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russischen Grenze besitzt.
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Witte ldeutsche Sonntags ⸗Jeitung.
Befriedigung des Spieltriebes der Kinder sollten genügende Spielräume der Jugend von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.
Die Sozialdemokratie hat sich ferner der Schule anzunehmen, die in jeder Gemeinde mustergiltig entwickelt werden muß. Die Ge⸗ meinde hat sich auch der jungen Leute über das schulpflichtige Alter hinaus anzunehmen. Auch die künstlerische Erziehung gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Gemeinde. Daß Krankenhäuser und ähnliche Wohlfahrts⸗ institutionen von der Gemeinde errichtet und erhalten werden müssen, versteht sich von selbst. Trotzdem fehlen sie heute noch in vielen Städten oder wo städtische Krankenhäuser vorhanden sind, befinden sie sich in mangelhaftem Zustande und haben ungenügendes ärztliches und Pflege⸗ personal.
Ferner müssen die Gemeinden für muster⸗ giltige Arbeitsbedingungen in ihren eigenen Betrieben sorgen. Hier kann sie den Unternehmern als beachtendes Beispiel dienen. Heute ist's damit vielfach schlimm bestellt. Wir verlangen ausreichende Alters- und Invaliden⸗ versicherung für die Arbeiter. Und wenn man für den besser gestellten Beamten einen mehr⸗ wöchigen Erholungsurlaub für notwendig hält, warum nicht für die Arbeiter!
Das Submissions wesen bedarf eben⸗ falls einer gründlichen Veränderung. Gemeinde⸗ vertreter müssen bei der Vergebung der Arbeiten ausgeschieden werden. Wir wollen nicht, daß das Amt eines Gemeindevertreters zu persön⸗ lichen Zwecken ausgenutzt wird.— Im all⸗ gemeinen muß es unsere Aufgabe sein, die Wählerschaft über unsere Ziele mehr als bis⸗ her aufzuklären und ihr zu zeigen, daß die Stadtgemeinden im Sinne der Sozialdemokratie geleitet werden müssen, wenn sie im Interesse aller wirken sollen. Wenn die Gemeinde das ist, was sie sein sollte, dann werden Wunder⸗ werke für die Gesamtheit unserer Volksgenossen gerade aus ihnen erwachsen.
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Politische Rundschau.
Gießen, den 3. November 1904.
Ein Parteitag für Preußen
soll zwischen Weihnachten und Neujahr in Berlin zusammentreten. Es soll auf dem⸗ selben über speziell preußische Angelegenheiten, 3. B. die Schulfrage, das Kontraktbruch⸗ Ne Wohnungsgesetz, die Wahlrechts⸗ rage und einige andere Gegenstände be⸗ raten werden. Der Zusammentritt dieses soztaldemokratischen Preußentags wird ein poli⸗ lisches Ereignis werden nicht bloß für Preußen allein, sondern für das übrige Deutschland auch. Im preußischen Herrenhause ward das Wort gesprochen, daß„Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt voran sei“, und jenes Haus der verstaubten Perücken, der muffigsten Reaktion hat durch sein Milieu dem Worte auch die richtige Bedeutung verliehen. Denn Preußen ist die reaktionäre Vormacht Deutschlands, Deutschland ist darum auch das festeste Bollwert, das die Reaktion westlich der isisc Darum ist eine der wichtigsten Sorgen der Reaktion, die Sozial⸗ demokratie, in der allein sich heute aller prak- tischer Fortschritt verkörpert, von allen preußischen Angelegenheiten fernzuhalten.—
Die Sozialdemokratie, die numerisch die weitaus stärkste Partei Preußens ist, besitzt im preußischen Landtag keinen einzigen Vertreter. Der bürgerliche Freisinn hat bei den letzten Landtagswahlen lieber auf alle sozialdemokratische Wahlhilfe verzichtet, und Kreise, die er hätte erobern können, den Junkern überlassen, als daß er der gehaßten und gefürchteten Arbeiter⸗ partei auch nur zur Erringung eines einzigen Sitzes ßehilflich gewesen wäre. Augeblich tritt die bürgerliche Linke des Abgeordnetenhauses für das allgemeine und gleiche Wahlrecht ein, kommt es aber zum Klappen, dann weigert sie sich, die Pforten des Landtags einer Partei zu öffnen, die nach einem wirklich europätschen Wahlsystem über einen guten Teil sämtlicher Sitze verfügen müßte. Die Sozialdemokraten
Preußens, die nicht im preußischen Landtag reden dürfen, werden nun vor dem preußischen Landtag ihre Stimmen erheben, und man wird sie hören müssen. Denn je eindringlicher sich die Sozialdemokratie mit preußischen Angelegen⸗ eiten beschäftigt und je begreiflicher es den
assen wird, daß die jetzige preußische Wirt⸗ schaft nicht ewig dauern darf, desto höher wird der Einfluß unsrer Partei zwar nicht im preußischen Staat, aber doch im preußischen Volk steigen.
