Ausgabe 
13.3.1904
 
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. ich die Bestrebungen Ihrer Partei nach Verbesserung der Lage des arbeitenden Volks billige.

daß der Aufregung gewehrt, nicht, das dieselbe gemehrt

Mitteldentsche Sonntags⸗Feitung.

Seite 5.

Ich habe es oftmals unverhohlen ausgesprochen, daß

Ich sehe noch Vieles, was verbesserungsbedürftig ist. Ich habe z. B. einen Sogn, der Handlungsgehilfe in Hamburg ist, ein be iber, prächtiger, junger Mann von 22 Jahren, dem sie alle zugetan sind. Der kann mit seinen Kollegen von kapitalistischer Ausbeutung reden. Denn ihre Kraft wird über die Maßen angestrengt. Da tut Besserung, Abhilfe not.

Und nun, was ist denn hier geschehen, daß man so gehässig gegen mich vorgeht, mir anonyme Briefe voller Schmähungen schreibt ꝛc.? Wer hat denn das Kriegsbeil ausgegraben? Ich wahrlich nicht, das bin ich mir vor Gott und meinem Gewissen bewußt.

Vor einigen Jahren fingen Angehörige Ihrer Partei an mit allerlei Nörgeleien, Nadelstichen, so z. B. mit den Konfirmandeneiern, einer Sache, die damals schon abgetan war, die aber auch vorher ganz unschuldig war. Dann kam die Angelegenheit mit dem Losholz, alles vom Zaun gebrochene Streitobjekte, Dinge, über die man kein Wort zu verlieren brauchte.

Dann versuchte man es mit der roten Schleife bei Beerdigungen. Das war ein völliges Novum, ein Eingriff in die kirchliche Ordnung, die ich zu wahren berufen bin und der ich entgegentreten mußte. Das war meine Pflicht. Der Friedhof ist kein Wahllokal, sondern eine Stätte des Friedens. Die rote Farbe ist bei Ihrer Partei doch das Sinnbild eines gewissen Pro⸗ gramms, einer politischen Anschauung. Es ist aber doch keineswegs so, daß in einer großen Gemeinde, wie die unsere, diese Anschauung die Oberherrschaft hat, daß an einem Grabe die Vertreter derselben alleinstehen. Für die zahlreichen andern Leidtragenden ist darum ein solch einseitiges Hervortreten verletzend und störend; es ist also im Hinblick auf die kirchliche Sitte und Ueberliefe⸗ rung wie auf die Gefühle Anderer unstatthaft und kann nicht geduldet werden. Unsere Begräbnisfeiern waren hier stets ernst, weihevoll, erhebend. Warum trägt man jetzt ohne jede Veranlassung störend, auf⸗ regende, entzweiende Elemente hinein?

Was nun die Leichenrede, den besonderen Stein des Anstoßes betrifft, so liegt es wohl nur an der beiderseitigen Aufregung, der eines teils der Zu⸗ hörer und der meinigen, daß sie so sehr miß verstanden und angefochten wurde. Das Konzept steht zur Verfügung. Was ich hier sagte, habe ich in ähnlichen Fällen schon vielmal gesagt ohne Ansehen der Person, ohne daß man darin etwas Unrechtes gefunden hätte. Ich frage Sie selbst, verehrtester Herr Redakteur, ob nicht jeder urteilsfähige, verständige Mann es mitfühlt, wie schwer es ist, Leichenreden zu halten. Gewiß deckt die Liebe vieles zu, gewiß dürfen wir nicht urteilen und ver⸗ dammen. Das liegt mir völlig fern. Aber immer hat mir in den Ohren geklungen das schwere Wort: Leichen reden Lügenreden. Dazu werde ich mich nicht hergeben. Leichenreden dürfen wenigstens nicht gegen die Wahrheit verstoßen. Und was habe ich

denn gesagt? Das Konzept steht zur Verfügung.

