Ausgabe 
9.10.1904
 
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Nr. 41.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite.

beit für ihn gefunden, für einen anderen Ar⸗ beiter in fünf Tagen nicht und für einen dritten habe ich endlich nach vielen Bittgängen eine Stelle gefunden. Auf der Landstraße, in den Pennen, den Hunger im Magen, die schlechten Sitten vor Augen, wie leicht wird da der Mensch verdorben. 20,000 unserer Brüder stehen jeden Tag, den Gott werden läßt, auf der Landstraße,... und im großen Publikum weiß man nichts davon.

Uns sagen diese Worte nichts Neues. Aber daß ste an dieser Stelle ausgesprochen wurden, das ist ganz anerkennenswert. Nur sollten die Leute aus bürgerlichen Kreisen, die solche Er⸗ kenntnis gewonnen haben, dafür sorgen, daß sie nicht bloß auf den kleineren Kreis einer Versammlung für innere Mission beschränkt bleibt, sondern daß sie der großen Oeffentlich⸗ keit des Bürgertums vermittelt wird. Und dann muß man aus solcher Erkenntnis, wenn ste Wert haben soll, auch Konsequenzen ziehen. Mit Bettelsuppen ist dem Elend der Arbeits⸗ losigkeit nicht abzuhelfen.

Urlaub für städtische Arbeiter. Die Stadtverordnetenversammlung in Halle stimmte einem Antrage der sozialdemo⸗ kratischen Mitglieder zu, den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, dahingehend, daß jedem städtischen Arbeiter unter Fortzahlung des Lohnes eine Woche Urlaub gewährt werde.

Wie es mit derguten und gesicherten Existenz der Arbeiter in Wirklichkeit aussieht, weiß jeder, der mit den Verhältnissen nur einigermaßen vertraut ist. Jeder Tag bringt dazu treffliche Illustrationen. So wird aus Halberstadt berichtet, daß dort die Lage der Handschuhindustrie immer bedenklicher wird, viele Handschuhmacher arbeitslos sind, oder ihrem Berufe bereits den Rücken gekehrt und andere Arbeit übernommen haben. Trotz verkürzter Arbeitszeit nehmen die Fabriken zahl⸗ reiche Entlassungen vor, weil ste keine Aufträge haben. Die Organisation der Handschuhmacher hat schwere Opfer zu bringen. Die Unter⸗ stützungsgelder derselben schützen aber die Ar⸗ beiter, welche Mitglieder sind, wenigsten vor der äußersten Not. Denen, die nicht organistert sind, geht es noch viel schlechter.

Ein anderes Beispiel für diegesicherte Existenz bot ein Vorkommnis, das sich nahe bei Berlin abgespielt hat. Ein Landarbeiter⸗ Ehepaar, beide Eheleute gegen 80 Jahre alt, wohnten bisher in der Schäferei des Ritter⸗ gutsbesttzers v. Kähne in Petzow bei Werder a. H., bei dem sie ihr Leben lang gedient hatten. Für die Schafstall⸗Wohnung hatten sie jährlich 42 Mk. Miete im voraus zu zahlen. Wegen andauernder Kränklichkeit blieben die alten Leute mit der Miete im Rückstande und wurden des⸗ halb mit ihrem elenden Hausrat einfach an die Luft gesetzt. Unter einer Brücke, die über einen Graben führt, suchten die Unglücklichen zuerst Schutz und wurden dort von mitleidigen Men⸗ schen mit Nahrung versehen, bis sich nach einigen Tagen anderswo Unterkunft fand. Welch ein entsetzliches Menschenelend! Und welche christliche Nächstenliebe des edlen Agrariers! Das ganze aber heißtgöttliche Weltordnung!

Im Verband der Schneider soll im Oktober und November in allen Filialen eine rege Agitation entfaltet werden gegen den vor kurzem ergangenen Erlaß des preußischen Han⸗ delsministers, wonach die Ueber zeit an den Samstagen und an den Vorabenden zu den Feiertagen zulässig sein soll. Weiter soll gegen die Behauptung der Berliner Handelskammer Protest erhoben werden, in der Berliner Kon⸗ fektionsbranche verhielten sich die Arbeitsuchenden gegenüber den Vohnbüchern gleichgültig und seien nicht gegen deren Beseitigung. Zu diesem

lungen einberufen werden, für die die Berufs⸗ genossen und Schneiderinnen soweit wie möglich herangezogen werden.

