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Seite 4.
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Mitt ldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 6.
Agitator; der praktischen Polittt hielt er sich fern, trotz des großen Verständnisses, das er für sie besaß. Er blieb zeitlebens, als was er seine Laufbahn begonnen: kritischer Philosoph und Historiker. Labrioles Schriften gehören zu den besten Schöpfungen der internattonalen marxistischen Literatur und haben namentlich auf das Denken der italienischen Sozialisten in der günstigsten Weise klärend gewirkt.— Der Verstorbene war seit dreißig Jahren Professor an der Universität Rom, an der er mit Frei⸗ mut den Sozialismus lehrte.
Rußland und Japan.
Während noch vor wenigen Tagen alles auf friedliche Lösung der Differenzen hindeu⸗ tete, ist nach neueren Nachrichten die Lage ernster geworden. Von beiden Seiten werden die Rüstungen mit Eifer betrieben. Nach einer Petersburger Depesche der„Frkf. Ztg.“ soll sich der russische Kaiser dieser Tage ebenfalls in einem weniger friedlichen Sinne geäußert haben.
pon Nah und Fern.
Hessisches.
Die Zweite Kammer des Landtags tritt am 10. Februar wieder zusammen. Auf der Tagesordnung stehen etwa 20 Punkte, die kleinere Sachen, Anträge, Vorstellungen usw. betreffen. Nach Erledigung derselben beginnt voraussichtlich die Durchberatung des Staats⸗ budgets; der Bericht des Finanzausschusses dürfte annähernd u sein. Auch der Gesetzgebungs⸗Ausschuß hat eine Reihe von Vorlagen zur Berichterstattung fertiggestellt, so die neuen Feld⸗ und Forstfrevelgesetze, sowie das Gesetz betr. Reform des Beerdigungs⸗ wesens.
Der frühere hessische Staats⸗ mintster Dr. Finger ist am Samstag in dem hohen Alter von 79 Jahren gestorben. Er gehörte lange Jahre, von 1872 bis 1898 dem Ministerium an. Als Ministerialrat trat er 1872 in das Ministerium der Justiz ein und wurde im Jahre 1884 zum Minister des Innern und der Justiz ernannt.
Gießener Angelegenheiten.
— Die neue Irrenanstalt. In der Stadtverordneten⸗Versammlung am Donnerstag kam die Geländefrage für die neue Landesirren⸗ austalt zur Verhandlung. Es wurde gegen 4 Stimmen beschlossen, dem Staate das an der rechten Seite der Licherstraße am Wald gelegene Gelände für 75000 Mk. zur Verfügung zu stellen. Unsere Genossen stimmten dagegen, weil sie ganz mit Recht der Ansicht sind, daß die In⸗ keressen der Stadt hierbei benachteiligt werden. Vorher war Gelände am Rodtberg für die
Irrenanstalt in Aussicht genommen, das sich
meist in Privatbesitz befindet. Von diesen Be⸗ sitzern haben, was von Interesse ist, die Stadt⸗ väter Löber und Petri verhältnismäßig höhere Preise verlangt als andere, also nicht gerade viel Gemeinsinn betätigt.
— Die hohen Fleischpreise, die in gar keinem Verhältnis zu den gegenwärtig sehr billigen Viehpreisen stehen, waren in der letzten A e des soz.⸗dem. Wahlvereins Gegenstand der Besprechung. Ein gering⸗ bezahlter Arbeiter kann jetzt tatsächlich kaum noch ein Stückchen Fleisch für sich und seine Familie erschwingen. Nebenbei zeigt sich hier, wie auch der notleidende Mittelstand— das ehrsame Metzgerhandwerk— das Publikum zu schröpfen versteht. Leider ist wenig dagegen zu machen. Die Gemeinde könnte vielleicht etwas dagegen tun, wird es aber nicht.
— Christlich⸗soziales. Wie aus dem Bericht über eine neuerliche christlich⸗soziale Versammlung in Marburg hervorgeht(siehe unter„Marburg“), hat sich dort der penstonierte Pfarrer Hoffmann aus Gießen— derselbe, der bet der christlich⸗sozialen Versammlung in Gießen den Vorsitz führte und den wir in unserm damaligen Berichte irrtümlich Fromm nannten— mißbilligend darüber ausgesprochen,
daß im Gießener Wahlkreise stch bei der Stich⸗ wahl immer zwei Kandidaten gegenüberständen, die beide wenig christlich gestunt seien. Das Christentum des früheren teutschen Abg. Köhler scheint der Herr Pfarrer demnach nicht besonders hoch anzuschlagen. Wie es damit nach seiner Ansicht mit dem des Herrn Heyligenstaedt steht, geht aus dem Berichte leider nicht hervor. Aber dieser ist doch unseres Wissens Ehren⸗ mitglied bei einer ganzen Anzahl evangelischer Arbeitervereine c. und das könnte wohl dem Herrn Pfarrer genügen. Anscheinend hält er aber nur einen eifrigen Kirchengänger, einen Mucker zum Reichstagsabgeordneten für geeignet und man wird jedenfalls zur nächsten Wahl einen solchen präsentieren. Vergebliche Mühe! Das nächste Mal wird der Sozial⸗ demokrat gewählt!