Ich redete von der vorhandenen Lebensgefahr, die jedem Menschen hinnieden umgibt und den Mahnungen, die daraus fließen. Dann sagte ich beim Hinblick auf den Lebensgang des Verstorbenen, es sei bei seinen guten Anlagen, nem Fleiß ꝛc. zu beklagen, daß er nicht mehr bedachte, was zu seinem Frieden diente, er hätte für sich und mit den Seinen weit glücklicher sein können. Doch wir wollen nicht richten und urteilen, sondern ihn in die Hände der göttlichen Barmherzigkeit befehlen. Dies der Hauptinhalt der Rede. Ich bemerke, daß die Familie des Verstorbenen schwer unter seinem Ver⸗ halten gelitten hat. Es ist nicht das übermäßige Trinken allein, sondern auch das häusliche Elend und Zerrüttung, das es im Gefolge hatte. Durfte man davon ganz schweigen? Keine Parteizugehörigkeit kann den Menschen von den Pflichten gegen seine Familie entbinden.

Doch ich gebe zu, durch die Verhandlungen am Haus waren die Zuhörer sehr erregt und faßten jedes Wort anders auf, als es gemeint war. Ich selbst, ich gestehe es, war so erregt, daß ich kaum reden konnte, und daß meiner Rede schon in Ton und Vortrags weise, das Ausgleichende und Beruhigende fehlte, was ich sonst in ähnlichen Fällen mit dem Ernsten zu verbinden pflege. Auch ging aus demselben Grunde dem Gedächtnis wohl manches mildernde Wort verloren, daß das Konzept enthielt, denn keinesfalls wars eineStraspredigt, keinesfalls so kraß, wie es dargestellt wird.

Alles in Allem: Ich will mit meiner Gemeinde in Frieden leben, Jedem dienen, beraten, helfen, so gut ich es kann und weiß, wie es durch so viele Jahre war, das wird für die ganze Gemeinde selbst am er⸗ sprießlichsten sein. Ich habe dazu den redlichen Willen, darf aber wohl auch hoffen und erwarten, daß man die Grenzen beachte, die mir die Pflicht für meine Zurück⸗ haltung und Selbstverleugnung steckt. Und wenn ich nun auf Grund der obigen Ausführungen an Sie die ergebenste Bitte richte, Sie möchten in billiger Würdigung

werde, daß dem feindseligen, gehässigen Auftreten Ein⸗ zelner nicht die Wege geebnet werden und Friede in der Gemeinde einkehre, so hoffe ich keine Fehlbitte zu tun. Denn gewiß werden Sie den alten Rechtsgrundsatz nicht verleugnen:Audiatur et altera pars!

Daß wir diesen Grundsatz anerkennen, haben wir durch den fast vollständigen Abdruck der Zuschrift bewiesen. Doch müssen wir einige Worte darauf entgegnen, eingehend zu erwidern, ist vorläufig nicht möglich. Zuerst möchten wir betonen, daß wir wahrlich kein Interesse daran haben, die Aufregung in der Gemeinde zu ver⸗ mehren, wir wünschen und wollen gewiß den Frieden und zum Frieden beitragen. Wer störte ihn aber? Warum und woher die Aufregung? Der Herr Pfarrer gibt selbst einen Teil der Schuld daran zu und dieses Eingeständnis ehrt ihn. Bei ruhiger und un⸗ befangener Betrachtung des Falles würde er zu der Ueberzeugung kommen, daß er allein die Aufregung verursacht hat, weil sich die Arbeiter von ihm in ihrem Rechte beeinträchtigt glaubten. Und nicht mit Unrecht. Wenn wir gelten lassen, was er über die Bedeutung der roten Schleife sagt was brauchte er sich da⸗ rum zu kümmern, in welcher Weise irgend ein Verein sein verstorbenes Mitglied ehrt? Es geschah in würdiger Weise, die Ruhe des Fried⸗ hofs, über die der Pfarrer ja nicht zu wachen hat, wurde nicht gestört, Andersdenkende brauchten sich nicht verletzt zu fühlen, soust müßten das unse re Parteiangehörigen tagtäglich bei tausen⸗ derlei Gelegenheiten. Nehmen wir an, die an⸗ tisemitische Partei hätte sich die grüne, die Frei⸗ sinnigen die blaue Farbe erkoren, würde der Herr Pfarrer bei der Beerdigung eines Ange⸗ hörigen dieser Partei die blaue oder grüne Schleife zurückgewiesen haben? Wir sagen nein. Und eben diese Aus nahm ebehandlung ist es, was die Arbeiter verletzend empfinden. Daß der Herr Pfarrer am Grab über den Verstorbenen Unwahrheiten sagen sollte, wird kein Mensch verlangen. Wird ein Angehöriger derbesseren Stände begraben, dürfte es selten vorkommen, daß ihm der Geistliche am Grabe die Sünden vorhält. Da stcher zu erwarten ist, daß die Zuschrift noch weitere Diskussionen hervorrufen wird, enthalten wir uns jetzt weiterer Bemerkungen. Nur noch ein Wort. Wir können nicht glauben, daß von Seiten unserer GenossenSchmähbriefe an den Pfarrer geschickt wurden. Wir müßten der⸗ artiges selbstberständlich im höchsten Maße mißbilligen.

