Ausgabe 
13.11.1904
 
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Nr. 46.

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Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite N.

schäbigen Zivil zu vertauschen und in Natur

zu empfinden: O, welche Lust, Soldat zu sein! Wetter kann einZivilist die Selbst⸗ entwürdigung kaum treiben. Daß die meisten Rekruten mit sehr wenig freudigen Gefühlen dem Kasernenleben entgegensehen, ist bekannt. Nur in den Amtsblättern wird noch vom Gegen⸗ teil geschwindelt. Angesichts der noch immer recht häufig vorkommenden Soldatenschindereien haben die jungen Leute auch alle Ursache dazu, denschäbigen Zivil⸗Rock dem bunten Soldaten⸗ kittel vorzuziehen.

Der wverdroschene Dreschgraf.

Graf Pückler, der Antisemitenhäuptling, ist am Freitag Abend vor dem Hotel de Rome, als er auf seinen Wagen stieg, von zwei un⸗ bekannten Personen durch Stockhiebe verletzt worden. Die Täter entkamen. Der vor Schreck fast bewußtlose Graf blutete aus mehreren Stirn⸗ wunden und rief einem Besucher entgegen: Sehen Sie mein Blut fließen, das haben Judenhände getan, man will mich er⸗ morden! Mit verbundenem Kopf ging der Graf abends in die Tonhalle, wo er vor einer Volksversammlung sprechen wollte. Die lange Rede unterblieb jedoch in Anbetracht der Um⸗ stände. Graf Pückler schilderte nur das Attentat in den blutigsten Farben und feierte sich selbst als den ersten Märtyrer der guten Sache. Es wurde ihm ein Lorbeerkranz aus Anlaß seiner glücklichenErreitung aus Todesgefahr über⸗ reicht. So lange hat nun der tolle Mensch Keile undBimse für die Juden verlangt und angedroht bis er ste selber bekommt! Uebrigens soll die Sache höchst harmlos sein, ein jüdischer Juwelenhändler hat dem Pückler eins mit dem Regenschirm übergezogen.

Pückler schildert in einem Flugblatt die Affaire, bei der er ganz kläglich abschnitt, als ein bon ihm geleitetes Bravourstück und schneidet natürlich gehörig auf.Leider trennten uns die Kellner und der Portier, sonst hätte ich den Juden voraussichtlich ganz barbarisch verhauen schreibt der Tapfere. Jetzt hat er sich eine Leibwache von drei starken Männern angeschafft, die ihn ständig begleiten und beschützen muß. Uebrigens gelangte ein Berliner Schöffen⸗ gericht, vor dem er eine Beleidigungsklage gegen einen Redakteur angestrengt hatte, zu der Ueberzeugung, daß Graf Pückler tatsächlich geistig nicht normal sei und setzte bis zur Ver⸗ nehmung eines Sachverständigen die Ver⸗ handlung aus.

Geheimer Hofrat und ditto Sünder.

In Dresden gibts gewiß viele schöne Dinge, in letzter Zeit aber auch alle paar Tage einen Skandal in denbesseren Kreisen. Wenig Tage nach Bekanntwerden der Ackermannschen Geschichte wurde berichtet, daß der Geheime Hofrat Meyer, Direktor des königlichen zbologischen und anthropologisch⸗ethnographischen Museums, von seinem Amte suspendiert worden ist. Gegen Geheimrat Meyer schwebt seit längerer Zeit eine Disziplinaruntersuchung. Die zahlreichen Unregelmäßigkeiten, deren Ge⸗ heimrat Dr. Meyer beschuldigt wird, füllen ein ganzes Aktenstück; unter anderem wirft mau ihm vor, Museumsstücke beseitigt zu haben. Ferner wird ihm zur Last gelegt, daß er ver⸗ schiedene Gegenstände für den Selbstbedarf auf Kosten des Museums hat anfertigen lassen.

Eine sozialdemokratische Demonstration

veranstalteten unsere belgische Genossen am Sonntag in Loewen zur Erinnerung an die Wahlrechtskämpfe vor zwei Jahren. Es wurde das Denkmal für die bei diesen Kämpfen erschossenen Arbeiter enthüllt. Ein großer Zug, an dem sich ca. 15 000 Personen beteiligten, bewegte sich durch die altertümlichen Straßen der Stadt. Die Fahnen trugen Trauerflor und die Kapellen spielten Trauermärsche. Kleine Mädchen trugen Kranze. Das Denkmal ist, wie der Frkftr. Ztg. geschrieben wird, eine wuchtige Arbeit des Brüsseler Bildhauers Her⸗ vays von rührend einfacher Innigkeit und trägt als Inschrift nur die Namen der gefallenen Arbeiter und das Datum des Unglückstages. Desto herber waren die Reden der Abgeordneten

van Langendonk, Vandervelde und Anseele am Denkmal, die von neuem die Schauer der katholischen Bartholomäusnacht, wie van Langendonk sie nannte, aufrührten. Die eindrucksvolle Feier verlief ohne jede Störung.

