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Seite 6.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Die Kriegsbriefe des Gene⸗ rals v. Kretschmann.
Seitdem Frau Lily Braun, die Tochter des Generals v. Kretschmann dessen an seine Gattin vom französischen Krigsschauplatze aus gerichteten Briefe herausgab, hat sich die Presse sehr ausgiebig mit ihnen beschäftigt. Von so⸗ genannter„patriotischer“ Seite wurden die in jenen Briefen geschilderten Vorkommnisse als unwahr hingestellt und der General selbst, dessen„gute Gesinnung“ doch über allen Zwei⸗ feln stand, in unschöner Weise verdächtigt. Ja, gegen die„Mainzer Volkszeitung“ soll sogar, wie wir bereits in voriger Nummer mitteilten, strafrechtlich wegen des Abdrucks jener Briefe eingeschritten werden. Zu dieser Hetze schrieb die Herausgeberin, Frau Braun bor einigen Tagen im Vorwärts:
„An den einzelnen Stellen seiner Briefe erzählt mein Vater von Ausschreitungen, Plünderungen, Grausam⸗ keiten, die sich die Deutschen zu schulden kommen ließen, und spricht offen und ehrlich von der durch den Krieg tief verderbten Moral. Sie verschwinden räumlich fast ganz im Vergleich zu den zahlreichen Beweisen eines glühenden, beinahe blinden Patriotismus und einer ein⸗ seitigen Vorliebe für den Soldatenstand, und doch ge⸗ nügten sie, um fast die ganze bürgerliche Presse Deutsch⸗ lands in chauvinistische Raserei gelangen zu lassen. Von den hessischen Käseblättchen an, die als Organ der Kriegervereine nahe daran waren, den toten Verfasser der Kriegsbriefe wegen Beleidigung zu ver⸗ Hagen, bis zu den Leitartikeln der„Münchener Neuesten Nachrichten“, die als Beweis gegen das von meinem Vater verurteilte Gebahren bayerischer Truppen die tönenden offiziellen Anerkennungen von Fürsten und Heerführern nach dem siegreichen Feldzug zitieren— ein Trompetengeschmetter beleidigter Hurrapatrioten!
Ziemlich deutlich lassen die Kritiker sich in die Menge derer einteilen, die nicht„dabei“ waren und in das kleine Häuflein jener, die„dabei“ ge⸗ wesen sind. Die tollsten Schreier sind natürlich die, denen die Schule die Helden von 1870—71 mit einem Heiligenschein überliefert hat. Es genügt ihnen nicht, daß sie fiegten, sie müssen auch als reine Tugendspiegel gesiegt haben, deren weißes Gewand wie das der Ritter vom heiligen Gral, trotz Pulverdampf und Blut, flecken⸗ los geblieben ist. Manch ein ehrlicher Schwärmer mag so urteilen, noch viel mehr aber handelt es sich dabei um Heuchler, die, ebenso wie sie dem Volke die Religion erhalten wollen, nur, um es zu knechten, auch den Heroenkultus zu schützen suchen. Er gilt, neben allem andern, auch als fester Damm gegen das Vordringen der roten Internationalen. Aus dem ganzen Gebahren dieser gegen die„Kriegsbriefe“, die an sich nichts weniger als umstürzlerisch sind, losgelassenen Meute geht hervor, mit welcher Angst die bürgerliche Gesellschaft um jeden Fuß breit Boden zittert, wie jedes abbröckelnde Stückchen alter Märchenherrlichkeit ihr als eines der„heiligen Güter der Nation“ erscheint. Dabei muß es heute für jeden oberflächlichen Kenner der Ge⸗ schichte, für jeden dilettantischen Psychologen feststehen, daß der Krieg, wie er einerseits große Charaktereigen⸗ schaften zur Erscheinung bringt,— Ausdauer, Mut, Tapferkeit,— er andererseits die niedrigsten Triebe — Selbstsucht, Habsucht, Grausamkeit, — auslöst. Man verurteilt keine Armee und setzt keinen Sieg herab, wenn man konstatiert, daß diese Triebe— zur Geltung kamen. Wie die Not Verbrechen und Prostitution erzeugt, so erzeugt auch der Krieg seine eigenen Laster. Darum kämpft ein aufgeklärter Mensch gegen die Not, nicht aber gegen die Soldaten.
Wer, wie ich, fünfundzwanzig Jahre seines Lebens fast ausschließlich in Offiziers⸗ kreisen lebte, wer nicht nur den eigenen Vater, an dessen Worte ich trotz aller Kriegervereine nicht zweifeln würde, sondern zahlreiche seiner zum Teil heute recht hohe Stellungen bekleidende Kriegsgefährten reden und erzählen hörte,— Männer, die, wenn sie unter sich sind, nie einen Augenblick die häßlichen Begleiterscheinungen des Krieges zu leugnen versuchen,— den muß die Heuchelei der Sorte von Vaterlandsliebe, die sich angesichts der„Kriegsbriefe“ hören ließ, doppelt an⸗ widern. Daß niemand von denen, die für meinen Vater und seine Auffassung von den Wirkungen des Krieges Zeugnis ablegen könnten, es getan haben, er⸗ scheint mir weniger verurteilenswert. Es sind alles Abhängige: abhängig von den Existenzbedingungen, der Familie, der Tradition, den Klassenvorurteilen. Wegen einer Wahrheit, die ihnen nicht mehr bedeutet, als ein toter Kamerad, wirft man das alles nicht über Bord. Umsoweniger, als die weitaus meisten unter ihnen die Wahrheit nicht anders ansehen, als die katholische Kirche die Bibel: sie taucht nur für die Geweihten und ist eine Gefahr für die Massen.