Schließlich wird Frau Dr. Michels den Vorwurf der Verständnislosigkeit, den ihr der Pfarrer macht, ertragen können.

PDohe, der Schuhfabrik Arminia, die hier im vorigen Jahre er⸗ öffnet wurde, herrschen in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse sehr schlechte Zustände. Zu⸗ nächst ist es eigentümlich, daß alstechnischer Leiter der Schuh fabrik ein früherer Former⸗ Werkmeister von der Main⸗Weserhütte fungiert. Schon daraus ergeben sich viele Mißhelligkeiten. Ferner klagen die Arbeiter darüber, daß sie öfters bei ihrer Akkordarbeit aufgehalten sind, wodurch sie nicht unbedeutende Lohneinbußen hatten. Viele Unfälle sind schon an den Maschinen vorgekommen, als Ursache werden mangelhafte Schuszvorrichtungen, sowie die Un⸗ geübtheit der Leute angegeben. Oefters war anch die Werkstelle nicht geheizt und die Ar⸗ beiter mußten bei sehr kaltem Wetter in un⸗ geheizten Räumen arbeiten. Zu dem Vorstand der Aktiengesellschaft gehört auch der frühere Bürgermeister von Lollar.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Furchtsamer Bäckermeister. Ein Bäckergeselle hatte in Wetzlar Arbeit gefunden. Kaum war dem betr. Bäckermeister die Ver⸗ bandszugehörigkeit des Gesellen bekannt gewor⸗ den, als er ihm einen Zettel folgenden Inhalts

ickte:

.Teile Ihnen hierdurch mit, daß Sie die Stelle nicht anzutreten brauchen. Agitations⸗ gesellen kann ich nicht gebrauchen. Achtungs⸗ voll St. Stoffel.

der tatsächlichen Verhältnisse dazu die Hand bieten,

* Man höre auch die andere Seite.

Sind denn die Verhältnisse in dem Be⸗ triebe des Herrn Stoffel derartige, daß er vor den Verbandsgesellen Angst hat?

h. Mehrere Metz 8 wurden kürzlich be⸗ straft, weil sie zuvielBindemittel zu der Wurst verwendet hatten. Jetzt wird ein Fall bekannt, wonach ein krankes Rind zur Ver⸗ arbeitung gekommen wäre. Derartige Gewissen⸗ losigkeit verdient die schärfste Ahndung.

Aus dem RNreise Marburg⸗Nirchhain.

