Ausgabe 
6.3.1904
 
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Nr. 1. l.

10.

Mittel deutsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 7.

Nicht r sich in füge er beschloß, mit guter Manier sich zu fügen. i Tobias erhielt eine Ahnung von diesen

inneren Vorgängen und fühlte sich durch Gut⸗

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mütigkeit und Klugheit getrieben, den Ueber⸗ wundenen durch freundliche Reden munterer zu machen und ihm namentlich durch kindliche Be⸗ scheidenheit wohlzutun. Er war, wie gesagt, erleuchtet und hatte noch einen Zweck; er wollte, das Eisen schmiedend, so lang es noch warm war, heute noch die Geldfrage erledigen. Als die Walpurg in die Küche, Kaspar aus der für ihn höchst unheimlichen Atmos⸗ phäre in den Hof abgegangen war, sagte er: Vater, ich glaub, es ist das beste, wenn wir heut auch gleich ausmachen, was ich von dir zum Heiratsgut bekomme. i

Der Alte, das Praktische dieses Antrags erkennend, erwiderte mit kuriosem Lächeln: Ja, das glaub' ich schon auch, daß dies das beste ist! 5

Nun, rief unser Bursche treuherzig,so sag mir gleich, was du über das mütterliche Vermögen von dir noch geben willst!

Der Alte besann sich und nannte ihm end⸗ lich eine Summe, die nach Verhältnis seines von Tobias nicht ganz gekannten Vermögens gering war, so daß der geltebtere Kaspar immer noch um ein Gutes besser bedacht werden konnte. Der Sohn erkannte wohl, daß der Vater ihn keineswegs begünstigte, aber er war in höherem Schwunge der Seele nebenbei gesagt, auch um dieses froh! und versetzte:Damit bin ich zufrieden und dank' dir schön! Er reichte dem Alten die Hand, und dieser, von solcher Bescheidenheit und Brapheit beinahe ge⸗ rührt, drückte sie ihm väterlich.

Nach einer Pause begann derselbe mit teil⸗ nehmend zweifelndem Ausdruck:Was willst du denn aber jetzt eigentlich tun? Wenn das Mädchen hundert Gulden hat, wird's alles sein; oder hat sie mehr?

Tobias erwiderte groß:Danach frag' ich gar nicht.

So! meinte der Alte mit irontscher Be⸗ wunderung.Aber auf die Art bringt ihr nicht viel über tausend Gulden zusammen, und du bist das notige Leben nicht gewohnt.

Not werden wir nicht leiden, warf Tobias bestimmt ein.

Wo vollt ihr denn aber hin? fragte der Alte;im Dorfe ist nichts frei. Und als dritter könntest du von der bloßen Schneiderei ohne ein ordentliches Anwesen hier gar nicht leben.

Im Dorfe will ich auch nicht bleiben, versetzte der Sohn.

Wo denn? fuhr der Alte fort.Weißt du etwas in der Nachbarschaft? Oder, setzte er etwas spöttisch hinzu,im Kesseltal?

Tobias zeigte ein Gesicht wie einer, der seiner Sache gewiß ist, und erwiderte:Vater, ich mein', wir haben heut' genug miteinander ausgemacht. Lassen wir's dabei beendet sein, morgen ist auch noch ein Tag. Ich weiß, wo ich hingehör' und wo ich mein Glück machen muß und wenn ich das sag', dann ist's genug. Der Alte schaute ihn an und schüttelte den Kopf.Darf's der Vater nicht wissen?Jetzt noch nicht, versetzte der Bursche, und da er im Gesicht des Alten tiefen Unglauben erkannte, stand er auf und sagte: Vater, vertrau' mir! Ich hab' dir heut' gezeigt, daß ich etwas kann, was du mir vorher

hnicht zugetraut hattest(Unverschämter Mensch!

dachte der Alte)und jetzt soll's immer so

fortgehen(Gute Aussichten!).Vom heutigen

Tage hebt für mich ein neues Leben an. Ich

werde glücklich, ich werde, und das in nicht gar zu langer Zeit, ein reicher und angesehener

Mann sein und du wirst deine Freude an

mir haben. Der Alte war versucht, ihm

ins Gesicht zu lachen; er begnügte sich indessen mit einer Gebärde, die ungefähr sagte:Ich muß dich jetzt gehen lassen! Wenn du ein

Narr und Bettler wirst, ist's deine Sache.