Einen schönen Erfolg erzielten die Gasarbeiter der Frankfurter Gasgesellschaft bei einer Aussperrung. Sie waren bei der Direktion um eine Verbesserung der Lohn⸗ und

treter des Fabrikarbeiter⸗Verbandes, wie auch mit einem Arbeiter der Fabrik ab. Und als sich die Arbeiter mit dem Vorgehen ihrer Sprecher solkdarisch erklärten, wurden 40 Mann Knall und Fall entlassen. Der Gauleiter des Fabrik⸗ arbeiter⸗Verbandes wandte sich nun an das Gewerbegericht und bat um dessen Vermittelung. Und hier zeigten sich die Direktoren auf einmal entgegenkommend. Die Solidarität der Arbeiter hatte sie jedenfalls doch zur Besinnung ge⸗ bracht. Vor dem Gewerbegericht einigte man sich auf Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen, die eine bemerkenswerte Besserung gegen die bisherigen darstellen. Auch ist im Protokoll bestimmt, daß der Organisation der Arbeiter nichts in den Weg gelegt werden soll. Diese Be⸗ dingungen sind weitgehender als die Forderungen der Arbeiter und die Organisation der Fabrik⸗ Ersolg. kann mit Recht stolz sein auf diesen rfolg.

Eine großartige Entwickelung hat der Konsüm verein Leipzig⸗Plag witz aufzuweisen, der eben das 20. Jahr seines Be⸗ stehens vollendet. Im Jahre 1884 von 95 Mit⸗ gliedern gegründet, weist dieser bedeutendste aller deutschen Konsumvereine nach 20 Jahren 36 654 8 auf! Er hat während dieser Zeit 7618 523 Mk. alsDividende, davon im letzten Jahre allein 1 158 272 Mk. zurückgezahlt. Man fing im ersten Ge⸗ schäftsjahre mit einem Um satz von 16573 Mk. an, jetzt beträgt er 12085 345 Mk. Etwa zwei Fünftel der gesamten Bevölkerung Groß⸗ Leipzigs nimmt heute Anteil am Konsum⸗ verein Leipzig⸗Plagwitz! Für Löhne und Gehälter wurden imletzten Jahre 478 442 Mk., für Steuern 93 794 Mk. ausgegeben. Der Reingewinn beträgt 1238030 Mk., wovon 1061428 Mk. als 10 Proz. Warendividende an die Mitglieder zurückgezahlt wurde. Der Verein besitzt einen Reserve⸗ und Spezialreserve⸗ fonds von 456000 Mk., 87 500 Mk. Dis⸗ posttionsfonds, 54 500 Mk. Personalunter⸗ stützungsfonds. So kann der Konsumverein Leipzig⸗Plagwitz als ein grundsolides, gefestigtes, den Mttgliedern sehr nützliches Unternehmen bezeichnet werden.

Wie Bebel Sozialdemokrat wurde.

Darüber erzählt der Leipziger Geuosse Ull⸗ rich in der Jubiläumsnummer derLeipziger Volkszeitung vom Sonntag folgendes:

Zu Ende der sechziger und zu Anfang der stebziger Jahre war der Mittelpunkt des Partei⸗ lebens von Sachsen, ja von ganz Deutschland, im Arbeiterbildungsverein Leipzig. Hier wurden Pläne geschmiedet und Agitatlonstouren festge⸗ setzt, die auch fast alle in Wirklichkeit ausge⸗ führt wurden. Der Arbeiterbildungsverein war Kopf und Seele der ganzen Partei, soweit sie der Eisenacher Richtung angehörte; aber welch außerordentliche Arbeit dazu gehörte, ehe es so weit kam, davon haben die wenigsten heute noch einen Begriff.

Nach Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins am Himmelfahrtstage 1863 hatte der Verein Vorwärts, aus dem er hervor⸗ ging, so wenig Mitglieder behalten, daß sein Bestand gefährdet war. Es wurde deshalb auf dem Arbeiterbildungsvereinstag, der im Oktober 1864 in Leipzig tagte, beschlossen, daß sich sämtliche Vereine Schulze⸗Delitzscher Richtung, die in einer Stadt bestehen, zu vereinigen haben. Diesen Beschluß mußten auch der gewerbliche Bildungsverein und der Verein Vorwärts ausführen. a

August Bebel, der auf diesem Vereinstage als zweiter Vorsitzender amtierte und mit in den Vorstand gewählt wurde, wurde mit der Ausführung dieser Vereinigung betraut. Aber welche Riesenarbeit war dabei zu bewältigen. Wollte doch die Mehrzahl der Mitglieder des Gewerblichen, wie er immer kurz genannt wurde, von ihrem Namen nicht lassen, ebenso die Mitglieder des Vorwärts, und erst nach viermonatlichen Verhandlungen konnte die Ver⸗ einigung und Namensänderung vor sich gehen, nachdem man sich auf den Namen Arbeiter⸗

dem trat eine ganze Anzahl Mitglieder aus, weil ste an dem Arbeiterverein Anstoß nahmen. So beschränkt war damals noch eine große Anzahl Arbeiter, daß sieGehilfen, aber keine Arbeiter sein wollten.

