Ausgabe 
6.3.1904
 
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Seite 6.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Von Nah und Fern.

Ein schändlicher Raubmord

wurde am Freitag(26. Febr.) in der Mittags⸗ stunde in Frankfurt a. M. an dem Klavier⸗ händler Lichtenstein verübt. Der scheußliche Mord erregte umsomehr Aufsehen, als er im belebtesten Teile der Stadt, Zeil Nr. 69, neben der Katharinenkirche, am hellen Tage begangen wurde. In dem betreffenden Hause befand sich das Pianofortelager und das Bureau der Firma Lichtenstein, wo sich der Ermordete gewöhnlich in der Mittagsstunde allein befand. Diesen Umstand kannten die Täter jedenfalls und grün⸗ deten darauf ihren verbrecherischen Plan. Zweifel⸗ los waren mehrere Personen an dem Ver- brechen beteiligt und es gilt als ausgeschlossen, daß einer den kräftigen, anfangs der Fünfziger Jahre stehenden Mann bewältigen konnte. Man fand seine Leiche mit furchtbar zugerich⸗ tetem Kopf, die Schädeldecke war vollständig zertrümmert. Um den Hals war ein Strick acht bis zehn Mal geschnürt, sodaß gleichzeitig Totschlag und Erdrosselung vorliegt. Dadurch war es Lichtenstein wohl unmöglich, um Hilfe zu rufen. Die Klaviere in der Nähe der Leiche waren mit Blut bespritzt. Die Ver⸗ letzungen schienen von einem scharfkantigen Eisen, einem Meisel oder Stichhammer herzu⸗ rühren. Geraubt wurden 850 Mk. aus dem Geldschranke, ebenso waren der Leiche des Er⸗ mordeten die goldene Uhr und alle übrigen Wertsachen abgenommen. Die Mörder entkamen wunderbarerweise, denn sie haben nach den Fest⸗ stellungen kaum eine Viertelstunde Zeit zur Verübung ihrer grauenvollen Tat gehabt. Unter den etwa 40 Verhafteten, die im Verdachte der Täterschaft stehen, befindet sich auch der Klavier⸗ transporteur Groß, gegen den die Verdachts⸗ momente besonders schwerwiegend seien. Er wird streng bewacht.

Ein sideles Gefängnis scheint sich der Duellmörder Falkenhagen, der wegen Tötung des Landrats v. Bennigsen seit zwei Jahren die Festung Weichselmünde ziert, dort eingerichtet zu haben. Der Brave hatte sich am 23. Febr. vor dem Schöffengericht in Danzig wegen Beleidigung seiner Wachmann⸗ schaft zu verantworten. Falkenhagen wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Die Vorfälle auf der Festung Weichselmünde, welche diese Verhandlung zur Folge hatten, teilten wir be⸗ reits mit. Falkenhagen weigerte sich im Sep⸗ tember v. J. nach einer von den Festungs⸗

gefangenen veranstalteten Festlichkeit im dienst⸗

lichen Auftrage bei ihm erschienenen Militär⸗ personen zu gehorchen, gebrauchte angeblich die Worte:Wer hier hineinkommt, den steche ich über den Haufen und soll auch gesagt haben:Von solchen Leuten(er meinte an⸗ scheinend die wachhabenden Soldaten) sei er schon einmal bestohlen worden.

Aus dem Gegenwartsstaate.

Schlecht und recht brachte sich die 59 jährige Kleidermacherin Dominika Witsch von Durach in Württemberg bis jetzt mit ihren beiden Schwestern in der bayrischen Stadt Kempten durch, zahlte ihre Steuern und war niemanden im Wege. Jetzt wurde sie krank, ihr Erspartes ging darauf und die Armenpflege mußte ihr helfen. Nun kann sie fast gar nichts mehr ver⸗ dienen. Da kam die Stadtgemeinde, um ihr zu helfen? Beileibe nicht! Sie wurde aus gewiesen, trotzdem sie schon viele Jahre in der Stadt Kempten wohnt und sich mit ihren Schwestern dort eine Heimat gegründet hatte. Ihre Beschwerde bei der Regierung in Augsburg wurde abgewiesen. Die nahezu 60 Jahre alte, kranke Frau wird nun von ihren Angehörigen gerissen, muß die Stadt verlassen und in ihrem Geburtsort in Württemberg bet⸗ teln gehen. Herrliche Welt!