— Welch schmutziger und gemeiner Kampfesweise sich die Antisemiten be⸗ dienen, ist allgemein bekannt. Einen neuen Beweis dafür lieferte dieser Tage wieder das ber—ühmte Blatt des Herrn Hirschel in Offeu⸗ bach. Es brachte folgenden niedrigen Anwurf:
„Von der Wahlprüfungskom mission des Reichstags wurde die Wahl des sozialistischen Abgeordneten Dr. Heinrich Braun wegen Wahlschwindeleten annulliert. Braun, ein eingewanderter ungarischer Jude, ist der Mann der Frauenrechtlerin Lilly Braun, einer Tochter des Generals v. Kretschmann, die durch die bekannte Veröffentlichung der Briefe v. Kretschmanns aus den Kriegsjahren 1870 und 71 das Andenken ihres Vaters in den Kot zerrte. Die Brauns waren auch bei dem Dresdener Parteitage wegen ver⸗ schiedener schmutziger Geschichten der Gegen⸗ stand von Angriffen“ ꝛc.
Brauns Wahl wurde für ungültig erklärt, weil die Konservativen und Bündler, die bekanntlich den Antisemiten nahe stehen, Flug⸗ blätter veröffentlichten, die Unterschriften von Beamten trugen, also— sie Wahlschwindel trieben, nicht die Sozialdemokraten, wie das Offenbacher Blatt bewußterweise lügt.— Der Entscheid der Wahlprüfungskommission des Reichstags entspricht der von ihr bisher beob⸗ achteten Praxis, die aber in diesem Falle, wie auch von Gegnern zugegeben wird, nicht das Richtige trifft.— Bezüglich der Kriegs⸗ briefe verweisen wir auf die Erklärung der Frau Braun auf Seite 6 dieser Nummer, dar⸗ aus geht hervor, daß andere Leute, nicht seine Tochter, das Andenken des Generals v. Kretschmann in den Kot zerren. Die Ehe⸗ leute Braun stehen in geistiger und moralischer Beziehung so hoch über den antisemitischen Verfassern obiger Pöbelei, daß es überflüssig ist, ein Wort zur Abwehr zu sagen. Hirschel wäre gerade der Rechte, andern Leuten Moral zu predigen.
— Ueber den Krankenkassentag in Leipzig werden die Gießener Delegierten vor⸗ aussichtlich demnächst in einer öffentlichen Ver⸗ sammlung Bericht erstatten. Das ist sehr not⸗ wendig, denn es muß über die Konflikte, welche in verschiedenen Orten zwischen Aerzten und Kassen ausgebrochen sind, Klarheit unter den Kassenmitgliedern geschaffen werden, zumal ge⸗ wisse Blätter falsche und gehässige gegen die Arbeiter gerichtete Darstellungen bringen.
Aus dem Rreise gießen.
— Wegen Errichtung eines Ge⸗ werbegerichts für den Kreis Gießen soll ein Gesuch an das Kreisamt gerichtet werden. Zu diesem Zwecke sind Petitionslisten ausgegeben und den Genossen in den einzelnen Orten zugeschickt worden. Orte, in denen ge⸗ werbliche Arbeiter beschäftigt sind, die aber Listen noch nicht erhalten haben und solche wünschen, wollen sofort bei der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Ztg. welche verlangen. Es wird ersucht, die Listen zirkulieren zu lassen und womöglichst bald, spätestens bis 20. Feb⸗ ruar an den Vorsttzenden oder Vertrauensmann des Kreiswahlvereins oder an die Expedition unseres Blattes einzusenden. Hinzugefügt sei noch, daß für die Unterschriften der Arbeitgeber eine besondere Rubrik vorgesehen ist. Es ist
wünschenswert, daß eine möglichst große Zahl Arbeitgeber das Gesuch mit unterstützen und die mit der Unterschriften⸗Sammlung be⸗ auftragten Leute wollen darauf ihr Augenmerk richten. Die Unterschriften müssen natürlich persönlich geschehen.
— Zum diesjährigen Kreisfest. Die bevorstehende Kreiskonferenz hat bekanntlich über den Ort, wo das Kreisfest stattfinden soll, zu beschließen. Vom Vorstand des Kreiswahl⸗ vereins werden wir ersucht, bekannt zu geben, daß die Genossen derjenigen Orte, welche das Kreisfest wünschen, ihre diesbezüglichen Anträge bis spätestens 24. Februar einreichen sollen.
