Ausgabe 
8.5.1904
 
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Nr. 19.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

die Russen gezwungen, Antung(nördlich des Jaluflusses) aufzugeben. Sie setzten die Stadt in Brand und zogen sich nach Föng⸗ wangtschöng zurück. Die Japaner beobachteten scharf die Jalumündung.

Ein weiteres Telegramm vom 2, Mai be⸗ richtete, daß der Kampf am Jalu äußerst heftig gewesen sei, ehe die Russen aus ihren Verschanzungen bei Kiulingtscheng vertrieben wurden. Nach dem japanischen Angriffe flohen die Russen in Verwirrung. Sie verloren dabei 28 Schnellfeuergeschütze.

Vor Port Arthur scheint deg Japanern ein neuer Versuch, den Hafen vermittels Ver⸗ senkung von Branderschiffen zu sperren, miß⸗ glückt zu sein.

Aus dem Reichstage.

Wahlprüfungen bildeten am Mitt⸗ woch den ersten Beratungsgegenstand des Reichstags. Eine große Anzuhl von Wahlen wurden für gültig erklärt. Ueber die Wahl des nationalliberalen Abg. Dr. Becker⸗Offen⸗ bach, der bekanntlich auf nicht ganz einwand⸗ freie Weise unsern Genossen Ulrich aus dem Felde schlug, wurde Beweiserhebung beschlossen. Und wenn sich die in dem Wahlprotest be⸗ haupteten Tatsachen als wahr erweisen, dürfte Beckers Mandat kassiert werden. Bei einigen Wahlen kam es zu lebhaften Zusammenstößen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Mehrheit des Reichstags sich bei den Entscheidungen mehr von parteipolitischen Er⸗ wägungen als von unparteilichen Rechtsgrund⸗ sätzen leiten ließ. Bei den Wahlen des Abg. Fürst Bismarck in Jerichow und unseres Genossen Braun in Frankfurt⸗Lebus zeigte sich, daß die Kommission je nachdem Kameele verschlucken und Mücken seihen kann. Im Wahlkreis Jerichow sind unsre Vertrauens⸗ männer durchgängig in nahezu 30 Orten aus dem Wahllokal ausgewiesen und so die Oeffent⸗ lichkeit der Wahl beschränkt worden und andere zahllose Verstöße vorgekommen. Unsere Ge⸗ nossen Goldstein, Geyer und Fischer und die Freisinnigen Gothein und Kopsch gaben sich alle Mühe, dem Reichstag klarzumachen, daß so prinzipielle Verstöße unbedingt zur Kassterung führen müßten. Mützte nichts; die Wahl wurde für gültig erklärt. Dagegen wurde die Wahl des Genossen Braunkasstert weil der Regierung präsident in Frankfurt a. O. zu Gunsten des bürgerlichen Kandidaten Wahlbeeinflussung getrieben hatte. Das bedeutet eine Rechtsbeugung schlimmster Art. Bismarcks Wahl, bei der zahllose Ungesetzlichkeiten vorge- kommen, wird für ungültig erklärt; Braun dagegen wird aus dem Reichstag gewiesen, weil ein Regierungspräsident einen Aufruf zu Gunsten seines Gegenkandidaten unterschrieben hat. Das beweist klar die Parteilichkeit, mit der die Mehrheit des Reichstags vorgeht.

Zu der Börsengesetznovelle, über die am Donnerstag und Freitag weiter beraten wurde, ergriff am Freitag von der sozialdemokratischen Partei Gen. Bern; stein das Wort. Vorher sprach der Antisemit Graf Reventlow dazu, der durch den Ton seiner Ausführungen ein erfolgreiches Studium der Reden seines Standes⸗ und Gesinnungsge⸗ nossen Pückler bewies. Graf Schwerin⸗Löwitz erzählte von seiner Tätigkeit im Börsenaus⸗ schuß, wo er leider immer das Unglück hatte, zur Minderheit zu gehören, während Geheimrat Wendelstadt die Regierung gegen den Vorwurf verwahrte, irgendwie radikale Umänderungen des Börsengesetzes zu beabsichtigen. Bernstein führte aus:

