Seite 6.
Witteldentsche Sountags-Zeitung.
ogenannten amertkanischen Theatertrusts. Der Ban galt für absolut feuersicher(1). Er be⸗ stand aus Marmor und Granit über einem Se wie das bei den„Wolkenkratzern“ ewöhnlich ist. a 5 905 eigentliche Gebäude hat denn auch dem verheerenden Element durchaus stand gehalten. Das Theater steht von außen unverändert aus und über dem Haupteingange erhebt fich noch unbeschädigt das mächtige Indianerhaupt. Aber das Innere ist ausgebrannt. Sicherheitsmaß⸗ regeln gegen Feuersgefahr waren entweder gar nicht da, oder wurden nicht in Betrieb gesetzt. So fehlt auf amerikanischen Bühnen die ig g Feuerwache, die den deutschen Theatern obli⸗ gatorisch ist. Auch dieses Feuer, das durch Kurzschluß der elektrischen Leitungen in den Kulissen entstand, hatte einen winzigen Anfang, dessen man noch leicht hätte Herr werden können. ö N Daß die Notausgänge, deren eine ganze Anzahl vorhanden waren, nicht benutzt werden konnten, weil sie mit eisernen Türen geschlossen, ja fast verrammelt waren, kann nur aus einer frivoler Leichtfertigkeit der Theaterleitung resul⸗ tieren. Auch sonst scheint die Theaterleitung und viele Angestellte und Schauspieler bei dem großen Unglück keine rühmenswerte Rolle gespielt zu haben. Anstatt Löschversuche auf der Bühne 1 machen, trugen die Schauspieler und sonstige ugestellte zu der allgemeinen Wirrnis nicht wenig dadurch bei, daß sie in den Zuschauer⸗ raum sprangen und mit den Frauen und Kindern des Publikums um den Ausgang kämpften. Allem Anscheine nach will man die Schuldigen zur Verantwortung ziehen.— Verhaftungen mehrerer Angestellten des Iroquoistheaters unter der Anschuldtgung der feahrlässigen Tö⸗ tung sind vorgenommen worden. Unter ihnen befinden sich der Bühnenleiter, der Bühnen⸗ zimmermann und mehrere Kulissenschieber. Am Neujahrstage wurde der Assistent des Bühnen⸗ leiters Plunkett und vier Chorsänger ebenfalls verhaftet. Plunkett ist des Totschlags angeklagt. Zahlreiche andere Angehörige des Theaterperso⸗ nals wurden polizeilich vernommen.
Was nützt das aber nun, wenn die hier
angeführten Angestellten bestraft werden? Die find viel weniger schuldig als die Behörden der Stadt, die es an der der nötigen Kontrolle fehlen ließen. Aber eng verbunden mit der Kapitalistenklasse und von den Gestnnungen der⸗ selben beseelt, scheeren sich die Leiter der Stadt den Teufel um das Interesse der Gesamtheit und die Sicherheit der Bevölkerung, sondern 0 25 stets nur das Kapttalisten⸗Interesse wahr. a
Gute Autwort.
Im Landtag von Meiningen gab es neulich eine scharfe Debatte zwischen Soztalisten und Freisinnigen. Die letzteren wollten und setzten es durch, daß die Gendarmen das Recht erhalten, ohne weiteres auf fliehende Arrestanten zu schießen. Die Sozialdemokraten machten na⸗ türlich heftige Opposttion. Da rief ihnen ein Freisinniger zu:„Die Sozialdemokraten leben überhaupt in Utopia!“ Prompt erfolgte an die Gefolg reute Eugens die Antwort:„Und Sie leben in Idiotia!“
Deutsche Gerechtigkeit!
Wegen Beleidigung Arbeitswilliger wurde in Breslau der Angestellte des Holzarbeiter⸗ verbandes zu 3 Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt. Er hatte gesagt: Ich kann es nicht hindern, wenn ihr Streikbrecher genannt werdet. Der Angestellte des Zimmererverbandes erhielt die gleiche Strafe. Er hatte gesagt: Wenn ihr arbeitet, werden wir im Verband über euch reden müssen!— Einundeinhalb Jahr Ge⸗ fängnis erhielt der Maurer Machate, weil er ebenfalls Arbeitswillige beleidigt haben sollte. Das waren hohe Strafen!— Ein Arbeits⸗ williger dagegen, der, um sein Verhalten zu rechtfertigen, gesagt hatte, der Bevollmächtigte des Maurerverbandes habe 500 Mk. gestohlen, wurde nur zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt!
e 4
7 Unterhaltungs-Ceil.
ie
2
Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchlor Meyr. 15.(Fortsetzung.)
