Ausgabe 
10.4.1904
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntaas⸗Geitung.

Nr. 15.

ausgebeutet. Demtzwiderspricht schon die einfache Tatsache, daß der Land⸗ tagsabgeordnete Ulrich von dem Inhalt des Gesprächs, das ungefähr 20 Minuten währte, nicht das Geringste auch nur andeu⸗ tungsweise bekannt gibt.

Es ist eben nichts zu dumm und zu verlogen, es muß denGutgesinnten zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie dienen. a

Dekorierter Volksvertreter. Dem ultramontanen Landtagsabg. Rechtsan⸗ walt Dr. Schmitt⸗Mainz ist der Philipps⸗ Orden J. Kl. verliehen worden. Welche beson⸗ deren Verdienste Herr Schmitt hat, wissen wir zwar nicht, indessen, er wird den Orden jeden⸗ falls verdienen. Es klingt aber fast wie Ironie, meint unser Mainzer Parteiblatt, daß man einem ultramontanen Volksvertreter ge⸗ rade diesen Orden aufgehängt hat, denn der Stifter desselben, Laudgraf Philippder Groß⸗ mütige(15041576) war ein keineswegs nobler Herr, der diePfaffen sehr im Magen hatte und die Reformation in Hessen einführte.

Gießelner Angelegenheiten.

. Stadtverordneter Eduard Ha⸗ nau, der seit etwa einem halben Jahre an einer Lungenkrankheit schwer darniederlag, ist am Ostersamstag seinem Leiden erlegen. In ihm fverliert die Stadt einen tüchtigen und ehrenwerten Bürger, der Verständnis für die Interessen des Gemeinwesens hatte und ihm in uneigennütziger Weise diente. Mit Offenheit und Ehrlichkeit vertrat er seine Ansichten in der städtischen Vertretung ohne Rücksicht darauf, welchen Erfolg er damit bei der Mehrheit hatte. Am zweiten Feiertage wurde er unter äußerst zahlreicher Beteiligung zu Grabe ge⸗ tragen. Bürgermeister Mecum legte im Namen der Stadt Gießen und der Stadtvertretung Kränze am Grabe nieder und gedachte in an⸗ erkennenden Worten der Tätigkeit des Ver⸗ storbenen. Auch die Ay beiterschaft hat Ursache, dem Verstorbenen, der auch lange Jahre im Vorstand der Ortskrankenkasse tätig war und großes, sozialpolitisches Verständnis zeigte, ein gutes Andenken zu bewahren.

Gießens Stadtvertretung hat seit der letzten Wahl bereits vier ihrer Mit⸗ glieder durch den Tod verloren und zwar die Stadtverordneten Grüneberg, Dr. Fuhr, Flett und Hanau. Für die letzteren drei müssen bei der in diesem Jahre vorzunehmen⸗ den Stadtverordnetenwahl Ersatzwahlen vorge⸗ nommen werden; das Mandat Grünebergs wäre in diesem Jahre abgelaufen. Außerdem haben folgende Stadträte in diesem Jahre aus⸗ zuscheiden: Faber, Georgi, Dr. Gutfleisch,

aubach, Heichelheim, Jughardt, Kirch, Krumm,

oos, Petri und Wallenfels. 1 Unser diesjähriges Kreisfest, welches nach Beschluß der letzten Kreiskonferenz in Steinberg stattfindet, ist auf den 19. Junt festgesetzt worden. An alle befreundeten Vereine ergeht die Mahnung, ihrersetts auf diesen Tag von festlichen Veranstaltungen Ab⸗ stand zu nehmen, damit eine große Beteiligung am Kreisfeste ermöglicht wird.