Die Regierung ist wieder einmal in scharfen Ge⸗ gensatz zu den Agrariern geraten und muß ihren ganzen Scharfsinn aufwenden, um deren Argumente zu be⸗ kämpfen. Ueber den Begriff des Terminhandels haben das letzte Urteil eben nicht die Juristen, sondern die Volkswirte abzugeben. Das ganze Gesetz ist auf Grund unbestimmter Empfindungen gemacht, um die öffentliche Meinung zu beruhigen. Nun haben mich ja die Erfahr⸗ ungen, die ich als Bankbeamter gemacht habe, zur So⸗ zlaldemokratie geführt, aber ich habe damals auch ge⸗ sehen, daß die Leute, die öffentlich gegen

in den intimsten Beziehungen zur Börse standen. Der zweite Grund für das Börsengesetz war der Wunsch, die Getreidepreise hoch zu⸗ halten. So ist es gewissermaßen ein Ausnahmegesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Baisse⸗ spekulation geworden. Denn gegen die Preissteigerung haben die Agrarier nie etwas gehabt. Sie bevorzugen auch die Lokal märkte, weil sich dort die Preise steigern lassen. Ein sachgemäßer Preis wird durch eine mög⸗ lichst große Zahl von Käufern und Verkäufern gesichert. Darum ist in unserem heutigen Wirtschaftsleben die Börse unentbehrlich. Das Börsengesetz giebt auch keinen Schutz gegen ungesunde Preissteigerungen, denn bei den gewaltigen Kapitalmengen, die heute in einer Hand konzentriert sind, kann durch effektiven Aufkauf der Vor⸗ räte dasselbe erreicht werden. Andererseits ist durch das Verbot des Terminhandels die Spekulation auf den Kassamarkt gedrängt worden und die Festlegung großer Kapitalien auf diesem hat eine Steigerung des Zins⸗ fußes bewirkt. Der Zins aber muß im letzten Grunde von der arbeitenden Klasse getragen werden; darum halten wir, wenn schon das ganze heutige Wirt⸗ schaftssystem auf Spekulation beruht, die Freiheit des Verkehrs noch für das kleinere Uebel. Wir werden nie⸗ mals Maßregeln unterstützen, die auf eine Erhöhung des Zinses hinauslaufen, und so auf diesem Wege das Einkommen der Kapitalistenklasse auf Kosten der arbeiten⸗ den Klasse steigern. Aus diesem Grunde lehnten wir seinerzeit das Verbot des Terminhandels ab, als dessen Folgen wer eine Steigerung der Warenpreise voraus⸗ sahen.

Trotz des§ 467 des Bürgerlichen Gesetzbuches flo⸗ riert das Spiel heute noch ebenso wie früher. Ich er⸗ innere nur an die Spielerpro zesse in Oldenburg, Hannover usw., an denen Kreise beteiligt waren, die den Herren auf der Rechten sehr nahe stehen. Es wird von der Unmoralität des Börsenspiels gesprochen, aber vom Staate werden bis zu 67 Millionen Mark dem Volke durch die Lotterien entzogen. Und für sie darf in jeder Weise Reklame gemacht werden mit Unterstützung der Regierung. Das Börsengesetz ist nicht an den großen Banken, sondern an den Kunden der kleinen Provinz⸗ banken gescheitert, zu denen auch Landwirte gehören. Sie alle wollen spekulieren, aber nicht, daß die Oeffent⸗ lichkeit es erfährt. Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der Börsenspekulation, sondern darin, daß die Bankokratie sich mit den großen Unternehmerverbänden verbündet, sie liegt in der Beherrschung gewaltiger Massen von Menschen durch kleine aber überaus mächtige Kapital⸗ konzentration, und denen kommen Sie durch Ihre Bör⸗ sengesetzgebung nicht bei. Wir werden die Vorlage prüfen vom vertieften Standpunkt volkswirtschaftlicher Untersuchung und nicht von dem eines oberflächlichen Moralurteils.

