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Nr. 41.

Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

10000 Mk. reichlich in den tiefer liegenden Teil des Ortes befördern könnte. Unzufriedenheit herrschte aber auch über die Auna Wassergelderhebung. Danach soll der uschluß 6 Mk. kosten, für Großvieh solle 1 Mk., für Kleinvieh 50 Pfg. bezahlt werden. Es sollten richtiger Wassermesser angeschafft werden. Bei einem Preise von 15 Pfg. pro Kubikmeter würde, bei täglichem Verbrauch von 150 Kubik⸗ metern, die Gemeinde einen Ueberschuß von 2712 Mk. erzielen, der sich bei Verbrauch der 216 Kubikmeter auf 6586 Mk. steigerte. Bei Verbrauch von 200 Kubikmeter könnte der Kubik⸗ meter für 10 Pfg. abgegeben werden und es blieben immer noch 1800 Mk. übrig. Nach dem Wassergeldtarif des Ortsvor⸗ standes ergiebt sich folgende Tabelle:

D 2 E 1 8 8 8 5 8 8 2 8 88 2 8 8 S 2 H 6 Köpfe 60 L. 21,9 Kb. 6 427,8 4 6 4 St. 100 8. 355 8 21,0, Kl.⸗Vieh 6 St. 400 8. 1461180% 7 Gr.⸗Vieh 3 St. Kl.⸗Vieh 6 10 2 St. 650 L. 237 77 15 7 6,* Gr.⸗Vieh 4. St. Kl.⸗Vieh

Es geht daraus hervor, daß derjenige, der das wenigste Wasser verbraucht, dasselbe 3 bis 4 mal teurer bezahlen muß, als der größere Verbraucher. Die Forderung der Einführung von Wasseruhren ist durchaus berechtigt.

(Schluß des Berichts in nächster Nummer.)

Die Wiesecker Gemeinderats⸗ wahl ist wegen eines Formfehlers für ungültig erklärt worden und es muß demnächst eine Nachwahl stattfinden. Hoffentlich sind unsere Parteifreunde dann etwas zahlreicher auf dem Posten, als es bei der neulichen Wahl der Fall war. ö

In Rödgen starb am Sonntag Abend unser Genosse, der unverheiratete Zigarren⸗ macher Louis Balser. Eine Lungenkrank⸗ heit raffte ihn in dem noch jugendlichen Alter von 27 Jahren dahin. Was in seinen Kräften stand, hat er stets getan, um unsere Sache zu fördern. Unsere Parteifreunde werden ihn im guten Andenken behalten.

h. Daubringen. Einen erfreulichen Er⸗ folg errangen unsere Genossen bei der diesjährigen Gemeinderatswahl, welche am 29. Sep⸗ tember stattfand. Wohl noch niemals wurde o hartnäckig um die Mandate gestritten, wie

iesmal; unablässig wurde am Wahltage agi⸗ tiert, kaum graute der Tag, waren unsere Gegner schon auf den Beinen und eilten von Haus zu Haus. Aber auch unsere Genossen waren auf dem Posten am Wahltag sowohl wie auch schon vor der Wahl. Das Resultat hat gezeigt, daß wir nach Kräften unsere Schuldigkeit getan haben; nur wenige Arbeiter waren diesmal der Wahlurne fern geblieben. Von 3 zu besetzenden Mandaten wurde eins behauptet und eins errangen wir nur. Wilh. Schäfer J. wurde wiedergewählt mit 89 Stimmen; der Vorsttzende des Arbeitervereins Genosse Karl Rudolph erhielt 49 Stimmen; der Gegenkandidat 52. Unser dritter Kandidat brachte es auf 42 Stimmen.

r. Gemeindewähler in Watzenborn⸗ Steinberg! Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Gemeinderatswahl Samstag, den 8. Oktober, nachmittags von 3 bis 7 Uhr statt. Fehle keiner an der Wahlurne, mache jeder von seinem wichtigsten Rechte Gebrauch! Wer will, daß in unserer Gemeinde bessere Zustände geschaffen werden, wer will, daß das Gemeindewesen sich weiter entwickele und die Aufgaben erfülle, die man heute in dieser Be⸗ 7 55 zu stellen berechtigt ist, kurz, wer will, die Gemeinde vom Gestchtspunkt der Ge⸗ samtwohlfahrt geleitet und verwaltet wird,

9 r gebe den von der Arbeiterschaft aufgestellten

Kandidaten seine Stimme! Unsere Kandidaten sind: Karl Häuser II., Balthaser Pitz III. und Joh. Jakob Häuser. Wähler! Wie oft habt ihr euch beschwert gefühlt über ge⸗ meinderätliche Maßnahmen und Beschlüsse, die euren Interessen und Wünschen zuwider liefen; wie oft hattet ihr Veranlassung, gegen zweck⸗ lose Ausgaben eure Stimme erheben zu müssen! Denkt an unsern Antrag auf Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen, er wurde von der Mehr⸗ heit abgelehnt, die Herren getrauen sich nicht, die öffentlichen Gemeindeangelegenheiten öffent⸗ lich zu behandeln. Jetzt müssen die Gemeinde⸗ mitglieder selbst zeigen, daß ste das Verhalten der Gemeinderats⸗Mehrheit nicht billigen. Laßt euch deshalb nicht von persönlichen Vorurteilen oder den Zersplitterungsversuchen der Gegner beeinflussen, sondern wählt Mann für Mann die von uns vorgeschlagenen Kandidaten!