Das Mädchen war durch diese Worte erust⸗ lich getroffen, und mit aufrichtiger Bewegung erwiderte sie:„Ach ja, Frau Pfarrerin, ich seh's ein, ich hab' recht gefehlt! Aber man überlegt halt nicht alles!“
„Das seh' ich,“ entgegnete die Frau. Nach kurzem Bedenken sagte sie:„Nun horch! Ich will kein Aufsehen machen und kein Gerede peranlassen. Du bleibst bis zum Ziele und suchst dir unterdessen einen andern Dienst— in einem andern Orte.“
Die Bäbe sah wehmütig ergeben vor sich hin.„Ich seh's ein, daß Bitten mir jetzt nicht mehr helfen würden. Es soll geschehen.“
„Bis dahin,“ fuhr die Pfarrerin fort, „kommt so etwas in meinem Hause nicht mehr vor.“ 0
„O Frau Pfarrerin,“ rief das Mädchen, „ich versprech' Ihnen—“
„Ich will schon auch selber sorgen,“ ver⸗ setzte die Frau.„Der Hausschlüssel bleibt künftig in meiner Verwahrung.“
„Ein leichtes schmerzliches Lächeln flog über die Züge der Magd, die aber alsbald ruhige Fassung zeigten.
Die Pfarrerin fuhr nach einer kleinen Pause fort:„Es ist mir unlieb, daß ein Mädchen, das durch mich ins Dorf gekommen ist, einen jungen Burschen verlockt und Unfrieden in eine Haushaltung gebracht hat. Der alte Schneider will seinen Sohn mit der Tochter des Bach⸗ Webers verheiraten— ich weiß es von guter Hand. Und nun kommst du und machst den Sohn ungehorsam gegen den Vater und stiftest Händel ar zwtschen ihnen! Du würdest wohl daran tun, diesen Liebeshandel ganz und gar aufzugeben. Der Eber ist nicht der Mann, dem Tobias seinen Willen zu lassen, und der,
obwohl er gestern gezeigt hat, daß er auch
frech sein kann, wird nicht imstande sein, etwas gegen ihn durchzusetzen. Du solltest das einsehen und den jungen Menschen überhaupt gehen lassen, nicht nur so lange du noch bei mir bist, wo sich's von selber versteht!“
„Frau Pfarrerin,“ erwiderte die Bäbe mit bescheidenem Ernste,„nehmen Sie mir nicht übel— aber das kann ich Ihnen nicht ver⸗ sprechen. Ich will alles tun, was Sie ver⸗ langen. Ich will dem Tobias nicht nachgehen, und in das Pfarrhaus und in den Pfarrhof soll er um meinetwillen nicht mehr kommen. Aber wenn er mich zum Weibe haben will, dann kann ich nicht zu ihm sagen: Geh' und heirate die Weberstochter, weil's dein Vater verlangt! Der Vater meint, weil die andere mehr Geld hat, drum wär' sie besser. Aber ich kann etwas, das auch Geld wert ist, und es ist sehr die Frag', ob er mit mir nicht weiter kommt als mit der andern— von der Lieb', die er nun einmal zu mir hat, gar nicht zu reden. Ich muß mir jetzt alles gefallen lassen, was mir geschehen ist; aber was mein Ver⸗ hältnis zum Tobias angeht, Frau Pfarrerin, da will ich nichts dran ändern, weder so noch so. Vielleicht geh's doch noch anders, als man jetzt denkt!“
Die Frau versetzte:„Ich kann dich nicht zwingen, meinen Rat anzunehmen, und will mich in deine Angelegenheiten nicht mischen. Handle, wie du's vor deinem Gewissen glaubst verantworten zu können. Aber so lang du bei mir bist, kommst du mit dem Burschen nicht mehr zusammen, weder im Pfarrhaus noch anderswo. Das verlang' ich von dir. Später kannst du's halten, wie dir's beliebt.“— Nach einem Moment setzte sie hinzu:„Trag' das 18 jetzt hinaus— die Sache ist abge⸗ macht.“
die Stube verlassen. „Noch eins!“ rief die Frau.„Ich brauch'
dir nicht erst zu sagen, daß von dem, was
passtert ist, nichts bekannt werden darf!“ „O,“ antwortete das Mädchen,„ich habe keine Ursach', davon zu reden!“ „Aber der Bursch?“ „Der wird nicht davon schnaufen,“ erwiderte die Bäbe mit halbem Lächeln;„dafür steh' ich 4.