Samstag wurde ebenfalls noch über die Börsenreform verhandelt, doch war die Debatte von keiner großen Bedeutung.

Die zweite Beratung des Etats wurde am Montag fortgesetzt und Dienstag endlich zu Ende geführt.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Der Zentralverband der Zimmerer hat sich im Jahre 1903 in erfreulicher Weise nach vorwärts entwickelt. Ende 1902 zählte er in 464 Zahlstellen 22811 Mitglieder, am Schluß des Jahres 1903 in 516 Zahlstellen 29 998 Mitglieder, das ist eine Zunahme von 42 Zahlstellen und 7187 Mitgliedern. Das ge⸗ samte Verbandsvermögen beträgt 558 045,86 Mark. In den sieben Jahren von 1897 bis 1903 hat der Verband, ausschließlich kleiner Platzsperren, zusammen 621 Kämpfe zu führen gehabt, die 907 138,70 M. Kosten verursachten. Im gleichen Zeitraum wurden durch die Wirk⸗ samkeit des Verbandes die Lohn⸗ und Ar⸗

1276 Orten resp. Fällen verbessert. Davon ist an einer Reihe von Orten wiederholt eine Aufbesserung erfolgt.

Warnung für Bäcker. In süddeutschen Blättern werden durch Inserate Bäcker bei hohem Lohn nach Frankfurt a. M. gesucht. Damit bezweckt man nur, wie die Frankfurter Verbandsleitung der Bäcker schrelbt, willige und billige Arbeitskräfte dorthin zu ziehen, da⸗ mit die Innungsmeister den Tarif, welchen die Frankfurter Bäckergehllfen sich im Jahre 1900 erkämpft haben, noch mehr durchbrechen

beitsverhältnisse der Berufskollegen in

deshalb nicht durch die Inserate verlocken und sich in materiellen Schaden bringen lassen.

5 Unsere Maifeier

ist überall unter großer Beteiligung auf das Beste ver⸗ laufen. Wie vorauszusehen war und bei denkenden Ar⸗ beitern selbstverständlich ist, kam nicht das geringste vor, was die törichten Scharfmachereien der bürgerlichen Blätter, die vorher von poltzeilichenMaßnahmen zu erzählen wußten, auch nur im Entferntesten rechtfertig en könnte. Die spießbürgerliche Maiangst hat sich, wie immer, als unbegründer und unsinnig erwiesen.

Von überallher wurde stärkere Beteiligung als in früheren Jahren an der Demonstration gemeldet. Leider waren in unserer Gegend die Veranstaltungen vielfach von der Ungunst des Wetters beeinträchtigt. Trotzdem trat überall die lebhafte Begeisterung für unsere Sache zu Tage, überall zeigten sich die Arbeitermassen von dem Maigedanken durchdrungen und der hohen Kampfes⸗ ziele bewußt.

In Gleßen wies der Festzug recht zahlreiche Beteiligung auf; die Teilnehmerzahl wird auf min⸗ destens 600 angegeben. Noch größer war aber die Zahl der Nachzügler, die sich erst unterwegs anschlossen, oder erst viel später sich nach dem Festplatze begaben. Von vielen Seiten wurde der festgesetzte Zeitpunkt des Abmarsches als zu früh bezeichnet, weil es den Familien vielfach nicht möglich sei, bis ½ 2 Uhr oder noch früher fertig zu sein. Vielleicht kann bei späteren Anlässen Rücksicht darauf genommen werden. Nach dem Walde fand am Nachmittage eine wahre Wallfahrt statt. Es war ein stärkerer Besuch als je in früheren Jahren zu verzeichnen, sicher waren mehr als 2000 Personen bei dem Waldfest. Leider gerieten eine große Anzahl der Festteilnehmer in das starke Gewitter, das gegen 8 Uhr niederging. Gerade als sich der Haupttrupp der Heimkehrenden in der Nähe des Siechenhauses auf freier Straße befand, öffneten sich die Himmelsschleusen zu einem wolkenbruchartigen Regen, der unsre Maifeiernden gründlich durchweichte. Manches gute, mit schwerer Mühe angeschaffte Kleidungsstück erlitt da kaum wieder auszubessernd n Schäden! Solche mißlichen Zufälle sind gewiß sehr zu bedauern und für die Betroffenen äußerst unangenehm; wer kann aber dafür! Derartiges kann bekanntlich j dem bei jeder Gelegenheit passieren. Abgesehen von dem Wetter⸗Pech nahm aber auch unser Waldfest den besten Verlauf und nichts störte die allge⸗ meine Maifreude.

