, und erntete für seine Ausführungen großen Bei⸗ fall. Der Geist der Versammlung war ein vorzüglicher und wir können die seltene Tatsache verzeichnen, daß sich alle Anwesenden ohne Ausnahme in den Verband aufnehmen ließen. An den Arbeitern selbst liegt es nun, ihre Organisation immer mehr und mehr auszu⸗ bilden, und die noch fernstehende Kameraden derselben zuzuführen. es aber auch nötig, sich zu organisieren, denn die Ver⸗ hältnisse sind dort nichts weniger als rosig zu nennen. Bei einer 9½ stündigen Arbeitszeit verdienen die Leute etwa 3 Mk. Dieser Lohn muß für Bergleute als ein sehr niedriger bezeichnet werden und reicht nicht entfernt aus für Bestreitung einer nur halbwegs menschenwürdigen Lebenshaltung. Auch der neue Direktor führte sich nicht besonders gut ein, indem er, ohne die Grube nur ein⸗ mal gesehen zu haben, die Löhne um 2 Pfg. pro Wagen herabsetzte.
Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen.
f. h. Stammheim. Ein treuer Genosse, der Weißbinder Karl Vogel starb hier plötz⸗ lich ig dem jugendlichen Alter von 25 Jahren. Er war sich seiner Pflicht als denkender Ar⸗ beiter stets bewußt und stand mit seinen kämpf⸗ enden Brüdern immer in Reih und Glied. Wir werden sein Andenken in Ehren halten!
Aus dem Rreise Alsfeld-Caulerbach.
* Wäre höchste Zeit! Für die Er⸗ richtung eines Krankenhauses in Alsfeld nämlich, die geplant sein soll. Wie dazu be⸗ richtet wird, wollten Frauen und Jungfrauen die Sache durch Stiftung von Geschenken för⸗ dern, die später verlost werden sollten. Alle Achtung vor dem guten Willen. Aber auf die Art wird es noch lange dauern, bis Kranke dort verpflegt werden können. Es wäre viel⸗ mehr Aufgabe der Gemeinde und des Kreises schon längst gewesen, für ein Krankenhaus zu sorgen und dafür die nötigen Mittel aufzu⸗ bringen. Aber man denkt in gewissen Kreisen immer eher an Errichtung von Denkmälern und Bismarcktürmen, als an Krankenhäuser.
*Das Lauterbacher„Kreisblatt“— der Name sagt genug:— welches sich im Neben⸗ titel„Lauterbacher Anzeiger“ nennt, bringt in Nr. 15 einen anderthalb Spalten langen Be⸗ richt über die am vorigen Sonntag von Ge⸗ nossen A. Michels und Genossin Gisela Michels hier gehaltene Versammlung. Es ist erfreulich, daß das Blatt es für nötig gehalten hat, einen so großen Teil ihres„kostbaren“ Raumes der Bekämpfung der Sozialdemokratie zu widmen, bedeutet das doch, daß die Lauterbacher„Herren“ eine wahre Höllenangst haben, daß ihren, wie sie im Bericht schmeicheln,„fleißigen“ Arbeitern etwa die Augen aufgehen möchten über das wenige, was sie für ihren„Fleiß“ erhalten. Nun, nichts wäre ihnen gefährlicher, als das. Auch die im Bericht enthaltenen Verdrehungen und— gelinde ausgedrückt— Unerzogenheiten lohnt es sich nicht, einzugehen. Was macht es
Ihre Lö sung besteht darin: diesen
—
Die Bergleute der dortigen Gegend haben
dem Monde aus, wenn ihn der Hund anbellt? 5
lässiger und oft übermäßiger Arbeit kaum die not wendigsten Lebensbedürfnisse für sich und die ihren er-