„um so besser“, versetzte die Frau.„Dann können wir hoffen, daß es für jetzt aus ist.“—
*
Der alte und der junge Schneider gingen den ganzen Tag umeinander umher, indem sie nur das nötigste miteinander sprachen und dabei möglichst vermieden, sich ins Gesicht zu sehen. Beim Abendessen war die Familie stumm: jedes machte sich seine Gedanken. Das Gesicht des Alten drückte Unschlüssigkeit und Unzufriedenheit aus; man sah, daß ihn etwas plagte. Nach dem 1 ging er in den Hof, Kaspar folgte, die Walburg begab sich in die Küche, und Tobias war allein.
Von der Arbeit müde, lehnte er sich in eine Ecke und gab sich seinen Gedanken hin. Er hatte eine Empfindung, die fast ans Ange⸗ nehme streifte. Mit seinem Verhalten den Tag über konnte er nur zufrieden sein. Er war nicht davon gelaufen— was er schon der Bäbe wegen nicht durfte!— aber er hatte sich nicht schwach gezeigt, und es war ihm, als ob jetzt der Alte sich schämte und sich vor ihm scheute. Die Sache konnte nun von selber eine ganz andere Gestalt bekommen. Und wenn das geschah, war ihm doch eigentlich aus den Schlägen das Heil erwachsen!— Aller⸗ dings war die Lage, in der er sich befand, noch ungewiß und dunkel; aber in das Dunkel fiel der Schein begründeter Hoffnung, und darum füllte sein Herz düsterwohles Gefühl, dem er sich in der Dämmerung gern hingab.
Aus dem traumhaften Zustand weckte ihn der alte Schneider, der allein zurückkam. Diesem war es schon seit einigen Stunden im Kopfe herumgegangen, daß die Sache so nicht bleiben könne, und daß er mit dem Burschen reden müsse, um zu sehen, wie sie nun eigentlich mit⸗ einander ständen. Einen Teil des Tages hatte er wirklich Scheu getragen, den wunden Punkt zu berühren; aber nach und nach war ihm das Gefühl der väterlichen Gewalt wiederge⸗ kommen; er sagte sich, daß dem Burschen gestern nur recht geschehen sei und daß er das begonnene Werk, wenn auch mit andern Mitteln,
heute fortsetzen müsse.
Als er den Sohn in der dunkelnden Stube sah, schien ihm der rechte Moment gekommen. Durch keine Erinnerung mehr befangen, trat er gegen ihn vor und sagte:„Es ist gut, daß ich dich allein treff'. Wir zwei haben noch was miteinander auszumachen.“
Tobias erhob etwas betroffen den Kopf; aber die Wirkung der Anrede war nicht, wie sie der Vater erwartete. Mit einem Fache as erwiderte der Bursche:„So? Noch was?“
Der Alte, die Entgegnung verstehend, lächelte spöttisch.„Du meinst,“ versetzte er auf ihn herabsehend,„ich wär schon fertig mit dir?“
„Allerdings!“ antwortete der Sohn.„Vor⸗ derhand hätt' ich gemeint—“
„Weder vorderhand noch nachderhand,“ unterbrach ihn der Alte mit Schärfe. Was dir gestern passiert ist, das ist nur die Strafe gewesen für deine unverschämte Heimtücke. Hat man je so was gesehn? Mir sagen, daß es mit der Person aus sei, zum Scheine folgen, ur Sibylle gehen und ums Haus herum zur
farrmagd schleichen— ist das nicht schändlich?“
„Du willst's ja nicht anders haben,“ ent⸗ gegnete Tobias seinerseits anklagend.„Du weißt, daß ich die Sibylle nicht mag, und doch nötigst du mich zu ihr hin und willst mich fressen, wenn ich nicht gleich geh'! Was bleibt mir da anders übrig, als dir was vorzu⸗ machen?“
„Sauber, das muß ich sagen!“ erwiderte der Alte.„Also wenn der Vater nicht gleich
Die Vabe er ff das Faffeebrekt unden olle f
0—
b v
lugt, 1 fl 10 Tobi 0
U d br Nec 0 8. Ae 1 f 52 le le eil ehen, 110 Wahr f el We nich— Aman die Mu ute un eir — und Del Tobias uff Schleck an je Uohühe achtet dagen Schau fund el Immel licht al 10 Zuge feines! getriebe Dal Tot, sch der „Jeht dr ge Nacht, Aber ich kan nich e ih m tr den 1 0 0 dale, lch f ub n. 0 . 5 Die ten dart cn, Nan 6 suhen
U f de An 6 f a8 ee


