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besteht das gespannte Verhältnis noch fort. Wie der Frkftr. Ztg. aus New⸗York berichtet wurde, hätten dortige Geschäftshäuser Depeschen aus Ostasien erhalten, wonach der Krieg be⸗ reits begonnen habe. Anderseits erklärte ein in Holland weilender japanischer Diplomat, daß Japan den Krieg nicht wünsche.
Erimmitschau.
Die Ursache des Kampfes in Crimmitschau wird jetzt in der Presse mehr und ernsthafter erörtert und dabei tritt immer mehr die Ueber⸗ zeugung zu Tage, daß die Arbeiter auch sach⸗ lich im Rechte sind. Unter der Ueberschrift: „Der Hintergrund des Weberstreiks im Crim⸗ mitschau“ veröffentlicht Herr Dr. Robert Wil⸗ brandt⸗Berlin in der„Sozialen Praxis“ einen Artikel, in dem er u. a. auch die Gefahr für die deutsche Industrie zeigt, die dadurch ent⸗
steht, wenn dieselbe sich zur Erhaltung ihrer
Konkurrenzfähigkeit lediglich auf die unmensch⸗ liche Ausbeutung der Arbeitskraft durch überlange Arbeitszeit und niedrige Löhne stützt. Der Verfasser führt u. a. aus:
„Die modernsten Leistungen des Maschinenbaus für die Textilfabriken warten noch auf ihre allgemeine An⸗ wendung. Beharren bei langer Arbeitszeit, niedrigem Lohn und veralteter Technik, das ist die Gefahr in unseren Textilfabriken, das die Klippe, an der viele deutsche Unternehmungen der Textilindustrie gescheitert find. Solches Zurückbleiben macht auf die Dauer rettungslos konkurrenzunfähig gegen voranschreitende Länder. Einmal kommt stets der Tag, wo die moderne Technik billiger produziert als die überholte, die mit langer Arbeitszeit und niedrigen Löhnen ihr Dasein fristet.
Dagegen bewirkt der soziale Fortschritt den technischen und der technische wieder den sozialen. Kurze Arbeitszeit treibt ähnlich wie hoher Lohn zum Ankauf besserer Maschinen, deren Mehrleistung jene Produktionsverteuerung mehr als ausgleicht; die besseren Maschinen ermöglichen wieder intensivere Leistung des Arbeiters. Der Arbeiter kann aber die intensivere Ar⸗ beit, die auf seiner Seite durch die modernen Maschinen ermöglicht wird, nur verwicklichen, wenn er durch kürzere Arbeitszeit und höheren Lohn dazu befähigt wird; denn nur bessere Lebenshaltung und kürzere Ar⸗ beitszeit geben ihm dazu die Spannkraft und Frische. So setzt die volle Ausnutzung der durch die Technik gegebenen Möglichkeit den sozialen Fortschritt sogar voraus.
Der Zehnstundentag auch in der deutschen Textil⸗ industrie wie in der englischen wäre nicht nur für die Arbeiter, sondern schließlich auch für die Unter⸗ nehmer ein Gewinn; es wäre ein Segen für die deutsche Industrie. Dies ist der technische Hintergrund des Weberstreiks.“
Dr. Wilbrandt, der übrigens irrtüm⸗ licherweise auch immer von einem„Weber⸗ streik“ spricht, geht dann auf die entsetzlichen Verheerungen ein, welche die überlange Arbeits- zeit gerade unter den Frauen und im ganzen Familienleben anrichtet, und empfiehlt, daß der Staat an Plätzen wie Crimmitschau die Anlage von Fabriken begünstigt oder selbst verwendet, welche Männerarbeit brauchen. Ge⸗ meint sind damit Maschinenfabriken, Holzbe⸗ arbeitungsfabriken, kurzum Industrien, in denen die Frauenarbeit noch keine Rolle spielt. In diesen Fabriken, meint Herr Dr. Wilbrandt, würden Löhne gezahlt, welche zur Erhaltung der Familie ausreichen. Die Frauen würden dann die Textilfabriken meiden und so müßten auch dort die Löhne steigen.
Das gut gemeinte Mittel scheint uns wenig Erfolg zu versprechen. Denn auch in den ge⸗ nannten Industrien werden die Löhne der Männer sosherabgedrückt, daß sie eben nicht mehr zum Unterhalt der Familie ausreichen, die Frau also gezwungen ist, mitzuverdienen. Schließlich kommen auch noch die ledigen Frauen in Betracht.
