gvite 2.
Mitteldeutsche Sonuntage⸗geitung.
Nr. 10.
fechten mit den Schwarzen teles auch durch den Typhus und andere Krankheiten erlitten haben, sind verhältuts mäßig ganz bedeutende, Und für was das alles? Wie notwendig hätten wir die für Afrita verpulverten Millionen für Kul- turzwecke in Deutschland zu brauchen!
Noch ein verlorenes Mandat.
In dem Wahlkreis Altenburg hat am Freitag die Nachwahl startgefunden und leider st die zu unsern Ungunsten ausgefallen. Zwar ist unsere Stimmenzahl utcht viel hinter der beb der Hauptwahl im vorigen Jahre abgegebenen urückgeblieben, aber immerhin muß der Verlust 15 Mandats sowle derjeuige von ca. 1200 Stimmen in's Verlustkonto gebucht werden. Der Konservatlve Porzig siegte mit 18083 Stimmen über unseren Genossen Buchwald, der es diesmal nur auf 17427 Stimmen brachte, während er am 16. Junk v. Is. 18695 erhlelt. Damals erhielten die Gegner zusammen 17491 Stimmen, sie brachten also diesmal etwa 600 mehr auf. Von den Freistunigen war gar kein Kandidat aufgestellt worden; offenbar haben die blederen Freistunskämpen sogleich den Reak— tlonär unterstützt und in den Reichstag verholfen. Für uns war die Positton allerdings sehr un⸗ günstig. Erstens waren auch für diese Wahl die alten Listen maßgebend, wodurch unserer Partet viele Stimmen verloren gehen; noch nachteiliger aber wirkt nach unserer Ueberzeugung der Umstand, daß die Wahl wiederum wie auch die Zschopauer auf Freitag angesetzt war. Da⸗ durch werden ganz zwetfellos viele Arbeiter, besonders die außerhalb ihres Wohnorts be— schaͤftigten von der Wahl abgehalten.— Für blele in weitentfernten Städten Beschäftigte be— deutet die Teilnahme an der Wahl den Verlust eines oder gar zweier Arbeitstage, wozu noch Relsekosten kommen.— Natürlich trieben die Gegner eine unerhörte Agitation, alle Mittel des Druckes und der Beelnflussung wurden gegen die abhaͤngige Wählerschaft in Anwendung ge— bracht. Hierin taten sich besonders die mit dem Bunde der Landwirte vereinigten Krieger⸗ vereine hervor. Sie bezeichneten jeden Krieger— vereinler, der nicht konservatto wähle, als mein— eldig, drohten mit Ausschluß aus den Vereinen; die Bauern nahmen sich die kleinen Leute vor mit der Drohung, keine Düngerfuhren mehr zu leisten, kein Kartoffelfeld mehr abzugeben. Daß sohhe Drohungen ernst gemeint waren, daran ist nicht zu zweifeln.
— So hat uns die Reichstagsmehrheit ge— wissermaßen um ein Mandat geprellt. Ihr Plan ist klar: jede amtliche Wahlbeeiuflussung zugunsten eines uicht soztaldemokratischen Kan didaten kostet das Mandat, wenn der Sozial— demokrat stegreich ist, und ist unerheblich, wenn der Mischmaschkandidat durchs Ziel geht. Da nun kaum ein Wahlkreis extstlert, der amt⸗ liche Wahlbeeluflussungen nicht kennt, so kaun man so ziemlich allen soztaldemokratischen Man— daten mit Aussicht auf Erfolg in der Wahl prüfungskommisston zu Leibe gehen. Wenn daun in der Ersatzwahl ein sozialdemokratisches Mandat verloren geht, daun hat die Soztal⸗ demokratle„ihren Hoͤhepunkt überschritten“. Nun, unsere Genossen überall müssen und werden dafür sorgen, daß die Scharten wleder ausge— wetzt werden.
Die Nachwahl in Franksurt⸗Lebus ist wieder auf einen Freitag und zwar den 18. Mal festgesetzt. Daß man immer den für die Arbeiter ungünstigsten Tag wählt, dahluter steckt System. Von unsern Genossen wurde wiederum der bisherige Abgeordnete Gen. Dr. O. Braun als Kandidat aufgestellt und be— reits am 1. Mat ein Flugblatt in 40000 Exemplaren verbreitet. Jedenfalls wird von Seiten unsrer Genossen der Kampf um das uns von der Reichstagsmehrheit entwendete Mandat mit aller Euergle geführt werden. Uunsre Aussichten sind hier weit ungünstiger als in Altenburg und wir müssen mit dem Verlust auch dieses Kreises rechnen. Deunoch werden unsere Genossen ihre volle Schuldigkeit tun. Als Kandidat des Ordnungsbreies ist der Na— tionalllberale Bassermann in Aussicht ge— nommen.