DieFreie Turnerschaft Gießen unternahm am 2. Feiertage einen Ausflug nach Heuchelheim, um dort in Gemeinschaft mit den Heuchelheimer Turngenossen eine Vorturnerstunde abzuhalten. Diese fand bei Wirt Kinn unter großer Beteiligung auch der Heuchelheimer Turngenossen statt. Nach der Vorturnerstunde wurde noch eine gemütliche Sitzung abgehalten, worauf die Gießener Turner gegen 1 Uhr mittags mit dem Be⸗ wußtsein abmarschieren konnten, der Sache der Freien Turnerschaft wieder neue Freunde gewonnen zu haben.

Der jetzige Rektor der Uni⸗ versität, Professor der Mineralogie Dr. Brauns hat zum 1. Oktober den Ruf an die Universität Kiel angenommen.

Vom Gießener Braunsteinbergwerk wird uns im Auftrage mehrerer Arbeiter geschrieben: Den Arbeitern des Gießener Braunsteinbergwerkes wurde zu Ostern ein Ukas bescheert, dessen Schlußpassus fol⸗ endermaßen lautet:Am Dienstag, den 5. April wird nicht gefeiert und finden Beurlaubungen an diesem Tage nicht statt. Wer ohne Urlaub fehlt, wird nach Artikel 45, Absatz 2 be straft. Zur Erläuterung sei folgendes bemerkt. Seit einigen Jahren wurde an keinem dritten Feiertage gearbeitet und die Leute waren auch

ganz gut damit einverstanden, hat doch ein Jeder an diesem Tage etwas Arbeit zu Hause, denn viele haben noch etwas Garten oder Ackerland, welches an diesem Tage bearbeitet wird. Auch empfindet man es als eine Wohltat, wenn man sich das ganze Jahr hindurch im Dienste des Kapitals für andere abplagen muß, wenn man dann einmal einige freie Tage genießt und nicht den Antreibereien seitens der Unterbeamten oder der Beobachtung durch das Fernglas aus der Wohnung des Direktors ausgesetzt ist. Wird nun von diesen Leuten mit dem Fernglas, deren ganze Arbeit im Genießen besteht, gesehen, daß ein Arbeiter seinen ge⸗ krümmten Rücken einmal streckt, so wird gleich mit Lohn⸗ abzug und Strafen gedroht. Wir Arbeiter fühlen uns durch oben angeführten Ukas und durch die unwürdige Behandlung unangenehm berührt und Jeder, der etwas Menschen würde in sich trägt, befindet sich in gerechter Erregung. An sonstigen Arbeitstagen wird Urlaub nach Bedarf erteilt, doch wird von jeder Urlaubsschicht 10 Pfg. Urlaubsgeld in Abzug gebracht, was man auch nicht als eine gerechte Einrichtung bezeichnen kann. In bezug

auf die Lohnverhältnisse herrschen erbärmliche Zustände.

Schwankt doch der Lohn für erwachsene im Tagebau beschäftigte Arbeiter zwischen 23 bis 29 Pfg. pro Stunde! Wir glauben nicht, daß es für diejenigen, die uns dieses Anerbieten machen, für Zigarren und Wein reichen würde. Angesichts dieser Zustände sollte es jeder Arbeiter als heilige Pflicht erkennen, Lauheit und Gleichgiltigkeit ab⸗ zuschütteln, und mit vereinten Kräften Besserung anzu⸗ streben. Wir fordern deshalb die Belegschaft des Werkes auf, sich einer Organisation anzuschließen, etwa dem Deutschen Bergarbeiter⸗Verbande, oder dem Ver band der Erd⸗ und Hilfsarbeiter. Denn nur durch festen Zu⸗ sammenschluß kann erreicht werden, was dem einzelnen unmöglich ist. Volk der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht, Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.

Zu der Lehrlingsprügelet, die wir vor Kurzem an einem Friseur am Lindenplatz zu tadeln hatten, schreibt uns Herr Balser, daß der betr. Lehr⸗ ling sich renitent gezeigt habe, weshalb er ihnan die Luft gesetzt habe. Er bestreitet in seiner Zuschrift nicht, den Jungen geschlagen zu haben. Wir haben unserer damaligen Notiz nichts hinzuzufügen.