Antisemitisches Heldenstück.

Bei den heftigen Debatten, die Ende voriger Woche in der französischen Kammer ge⸗ führt wurden und die beinahe zum Sturze der Regierung geführt hätten, ereignete sich am Freitag ein aufregender Zwischenfall. Als näm⸗ lich der Kriegsminister eine Anfrage beant⸗ wortet hatte und von der Tribüne herunter⸗ steigt, nähert sich ihm der Nationalist(Antisemit) Syveton, schlägt ihm ins Gesicht und sucht dann hinter der Rechten Zuflucht. Die Mit⸗ glieder der Linken rufen: Feigling und drängen nach der Mitte des Saales. Die Rechte verlegt ihnen den Weg und es kommt zum Handgemenge. Präsident Brisson ver⸗ läßt seinen Sitz. Das Haus beschließt dann die zeitweise Ausschließung Syvetons. Durch die militärische Wache wird er gewaltsam aus dem Saale entfernt. Hierauf nimmt das Haus mit 343 gegen 236 Stimmen die von Martin, Bienvenu und Jaures beantragte Tages⸗ ordnung(die der Regierung Vertrauen aus⸗ spricht) an.

Nationalitäten⸗Hader.

Wohin es führt, wenn von gewissenlosen Demagogen die Nationalitäten fortwährend gegeneinander gehetzt werden, davon legen schwere Zusammenstöße Zeugnis ab, die sich in Innsbruck, dem sonst so ruhigen und ver⸗ spießerten Alpenstädtchen, dieser Tage ereigneten. Es kam dort zu blutigen Kämpfen zwischen Deutschen und Italtenern, an denen sich be⸗ sonders Studenten beteiligten. Militär schritt ein, 1 5 ein Maler namens Pezzey erstochen wurde.

Die italienischen Parlamentswahlen haben am Sonntag stattgefunden. Sie brachten der Regierung das Ministerium Giolittt löste die vorige Kammer auf einen bollen Erfolg, während die Republikaner nicht gut abschniten. Unsere Genossen haben zwar keine großen Erfolge erzielt, können aber, angesichts der Verhältnisse, namentlich in Berück⸗ sichtigung des Umstandes, daß die italienische Sozialdemokratie in ein gemäßigtes und radi⸗ kales Lager gespalten ist, zufrieden sein. Ge⸗ wählt wurden: 255 Ministerielle, 39 Anhänger der konstitutionellen Opposttion, 23 Radikale, 25 Sozialdemokraten und 12 Republikaner. 63 Stichwahlen sind erforderlich. In der vorigen Kammer hatten die Sozialisten 33 Abgeordnete und da ste an 28 Stichwahlen beteiligt sind, werden sie wohl über ihren früheren Bestand kommen.

Nach einer vorläufigen Wahlstatistik sind insgesamt 301000 sozialistische Stimmen ab⸗ gegeben worden, also doppelt soviel, als bei der letzten Wahl.

Präsidentenwahl in Amerika.

Am Dienstag fand die Wahl des Präst⸗ denten der Vereinigten Staaten statt. Roose⸗ velt, der seit dem Tode Mac Kinley's die Präsi⸗ dentschaft inne hatte, wurde mit großer Mehr⸗ heit wiedergewählt. Außer ihm kandidierte der Richter Parker von der demokratischen Partei und von Seiten der Sozialdemokratie Eugen Debs. Wieviel Stimmen letzterer erhalten hat, ist noch nicht bekannt, es wird nur berichtet, daß er in Chicago allein 45 000 bekam.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Vor Porth Arthur. Mehr und mehr neigt sich die von den Russen sehr hartnäckig verteidigte Festung ihrem Falle. Immer enger schließen die Japaner sie ein und nehmen ein Fort nach dem andern, wenn auch mit schweren Opfern. Alle russischen Befestigungswerke auf der Landseite sind in den Händen der Japaner. Der innere Gürtel der Werke ist durch japanische Laufgräben und Minen gefallen. Das Fort Erlungschang fiel nach mehreren vergeblichen

Angriffen. Von Erlungschan aus wurden die russischen Werke am 2. November und die fol⸗ genden Tage in jeder Richtung unter Feuer genommen. Auf der Vorderseite soll die Stadt für die Japaner offen sein.