Aus dem Rreise Friedherg⸗Püdingen.

* Ein Parteigenosse verunglückt. Im Steinbruch bei Stammheim verunglückte am Sams⸗ tag der 41 Jahre alte Steinbrecher Jakob Karl Hart⸗ mann. Durch herabstürzendes Gestein wurde er ver⸗ schüttet und getötet. Es war ein braver Partei⸗ genosse. Ehre seinem Andenken!

Aus dem Nreise Wetzlar.

* Im Wetzlarer Krankenhause. Gegen unsere Notiz, die wir in Nr. 38 unter dieser Ueberschrift brachten, wandte sich Herr Sanitätsrat Dr. Herr mit bedeutender Ent⸗ rüstung. Wir haben die Tatsachen nochmals genau festgestellt und wir haben danach keine Veranlassung, irgend etwas von unserer Notiz abzuschwächen oder zurückzunehmen. Es ist Tatsache, daß das an Blinddarmentzündung erkrankte Mädchen, das stark fieberte, von 1/12 Uhr bis abends 7 Uhr ohne jede ärztliche Hilfe lag. Uebrigens gibt ja der Herr Sani⸗ tätsrat in seiner Zuschrift selbst zu, daß er es abgelehnt hat, abends nach der Kranken zu sehen. Möglich, daß sich Dr. Herr dazu nicht verpflichtet fühlte. Dann existieren eben schlimme Zustände in dem Krankenhause, es müßte doch ein Arzt da sein, der dazu ver⸗ pflichtet ist. Und in dieser Beziehung ist Abhülfe dringend nötig, sonst verfehlt das Krankenhaus vollkommen seinen Zweck. Bei objektiver Betrachtung muß Dr. Herr selbst zu dieser Meinung kommen. Ob es ferner zweckmäßig ist, einem Patienten etwas zu ver⸗ ordnen, ohne ihn gesehen zu haben, möchten wir bezweifeln und wir werden darin bestärkt dadurch, daß der in diesem Falle konsultierte Arzt die gegentetlig wirkenden Mittel an⸗ wandte! Wenn also Dr. Herr uns am Schlusse seiner Zuschrift nach beltebten Mustern mit dem Staatsanwalt droht, so läßt uns das ziemlich kalt. Bei eventueller Gerichtsverhand⸗ lung sind wir vielleicht in der Lage, noch weitere Mißstände aufzudecken und davon kann die Gesamtheit, besonders aber die armen Kranken nur Vorteil haben.

Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.

Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Dillenburg⸗Herborn fand am Sonntag in Haiger statt. Sie war von 12 Vertrauensleuten besucht, einige weitere hatten ihr Ausbleiben entschuldigt. Gen. Trott erstattete als Vertrauensmann seinen Bericht, aus dem hervorzuheben ist, daß einige Genossen wegen Ueber⸗ tretung des Vereinsgesetzes bestraft wurden. Zur Agi⸗ tation wurden Kalender und Broschüren verteilt; in mehreren gegnerischen Versammlungen traten Partei⸗ genossen von uns auf. Die Abrechnung balanziert mit 51 Mk. Im Anschluß an den Bericht gaben die De⸗ legierten ihre Erfahrungen aus der Heimat zum Besten: es wurde dann die Gründung einer Organisation er⸗ örtert und beschlossen, zum 1. November einen Rreis⸗ wahlverein ins Leben treten zu lassen. Weiter stand der PunktPresse auf der Tagesordnung. Er wurde dahin erledigt, daß man beschloß, den Parteigenossen, welche ein Tageblatt lesen wollten, die Volksstimme, und als Wochenblatt die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung zu empfehlen. Ferner soll sich der Kreiswahl⸗ verein dem Frankfurter Agitationskomitee anschließen. Manche Anregungen wurde noch von einzelnen Genossen gegeben, die hoffentlich auf fruchtbaren Boden gefallen find. Nachmittags fand eine öffentliche Ver⸗ sammlung statt, in der Gen. Dr. Quarck⸗Frank⸗ furt über:Nieder mit den Sozlaldemokraten unter lebhaftem Beifall sprach. An der Dis kusston beteiligten

sich in wirkungsvoller Weise der Gen. Krumm⸗Gießen, sowie Gen. Trott. Wird hier unverdrossen und unab⸗ lässig weiter gearbeitet, tun die Genossen im Kreise ihre Pflicht und läßt es auch das Provinzialkomitee nicht an Unterstützung fehlen, so dürften in diesem Kreise die Bäume der Stöckeret nicht in den Himmel wachsen.

