Ausgabe 
6.3.1904
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung

Nr. 10

Hierfür bekäme er festen Gehalt. Die ehrenamtliche Stellung, die der Redner als Präsident des Hessischen Landwirtschaftsrats und der Landw. Genossenschaften bekleide, bringe keinerlei pekuniäre Vorteile.

Der Angegriffene Joutz sagt, bei dem Bahnbau Bußzbach Lich habe er nach der Bewilligung des Staatszuschussesnur eine geschäftliche Tätig⸗ keit entwickelt und die ihm für seine große Mühe seit dem Jahre 1894 angebotene Belohnung angenommen, was man ihm nicht verwehren könne. Es sei niemand benachteiligt; durch die gute Verzinsung machen die Ge⸗ meinden sogar noch ein Geschäft. Für das abgeschlossene Geschäft, das ihm angeboten worden, habe er Steuer bezahlt und werde er das Geschäft, wenn er Gelegenheit habe, wieder machen. Als der Abg. Reinhart s. Zt. Auffichtsrat der Bank war, gingen Millionen ver⸗ loren, durch ihn(Joutz) sei niemand benachteiligt.

Abg. Ulrich hat sich mit der Frage beschäftigt, ob es zulässig sei, ob J. als Geschäftsmann und als Ab⸗ geordneter zwei Gesichter zeigen könne, wie geschehen. Als Geschäftsmann durfte J. den Handel ganz gut machen, als Abgeordneter aber nicht. Diese beiden Eigenschaften habe J. miteinander verquickt. Wenn J. als Abgeordneter zu geschäftlichen Angelegenheiten berufen wurde, mußte der Geschäftsmann Joutz ausscheiden, daran ist nicht zu rütteln. Wenn J. noch den Ge⸗ meinden mitgeteilt hätte, daß er die 6 Prozent verdiene, lag die Sache anders; so habe er sich auf eine schiefe Sbene und das Haus in eine unangenehme Lage gebracht, Die Verteidigung des Abg. Joutz sei zwar die einzige richtige, doch habe derselbe seine Stellung falsch aufgefaßt.

Abg. Molthan(Ztr.) und Ko rell(Bauernbund) mißbilligen ebenfalls das Geschäft des Herrn Joutz, während Reinhart sich dagegen verwahrt, daß er die Angelegenheit aus politischem Hasse zur Erörterung ge⸗ bracht habe. Finanzminister Gn auth erklärt, daß durch das Finanzministerium Klarheit in der Sache ge⸗ schaffen worden sei, da man sich mit den beteiligten Ge⸗ meinden ins Benehmen gesetzt habe. Dieselben haben nachträglich einen Beschluß gefaßt, daß sie mit dem Vorgehen des Joutz nicht einverstanden seien, be⸗ sonders, daß man den Betrag in die Baukosten einstelle. Der Voranschlag habe s. Zt. auch im Ministerium Auf⸗ sehen erregt durch die hohen Posten und hatte dasselbe etu Interesse daran, Aufklärung zu erhalten. Im übrigen hoffe er, daß er in Eisenbahnaugelegenheiten auch fernerhin mit allen Abgeordneten mit Ausnahme des Herrn Jo utz mit dem seitherigen Vertrauen arbeiten könne. Joutz verteidigt sich hierauf nochmals

mit der geheuchelten Naivität, die er in dieser Sache

an den Tag zu legen für gut findet. Dann wird der Gegenstand verlassen.

Man sollte meinen, daß nach einer solchen eiustimmigen Verurteilung der Handlungsweise des Abg. Joutz dieser nichts eiligeres zu tun haben müßte, als schleunigst das Mandat seinen Wählern zur Verfügung zu stellen. Bis jetzt scheint ibm aber dieser Gedanke noch nicht gekommen zu sein. Einem Manne allerdings, der so seinen Vorteil wahrzunehmen versteht, mag es schwer fallen, auf die Diäten zu ver⸗ züchten. Wir wollten einmal dieOrdnungs

iter hören, wenn es sich um einen Sozial⸗ b

demokraten handelte! Ja, wenn ein sozial⸗ emokratischer Stadtverordneter einige Rosen⸗ kohlköpfchen im Felde abgerissen hat, verkündet man durchPrivatdepeschen der ganzen Welt das Verbrechen. Amtsblatt⸗Moral!