Die zweiundzwanzig roten Mandate von Sachsen waren die Qutttung, die das sächsische Volk seiner Regierung für ihre reaktionäre Mißwirtschaft überreichte. Wenn erst die Preußen sehen lernen, wie es in ihrem engeren Vaterland zugeht, wird es auch hier nicht anders kommen können. Und dann wird es heißen: die Sozialdemokratie in Preußen voran, die Sozialdemokratie in Deutschland voran, die Sozialdemokratie in der Welt voran. Dazu soll der preußische Parteitag helfen!
Wieder mehr Soldaten und neue Panzerkähne
fordert die deutsche Reichsregierung. Wenig⸗ stens wurde von verschiedenen Blättern ange⸗ kündigt, daß der in wenigen Wochen wieder zusammentretende Reichstag sich mit einer Er⸗ höhung der Armee⸗Präsenzstärke von zwanzig⸗ tausend Mann zu befassen habe werde. Außer⸗ dem werde auch eine starke Flottenvermehrung auf der Bildfläche erscheinen, und alle Dementis dieser Nachricht seien nicht das Papier wert, auf dem ste gedruckt sind, denn man wolle zu⸗ erst die Armeevermehrung in die Scheuern bringen und nachher mit eben solcher Euergie auf die Verstärkung der Marine dringen.— Das ist schon viel eher zu glauben, als daß etwa die preußische Regierung das allgemeine Wahlrecht für den Landtag einzuführen beab⸗ sichtige.— Schon oft haben Minister das Be⸗ stehen von Militär⸗ und Marine⸗Vermehrungs⸗ Plänen abgeleugnet und kurze Zeit darauf selber die Vorlagen eingebracht.
Verderbliche Wirkung des Zolltarifs.
Welche erhebliche Schädigung die deutsche Zollpolitik unserer auf den Export angewiesenen Fertigindustrie zufügt, stellt, worauf ein Partei⸗ blatt hinweist, der Lüdenscheider wie auch der Solinger Handelskammerbericht fest. Die Aus⸗ fuhr nach Rußland hat bereits erheblich nach⸗ gelassen; beide Berichte wissen aber auch von einer die deutsche Industrie verdrängenden Praxis in der Handhabung der bestehenden Verträge zu berichten, wie sie seitens Oesterreichs beliebt wird. Einzelne Artikel werden plötzlich unter Tarifnummern rubriziert, welche um 100 und mehr Prozent höhere Zölle vorsehen, als die bisherigen Sätze. Dadurch wird die Export⸗ fähigkeit mancher Artikel vollständig unter⸗ bunden. In den Kreisen der Fertigindustrie und Halbzeugverbraucher macht sich nun erklärlicher⸗ weise eine starke Bewegung gegen die Zölle auf Rohmaterial und Halbzeug geltend. Zu spät!l
Zwecklose Millionen⸗Ausgaben.
Nach einer Mitteilung der„Chronik der christl. Welt“ sind in den letzten Jahrzehnten nicht weniger als 55 Kirchen allein in Berlin errichtet worden! Denkmäler des heute in ge⸗ wissen Kreisen herrschenden frömmelnden und reaktionären Geistes. Und dafür sind über 31 Millionen Mark aufgewendet worden! — Als des römis gen Reiches innerer Verfall sich bereits in erheblichem Maße vollzogen hatte; als die Religion der Christusbekenner immer mächtiger und siegreicher vordrang und die alte Ordnung der Dinge untergrub— da nahmen die heidnischen Mächtigen noch einmal ihre Zuflucht zu den alten Göttern. Neue Tempel, einer herrlicher als der andere, wurden ihnen errichtet, mit Aufwendung ungeheuerer Opfer an Geld und Arbeit. Und doch sanken die Götter vom Himmelsthron. Aehnlich verfahren heute die herrschenden Klassen. In kaum zwanzig Jahren ist in Berlin die Riesensumme von 31 Millionen Mark für prächtige Gottes⸗ häuser geopfert worden. Man will unter allen Umständen„dem Volke die Religion erhalten“.