Wahlrechts„Reform“ in Frankfurt.
Das Stadtparlament in Frankfurt hat einen Antrag unseres Gen. Dr. Quarck und des Demokraten Zindorfer mit knapper Mehr— heit angenommen, daß„nur“ noch 900 Mark. statt wie bisher 1200 Mk. versteuerbares Ein— kommen für Erwerbung des Wahlrechts not- wendig sein soll. Die Natkoualliberalen stimm- ten unter faulen Ausreden gegen dieses gewiß zahme Resörmchen und auch einige Freisinnige hielten es mit ihnen, während sich verschledene andere vor der Abstimmung drückten. Dem bls⸗ herigen Zustand gegenüber, wo die Arbeiter durch den hohen Zensus fast vom Wahlrecht ausgeschlossen wurden, bedeutet die neue Be— stimmung immerhin eine Besserung.
Nationalliberale Wahlrechtsseinde.
Der natlonalliberale preußische Landtags- abgeordnete Menck, der sich kürzlich offen und scharf für die Aufhebung des allgemeinen gleichen direkten Reichstagswahlrechts aussprach und des— wegen von der Nattonalliberalen Korrespondenz geruͤffelt wurde, hat sich dadurch nickt im mindesten verblüffen lassen, sondern den„Ham⸗ burger Nachrichten“ geschrieben, daß die meisten der Industriellen, Kaufleute, Gewerbtreibende und Gebildeten Feinde des glichen Wahlrechts seien. Er sagt da in seinem Schreiben:
Weshalb erklaren sich nun diese weiten
Kreise nicht offen gegen das allgemeine Stimm—
recht? Weil einer sich vor dem andern
fürchtet! Es wird eben irrtümllcherweise angenommen, daß auf gesetzlichem Wege das allgemeine Stimmrecht nicht mehr beseitigt werden kann, so daß eine Erklärung gegen das allgemeine Stimmrecht gleichbedeutend mit dem Verlaugen nach dem Staatsstreich sei. Keiner will als Vertreter der Revolution von oben erscheinen. Im Herz sind wir alle für die Aufhebung des allgemeinen Stimm— rechts, das ist die Antwort, mit der man sich begnügen muß. Da muß man sich doch fragen: ist es statthaft, mit solch innerer
Unwahrheit Politik treiben zu wollen? Als
ehrliche Manner sind wir verpflichtet, offen
Farbe zu bekennen.“
Herr Menck, der ehrliche Wahlrechtsgegner, wirft seinen Parteigenossen vor, daß sie mit „innerer Unwahrheit“ Politik treiben, daß sie keine ehrlichen Manner seien und nicht offen Farbe bekennen, mit anderen Worten, daß die nattonalliberale Polittkeine Poltttk des Volksbetrugs sei. Im Herzen, meint Herr Meuck, wären ste ja alle für die Beseiti— gung des allgemeinen Stimmrechts. In der Wahlagitatlon aber haben diese nämlichen Herren durch„innere Unwahrheit“ die Stimmen von Hunderttausenden erschlichen, die eben nur auf Grund dieses allgemeinen Stimmrechts Wähler sind und die schwerlich mit offenen Augen elue Politik mitmachen wollten, die da— rauf hinausläuft, sie ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu entkleiden. Von der nattonallibe— ralen Parteileitung soll Herrn Menk der Aus- tritt aus der Partet nahegelegt worden sein. Schön. Wir fürchten nur, daß wenn sie alle Wahlrechtsgegner aus ihrer Partei hinaus- werfen will, schließlich bloß noch die„Leitung“ selbst übrig bleibt.
Die französischen Gemeindewahlen
haben am Sonutag stattgefunden und unsern Genossen bedeutende Erfolge gebracht. Die Re- aktionäre, Nattonalisten, Autisemiten und Klert⸗ kale haben auf der ganzen Linte schwere Nieder— lagen erlitten. In Marseille haben unsere Genossen mit tausend Stimmen Mehrheit ge— siegt. In Lyon wurden fast nur Sozialisten ge- wählt; von 39 Gemeinderaͤten sind 37 radikale Sozialisten und 2 Liberale, die Bürgerlichen verfügen nur noch über vereinzelte Vertreter im Rathause. Auch in Roubalx und Tourcoing haben unsere Geuossen die Mehrheit erlaugt. In Ville kommt ses zur Stichwahl zwischen dem Sozialisten und dem Radikalen. In Paris ist die bisherige Mehrheit der Nattonalisten gestürzt; die sozialistischen Stimmen nahmen hier seit den letzten Wahlen um 25000 zu. Auch Marseille, das bet den letzten Wahlen für die Sozialisten verloren ging, ist wieder
glaͤnzend gewonnen worden und der frühere sozialistische Bürgermeister Flaisstéres tritt wie— der an die Spitze der Stadtverwaltung. Man hatte also die antisemitische Verwaltung bald satt und jagte sie zum Teufel. Im Norden, wo zwischen den Unternehmern und Arbeitern der, Spinnerei-Industrie ein erbitterter Kampf geführt wird, haben unsere Genossen ebenfalls bedeutend Terrain erobert.