Pon Nah und Lern.

Gießener Angelegenheiten.

Im Wahlverein waren die Mitglieder zu der letzten Versammlung am Samstag recht zahlreich erschienen und verfolgten mit Interesse die Ausführungen des Genossen Krumm, der überGemeindepolitische Fragen sprach. Er verglich die Gemeindesteuer⸗ und Oktrollasten, sowie die Preise der von der Stadt hergestellten, zum Verbrauch der Einwohner bestimmten Ar⸗ tikel nach den amtlichen statistischen Angaben und es geht daraus hervor, daß in Gießen die Berhältnisse ungünstiger liegen, als in jeder andern hessischen Stadt. Es sind sowohl die Gemeindesteuern, als auch die Preise für Gas und Wasser höher als in andern Städten. Nur das Oktroi ist niedriger. Dagegen sind die Begräbniskosten außerordentlich hoch und hterin muß bald eine Aenderung herbeigeführt werden. Das habe seinen Grund mit darin, daß die Friedhofsanlage viel zu teuer sei. Man sage zwar, der Voranschlag sei nicht über⸗ schritten worden, aber der Voranschlag wurde

eben gleich so festgesetzt, daß eine Ueberschreitung nicht gut möglich war. Trotz der hohen Wasser⸗ preise steht das Wasserwerk finanziell ungünstig. Jetzt liege die Frage vor, wie die Kosten der Kanalisation aufzubringen seien und es sei hier schwer, das Richtige zu treffen; z. B. ob der Gesamtheit die Kosten aufzubürden seien oder ob man hauptsächlich die Hausbesitzer heran⸗ ziehen solle, und es sei der Vorschlag einer Bier steuer gemacht worden. Gegen Vermeh⸗ rung der indirekten Steuern müßten wir uns aber wenden. An den Vortrag schloß sich

eine recht anregende Diskusston. Die meisten

Redner sprachen sich gegen Vermehrung in⸗ direkter Steuern aus. Nachdem noch die Wahlen zur Kreiskonferenz vorgenommen waren, erfolgte Schluß der Versammlung.

Unglaubliche Verdächtigungen werden von der Ordnungspresse gegen die So⸗ zialdemokratie anläßlich der in verschiedenen Städten ausgebrochenen Streitigkeiten zwischen Aerzten und Krankenkassen geschleudert. Was da zusammengefabelt wird, geht auf keine Kuhhaut und besonders das beliebte Thema vomsozialdemokratischen Terrorismus wird in allen Variationen heruntergehaspelt. Da ist eine Erklärung interessant, welche die Ar⸗ beitgeber einer großen Zahl Ortskranken⸗ kassen erlassen haben und in welcher sie sich gegen die in letzter Zeit vielfach hervorgetretene Be⸗ hauptung wenden, daß die Ortskrankenkassen meist von einer bestimmten politischen Partei beherrscht und ihre Maßnahmen und Beschlüsse von irgendwelchen politischen Erwägungen beeinflußt würden. Sie erklären, daß Politik in den Kassen nicht getrieben, vielmehr alles in sachlichster Weise erledigt werde, keinesfalls würden die Arbeit⸗ geber von den die Mehrheit bildenden Vertretern der Arbeitnehmer majorisiert.

