Ausgabe 
5.6.1904
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

legenheit müssen wir auch den Klagen Ausdruck geben, die gegen den Sekretär des Gewerbegerichts erhoben werden, der die Arbeiter kurz abfertigt und ihre Anträge auf Verhandlung vor den Beisitzern unbeachtet läßt. Die Arbeiterbeisitzer sollten die Klagen nachprüfen und wean sie berechtigt sind, bei dem Vorfitzenden Be⸗ schwerde führ en.

h. Ueber die Eingabe der Installateure verhandelten die Stadtverordneten in der letzten Sitzung. Wir kommen gelegentlich no) darauf zurück. Warum über die Enteignungssache Raab nicht öffentlich verhandelt werden soll, ist nicht recht ersichtlich. Es wäre von Interesse für die Bevölkerung, zu sehen, welchen Preis der steinreiche Raab von seiner Vaterstadt für ein paar Quadratmeter Land fordert, das er s. Zt, von dem Musterbürger Packard für eine Bagatelle er⸗ worben hat.

h. Der Spar⸗ und Bauverein für Arbeiterwohnungen hielt am Samstag seine Generalversammlung ab, die ziemlich zahl⸗ reich besucht war. Es wurde die Statutenbe⸗ ratung vorgenommen und der vorgelegte Ent⸗ wurf mit kleinen Aenderungen genehmigt. Hier⸗ auf wurden als Vorstand 3 Mitglieder und 9 in den Aufstchtsrat gewählt. Mit der nötigen

Umsicht und im richtigen Geiste geleitet, kann der Verein recht segensreich wirken; denn die Wohnungsverhältnisse liegen in Wetzlar schlimmer als in mancher Großstadt.

h. Das städtische Freibad ist seit Montag wieder eröffnet und zwar an den Wochentagen zu fol⸗ genden Tagesstunden: von 68 Uhr vormittags, von 101 Uhr mittags und von 48 Uhr nachmittags. Sonntags ist nur von 611 Uhr vormittags geöffnet.

o. Bestrafter Fastnachts aufzug. Das Wetzlarer Schöffengericht verhandelte am Freitag gegen 17 junge Leute aus Krofdorf, welche am Fastnachtsdienstag einen humoristischen Auf⸗ zug veranstalteten, durch den sich der Bürger⸗ meister Lichtenthäler beleidigt fühlte. Außerdem soll für den Aufzug, den wir in vorletzter Nr. näher beschrieben haben, nicht die im preuß. Vereinsgesetze vorgeschriebene polizeiliche Ge⸗ nehmigung eingeholt worden sein und deshalb

auch wegen diesesVerbrechens Anklage erhoben.

Die Angeklagten wurden von Rechtsanwalt Kaufmann⸗Gießen verteidigt, der eingehend dar⸗ legte, daß hier weder Beleidigung, noch Verstoß gegen das Vereinsgesetz vorliege und der deshalb Freisprechung beantragte. Trotzdem wurden fämtliche Angeklagten zu je 10 Mk. Geldstrafe verurteilt und ihnen auch die Kosten des Ver⸗ fahrens auferlegt. Außerdem wird dem Bürger⸗

meister das Recht der Publikation des Urteils

im Wetzlarer Amtsblatt auf Kosten der Ange⸗

klagten zugesprochen.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. 1. Wahlverein. Die letzte Sitzung des

soz. Wahlvereins war ziemlich gut besucht.

Ehe man zur Tagesordnung überging, ehrte man das Andenken des verstorbenen Genossen Weiershäuser in üblicher Weise. Der Vor⸗ sitzende erstattete alsdann Bericht über die po⸗ litische Lage in Deutschland, wobei er u. g. den neugebackenen Reichsverband gegen die Sozial⸗ demokratie, die Nachwahlen zum Reichstage und das Parteischiedsgericht besprach. Hieran schloß sich eine lebhafte und interessante Diskussion. Während einige Redner die neue Sozialistentöter⸗ Organisation als bedeutungslos bezeichneten,

waren andere der Meinung, daß man jedenfalls damit zu rechnen habe. Unsere Mißerfolge bei den Nachwahlen müßten zu denken geben. Man war jedoch allgemein der Ansicht, daß der Dres⸗ dener Parteitag daran weniger schuld sei; doch

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es müßte endlich einmal mit den ewigenEr⸗

klärungen und persönlichen Streitigkeiten ein⸗

elner Genossen im Vorwärts und andern Parteiblätter aufhören. Dtese Auseinander- setzungen empfänden die Parteigenossen peinlich und es müßte dagegen protestiert und verhütet werden, daß etwa in Bremen Fortsetzung folge. Die weitere Distussion drehte sich noch um die FrageRevisionismus oder Radikalismus? wobei die in der Partei nach vieser Richtung hin zu tage getretenen Meinungsverschiedenheiten besprochen wurden. Die Versammlung war einig in der Ansicht, daß unsere Partei keine Veranlassung hat, etwas an ihrem bewährten Programm, noch an ihrer

zu ändern.