Die Musterungen in Gießen finden 15Lonys Bierkeller an folgenden Tagen

att:

Dienstag, den 12. April, vormittags von 8 Uhr an: der Militärpflichtigen der Gemeinden Allen⸗ dorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten⸗Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Hattenrod und Mainzlar;

Mittwoch, den 138. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Daubringen und der Stadt Gießen, Jahrgang 1902;

Donnerstag, den 14. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen, Jahrgang 1903, sowie der Gemeinden Oppenrod und Reiskirchen;

Freitag, den 15. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen von Buchstaben A des jüngsten Jahrgangs(19040;

Samstag, den 16. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen von Buchstaben 82 des jüngsten Jahrgangs, der Gemeinden Groß⸗ buseck, Großen Linden und Trohe;

Montag, den 18. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Heuchelheim, Klein⸗ Linden, Lollar und Ruttershausen;

Dienstag, den 19. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Rödgen, Staufen⸗ berg, Treis a. d. Lda. und Wieseck.

Unsere jungen Freunde, welche die Muster⸗ ungen mitzumachen haben, ersuchen wir, sich von den dabei üblichen Saufereien fernzuhalten. Es ist ein geradezu widerliches Schauspiel, wenn die buntbebänderten Burschen johlend und lorkelnd durch die Straßen ziehen!

Kontrollversammlungen finden in Gießen an folgenden Tagen im Hofe der alten Ka⸗ serne statt:

Am 15. April, vorm. 8 ½ Uhr für die Kon⸗ trollpflichtigen der G meinden: Annerod, Allendorf an d. Lahn, Altenbuseck, Beuern, Großenbuseck; nachmittags 2 Uhr Großenlinden, Kleinlinden, Heuchelheim.

Am 16. April, vorm. 8 ½ Uhr für diejenigen der Gemeinden: Hausen, Langgöns, Leihgestern, Oppen⸗ rod, Rödgen, Trohe; nachmittags 2 Uhr Burkhards⸗ felden, Steinberg, Watzenborn, Wieseck.

Aus dem Rreise gießen.

Derverdienstvolle Volksvertreter Joutz will es sich mit seinen Verdiensten bei der Butz⸗ bach⸗Licher Bahn noch nicht genügen lassen. Er verlangt für Vorarbeiten für die geplante Bahnstrecke Lich⸗Grün⸗ berg 1500 Mk. von den beteiligten Gemeinden. Diese

wollen aber nichts oder nur eine kleine Entschädigung bezahlen, womit sich Herr Joutz nicht zufrieden ggeben

will. Möglicherweise gibt es also noch eine gerichtliche

Joutz⸗Affaire. Verwunderlich ist nur, daß die Butzbacher Wähler dem Geschäftelhuber nicht schon längst den Stuhl vor die Türe gesetzt haben.

Aus dem Nreise Wetzlar.

h. Gemaßregelt. Der Fuhrunternehmer Völk in Wetzlar hat zweien seiner Arbeiter, von denen der eine 5 Jahre, der andere 2 Jahre bei ihm beschäftigt waren, plötzlich ge⸗ kündigt. Warum? Weil sich die beiden dem

Transport⸗Arbeiter⸗Verbande angeschlossen hat

ten. Herr Völk scheint also von Organisation nichts wissen zu wollen. Wenigstens von einer solchen der Arbeiter nicht, deren Mitglieder er alsKetzer bezeichnete. Für die Unterneh⸗ merorganisation besitzt er offenbar mehr Ver⸗ ständnis, denn er gehört selbst dem Internatio⸗ nalen Möbeltransport⸗Verbande an. Wir woll⸗ ten mal hören, was er demjenigen sagen würde, der ihm etwa wegen Zugehörigkeit zu diesem Unternehmerverbande Vorhalt machen würde. Hat er etwa die beiden Arbeiter um ihretwillen, aus besonderer Gnade beschäftigt? Die Leute haben ihr Brot sauer genug verdienen müssen; für ihre 3 Mk. pro Tag mußten sie oft bei Um⸗ zügen 3 Uhr morgens antreten und kamen erst 11 oder 12 Uhr nachts von der Arbeit nach Hause ohne Extravergütung für die Ueber⸗ stunden! Herr Völk ist allerdings dabei ein sehr vermögender Mann geworden. Die Arbeiter müssen aber aus diesem Falle lernen. Sie müssen sich alle der Orgauisation anschließen, dann kann das Unternehmertum nicht so will⸗ kürlich mit ihnen umspringen.

h. Eingestrenger Herr war Platzmeister Rademacher in der Sophienhütte. Seine Art, Arbeiter zu behandeln, gab oft zu Klagen von Seiten der letzteren Anlaß, die auch schon in unserm Blatte Ausdruck fanden. Jetzt ist er nun plötzlich entlassen worden, aus welchem Grunde ist uns nicht bekannt. Man zahlte ihm aber, wie das bei Beamten üblich ist, ein Vier⸗ teljahrsgehalt als Entschädigung aus, ein Ent⸗ gegenkommen, dessen sich kein Arbetter zu er⸗ freuen hat. Gestrenge Herrn regieren nicht lange, sagt das Sprichwort, in diesem Falle war's aber schon viel zu lange.

*Nordstern nennt sich einKranken⸗ und Arbeitslosen⸗Versicherungs⸗Verein, der seinen Sitz in Bochum hat. Das Unternehmen sucht im Wetzl. Anz. Vertreter gegenhohe Provision. Wir raten zur Vorsicht.

* Für Gemeindepyertreter in Preußen ist es oft nicht leicht, die Interessen ihrer Wähler und Gemeindeangehörigen wahrzu⸗ nehmen, weil die Bürgermeistereien ihnen manch⸗ mal, wenn nicht aktiven so doch passiven Wider⸗ stand entgegensetzen. In Krofdorf kam es in letzter Zeit mehrfach vor, das ordnungsgemäß gestellte Anträge in der Sitzung nicht vorgelegt wurden und somit nicht zur Verhandlung gelangten. Bei der Feldbereinigung hatte man auch die e des Gießener Weges oberhalb der Seemühle ins Auge gefaßt, eine Sache, bei der die ganze Gemeinde interesstert

ist und deren Ausführung allgemein gewünscht

wird. Aber obgleich mehrere Gemeindevertreter einen diesbezüglichen Antrag gestellt hatten, erschten er nicht auf der Tagesordnung. Der sparsame Vorsteher kann sich der Kosten wegen nicht für das Projekt erwärmen. Für die Wähler und Gemeindemitglieder ist es not⸗ wendig, daß sie von der Sachlage unterrichtet werden, damit sie ihren Vertretern gegen gewisse Einflüsse den Rücken steifen, wenn es gilt, das Gemeininteresse wahrzunehmen.

Kontroll⸗Versammlungen finden statt in Wetzlar, Schützengarten, 11. April 8 Uhr 30 vormittags nur für Ersatzreserve von Wetzlar⸗

Niedergirmes. Aßlar, Bahnhof, 11. April 1 Uhr 15 nachm. für Aßlar, Berghausen, Blasbach, Klein⸗ Altenstädten, Werdorf. Wetzlar, Schützengarten,

12. April 9 Uhr von Wetzlar⸗Niedergirmes. 12. April 2 Uhr nachmittags für Landwehr von Wetzlar⸗Niedergirmes, Oberndorf, Ausgang nach

vormittags für Ersatzreserve

Wetzlar, 13. April 12 Uhr 45 nachmittags für Albs⸗

hausen, Bonbaden, Braunfels, Burgsolms, Oberndorf. Wißmar, am Bahnhof, Wirtschaft Brück 15. April 11 Uhr 30 vormittags für Ersatz⸗ reserve von Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Oden⸗

Wetzlar, Schützengarten,

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