Aber gleichgültig gehen die Massen d an ihnen vorüber; die Weltanschauun neuen Zeit tritt in ihre Rechte. Götter helfen nicht!
Schutz der„nationalen“ Unzucht.
In München tagte ein internationaler Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhan⸗ dels. Auf der Vorbesprechung dieser Tagung, an der auch Regierungsvertreter teiln spielte sich nach unserem Münchener Parteiblatte ein niedlicher Zwischenfall ab. Als nämlich ein Redner erwähnte, daß zwischen den größeren Bordellen Kartelle beständen zur Auswechs⸗ lung der Ware, daß z. B. die Budapester öffentlichen Häuser Ungarinnen nach Ham⸗ burg verschickten, sprang der Vertreter des Hamburger Senates, Regierungsrat Sthammer erregt auf und bemerkte:„In den Hamburger
Bordells dulden wir keine Auslän⸗
derinnen, sondern nur Einheimische.“ Wer stch der Szene im Reichstag erinnert, als Bebel von den Hamburger öffentlichen Häusern sprach und ihm der Bundesrats bevollmächtigte der Hansestadt stolz entgegnete:„In Hamburg gibt es keine Bordelle“, wird sich über die un⸗ vorsichtige Wahrheitsliebe des Herrn Regierungs⸗ rates nur freuen können.
Interessant ist auch der wahrhaft„patrio⸗ tische“ Gruudsatz, die Konkurrenz der auslän⸗ dischen„Arbeiterinnen“ zu beseitigen. In anderen Fällen denkt man nicht so und schaffte am liebsten Kulis herbei, um die einheimischen im Preis zu drücken. Auch Herrn Ballin sind die Aus⸗ länder recht willkommen. Die„horizontale“ Arbeit muß geschützt werden, in ihr darf kein Preisdrücken herrschen, sie scheint also in den Augen des Senats eine privilegierte Stellung einzunehmen, deren Vorteile den teutschen Jung⸗ frauen zugute kommen müssen.
Am Ende aber ist der Herr Regierungsrat doch schlecht unterrichtet, denn die staats⸗ erhaltenden Elemente, die dem deutschen Volke die billigere und bessere ausländische Fleisch⸗ nahrung vorenthalten, schwärmen doch sehr für festes und junges ausländisches Weiber⸗ fleisch.
Sozialistische Wahlerfolge.
In Freistett, einem bisher durchaus natio⸗ nalliberalen Orte im badischen Oberlande— dem sogenannten Hanauerlande— siegten unsere Genossen bei der Bürgerausschußwahl in der dritten Klasse. Sämtliche sozialdemokratische Kandidaten sind gewählt, darunter acht Tabak⸗
arbeiter.— Das kleine Dorf Ziegenhain
bei Jena(bekannt durch die Ziegenhainer Stöcke) wählte einen Sozialdemokraten zum Bürgermeister. ö
Einigung der französischen Sozialisten. Nachrichten aus Frankreich lassen erkennen,
daß die vom Amsterdamer Kongreß angeregte
Einigungsbewegung unter unsern dortigen Ge— 1 9 nossen gute Fortschritt- macht. In dem National⸗
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rat der„Jauresisten“ gelangte eine Resolution
zur Annahme, in welcher es heißt, daß die Partei entschlossen sei, die Organisation des Proletariats in einer Klassenpartei anzustreben
und in der Propaganda des sozialistischen End⸗ ziels zu verharren.
vollkommnung der sozialpolitischen Gesetzgebung, ö für die Sicherung der vollständigen Verwelt⸗
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Gleichzeitig wird betont, 1 daß die Partei energisch eintrete für die Ver⸗
die Einführung der zweijährigen Dienstzeit, die ale
Einkommensteuer und die Arbeiterpensionen.
Schließlich wurden 15 Mitglieder in das Eini⸗
gungskomité gewählt.
revolutionären Sozialistischen Partei mitgeteilt und dieser antwortete sofort in entgegen⸗ kommendem, der Einigkeit sehr sympathischem Sinne. Jedenfalls beweisen diese Beschlüsse, daß der Wille zum Frieden auf beiden Seiten vorhanden ist und das ist die Hauptsache.
Das französische Ministerium
war am Freitag nahe daran, gestürzt zu werden. Sein Sturz war von den Nationalisten, Kleri⸗ kalen und ihren Verbündeten geplant, wenigste
Die beschlossene Reso: 5 lution wurde dem Sekretär des Zentralrates der