sieggekrönten Taktik

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r. Maurer⸗Aussperrung. Die Bauunter⸗ nehmer Marburgs haben die Bauarbeiter ausgesperrt. Für Dienstag Nachmittag 4 Uhr war eine gemeinschaft⸗ liche Maurerversammlung des Zentralverbandes und des Christlichen Maurerverbandes anberaumt worden, um über die Antwort der Unternehmer auf die einge⸗ reichten Forderungen zu beraten. Letztere lauten auf 10stündige Arbeitszeit und 40 Pfg. Stundenlohn. Die Vereinigten Bauunternehmer antworteten darauf: Es steht jedermann frei, 10 oder 11 Stunden zu ar⸗ beiten. Der Lohn wird nach Leistung bezahlt und be⸗ trägt der Höchstlohn 37 Pfg. Die Versammlung sollte nun weitere Maßnahmen beschließen. Bevor die Maurer jedoch die Baustellen verließen, um zur Versammlung zu gehen, wurde ihnen folgender Ukas der Arbeitgeber bekannt gemacht:

Die vereinigten Bauunternehmer von Marburg haben beschlossen, jeden Maurer, der heute Nachmit⸗ tag die Arbeit niederlegt und in die um 4 Uhr statt⸗ findende Maurerversammlung geht, sofort zu ent⸗ lassen.

Trotzdem war die Versammlung stark besucht, nur einzelne in Marburg beschäftigte Leute waren fernge⸗ blieben. Hüttmann vom Zentralverband besprach zuerst die Antwort der Unternehmer. Um zu sehen, wie sich die Maurer dazu stellen, sei die Versammlung in die Arbeits zeit gelegt worden. Da hätten plötzlich die Unternehmer den Arbeitnehmern die Pistole auf die Brust gesetzt und bekannt machen lassen, wer zur Ver⸗ sammlung gehe, ist entlassen. Es sei doch das gute Recht jedes Staatsbürgers, sich zu versammeln, wann und wo es ihnen gefällt und es fiele den Arbeitern auch nicht ein, den Unternehmern den Zeitpunkt ihrer Versammlungen vorzuschreiben. Schließlich riet Hüttmann, sich am andern Tage wieder auf den Baustellen einzu⸗ finden, um zu sehen, ob die Unternehmer ihre Drohung wahr machen würden. Man müsse alles versuchen, um auf friedlichem Wege eine Besserung zu erreichen. Dem schloß sich Becker vom christlichen Verbande an. Dann wurde gegen eine starke Minderheit, die für sofortige Arbeitsniederlegung war, beschlossen, Mittwoch früh sich wieder zur Arbeit zu stellen. Tatsächlich wurden nun 140 Maurer ausgesperrt. Es arbeiten nur noch 25 Mann, die jedenfalls bis Samstag auch aufhören werden. Die Polizeibeschützt die Baustellen, hat aber noch keine Arbeit gefunden. Ein heraus gegebenes Flugblatt mahnt zur Einigkeit. Gegenwärtig herrscht eine rege Bautätigkeit und man wird ja sehen, ob die Unternehmer die Aussperrung lange durchführen können. Eine baldige Verständigung liegt im Interesse beider Parteien.

r., Der Arbeiter⸗Gesang vereinEin⸗ tracht unternimmt am Sonntag, den 19. Juni

einen Ausflug zum Kreisfest nach Steinberg bei

Gießen, um an der Feier teilzunehmen. Selbstverständ⸗ lich können auch die andern Genossen daran teilnehmen und ist recht zahlreiche Beteiligung daher erwünscht,

Einen Ausflug nach Gisselberg unternehmen die Marburger Parteigenossen am Sonntag und mar⸗ schieren nachmittags 3 Uhr vom Schützenpfuhl ab. Es wird zu zahlreicher Beteiligung eingeladen.

In der Konitzer Mordaffaire

scheint nun endlich die völlige Aufklärung nahe bevorzustehen. Wie amtlich mitgeteilt wurde, haben sich die Verdachtsmomente gegen den schon früher in dem Prozeß verwickelten Arbeiter Maßloff so verdichtet, daß seine Verhaftung erfolgte. Man nimmt an, daß Maßloff den Winter in seiner Wohnung in einer gewissen Situation antraf und im Zorne tötete.

Ueb' immer Treu und Redlichkeit!

Nach diesem schönen Grundsatze hatten die Metzger in Miesbach in Oberbayern die Maß⸗ und Gewichtsordnung zu ihren Gunsten etwas umgestaltet und waren deshalb auf dem Mandatswege mit Geldstrafen belegt worden. DieMünch. Post hatte sie deshalb Betrüger genannt. Sie gingen zum Kadi und klagten. In der Verhandlung stellte sich nun heraus, daß ste sogar den Eichmeister wiederholt be⸗ trogen hatten, und eine eigene Vorrichtung ge⸗ troffen hatten, daß die für das Gewicht be⸗ stimmte Wagschale nicht tief genug sich senken konnte. Geradezu verblüffend klassisch recht⸗ fertigte sich der eine der Biedermänner mit den Worten:Wann aa's Gewicht amal a biss'l weniga g'wes'n is, aber i ko do nöt lauta Fleisch hergeb'n. Wann ma dös so g'nau neh⸗ mat, könnt'n G'schäftsleut' nimma existiern.