— Wieder eine Mandatsnieder⸗ legung. Der nationalliberale Landtagsabg. Weith, Gutsbesitzer in Niederwöllstadt hat sein Mandat krankheitshalber niedergelegt. Weith war Vertreter des 2. Wahlkreises der Provinz Oberhessen(Friedberg ⸗Nauhelm) und trat par⸗ lamentarisch sehr wenig hervor. Zu seinem Nachfolger haben die Wahlmänner den Rechts⸗
anwalt Windecker in Feiedberg vorge— schlagen. Das ist allerdings ein Vertreter der
windigsten Sorte des Nattonalliberalismus. — Gemeinderatswahlen haben in diesem Jahre in Hessen stattzufinden. Das Ministerium hat die Kreisämter aufgefordert, die Landgemeinden anzaweisen, daß mit der Aufstelluug und Offenlegung der Wäh ler- lüsten begonnen und bis zum 1. September vollendet werden soll.— Für unsere Partei freunde wird es gut sein, rechtzeitig der An- gelegenheit ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Betrügerischer Minister.
Gegen den ttalienischen Minister Nasi liegen, wie wir früher schon erwähnten, Au⸗ schuldigungen vor, daß er sich während seiner Ministerschaft bedeutende Unterschlagungen zu schulden kommen ließ. Die wegen dieser An- gelegenheit eingesetzte Untersuchungskommisston hat ihre Arbeiten beendet und beantragt die Auslieferung Nasis an die Gerichte wegen Be— trugs und Unterschlagung.
Russisch⸗japanischer Krieg.
Eine schwere russische Nieder- la ge. Die Japaner haben nun auch zu Laude einen sehr bemerkenswerten und vielleicht ent scheidenden Erfolg zu verzeichnen. Sie haben den Uebergang über den Jalu vorige Woche erzwungen, die Russen aus den befestigten Stellungen vertrieben, die sich mit Aroßen Ver- lusten nordwärts zurückziehen mußten. Damit haben die Japaner nicht nur einen großen milt⸗ tärischen Erfolg zu verzeichnen, noch größer ist die moralische Niederlage der Russen und deren Rückwirkung auf die Stimmung, und auch das Siegesbewußtseln der russischen Truppen und der Bevölkerung des Zarenreiches. Aus der Masse der Nachrichten über diese Kämpfe sei zunächst eine Mitteilung des pu sischen Generalstabes vom 1. Mat erwahnt, welche besagte:„Japanische Batterien eröffneten am 1. Mat 4 Uhr früh ein sehr heftiges Feuer auf die russische Stellung bei Tiurent⸗ scheng und die Truppen bei Potetynzia. Ju Folge der erdrückenden Ueberlegen⸗ heilt der japanischen Artillerte an Zahl der Geschütze und in Folge der großen Verluste, welche die russischen Truppen in diesen Stell · ungen erlitten, hielt General Sassulitsch es für unzweckmäßig, bie Stellung bei Tlurentscheng welter zu behaupten.“ Und aus japanischer Quelle wurde über die Kämpfe am Jalu be⸗ richtet: Der Kampf dauerte Mittwoch, Don- nerstag, Freitag und Samstag. Am Donners⸗ tag vollführten die Japaner den Uebergang uͤber den Jalu und ihre Konzentratlon am rechten Üfer des Flusses. Am Freitag erstreckte sich der Kampf auf ein anges Geblet, wobei mit schweren Geschützen über den Fluß gefeuert wurde. Der Kampf wurde am Samstag bei Anbruch des Tages wieder aufgenommen. Wäh- rend der Nacht zum 1. Mai überschritten die Gar dediviston und die zweite Diviston der Ju. paner den Fluß und nahmen Fühlung mit dem linken Fluͤgel der Russen. Sonntag früh begann der allgemeine Angriff. An demselben nahmen sämtliche japanischen Batterien auf dem linken Flügel und die Kanonenbootsflottille teil. Sounkag um 11 Uhr vormittags wurden
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