Ob diese Erklärung auf die Scharfmacher⸗ und Sozialistenhetzblätter etwas ernüchternd wirken wird, ist allerdings fraglich. Denn der Gesellschaft ist jedes Mittel gegen die Sozial⸗ demokratie recht; in blinder Wut werden die ungeheuerlichsten Lügen gegen die Sozialdemo⸗ kratie geschleudert. Dabei hat die Partei mit der Aerztefrage eigentlich gar nichts zu tun. Bedauerlich ist, daß auch die Aerzte mit den gewagtesten Behauptungen operieren und vor Unwahrheiten gröbster Art nicht zurück⸗ schrecken. So trat neulich einer imGieß. Anz. mit der unsinnigen Behauptung auf, Laß die Kassenrendanten Gehälter von 1017000 Mk. bezögen. Der Artikelschreiber kann sich zu seiner Deckung nicht auf den Minister Möller berufen; denn die Unwahrheit einer solchen Behauptung erkennt jedermann ohne Weiteres. Und indem es Derartiges kritiklos veröffentlicht, macht sich das Amtsblatt ebenfalls der Unwahrheit schuldig. Ihm brauchts zwar auf eine mehr oder weniger nicht anzukommen, es ist nicht die erste und wird nicht die letzte sein. 5

Auf die Konsumvereins⸗Versamm⸗ lung, welche diesen Sonntag nachmittags 4 Uhr im Lokale desGambrinus, Kirchstraße, statt⸗ findet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Es ist nicht nur gestattet, sondern sogar sehr er⸗ wünscht, daß sich die Frauen der Mitglieder recht zahlreich an der Versammlung beteiligen und nicht bloß als stumme Zuhörer, sondern sie sollen ihre Wünsche und Beschwerden in bezug auf das Geschäft ungeniert vorbringen. Dies umsomehr, als in manchen hier in Betracht kommenden Dingen die Frauen ein sachverstän⸗ digeres Urteil abzugeben in der Lage sind und ihre Kritik deshalb bei der Geschäftsleitung mehr Beachtung finden muß, als diejenige der Männer. Die Versammlung wurde gerade in Rücksicht auf die Frauen auf den Sonntag Nach⸗ mittag gelegt.

Zur Mär zfeier beabsichtigt die hiesige Parteileitung eine große Volksversammlung zu veranstalten, in der ein auswärtiger Redner über 1848er Märztage sprechen soll. Voraus⸗ sichtlich findet die Versammlung am Samstag, den 19. März statt. Gewerkschaften und be⸗ freundete Vereine, deren regelmäßige Versamm⸗ lungen auf diesen Tag fallen, wollen Rücksicht auf die Märzfeier nehmen.

Volksversammlungen. Von Seiten des Bäckerverbandes sind in Gießen und Um⸗ gebung eine Anzahl Versammlungen einberufen

worden, um gegen die Maßregelungsgelüste der 6 Gießener Innungsbäckermeister zu protestieren. Die Versammlungen finden statt: in Heuchel⸗

heim: Samstag, den 5. März abends ½9 Uhr bei Wirt A. Rinn; in Wieseck: Sonntag nachm. 4 Uhr bei Wacker; in Gießen: Montag 9 Uhr abends in Lony's Bierkeller und in Lollar Dienstag abends ½9 Uhr in der Traube. Tagesordnung in allen Versamm⸗ lungen:Die sanitären Zustände in den Bäckereien und die Maßregelungspläne der Gießener Bäcker⸗Jnnung.

Die Tochter unseres Genossen Louis Opificius in Frankfurt, Frl. Marie Opificius, hat in Freiburg i. B. das Staats⸗ examen als Aerztin bestanden. Opifictus ist auch in Gießener Parteikreisen bestens bekannt, wo man die erfreuliche Nachricht mit regem Interesse vernehmen wird.

Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen Grünberg.