General von Bogulawski, der typische Vertreter der Kritiker, die„dabei“ waren und darum in der Ver⸗ urteilung der Kriegsbriefe zurückhaltend sind, sagt in der„Täglichen Rundschau“, daß ich 24 bis 30 Briefe und mehrere Stellen in den Briefen„geziemender Weise“ hätte fortlassen sollen. Diese Bemerkung wirft ein grelles Schlaglicht auf die Art, wie Geschichte gemacht wird und nach der Auffassung dieser Kreise sogar gemacht werden soll: man verfälscht die Wahrheit und schafft so einen in seiner Wirkung ewig dauern⸗ den Betrug. Das gehört aber mit zu jenen„Sün⸗ den wider den Geist“, die nie vergeben werden können. Zum Schlusse seines Artikels zitiert der General von Boguslawski den Ausspruch des Herzogs von Biron, als er die Guillotine betrat:„Ich war untreu gegen Gott, meinen König und meinen Stand; ich bereue“, und bemerkt dazu, daß die Herausgeberin der„Kriegs⸗ briefe“ dieses Bekenntnis wohl niemals ablegen würde. Er hat recht. Es giebt nur eine Treue: die gegen⸗ über der erkannten Wahrheit.„Wer die Wahrheit weiß und saget sie nicht, der ist fürwahr ein erbärm⸗ licher Wicht.“ Auch mein Vater hat nicht gewollt, daß sein Zeugnis der Wahrheit vernichtet werde. Er hat den Krieg immer als Geißel der Menschheit angesehen. Wenn seine Briefe dazu beitragen, den falschen Nimbus zu zerstören, mit dem ein kriegsfremdes Geschlecht ihn heute umgiebt, so haben sie auch in seinem Sinne ge⸗ wirkt.“
Zu der Frage, ob die deutschen Soldaten in Frankreich geplündert haben, ist interessant, was der verstorbene General und Admiral v. Stosch am 14. Februar 1871 an seine Frau schreibt:
„Ich habe reuig an mein Herz geschlagen und ihm geantwortet, daß auch ich Beute nach Hause gesendet habe. Die Ssévresfabrik(Porzellanfabrik) enthielt nur Staatsgut; als Granate auf Granate hineinschlug, ko n⸗ fiszierten wir die Vorräte, und sie wurden durch königliche Ordre verteilt. Ich war gerade an der Loire und wurde doch bedacht, und zwar durch den König und den Kronprinzen. Saint⸗Cloud wurde durch die Franzosen in Brand geschossen, ein Teil des Inhalts mit Lebensgefahr gerettet und ebenfalls als Staatsgut verteilt. Kirchbach war an beiden Orten kommandieren⸗ der Genera“, erhielt also die reichsten Geschenke und schickte sie in Kisten nach Hause. Wer will ihm daraus einen Vorwurf machen? Ich aber will auch keinen hören. Der Eigentumsbegriff schwindet notgedrungen in jedem Kriege, aber findet sich auch in geordneten Verhältnissen wieder ein. Ich selbst kann nicht leugnen, daß ich über den Besitz der Franzosen mit kaltem Blut verfüge, als ob es uns gehörte. Wer sich auf diesem Wege bereichert, tut Unrecht, denn die Werte gehören dem Staate: aber es ist Pflicht, die Kerls arm zu machen.“
5 1 „ Anterhaltungs-Ceil.
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Der Sieg des Schwachen.
Erzählung von Melchior Meyr.
(Fortsetzung.) Die Bäbe versetzte:„Wie ich dich im Pfarr⸗ haus den Gang hintergetragen hab', sind wir gesehen worden— von der Pfarrerin.“
„Von der Pfarrerin!“ wiederholte Tobias. „Also daher kommt's!“ Und mit dem Humor der Verzweiflung setzte er hinzu:„Nun,— und was weiter?“
„Den andern Morgen hat sie mir's vorge⸗ halten und mir den Dienst gekündigt.“
„So!“ erwiderte der Schneider.„Und mich hat mein Vater aus dem Pfarrhaus kommen sehen, hat mir aufgepaßt und mich geschlagen, bis er genug gehabt hat!“
„Ach, du armer Tobias!“ rief die Bäbe und faßte ihn mitleidig bei der Hand.