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Ein anderes bürgerliches Blatt, das Haupt⸗
organ des Zentrums, die„Kölnische Volksztg.“ widmete dem Fall Crimmitschau ebenfalls kürz⸗ lich einen längeren Artikel, der sich indessen vorteilhaft von denen anderer Ordnungsblätter unterschied, die fast ohne Ausnahme nichts anderes zu tun wissen, als die Arbeiter und
Debatte im Reichstage:
„Wenn man die Reden des Ministerialdirektors Dr. Fischer und besonders die des Ministers v. Metzsch liest, so findet man, daß den Arbeitern eine Menge Dinge als Verbrechen angerechnet werden, zu denen sie durchaus berechtigt sind, mit denen man aber den Eindruck zu erwecken sucht, als begingen sie die unerhörtesten Ausschreitungen. Sie stellen Streilposten auf, bewachen die Briefkästen, reisen den Agenten der Fabrikanten nach, um Arbeits willige von der Arbeit in Crimmitschauer Fabriken abzuhalten. Wo ist denn das verboten? Die Fabrikanten suchen mit allen Mitteln Arbeitswillige heranzuziehen, ihre Agenten machen Versprechungen, die nicht gehalten werden, Gendarmen geleiten die Arbeitswilligen feierlich zur Fabrik, alles damit die Streikenden gezwungen werden, sich zu unterwerfen. Warum sollen denn nun diese ihrerseits nicht das Recht haben, den Zuzug Ar⸗ beitswilltger zu verhindern, vorausgesetzt, daß sie sich dabei keine Gesetzesübertretungen zuschulden kommen lassen? Man muß vor allem gerecht sein und in diesem schweren wirtschaftlichen Kampfe Arbeiter und Unter⸗ nehmer mit gleichem Maße messen. In Sachsen herrscht aber noch mehr als anderswo die Gewohnheit, daß bei einem solchen Kampfe die Behörden sich un be⸗ dingt auf die Seite der Unternehmer stel len.“
Am Schlusse erklärte das Blatt:
„Wir glauben in diesem Streite völlig unparteiisch zu sein. Und da müssen wir gestehen, daß die Erim⸗ mitschauer Arbeiter Bewunderung verdienen für ihre Ausdauer und die übrigen für ihre Opfer⸗ willigkeit.... Die Behörde, sei es die staatliche, sei es die städtische— müßte unsres Erachtens bei einigem guten Willen nachgerade imstande sein, den Frieden zu vermitteln.“
Das wäre sie vielleicht zweifellos, wenn sie es eben nicht für ihre ganz besondere Aufgabe erachtete, die Interessen des Unternehmertums
zu schützen, den Arbeitern ihren gerechten Kampf
aber nach Möglichkeit zu erschweren. So wird jetzt wieder berichtet, daß den Ausgesperrten ihre Versammlungen auch auf Altenburgischem Gebiete verboten wurden. Das nennt man in Sachsen Gerechtigkeit!
Dieses Verhalten der sächsischen Behörden empört selbst den nationalliberalen Professor Delbrück, der in den„Preußischen Jahr⸗ büchern“ dazu schreibt:
„Kann ein Kulturvolk sich ein solches Regiment gefallen lassen? Immer und immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß hier der eigentliche Sitz der soztalen Krankheit ist. die Be⸗ hörden selber sind es, die die Masse der Arbeiter der Sozialdemokratie zutreiben, weil sie die Leute verhindern, auf gesetzlichem Wege in den gewerb⸗ lichen Kämpfen ihre Interessen zu verfechten. Ehe der Reichskanzler sich nicht entschließt, hier einmal energisch durchzugreifen, und einem Minister, wie Herrn von Metzsch, ein quos ego zuzublasen, daß er es in seiner Amtswohnuug nicht mehr aushalten kann, werden ihm alle seine dialektischen Siege im Reichstage nichts helfen, Da mögen sich noch so viele nationale und christliche Gewerkvereine bilden und der Herr Reichskanzler mag ihre Deputationen empfangen und ihnen freundliche Aussichten eröffnen, mit Worten ist hier gar nichts getan. Das sind doch alles nur Rekruten für die Sozialdemokratie, solange nicht durch Taten der erste und höchste Grund⸗ satz der Politik, die Gerechtigkeit im deutschen Retche sichergestellt ist.“
Für die Anerkennung und Sicherstellung
dieses Grundsatzes kämpft aber nur die Sozial⸗ demokratie und höchstens noch eine sehr kleine Anzahl ehrlicher Politiker.
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Sonst ist die Lage in Crimmitschau unver⸗ ändert. Ein amtliches Dresdener Blatt berichtete am Dienstag, daß am 4. Januar im Rathause von Crimmitschau von Geh. Rat Roscher Besprechungen mit Vertretern der Arbeiter und Besprechungen mit Vertretern der Arbeitgeber abgehalten. In der Besprechung mit den Arbeitern wurden einige Vorschläge zum Einvernehmen gemacht, die jedoch in der später abgehaltenen Besprechung mit den Ar- beitgebern nicht angenommen wurden. Infolgedessen geht der Ausstand zunächst weiter. — Also die Arbeitgeber sind es, welche den Frieden nicht wollen! Natürlich, die Ar⸗ beiter sollen sich den Kapitalisten bedingungslos unterwerfen.
Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Seite a. f Ausland. besonders die Sozialdemokratie anzugreifen und Soziales, Gewerkschaftliches N zu verdächtigen. Das Zentrumsblatt sagte da⸗ 3 5 5* Zwischen Rußland und Japan mals unter anderem— es war kurz nach der Arbeiterbewegung.
Für den Holzarbeiterverband be⸗ deutete der dritte Weihnachtsfetertag des ver⸗ flossenen Jahres eine Art Jubiläum. Am 27. Dezember waren es 20 Jahre, seit auf dem Tischlerkongreß in Mainz die durch das So⸗ zialistengesetz zertrümmerte Zentralorganisatian der Tischler neu gegründet wurde. Dem Zen⸗ tralverband der Tischler wurden in den achziger Jahren noch sehr viel Schwierigkeiten von der Polizei und den Gerichten gemacht, doch ent⸗ wickelte er sich in ganz erfreulicher Weise. Aus dem Tischlerverband ging der Hol zarbeiter⸗ verband hervor, der auf dem Kongreß in Kassel 1893 gegründet wurde und jetzt fast 80 000 Mitglieder zählt. Vorsttzender ist auch heute noch, wie schon vor 20 Jahren, Karl Kloß, der also jetzt auf 20jährige Tätigkeit als Gewerkschaftsbeamter zurückblickt.
Verbandstag der Handschuhmacher. Eine kleine, aber kampfesmutige Organisatlon, die der deutschen Handschuhmacher, begann am zweiten Weihnachtsfeier⸗ tage im Lokale Stadtgarten in Zeitz nach fünfjähriger Frist ihre elfte Generalversammlung. Der Verband der Handschuhmacher, eine der ältesten Organisationen, besteht bereits 3 4 Jahre und die Handschuh macher sind bekanntlich prozentual mit am besten(über 80 pCt. der Berufsgenossen) organistert. Obwohl die Organisa⸗ tion nur über rund 4100 Mitglieder(darunter 50 weibliche) verfügt, hat sie im Laufe der letzten fünf Jahre über 282,000 Mark an Unterstützungen gezahlt. Natürlich haben auch die Handschuhmacher unter der Krise sehr zu leiden gehabt. Die Beziehungen des Ver⸗ bandes zu den Kollegenorganisationen des Auslandes sind fortgesetzt gute. So wurden für den Streik in Kaaden 7000 M., für die Kollegen in Niort 200 M., für streikende Kollegen in Schweden 600 M., für die ausgesperrten dänischen Arbeiter 3400 M. und für die Textilarbeiter in Brünn 300 M. aufgebracht. Aus dem erstatteten Tätigkeitsbericht geht ohne Zweifel hervor, daß der Verband seine Aufgaben voll erfüllt hat. In den ersten beiden Verhandlungstagen beschäftigte man sich mit dem inneren Ausbau der Organisation.
Der Verbandstag der Dachdecker fand zwischen Weihnachten und Neujahr in Dortmund statt. Aus dem Bericht des Vor⸗ sitzenden ist zu entnehmen, daß die auf der letzten Generalversammlung beschlossene Bei⸗ tragserhöhung sich gut hat durchführen lassen. Im Sommer fand eine Abstimmung über Ein⸗ führung der Arbeitslosenunterstützung statt, woran sich über 50 Prozent der Kollegen be⸗ teiligten. Für Einführung der Unterstützung votierten 644, dagegen 949 Kollegen. Der Mitgliederstand hat sich nur unwesentlich ver⸗ ändert. Die Krise wirkt andauernd hemmend auf die Entwickelung der Organisation ein. Regelmäßig tritt im Winter ein Rücktritt der Mitgliederzahl ein, meist wegen Beitragsrück⸗ stände. Die Mitgliederzahl betrug am Schlusse des 3. Quartals 3375. Im Jahre 1903 hatte der Verband 21 Lohnkämpfe zu führen. 548 Mitglieder waren an Streiks oder Aussperrungen beteiligt. Zur Aufbringung der erforderlichen Mittel war eine Extrasteuer ausgeschrieben. Die Reiseunterstützung stieg auf 2044,37 Mk. in den letzten 2 Jahren, gegen 1275,85 Mk. in der vorhergehenden Periode. Die Ausgaben für Streiks betrugen 29 516,21 Mk., davon aus der Haupfkasse 18 795.884 Mk. Die Ge⸗ samtausgaben betrugen 57 070,12 Mk., denen eine Einnahme von 57 056,98 Mk. gegenüber⸗ steht.— Auf dem Verbandstage erstattete Hermann⸗Bremen ein Referat über„Lohn⸗ bewegungen und Streiks“, an das sich eine ausführliche Diskussion schloß. Die Ausfüh⸗ rungen gingen meist dahin, daß eine größere Zurückhaltung bei Inszenierung von Lohnbe⸗ wegungen zu beobachten sei.
Der Berliner Droschkenkutscher ⸗ Streik, der vor einigen Wochen ausgebrochen war, ist jetzt beendet. Die Vertreter der beiden Parteien haben sich auf einen bis 1. Juli giltigen Vergleich geeinigt.
Parteifreunde! ae Leer far Euer Blatt, die
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung!