Aus dem RNreise Marburg⸗Nirchhain.

r. Herr Spediteur Heppe klagte beim Bezirksausschuß in Kassel gegen die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahlen, er wurde jedoch damit kostenpflichtig abgewiesen. Vor den Wahlen hätte nämlich der Oberbürger⸗ meister erklärt, wenn der als Kandidat auf⸗ gestellte Heppe gewählt würde, werde er sein Amt niederlegen weil nämlich Heppe zu Fastnacht ein Zündel Heu aufs Rathaus ge⸗ schickt hatte mit dem Zusatz, das sei für die Ochsen da oben. Heppe erhielt bei der Wahl zwar ziemlich Stimmen, fiel aber doch durch. Er stützte seine Klage darauf, daß in der Erklärung des Bürgermeisters eine Wahlbeeinflussung zu seinen Ungunsten zu erblicken sei. Wie bemerkt, schloß sich der Bezirksausschuß dieser Meinung nicht an. Wir sind ja gewiß keine Partei⸗ gänger des Herrn Heppe, nach unserer Meinung und nach der Praxis der Mandatsprüfungs⸗ kommisston des Reichstags liegt hier aber un⸗ bedingt eine Wahlbeeinflussung vor.

Kleine Mitteilungen.

* In Nauborn wurde das 18 Monate alte Söhnchen der Eheleute Best von einem mit Eisenstein schwer beladenen Wagen überfahren. Es starb auf dem Transport nach der Klinik in Gießen.

* In Friedberg schoß am Montag ein Jäger dem 12 jährigen Knaben Egly von dort eine Schrot⸗ ladung in den Unterleib und die Oberschenkel. Der Knabe war schwer verletzt. Der Schütze sollte in Zu⸗ kunft die Finger von dem Schießprügel lassen,

*Lebenslängliches Zuchthaus und noch fünf Jahre darüber es klingt allerdings etwas sonderbar erhielt vom Kölner Schwurgericht der Raubmörder Kauerz zudiktiert. Er hatte ein Dienst⸗ mädchen ermordet, um in der Wohnung einen Diebstahl auszuführen.

Partei-Nachrichten.

Aus schwerer Zeit. Am 28. September waren es 25 Jahre, daß in Zürich die erste Nummer des Sozialdemokrat erschien, das Kampforgan, das unter dem Ausnahmegesetz das geistige Band der jungen Sozialdemokratie bildete. Nie wird vergessen werden, was es war und wie es wirkte!

Die Leipziger Volkszeitung feierte am ersten Oktober ihr zehnjähriges Bestehen. Die aus diesem Anlaß herausgegebene Jubiläumsnummer war 64 Seiten stark! Zu der Auflage waren nicht weniger als 190 Zentner Papier erforderlich. Gewiß eine höchst erfreu⸗ liche Entwickelung unserer Parteipresse!

Ein Parteikonflikt ist in Leipzig wegen der Haltung derLeipiger Volkszeitung ausgebrochen. Diese brachte während des Parteitags eine überaus gehässige Notiz gegen den Genossen Südekum, welche die Miß⸗ billigung des Parteitags hervorrief. Dieses Vorkomm⸗ nis wurde in einer Parteiversammlung in Leipzig, in der über den Parteitag Bericht erstattet wurde, zur Sprache gebracht und dabei an der Schreibweise der L. V. gegenüber den Parteigenossen und der übrigen Parteipresse Kritik geübt. Darauf legten die Redakteure Fr. Mehring und Jaekh die Redaktion nieder. Auf 7. Oktober ist eine weitere Parteiversammlung ein⸗ berufen, die sich mit der Sache befassen soll. Mit Wohlbehagen stürzt sich das bürgerliche Zeitungsgeschwister auf die Brocken, die da abfallen. Wird aber daran keine dauernde Freude erleben.

Versammlungskalender.

Samstag, den 8. Oktober. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Sonntag, den 9. Oktober.

Wieseck. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Ver⸗ sammlung imGambrinus bei Wacker. Tages⸗ ordnung: Gemeinderatswahl.

Rezitation Wallkotte. Das Tal des Lebens

historischer Schwank in 3 Akten. Freitag, den 28. Oktober er., abends 9 Uhr im Saale d. HotelsEinhorn am Lindenplatz.

Eintritt 20 Pfg. Eintritt 20 Pig Es ladet freundlichst ein

Das Gewerkschaftskartell.