„Und die Leute wissen alles, die Ledigen haben heut ihren Spott mit mir gehabt im Wirtshaus und haben mich beinah aus der Haut geärgert— in drei Tagen wird man im ganzen Ries davon reden!“
„Da haben wir's“, versetzte die Bäbe. „Wer hätte gedacht, daß es uns so unglücklich ginge!“
Im Tone seines desperaten Humors fuhr der Schneider fort:„Was kann uns denn jetzt
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eigentlich noch passieren?“
„Nicht viel mehr“, antwortete die Bäbe.
„Das mein' ich auch,“ sagte der Bursche.
Schweigend sah er vor sich hin. Nach einer Weile richtete er seinen Kopf empor, seine Augen erweiterten sich, und er rief:„Nun paß' auf, was ich dir sag'! Ich hab' um dich Angst ausgestanden; ich hab' Schläg' ausgehalten und Schande verschluckt an allen Ecken und Enden. Jetzt bin ich fertig mit der Welt— und jetzt sag' ich dir: du, die Bäbe, die hier vor mir steht— du wirst mein Weib und keine andere!“
„O du guter Tobias“, rief die Bäbe, halb anerkennend, halb nicht zu glauben wagend.
„Bäbe“, rief der Schneider,„ich verlang', daß du mir glaubst! Meine Geduld ist am End'— kein Mensch geht mich jetzt mehr was an als du, und um keinen Menschen kümmer' ich mich jetzt mehr was! Ich bin vierund⸗ zwanzig Jahre alt, ich hab' mein eigenes Ver⸗ mögen, wenn's auch wenig ist, und kann tun, was ich will. Und ich d dem Alten auf, ich verlang' mein Geld heraus, und wir gehn mit⸗ einander fort in die weite Welt!“
Die Augen des Mädchens richteteten sich freudig und liebend auf den Schneider.„Wenn du das könntest,“ entgegnete ste,„dann wär'“ noch nichts verloren. Du weißt, daß ich mir noch was ausgedacht hab', was ich dir noch immer nicht hab' sagen können. Wenn du wirklich so denkst, dann können wir's mitein⸗ ander tun und die Leut' hier auslachen.“
„Bravo!“ rief Tobias.„Hier meine Hand! Was ich gesagt hab', geschieht!“
Die Bäbe drückte seine Hand und rief: „Ich dank' dir! Aber dort kommen Leute, und ich soll noch Milch holen. Gutnacht! Für heut ist's genug!—“
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Die Wolken, die sich erhoben und das kurze Gespräch unseres Liebespaares begünstigt hatten, brachten ein nächtliches Gewitter und dieses hatte eine Reihe von Regentagen zur Folge. Die Bauernfamilien sahen sich auf Arbeiten in Stube und Stadel angewiesen und lebten jede möglichst für sich. In solcher Zeit bietet das Dorf einen öden, ungeselligen Anblick. Man sieht nur selten Leute über die Gasse gehen, und diese nicht im vorteilhaftesten Auf⸗ zug; Weiber, die den veralteten Oberrock wie eine Kaputze über den Kopf gezogen haben, Männer in abgebleichtem Zwilchkittel und bräunlich gewordenem Schaufelhut. Die grau⸗ schmutzigen Wege und Plätze mit größern und kleinern Regenlachen gewähren kein sehr er⸗ freuliches Bild, und das regelmäßige Prasseln und„Pflatschen“ macht auf die Dauer einen kaum anders als langweilig zu nennenden Eindruck. Glücklich diejenigen, die ihr Vergnügen nicht außen zu suchen haben, sondern in sich selbst und bei den Ihrigen finden! Solchen freilich klingt der fallende Regen wie Musik, und das bescheidene graue Tageslicht tut ihren Augen wohl; denn wer bei sich selbst daheim ist, dem wird alles heimlich.
Unser Bursche saß am Schneidertisch und nähte. Er war nicht glücklich; aber infolge des gefaßten Entschlusses und des Abschlusses mit der Welt hatte doch eine gewisse Zufrieden⸗ heit in ihm Platz geuommen. Der dunkle Himmel und das eintönige Geprassel harmo⸗ nierten mit seiner Stimmung und schufen ihm ein düsteres Behagen. Ergebung und Hoffnung erfüll en sein Herz; er wußte, was er zu tun hatte, und brauchte sich darum auch nicht zu eilen, sondern konnte sich vorderhand noch ganz ruhig gehen lassen. Zuweilen sah er von seiner Arbeit auf und betrachtete gedankenvoll die herabstürzenden Tropfen, die ihn wie ein be⸗ wegtes Gitter von der Außenwelt schieden und einfriedigten.
Wenn er die Ausführung seines Entschlusses vertagte, hatte er nicht ganz unrecht. Einen Bruch mit seinem Vater gab's zwar immer; aber es war doch nicht einerlei, ob er unter Gun oder heftigeren Formen statthatte.
ermalen war für die Antragstellung in der
Tat die ungelegenste Zeit. Der Alte zeigte sich in den kiefsten Unmut versunken und ging
mit einem Gesicht herum, das auch einem
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