(Fortsetzung auf Seite 6). . Ä ˙

Kleine Mitteilungen.

* Vom Blitz schlag wurde in Marburg ein Bahnbeamter gelähmt.

Opfer der Arbeit. Im SteinbruchKah⸗ lenberg bei Londorf wurden kürzlich fünf Arbeiter durch herabstürzendes Gestein verletzt, einer davon sehr erheblich. In Treysa geriet ein Bahnbeamter unter die Räder eines Zuges, die ihm beide Beine abfuhren.

* Der Mörder des Dienstmädchens in Köln ist am Montag früh in der Person eines gewissen Kauertz in Mainz verhaftet worden. Er hat einge⸗ standen, daß noch zwei Personen an der Mordtat(über die in voriger Nr. berichtet wurde) beteiligt gewesen seien.

Partei-Uachrichten.

Kreiswahlverein Friedberg⸗Büdingen. Die neuen Statuten sind zum zum Versand ge⸗ kommen. Sollten dieselben in irgend einer Filiale nicht eingetroffen sein oder nicht ausreichen, so erbitten wir uns Nachricht. Außerdem erinnern wir daran, daß pünktlich am 1. Juni abgerechnet wird und umgehende Einsendung der Abrechnung und der Gelder an den Kreiskassterer erfolgen muß. Der Vorstand.

Ihl, Vorsitzender.

Der Zukunftsstaat der Junker. Unter diesem Titel hat der Parteiverlag Buchhandlung Vor⸗ wärts die Reden der Herren häus ler Manteuffel und Graf Mirbach gegen das Reichstagswahlrecht und für den Staatsstreich herausgegeben, begleitet mit Ein⸗ leitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Die drei Bogen starke Broschüre, in der auch die Porträts der beiden Haupthelden, Manteuffel und Mirbach, mitten in ihrer gesetzgeberischen Tätigkeit von Künstlerhand ge⸗ bannt sind, kostet 20 Pfg. Eine für die Agitation be⸗ stimmte Ausgabe, die aber nur an Agitationskomitees, Wahlvereine, Vertrauensleute usw. abgegeben wird, ist zu billigem Preise hergestellt. Wir empfehlen die Bro⸗ schüre unsern Parteigenossen, ist es doch überaus wichtig, daß wir die große Masse der uns fernstehenden Arbeiter, aber auch den Mittelstand, den kleinen Bauern mit den Plänen vertraut machen, die das preußische Junkertum gegen das gesamte arbeitende Volk schmiedet. Namentlich unsere Wahlvereine machen wir auf die agitatorische Wirkung dieser konservativen Reden aufmerksam.

Von einem schweren Unglück ist die Fa⸗ milie des Genossen May in Solingen betroffen worden. Genosse May verbüßt zur Zeit im Gefängnis zu Elberfeld eine gegen ihn als Redakteur der Solinger Arbeiterstimme erkannte Strafe von zwei Monaten. Am Samstag hatte er wieder als Angeklagter vor der Elberfelder Strafkammer zu erscheinen. Seine Frau war von Solingen nach Elberfeld gekommen, um ihren Mann bei der Vorführung aus dem Gefängnis sehen und sprechen zu können. Die Kinder hatte sie für diese Zeit in fremde Obhut gegeben. Während nun gegen unsern Genossen verhandelt wurde, wurde in So⸗ lingen sein dreijähriges Söhnchen von einem Metzgerwagen überfabren und auf der Stelle getötet. Als Genosse May die Trauerbotschaft erfuhr, wurde er sofort aus seiner Haft beurlaubt, sodaß er fast zu glei⸗ cher Zeit wie seine Frau an der Bahre seines Lieblings eintreffen konnte.

Zwei Ersatzwahlen zur Berliner Stadtver⸗ ordnetenversammlung fanden statt. Unsere Genossen Re⸗ dakteure Leid und Dr. L. Arons wurden mit großer Mehrheit gewählt.

Versammlungskalender. Samstag, den 4. Juni. Gießen. Wahl verein Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 6, Juni. Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Orbig.

Altenbuseck. Volksverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Wilh. Becker. Wichtige Tages⸗ ordnung, deshalb zahlreiches Erscheinen!

Dienstag, den 7. Juni.

Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr

Sitzung bei Orbig.

Briefkasten. Volksver. Staufenberg. Schleifen werden be⸗ sorgt. Der Vertrauensmann.

Letzte Nachrichten.

Bei der Stichwahl in Straßburg⸗ Land erhielt der Demokrat Blumenthal 9385, der Zentrumsmann Hauß 8624 Stimmen. Ersterer ist somit wiedergewählt.

Abends 9 Uhr