R. Volkstümliche Einrichtungen. In den bürgerlichen Kreisen Marburgs fängt man allmählich an, der Errichtung einer Volksbibliothek und eines Volksbades das Wort zu reden. Das hätte man allerdings schon längst tun sollen; doch wie überall, so finden sich auch in Marburg wenige Bürgerliche, die bereit sind, Einrichtungen zum Wohle und zur Belehrung der minder bemittelten Klassen schaffen zu helfen. Weil es aber nie ohne Verherrlichung irgend eines Fürsten abgeht, will man diese Institute zum Andenken an Philippden Großmütigen errichten.(Philipp I., Landgraf v. Hessen, 1509 bis 67.) Ob der bieder⸗ Philipp sehr volksfreundlich war, dürfte einigem Zweifel unterliegen, jedenfalls half er die armen gequälten Bauern, die sich gegen die fürchterlichen Bedrückungen durch den wegelagerischen Adel wehrten, niederschlagen. Eine sogenannte Volksbibliothek besteht in Marburg ja schon seit kurzer Zeit. Dieselbe besteht zumeist nur aus freiwillig gespendeten Büchern. Daher ist sie noch ziem⸗ lich mangelhaft, wird auch nicht allzusehr in Anspruch genommen. Eine weitere gute Bibliothek besitzt der Fortbildungsverein, diese wird aber auch nur von einem Drittel der Mitglieder benutzt. Dies mag seinen Grund darin haben, das die Gewerkschaften sich genötigt sahen, Bibliotheken zu errichten. Eine solche besitzt die Gewerkschafts⸗Kommission und die Gewerkschaft der Buchdrucker. Sie sind den Arbelterverhältnissen ent⸗ sprechend eingerichtet und erfreuen sich auch eines guten Zuspruchs. Die Bibliothek der Gewerkschaften wird außerdem den Mitgliedern des soz. Wahlvereins zur Verfügung gestellt. Gewiß ist die Errichtung einer Volksbibliothek und zugleich Errichtung einer öffentlichen Lesehalle wünschenswert. Aber die Zusammensetzung unserer Stadtverwaltung läßt befürchten, daß die Er⸗ richtung solcher Institute noch in weiter Ferne liegt. Dafür ein Beispiel: der Besitzer der einzigen Badeanstalt in Marburg wandte sich an den Magistrat im Herbst vorigen Jahres mit einer schriftlichen Eingabe, ihm das Wasser für 10 Pfg. pro Kubikmeter zu lassen (bisher kostete es 20 Pfg.), um auch den minder⸗ bemittelten Einwohnern Marburgs ein Bad allwöchent⸗ lich zu ermöglichen. Bis heute wartet der Betreffende noch auf Antwort. Angesichts der bedeutenden städtischen Schuldenlast wird die Stadtverwaltung mit der Errich⸗ tung eines Volksbades es nicht so eilig haben. Deshalb sollte man die Eingabe des Badeanstaltsbesitzers berück⸗ sichtigen, damit wenigstens etwas zur Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse der Arbeiterklasse geschieht.

B.Freie Bühne. Der Arbeiter⸗Thea⸗ ter⸗Verein hält diesen Sonntag im Saale zum Schloßgarten sein diesjähriges Winter⸗ vergnügen ab. Da sich der Verein redlich Mühe gibt, die Arbeiterfestlichkeiten zu ver⸗ schönern, werden es die Genossen und Gewerk⸗ schaftsmitglieder für ihre Pflicht halten, den Verein durch recht zahlreichen Besuch zu unter⸗ stützen. Ein sehr reichhaltiges Programm läßt einen vergnügten Abend erwarten. EPE

Versammlungs kalender.

Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗

sammlungen! 5 Samstag, den 12. März.

Gießen. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9. Uhr Versammlung bei Orbig. Zahlreiches Erscheinen 1 Arb.⸗Bild.⸗Verei Ab ds

euchelheim. rb. Verein. en

8 ene bei Wirt Ferd. Kröck.

Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Balth. Wacker. Wichtige Tages⸗ ordnung!

Sonntag, den 13. März.

Steinberg. Arbetiterbildungs verein. Nach⸗ mittags 4 Uhr Versammlung. T.⸗O.: 1. Bericht über die Konferenz. 2. Das Kreisfest.

Briefkasten.

Leihgestern, Wieseck, Herborn ee. nächste Nummer.

Erwerbt die

Staatsangehörigkeit!