— Wieseck. Auf den Vortrag der Frau Dr. Michels, die am Sonntag abend 8 Uhr im Saale des„Gambrinus“ über„Die soziale Frage“ spricht, sei nochmals aufmerksam gemacht. Die Parteifreunde werden gebeten, pünktlich am Platze zu sein und auch dafür zu sorgen, daß Frauen zahlreich an der Ver⸗ sammlung teilnehmen. Zur Versammlung hat selbst⸗ verständlich jedermann Zutritt, auch findet Diskussion statt,
— Arbeiterfürsorge! Aus Lollar schreibt man uns: Der Artikel von Dr. Michels in der letzten Nummer der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung legt es uns nahe, doch auch hier ein Mal nach den so viel gerühmten Arbeiterwohlfahrtseinrichtun⸗ gen der Unternehmer zu suchen. Hier in Lollar lacht man über die Lobhudelei der Soldschreiber und Redner des Unternehmertums, denn hier dürfte in Bezug auf die Main⸗Weser⸗Hütte auch dem eifrigsten Lobredner nichts Rühmenswertes einfallen. Weihnachten, wo alle Beamten, große und kleine, beschenkt werden, ist nur unfruchtbar für die Arbeiter, junge Leute dagegen, die nur einige Tage da sind, werden beschenkt, während Arbeiter, die mehr wie ein Menschenalter im Betriebe sind, leer ausgehen. Jüngeren Leuten, deren Haupt⸗ tätigkeit darin besteht, daß sie die ohnehin niedrigen Akkordlöhne zu„regulieren“, richtiger herabzudrücken suchen, erhalten Uhren und andere Dinge als Grati⸗ fikationen. Die organisierten Arbeiter verzichten ja gerne auf solche Geschenke, sie wollen nur anständige Behand⸗ lung und anständige Löhnung. In dieser Beziehung wird noch viel gesündigt, ob schon wir anerkennen müssen, daß dies ohne Willen und Vorwissen des Direktors geschieht; da wir ihn nur als humanen, gerechten Herr kennen gelernt haben. Vielleicht veranlaßt ihn unsere Zuschrift, mehr darauf zu sehen, daß auch seine Beamten mehr in seinem Geiste handeln, für alle Beteiligten dürfte dies angenehm und nützlich sein.
— Aus Steinberg. Am Sonntag hielt der sozialdemokratische Wahlverein seine gut besuchte Gene⸗ ralversammlung ab. Der Kassenbericht ver⸗ zeichnet eine Einnahme von Mk. 200,27, eine Ausgabe von Mk. 158,83, somit bleibt Mk. 41.44 Bestand. Nachdem der Kassierer entlastet, wurde die Vorstands⸗ wahl vorgenommen, welche die Wiederwahl fast aller seitherigen Vorstandsmitglieder ergab. Aus dem Bericht des Bibliothekars geht hervor, daß das Lesebedürfnis sich im letzten Jahre in recht erfreulicher Weise gesteigert hat. Unter Verschiedenem wurde nochmals beschlossen, an den Gemeinderat das Ersuchen zu richten, unseren Antrag, die Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen betreffend, auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinde⸗ ratssitzung zu setzen, um von demselben einen bestimmten Beschluß zu bekommen. Zum Schlusse gab Genosse Häuser einen Rückblick auf das Jahr 1903. Er er⸗ innerte an den Reichstagswahlkampf, welcher uns einen glänzenden Sieg gebracht. Der 16. Juni bilde einen Markstein in der Geschichte der deutschen, sowohl, wie der gesamten internationalen Sozialdemokratie. Die „Arbeiterfreundlichkeit“ des Unternehmertums zeigte sich in Iserlohn, Pirmasens und zuletzt in Crimmitschau. Aber trotz aller Gewaltmaßregeln, trotz Bülow⸗Reden und Kardorff⸗Rotte werde der Sozialismus zum Siege gelangen.— Die Versammlung nahm diese Ausführungen beifällig auf.
— Daubringen. Einen Familienabend be⸗ stehend in Gesang, Vorträgen und Tanz, hält der Wahl verein diesen Samstag, 6. Febr. abends 8 Uhr im Saale bei Wirt Schäfer ab. Unsere Parteifreuude werden ersucht, für recht zahlreiche Beteiligung an der Veranstaltung zu wirken.
Eingesandt. (Für den Inhalt der unter dieser Rubrik veröffent⸗
lichten Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.)
Kommunales aus Wieseck. Obwohl unsere Gemeinde für dieses Jahr den Bau der Wasserleitung und für nächstes Jahr den Bau einer Schule vorgesehen hat, bewilligt der Gemeinderat für weitere Bauten Mittel, als ob die Gemeinde über Tausende zu verfügen hätte, was doch leider nicht der Fall ist. So wurde in einer der letzten Sitzungen Er⸗
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