Eine elektrische Schnellbahn

soll zwischen Hamburg und Berlin ange⸗ legt werden. In der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses erklärte der Eisenbahnminister Bub de, ein Konzessionsgesuch

für eine elektrische Schnellbahn Berlin--Ham⸗

burg mit einem Anlagekapital von 150 Mill. Mark sei beantragt. Der Plan unterliege augen⸗ blicklich eingehender Prüfung im Eisenbahn⸗ ministerium.

Brandkatastrophe in Paris.

In einer Fabrik von Zelluloidkämmen am Boulevard Sebastopol unweit der Zentralmarkt⸗ hallen, entstand am Samstag(20. Feb.) infolge einer Exploston eine Feuersbrunst, durch die 12 Personen getötet und 14 zum Teil schwer verwundet wurden. Durch die Exploston wurden die Nachbargebäude zum Erzittern ge⸗ bracht und alle Schaufenster zertrümmert. Gleich nach der Exploston schlugen helle Flammen aus den Fenstern des Gebäudes, in welchem sich die Fabrik befindet, heraus. Das Haus geriet so⸗ fort in Brand..

Ein Gotteslästerer.

Der kindlichfromme Glaube, daß alles, was geschieht, auf göttliches Eingreifen zurückzuführen sei, kann unter Umständen auch recht seltsam betätigt werden. Der Schmiedemeister von Holzkirchen bei Vilshofen in Bayern, Josef Petz, sah und verehrte auch in allen Natur- erscheinungen das göttliche Walten, wie es ihn der Herr Pfarrer von Jugend auf gelehrt hatte. Diese Religiosität wurde ihm zum Ver⸗ hängnis. Als im Juni vorigen Jahres über die Fluren der Gemeinde Holzkirchen ein euer Hagelschauer niederging, der die Felder schwer heimsuchte, da versetzte das Unglück den Schmied in eine starke Erregung. Da der frommgläubige Mann auch hierin das Werk Gottes erblickte, machte er seinem Unmut in einer Gotteslästerung Luft, die von verschiedenen Leuten, darunter auch von seinem Bruder, gehört wurde. Dieser war ebenfalls ein sehr frommer Mann und hielt sich deshalb verpflichtet, den eigenen Bruder wegen Gotteslästerung dem Gericht zu denunzieren. So kam der so frommgläubige Schmied vor die Passauer Strafkammer und wurde wegen Gotteslästerung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Dahin kanns mitunter kommen, wenn man den Leuten Tag für Tag einredet, Gott hätte alles verfügt, was vor⸗ geht und was die Menschen an Gutem und Schlimmem erleben.

10 f Unterhaltungs-Ceil.

E Boffnung.

Soweit zurück ich denken kann,

Kenn' ich den Kummer, kenn' ich Sorgen. Der Hunger wiegte oft mich ein, J

Er weckte, ach, mich oft am Morgen.

Warum hab' denn nur ich allein Vergebens nach dem Glück gejagt d Warum blieb ich nur freudenlos d So habe ich mich oft gefragt.

Bin ich es wirklich, der allein!

So schwer vom Schicksal ward getroffen PB 4 Sind's nicht noch and're, die, wie ich,

Auf ferne bess're Tage hoffen d

Noch and're sind es, die wie ich,

Entbehren lernten und entsagen,

Und die, wie ich, trotz alledem,

Auf Besserung zu hoffen wagen.

2

Millionen sind es, die, gleich mir, Vom Glücke wurden stets vergessen, Millionen, die ihr täglich Brot

Im Schweiß des Angesichtes essen.

Doch hoffen wir! Es kommt ein Tag, Wo uns're Sklavenketten brechen. Schon weicht die Nacht, die Sukunft wird Ob der Vergangenheit uns rächen.

Oskar Vogel.

die Quelle gewaltsamer Taten sprudelt

0 ö

Der Sieg des Schwachen.

Erzählung von Melchlor Meyr. 23.(Fortsetzung.) g

Ja, du lieber Himmel, versetzte das Weib immer noch zweifelnd,da muß sich ja dann die ganze Welt verwandelt haben!

Die ganze Welt nicht, bemerkte der Sie⸗ ger wieder freundlich,aber ich hab' mich ver⸗ wandelt, Bas'! Ich hab' endlich getan, was ich schon lang hätte tun sollen!

So? versetzte die N indem sie den Blick auf die Verwüstung richtete;das muß ich sagen!

Tobias, ihre Gedanken erratend, entgegnete. Darauf kommt nichts an. Mit einer Karlin ist der Schaden wieder gut gemacht; was es mir aber genutzt hat, das würd' ich nicht um tausend Karlin hingeben! So, klaubt die Scher⸗ ben zusammen und macht dann, daß wir eine Suppe kriegen!

Während das Weib die Trümmer auflas, öffnete die Tür sich wieder, und Kaspar trat ein, von einem Gange herkommend, den ihm der Vater aufgetragen. Auch er hatte die Leute vor dem Hause gefragt, aber schon eine weniger tragische Antwort erhalten, und er ging in die Stube mit der Aussicht auf die 1 Demütigung des Bruders. Als er iesen stolz und zufrieden neben dem Vater stehen sah, gaffte er ihn an.

Tobias rief:Ah, Du kommst grad recht! und mit dem Blicke eines Gebieters fügte er hinzu:Hilf der Bas' die Sachen zusammen⸗ klauben! Mach!

Der Bube, mit entrüstet trotziger Miene, sagte:Klaub' du nur selber zusammen!

Da ging Tobias auf ihn zu, erhob die Rechte und rief:Willst du gleich helfen, dummer Bub', oder ich geb' dir eine Ohrfeig', daß du den Himmel für eine Baßgeig' anstehst!

Kaspar, der den Bruder entschlossen, den Vater unbeweglich sah, bekam eine Ahnung vom Stande der Dinge, ging knurrend beiseite und gehorchte.

Nachdem so ziemlich aufgeräumt war, eilte die Walpurg aus der Stube. Bald ließ sich auf der Gasse ein Gemurmel hören nebst Aus⸗ rufen der Verwunderung, und der Haufe zer⸗ streute sich. Die Alte kam dann mit einem Kübel voll Wasser und einem Waschlappen zu⸗ rück und begann die völlige Reinigung der Stube.

Nach einer guten halben Stunde saß die ganze Famtlie friedlich beim Abendessen. Alle Spuren der Zerstörung waren verwischt die Stube frischer als vorher und so heimlich als jemals. Tobias hatte die Zeit zu seiner Exe⸗ kution insofern gut gewählt, als am Samstag Boden, Tisch und Bänke ohnehin geputzt wer⸗ den mußten; es machte kaum besondere Arbeit nötig, und die Haushälterin konnte noch am Tage die Suppe auftragen. Die gute Alte war nach ihm am vergnügtesten. Ueber die Ereignisse des Abends in der Hauptsache unterrichtet, freute sie sich herzinniglich, daß ihr geheimer Liebling den bösen Alten sogekriegt hatte und seinen lieben Schatz zum Weibe haben. sollte. Einen ganz besonderen Spaß machte es ihr, daß der Kaspar, der auch sie durch grobe Reden schon öfters geärgert hatte, lächerli verdutzt dreinschaute und nichtMau zu sage wagte. Sie betrachtete ihn und den Vater, und eine Schadenfreude umspielte ihre Lippen, so tief und frisch und doch so gutmütig, daß sie 1 alten Gesicht ordentlich etwas Anmutiges gab. i Gegen das Ende des Essens veränderte sich die Miene des Alten, und er machte ein selt⸗ sames Gesicht. Nachdem der Auftritt in jedem Betracht geendigt war, hatte er ihn doch wieder überdenken müssen und staunte nun hinterdrein über seine Möglichkeit. Das Ganze erschien ihm wie ein toller Traum, lächerlich und dessen⸗ ungeachtet über die Maßen ernsthaft.Soll ich dem Burschen jetzt wirklich nachgeben müssen? Soll ich verloren haben? Diese Frage 79 sich noch einmal in ihm, und er überlegte. Aber alle bessern Gründe sprachen fürs Nachgeben

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