Der Zusammenschluß der Vereine und ihre Namensänderung war trotzdem von großem Nutzen. Denn vom Verein Vorwärts kam eine zwar kleine Zahl von Mitgliedern, unter der sich aber die besten Kräfte befanden. Zwar platzten die Geister sehr oft scharf aufeinander, doch auch dies war auf die Dauer nur von Nutzen. Unsere erste Generalversammlung, in welcher der Vorsitzende und der Vorstand ge⸗ wählt wurden, dauerte drei Abende, und erst den dritten Abend um 12 Uhr konnte das Resultat der Wahl verkündet werden: August Bebel vomGewerblichen war als erster Vorsitzender und August Dolge vom Vorwärts als zweiter Vorsitzender gewählt. DieGe⸗ werblichen hatten den Sieg davongetragen. Die vom Vorwärts versprachen, treu zum Verein zu halten; aber Gegensätze blieben immer noch genug bestehen. Nur hatten die Gegensätze das Gute, daß sich einige ganz leidliche Redner dabei ausbildeten. Im ganzen war das Ver⸗ einsleben zwar rege, aber hielt sich im einseitigen Fahrwasser der Fortschrittspartei und des National vereins.

Im Frühjahr 1865 kam Liebknecht nach Leipzig und in den Arbeiterbildungsverein. Aber als Vortragenden wagte oder wollte ihn Bebel nicht nehmen, obgleich Ltebknecht Bebel sehr oft, wie Bebel selbst sagte, in seiner Werk⸗ statt aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Bebel äußerte einmal, als man in einer Vorstandssitzung auf Liebknecht zu sprechen kam: Donnerwetter, bei dem kann man was lernen! was unseren damaligen Hauptkassterer Max Epstein veranlaßte, den Antrag zu stellen, Liebknecht einen Vor⸗ trag halten zu lassen. Da Liebknecht schon englischen Unterricht im Verein gab, stand dem nichts entgegen.

Der Verein hatte damals einen sehr tüch⸗ tigen Stab von Referenten. Freilich gab es darunter auch zweifelhafte Existenzen: es waren hauptsächlich drei: ein Honved⸗ Hauptmann Korn, der in Kindererziehung machte; ein Schrift⸗ steller Badewitz, der eine erzgebirgische Arbeiter⸗ zeitung in sehr konservativem Sinne herausgab. und ein Dr. Weitmann, der in allem machte. Der Hauptmann Korn und Schriftsteller Bade⸗ witz befehdeten sich auf das heftigste und be⸗ nutzten dazu hauptsächlich den Verein. Für die aufgeklärten Mitglieder war dieser Zank ein wahrer Gräuel, so daß einmal ein Mitglied, als sich Badewitz und Korn wieder zankten, zornig ausrief:Vereinsgenossen, diese beiden, Korn und Badewitz, sind beide Lumpen, wo⸗ durch wir wenigstens Badewitz los wurden. Für Liebknecht war also Platz geschaffen, so daß er jetzt öfters Vorträge hielt, ohne aber bei Bebel mit seinen Bekehrungsversuchen Fort⸗ schritte zu machen. Da kam ein auswärtiger Freiheitskämpfer Liebknecht an Es war dies Professor Eckhardt aus Mannheim, damals Herausgeber des demokratischen Wochenblattes in Mannheim. Eckhardt kam in irgend einer Angelegenheit nach Leipzig und wurde dabei von Liebknecht veranlaßt, einen Vortrag in einer Volksversammlung zu halten. Eckhardt wählte sich als Stoff zu diesem Vortrag den Bauern⸗ krieg und erntete ungeheueren Beifall. Bebel ersuchte Eckhardt, auch einen Vortrag im Arbeiterbildungsverein zu halten. Eckhardt wählte sich als Thema: Die Gothaer im Nationalverein und ging diesen sehr scharf zu Leibe. Er machte sich über den roten Saum an ihrem Kleide lustig, womit sie ihre Volks⸗ tümlichkeit bezeugen wollten. Eckhardts wie Liebknechts Vorträge konnten nicht im Dunkeln bleiben und es war kein geringerer als Ber n⸗ stein, der Redakteur der Berliner Volkszeitung, der gegen ein solchesTreiben, wie er es nannte, vomLeder zog. Durch diesen Arkikel fühlte sich eine große Anzahl von Vereins⸗ mitgliedern beleidigt und beantragten, die Berliner Volkszeitung im Verein nicht mehr auszulegen,

Arbeits verhältnisse eingekommen. Diese lehnte aber ursprünglich ein Verhandeln mit dem Ver⸗

bildungsverein geeinigt hatte. Aber trotz⸗

obgleich der Verein ste gratis erhielt. Unter