In den Orten der Umgebung von Gießen war wenig von der Maifeier zu spüren, nur in Heuch el⸗ heim, Altenbuseck und Wieseck waren Feiern arrangiert. Während in den ersten beiden Orten der Besuch recht befriedigend war, ließ er in Wieseck sehr zu wünschen übrig. Warum man übrigens in vielen Land orten den 1. Mai so stillschweigend vorüber gehen läßt? Es sollten sich doch die Genossen und Arbeiter allerorts an der internationalen Kundgebung nach Kräf⸗ ten beteiligen! Wir sind überzeugt, es fehlt vielfach nur an der Anregung. Trotz der Lokalabtreibungen im Wetzlar er Wahlkreise z. B. müßte unbedingt eine Mai⸗ feier auf irgend eine Art zu ermöglichen sein. Unsere Freunde in diesem Kreise sollten sich das mal recht an⸗ gelegen sein lassen! Ebenso verhält es sich in vielen hessischen Orten. Wenn sich zum Beispiel mehrere Orte zu diesem Zwecke vereinigen und gemeinsame Feiern ab⸗ halten würden, so würde zweifellos die Sache viel leich⸗ ter und zu jedermanns Befriedigung durchzuführen sein. Wir leiden allerdings viel unter dem Mangel an Red⸗ nern, aber es muß schließlich auch mal ohne einen solchen gehen!

Von den Feiern im übrigen Hessen und Deutschland wurde starker Besuch und bester Verlauf berichtet. In Vilbel bewegte sich wie alljährlich, ein schöner Zug durch den Ort. Voran im Schmuck der Arbeiter⸗Rad⸗ fahrerverein, dann kamen die Sptelleute und die Mustk, ihnen folgte das Maifestkomité, welchem eine Gruppe weißgekleideter Jungfrauen folgte, die in roten Trans⸗ parenten den1. Mai 1904 trugen. Nach dem Umzug war ein Fest imPfau, dessen schön dekorierter Saal sich nur für die Menge Menschen als zu klein erwies. Das Maifest wird hier immer mehr zu einem Volksfeste, an dem die ganze Einwohnerschaft teilnimmt. Fried⸗ berg verzeichnete ebenfalls große Beteiligung. In Offenbach war vormittags eine öffentliche Ver⸗ sammlung im Gewerkschaftshause, in der Abg. Ulrich die Festrede hielt. Mittags erfolgte der Festzug durch die Stadt mit zahlreichen roten Fahnen und unter Be⸗ teiligung einer ungezählten Menschenmenge auch aus den umliegenden Orten. In Darmstadt nahm die Feier einen großartigen Verlauf. Genosse Ulrich⸗Offen⸗ bach hielt unter rauschendem Beifall die Festrede. Frankfurt hatte 6 Versammlungen bereits am Samstag Abend abgehalten, sie waren alle überfüllt. Das im Stadtwalde an der Louisa abgehaltene Wald⸗ fest wurde durch den gegen 7 Uhr einsetzenden Gewitter⸗

können. In Frankfurt liegen Bäckergehilfen

das Börsenspiel wetterte n, insgeheim

zahlreich arbeitslos; die Kollegen sollen sich

regen stark beeinträchtigt. Trotzdem nahmen viele Tau⸗ sende daran teil. Rühmenswert war die Haltung der