Schrecken des Massenmords.

Eine entsetzliche Szene von dem Schlacht⸗ felde bei Liaujang wird jetzt in sibirischen Zeitungen berichtet. Bei einem plötzlichen Ueberfall, den in einem Felde von Hirse ver⸗ steckte Japaner unternahmen, wurden fast 2000 Mann eines einzigen russischen Regiments getötet und verwundet. Von 6 Kompagnien entkamen nur 2 oder 3 Mann unverletzt. Die Kompagnie des Kapitän Sch. wurde völlig aufgerieben und er selbst war der einzige Mann seiner Abteilung der, wenn auch leicht verwundet, doch lebend dem Blutbade entkam. Seine Leute waren in dichten Reihen hingemäht worden. In der Nacht darauf verschwand Sch.; sein seltsames sonderbares Wesen war schon vorher aufgefallen; nun ging ein Kamerad, ihn zu suchen. Er fand ihn auf der Wahlstatt, wo die unbegrabenen Leichen noch lagen, da weder Japaner noch Russen sich zu naͤhern wagten. Sch. saß auf einem Steine. Vor ihm lag in einer Reihe von kleinen Haufen seine ganze Kompagnie, die er zusammengeschleppt hatte, darunter auch seine beiden jungen Leutnants. Wie? schrie er den hinzutretenden anderen Offizier an,was sagen nun meine Leute zu meiner Feigheit? Ich liege ja nicht bei ihnen, ehrlich vor dem Feinde gefallen. Der andere nahm Sch. ruhig beim Arm, doch der stieß ihn rasend zurück. Ein Wahnsinnsanfall hatte ihn übermannt, er glaubte sich mitten im Kampf und schrie:Seid ihr alle da, meine Jungens? Sergeant Manin, hinter mir her. Vorwärts! Vorwärts!

Dann wieder fing er an ihre Körper zu zählen, redete sie freundlich an und trieb auf dem Leichenfelde einen unheimlichen Spuk. Nur mit Gewalt konnte man den Offtzier, der dem Tode entgangen war, um in Wahnsinn zu verfallen, fortbringen.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Bei den Gewerbegerichtswahlen in Magdeburg versuchte der den Rückschrittlern nachlaufende Arbeitermischmasch die freien Ge⸗ werkschaften aus dem Felde zu schlagen. Selbst⸗ verständlich ist das Unternehmen schmählich miß⸗ glückt. Die Liste des Gewerkschaftskartells er- hielt 8363 und der christlich-antisemitisch-hirsch⸗ dunkerisch⸗nationalliberale Kuddelmuddel 1096 Stimmen. Da Verhältniswahl gilt, erhalten die freien Gewerkschaften in der Abteilung der Arbeitnehmer 44, der Mischmasch 6 Sitze. Bei den Arbeitgeberwahlen wurden 53 sozial⸗ demokratische und 694 Mischmaschstimmen ab⸗ gegeben. Es entfallen auf die sozialdemokra⸗ tischen Arbeitgeber 4, auf den Mischmasch 46 Sitze. Die riesigen Anstrengungen der Gegner haben den freien Gewerkschaften nur einen Verlust von zwei Mandaten gebracht, und dieser Verlust wäre nicht erfolgt, wenn die sozialdemokratischen Arbeitgeber besser gewählt hätten.

Die gesicherte Existenz der deutschen Arbeiter. Vor dem Schöffengericht Aug s⸗ burg hatte sich ein alter Mann mit weißem Haar, von Beruf Maler, wegen Betteln zu verantworten.Warum arbeiten ste denn nicht, fragte der Amtsrichter, und der Mann sagte: Mich Alten nimmt kein Meister mehr, höchstens einmal zur Aushilfe; nun beschäftigte mich die Gemeinde mit Steineklopfen. Dabei habe ich die erste Woche 1,96 Mk. und die zweite Woche 2,56 Mk. im ganzen verdient, und da habe ich mir gesagt, bevor ich auf dem Steinhaufen ver⸗ hungere, gehe ich lieber zum Betteln. Die Gemeinde zahlte also dem alten Manne einen solchen Hungerlohn, daß er lieber die mit dem Betteln verbundenen Gefahren riskierte. Auf zehn Tage befreite ihn der Spruch des Richters auch von der Sorge um feine ungesicherte

Existenz.

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