Auf der Konferenz waren 13 Orte durch 29 Dele⸗ gierte vertreten. Als Vorsitzende werden Beckmann und Häuser⸗Steinberg bestimmt. Ersterer, als Vor⸗ sitzender des Kreiswahlvereins, erstattet kurz Bericht über die Parteitätigkeit im zweiten Halbjahr 1903, woran sich der Kassenbericht des Vertrauensmannes anschließt. Die Gesamteinnahmen betrugen danach Mk. 606.07, denen Mk. 582.65 Ausgaben gegenüberstehen. Für die Unterstützungskasse in Sterbefällen wurden Mk. 180.10 vereinnahmt und Mk. 149.50 verausgabt. Der Ge⸗ samtbestand beträgt Mk. 330.60. Die Revisoren be⸗ stätigten die Richtigkeit der Abrechnung. In der sich an die Berichte anschließenden kurzen Debatte wird

gewünscht, daß die Agitation etwas lebhafter betrieben

werden möge und angeregt, Agitationsbezirke zu bilden. Ferner weist der Kassierer darauf hin, daß, nachdem die Partei in stärkerer Anzahl im Reichstage vertreten sei, größere finanzielle Mittel benötigt würden. Deshalb müßten wir ebensogut wie die anderen Genossen im Reiche zu den Kosten beitragen, sonst sei der Partei⸗ vorstand nicht in der Lage, die nötigen Ausgaben zu decken. Als Vertrauensmann wird Bock wiedergewählt. Dr zweite Punkt: Organisation, wird auch nur kurz behandelt. Es wird hervorgehoben, daß wir be⸗ strebt sein müssen, in allen Orten des Kreises, wo keine Parteivereine bestehen, zuverlässige Verbindungen zu erhalten. Beschlossen wird, daß es mit dem Ein⸗ trittsgeld in die Vereine bei den gegenwärtigen Be⸗ stimmungen verbleiben soll. Zum folgenden Punkt: Gemeinderats wahlen referiert Häuser⸗Steinberg. Im Hinblick auf die im Herbste stattfindenden Wahlen zu den Gemeindevertretungen sei es notwendig, sich ein⸗ gehend mit den Bestimmungen der Landgemeindeordnung vertraut zu machen und sich rechtzeitig nach tüchtigen Genossen umzusehen, welche in der Lage sind, die In⸗ teressen der Minderbemittelten im Gemeinderat zu ver⸗ treten. Das sei nicht so leicht, weil überall die Gegner in der Mehrheit sind. Darauf ist auch die Landgemeinde⸗ ordnung zugeschnitten, die bestimmt, daß die Mehrheit (5 Mitglieder) aus dem Drittel der Höchstbesteuerten genommen werden muß. Im Weiteren befürwortet Redner, daß das Landeskomitee die Drucklegung der Landgemeindeordnung, sowie des soz.⸗dem. Kommunal⸗ programms veranlassen solle. Es wird nach kurzer Debatte beschlossen, einen diesbezüglichen Antrag an das Landeskomitee zu richten. Der Antrag der Genossen in Altenbuseck betr. den Erlaß der Beiträge während Krankheitsfällen, wird abgelehnt, weil bereits im Landes⸗ statut diese Bestimmung enthalten ist. Auch dem Antrag von Lollar, den Beschluß einer früheren Konferenz, daß die Konferenzen stets in Gießen stattfinden sollen, anfzuheben, wird nicht zugestiamt. Das dies⸗ jährige Kreisfest wird in Steinberg abgehalten. Schließlich wird noch eine Resolution beschlossen, wo⸗ durch die Preßkommission aufgefordert wird, nach besten Kräften für baldige Schaffung eines Tageblattes zu wirken. Hierauf erfolgte Schluß der Konferenz.

Aus dem Rreise gießen.

Der Arbeiterzug von Grünberg,

der dort früh 5.46 abging und in Gießen 6.46 eintraf, geht bekanntlich ab 1. März bereits 4.34 morgens von Grünberg ab und trifft in Gießen 5.32 ein. Das ist für die Arbeiter, welche diesen Zug benutzen müssen, eine sehr unangenehme Einrichtung. Für die meisten be⸗ ginnt die Arbeitszeit um 7 Uhr und diese es kommen da mehrere hundert Arbeiter in Be⸗

tracht sind gezwungen, mehr als eine Stunde ö

Zeit zu vertrödeln. Im Wartesaale des Bahn⸗

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