Tobias beachtete diese Bewegung um so weniger, als es unterdessen dunkel geworden

Der Glückliche hätte nun zur Bäbe gehen und der Guten, Lieben und Treuen den Erfolg

war und die Glockebedächtig neun Uhr schlug.

mitteilen können; aber er hatte sich etwas anderes ansgedacht, was ihm schöner dünkte; und da ihn die Ergebnisse des Tages doch ermüdet hatten, sagte er dem Vater herzlich Gute Nacht und ging 15 Bette.

Am andern Morgen war unser Schneider der Löwe des Tages. Der Abend des Sams⸗ tags ist auch für den Bauer eine Ferienzeit; man besucht sich mehr als sonst in der Woche, das Wirtshaus hat größern Zuspruch und man überläßt sich mit reinerm Behagen der Lust des Gesprächs. Daß nun ein Auftritt, wie der zwischen Tobias und seinem Vater, mit der größten Schnelligkeit im ganzen Dorf herumkam, ist bei dem Interesse, das die Familie schon auf sich gezogen hatte, nicht zu verwundern. Aus den Vermutungen des Trupps, der vor dem Hause stand, aus der Nachricht der Walpurg, die den Streit als nicht der Rede wert darstellte, und endlich aus den Zu⸗ sätzen phantasiebegabter Erzähler bildeten sich verschiedene Lesarten, die sich zum Teil stark widersprachen. Nach den Ansichten der meisten hatte es in dem Schneiderhause eineschreckliche Geschichte gegeben; denn die Walpurg mochte sagen, was sie wollte daß weder der alte noch der junge Schneider ins Wirtshaus kamen, was sie sonst an diesem Tage nie versäumten, das war deutlich genug. Nach den einen jedoch hatte der Vater den Sohn halb totgeschlagen. nach den andern der Sohn den Alten mit

einem Hammer oder Beil auf den Kopf getroffen,

daß das Blut in der Stube herumlief daß er einenTreff hatte auf sein Lebtag und am Ende noch das Gericht cinschreiten mußte. Sonntags in der Früh klärten sich die Meinungen. Die Ansicht vieler kam der Wahrheit ziemlich nahe; nur blieb das letzte Ergebnis des Streits unbekannt. Daß der junge Schneider diesmal über den alten Herr geworden, das stellte sich eine halbe Stunde vor der Kirche bei den meisten als gewiß heraus. Und diese Tatsache erschien allen ungemein spaßhaft, wenn man full noch nicht wußte, was nun daraus werden ollte.

Als zur Kirche geläutet wurde, sah man den alten Schneider allein aus dem Hofe treten und still und ernst dem Gotteshause zugehen. Weder auf dem Wege noch in der Kirche selbst konnte man an seinem Kopfe die geringste Spur einer Verletzung wahrnehmen; diejenigen, die noch daran gehalten hatten, mußten ihre Meinung verbessern. Von der Kirche ging er erbant und, soweit es seine andächtige Stimmung zuließ, heiter nach Hause. Er war aber zugleich so in sich gekehrt, daß ihn auch nähere Bekannte nur grüßten und nicht zu fragen den Mut hatten.

Im Pfarrhause war das Ereignts erst kurze Zeit vor dem Beginn des Gottesdienstes bekannt geworden. Der Grund war, daß sich die Frau Lehrerin am Samstag unpäßlich fühlte, abends nicht mehr ausging und auch am Sonntag erst spät sich erheben konnte. Die Lesart, die durch ein Bauernweib an die Pfarrerin kam, meldete arge Händel zwischen Vater und Sohn, wobei sie sich wechselseitig beschädigten und viele Ge⸗ schirre zugrunde gingen.Also wieder! sagte sich die Frau mit Ernst und Unmut, wie sie allein war.Nun wird's bald unmöglich, den Skandal vor meinem Mann länger zu verbergen! Daß er von der letzten Geschichte nichts erfahren hat, ist schon ein Wunder(übrigens aus dem Charakter des Geistlichen und aus ihren eigenen Vorkehrungen zu erklären). Aber jetzt, wo die Sache wieder aufgerührt ist, wird am Ende doch etwas an ihn kommen und es wird vielleicht notwendig werden, ihm alles zu sagen. Wollte Gott, das Mädchen hätte mein Haus nie betreten! Das Zu⸗ sammenschlagen der Glocken mahnte sie, die sonntägliche Toilette zu vollenden und stch ins Gotteshaus zu begeben. Hier konnte sie von ihrem Stuhl den alten Schneider nicht sehen, und auf dem Heimwege fragen wollte ste nicht; ihre bedenkliche Stimmung erfuhr daher keine

Milderung. (Fortsetzung folgt.)

M

Gemeinnütziges.

Schuhwerk geschmeidig zu machen.

Das Leder der Schuhe und Stiefel macht man weich und erhält es bei neuem Ansehen, wenn man es an Stelle dev Stiefelwichse mit Glycerin einschmiert. Insbesondere ist dieses Mittel bei neuen, engen Schuhen zu empfehlen, da das nicht leicht austrocknende Glycerin ste auch geschmeidig erhält. Bei älteren Schuhen und Stiefeln wäscht man zuerst die Wichse ab und trägt das Glycerin auf, wenn das Leder noch feucht ist.

Splitter.

Der Mensch bedarf so unendlich vieler äußerer Vor⸗ und Mitwirkung zu einem leid⸗ lichen Dasein, daß, wenn er der Sonne und der Erde, Gott und der Natur, Vorvordern und Eltern, Freunden und Gesellen immer den gebührenden Dank abtragen wollte, ihm weder Zeit noch Gefühl übrig bliebe, um neue Wohl⸗ taten zu empfangen und zu genießen.

Goethe.

** *

Man muß nicht durch Gesetze regeln wollen, was die Sitte regelt. 5* 5 Der Charakter ist ein Fels, an welchem

gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern. Kant.

5 Humoristisches.

Auch ein Veweis. Bauer:Unser Bürger⸗ meister ist ungemein beliebt! Ich glaub', wenn's bei dem amal brennet' kein Mensch im ganzen Dorf tät löschen!

Der sächsische Geheimrat spricht:Und woher, meine Herrn, woher gommt denn das ganze sogenannte soziale Elend? Der wiehste Luxus in Zigarren und Lagerbier, die Butzsucht, de außerehelichen Niederginfte, de Brostitution, de erwertriewene Ginder⸗ sterblichkeit!! von der verfluchten Sozial⸗ demokratie!!!

Geschichtskalender.

6. März. 1886: 3. Sozialistengesetzverlängerung. 1877: Johann Jakoby f.

7. 1901: Grubenunglück auf ZecheKonsolidation bei Gelsenkirchen 10 Tote.

3. 1875: Staatsanwalt Tessendorf löst die soz. Partei auf.

9. 1897: Reichsratswahlen in Wien, soz. Stimmen.

10. 1832: Mazzint, soz. Revolutionär f. 1793: Einsetzung des franz. Revolutionstribunals. ö

11. 1901: Eisenindustrieller Stumm 7.

12. 1898: Genosse Krewinkel, Aachen f. 1. Lesung der Umsturzvorlage.

5.

Zur Beachtung für alle, welche an die Redaktion schreiben.

1. Wenn du etwas einer Zeitung mitteilen willst, tue dies rasch und schicke es sofort ein; denn was neu ist, wenn du es denkst, ist viel⸗ leicht nach wenigen Stunden nicht mehr neu.

2. Sei kurz; du sparst damit die Zeit des Redakteurs und deine eigne. Dein Prinzip sei: Tai sachen, keine Phrasen.

3. Sei klar, schreibe möglichst mit Tinte und leserlich, besonde 8 Namen und Ziffern; setze mehr Punkte als Komma.

4. Schreib nichtgestern oderheute, sondern den Tag oder Datum.

5. Korrigiere niemals einen Namen oder eine Zahl; streiche das fehlerhafte Wort durch und schreibe das richtige darüber oder daneben.

6. Die Hauptsache: Beschreibe nie beide Seiten des Blattes. Hundert Zeilen, auf einer Seite geschrieben, lassen sich rasch zer⸗ schneiden und au die Setzer verteilen.

7. Gieb der Redaktion in deinen sämtlichen Schriftstücken Namen und Adresse an. Anonyme Zuschriften kann die Redaktion nie berückfichtigen,

88 000

1895: