Ausgabe 
5.6.1904
 
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Nr. 23. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. 5 Seite 3. Nachwahl in Straßburg ⸗Land. tung⸗Halbinsel gelegenen Stadt, nach hartem Kampfe in ihre Hände gefallen ist. Allerdings Don Nah und Fern.

Diesen Donnerstag findet die Stichwahl im Straßburger Landkreise zwischen dem De⸗ mokraten Blumenthal und dem Zentrums⸗ mann Hauß statt. Unsere Parteigenossen treten selbstverstäudlich für Blumenthal ein und so dürfte dessen Wiederwahl gesichert sein, falls nicht etwa das Zentrum noch bedeutende Re⸗ serven aufbringt. Das Resultat können wir vielleicht noch unterLetzte Nachrichten mit⸗ teilen. Stöcker ackerte während des Wahl⸗ kampfes für das Zentrum und forderte auch seine paar Mucker auf, für Hauß zu stimmen. Uebrigens wird der Wahlkampf noch ein ge⸗ richtliches Nachspiel haben. Stöcker hatte die von pfäffischer Unverschämtheit zeugende Aeuger⸗ ung getan, die in einem klerikalen Wahlflug⸗ blatt wiedergegeben wurde, wonachseit den Tagen des frechen Most noch Keiner in so frecher Weise vom Christentum gesprochen habe, wie der Abgeordnete Blumenthal. Blumenthal leistet sich nun den Spaß und verklagt wegen dieser Aeußerung das Wahlkomitee der klerikalen

Partei für Straßburg⸗Land und seinen Gegen⸗

kandidaten Hauß, welche unterzeichnet hatten.

Wahlen in Belgien.

Am Sonntage haben in ganz Belgien Neu⸗ wahlen zur Kammer und zum Senat stattge⸗ funden. Es waren die Hälfte der Mandate zu erneuern. Bekanntlich gilt in Belgien das Pluralsystem, das den Besttzeuden gegenüber der werktätigen Bevölkerung bedeutende Vorteile sichert. Infolgedessen verloren unsere Genossen einige Manbate. Bisher hatten die Klerikalen die überwiegende Mehrheit, behalten sie auch nach den Neuwahlen noch, jedoch beträgt sie nur noch 20 Stimmen gegen vorher 26. Im Gan⸗ zen hat unsere Partei einen Verlust von 6 Sitzen zu verzeichnen. Dieser Verlust wird durch den Gewinn der Liberalen ausgeglichen, so daß die Linke um einige Sitze verstärkt wiederkehrt.(Nebenbei: die belgischen Liberalen sinb nicht solche Jammerkerle wie die deutschen.) Die Kammer wird künftig zählen: 93 Katho⸗ liken, 43 Liberale, 28 Sozialisten, 2 christliche Demokraten. Hierdurch vermindert sich die kleri⸗ kale Mehrheit um 6 Stimmen.

Gegen pfäffische Anmaßungen

wendet sich die französische Regierung in erfreulicher Weise, indem sie es ablehnt, für die weltliche Herrschaft des Papsttums einzutreten und sie hat dabei die Mehrheit des Parlaments und des Volkes auf ihrer Seite. Der Papst hatte nämlich eine Protestnote an die Regierungen gerichtet, in der er den Besuch des französischen Präsidenten bei dem König von Italien als eine Beleidigung des päpst⸗ lichen Stuhles erklärte und in der sich für die französische Regierung beleidigende Sätze be⸗ fanden. Der wirkliche Wortlaut der Note wurde Frankreich nicht mitgeteilt, doch war Jaurés in der Lage, ihn in seinem Blatte zu veröffentlichen. Infolgedessen rief Frankreich seinen Botschafter beim Vatikan ab. Wegen dieses Konfliktes wurde eine Interpellation in der Kammer eingebracht, die am Samstag er⸗ örtert wurde. Mehrere Redner verlangten den entgültigen Abbruch der diplomatischen Bezieh⸗ ungen zum Vatikan. Ministerpräsident Com bes erklärte, die Zurückberufung des Botschafters bedeute, daß Frankreich die weltliche Macht des Papstes ganz und gar nicht aner⸗ kenne. Es habe endlich mit den Ansprüchen der überlebten weltlichen Herrschaft aufräu⸗ men wollen. Redner beantragte, alle An⸗ träge betreffend die Trennung des Staates von der Kirche bis zum Januar zu vertagen, dann werde die Regierung der Frage näher treten. Die Kammer billigte die Haltung der Regierung und die päpstlichen Diplomaten sind die Blamierten.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Die Einschließung Port⸗Arthurs durch die Japaner scheint nun eine vollständige u sein, nachdem Kintschou, die an der schmalsten Stelle des südlichen Teiles der Lao⸗

hat den Japanern der Kampf um diese Position vom 26.28. Mai gewaltige Verluste gekostet. Es wurden mehrere erfolglose Stur m⸗ angriffe auf die befestigten Höhen gemacht, erst beim letzten Sturm, der von der Artillerie nachdrücklich unterstützt wurde, gelang es, Bresche in die Reihen der Russen zu legen. Der Ansturm der Japaner auf den Berg bei Nanschau am Donnerstag war einer der wil desten und blutigsten in der modernen Kriegsgeschichte. Während des ersten Sturmes wurde jeder Offtzier und jeder Mann weggeschossen, ehe er die erste russische Linie erreichte. Ein großes Glück war es für die Japaner, daß die Minendrähte auf⸗ Bl wurden. Wären die Minen explo⸗ iert, so hätten die Japaner ungeheuere Verluste erluten und die Russen hätten ihre Stellung halten können. Die Japaner sollen bei diesen Kämpfen 3500- 4000 Tote haben.

Die Besetzung Dalnhys, der befestigten russischen Hafenstadt in nächster Nähe Port Arthurs, ist durch die Japaner anfangs dieser Woche erfolgt. Die Russen räumten Palny Hals über Kopf, nachdem sie versucht hatten, die Stadt zu zerstören. Mehr als 100 Gebäude, Kasernements, Depots, Eisenbahn⸗, Telegraphen⸗ bureaus sollen beschädigt sein. Die Russen zer⸗ störten den großen Quat und sperrten die Ein⸗ fahrt zum Hafenbassin mit versenkten Dampfern.

Das japanische Pulver soll von ganz furchtbarer Explosionskraft sein. Nach Berichten ans Amerika habe die Explosion der mit diesem Pulver gefüllten Geschosse die amerikanischen Attaché's in Staunen gesetzt. Obwohl die schwersten, panzerdurchschlagenden Geschosse nur eine kleine Ladung des Pulvers enthalten, zer⸗ platzen sie in zahllose spitze Stücke, die alles zer⸗ trümmern, was ihnen Widerstand leistet. Immer furchtbarer und raffinierter werden die Mord⸗ waffen und immer mehr Menschen reißen sie mit einem Schlage nieder. Wie lange wird sich die Menschheit diese barbarische Schlächterei noch gefallen lassen?

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Terrorismus der Eisenbahnverwalt⸗ ung. Wie die Eisenbahnarbeiter von oben herunter gezwungen werden, sich einem Verein anzuschließen, davon legt ein Aushang in der Betriebswerkstatt Erfurt, den die Erfurter Tribüne veröffentlicht, Zeugnis ab. Der Ukas lautet:

Die nachstehend benannten Beamten und Arbeiter haben sich bis heute noch nicht zum Beitritt des Eisenbahnvereins erklärt, dieselben werden gemäß Verfügung der Maschinen⸗ inspektion vom 14.5. O4 aufgefordert, den Grund ihres Ferubleibens anzugeben.

(Nun folgen die Namen der 54 Sünder, welche sich noch nicht freiwillig zum Beitritt erklärt haben.) gez. Schwabe.

In dem Einladungszirkular zur Gründung des Eisenbahnvereins hieß es, daß der Beitritt ein freiwilliger sei. Nun werden 54 Arbeiter und Beamte, die noch nicht beigetreten sind, auf eine Liste geschrieben und öffentlich durch Verfügung aufgefordert, zu erklären, warum sie dem Verein fernbleiben! Mit andern Worten heißt das doch wohl: Wer dem Eisen⸗ bahnerverein nicht beigetreten ist, wird auf die schwarze Liste gesetzt und nach dem Grund⸗ satze, den der Zitaten⸗Kanzler in seiner Reichstagsrede den Sozialdemokraten in die Schuhe schob:Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein. Dabei haben die Gegner aller Schattierungen noch die Kühnheit, bon Terrorismus bei der Sozialdemokratie zu reden!

In Sachen des Leipziger Aerzte⸗ Streites haben die Ortskrankenkassenmitglieder eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der gegen die Vernichtung des Selbstverwal⸗ tungsrechtes durch die Verfügungen der Kreis⸗ hauptmannschaft protestiert wird.

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Hessisches.

Gemeinderatswahlen haben in diesem Herbst in einer großen Anzahl Orte stattzufinden. Für unsere Parteigenossen er⸗ wächst daher die Pflicht, rechtzeitig dazu die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen. Besonders ist es notwenig, Umschau nach geeigneten und zuverlässigen Kandidaten zu halten. Wie wich⸗ tig es für die arbeitende Bevölkerung ist, Leute ihrer Klasse in den Gemeindevertretungen zu haben, wurde schon so oft dargelegt, daß sich weitere Ausführungen darüber erübrigen.

Einen Gemeindewahlsieg er⸗ rangen unsere Genossen in Bretzenheim bei Mainz. Dort wurde am Donnerstag bei außerordentlich starker Wahlbeteiligung unser Genosse Fröhder in den Gemeinderat ge⸗ wählt. Einen weiteren sehr bedeutungsvollen Sieg erkämpften unsere Genossen in Trebur bei Groß⸗Gerau, Kreis Darmstadt. Von den vier neu zu besetzenden Mandaten fielen de m sozialdemokratischen Wahlverein drei zu. Die Wahlbeteiligung war eine außerordentlich starke, von 471 Wahlberechtigten erschienenen 403 an der Urne. Trebur galt auch bis vor kurzer Zeit als antisemitische Hochburg und deshalb ist der zu den Bündlern hinübergewechselte Hirschel wütend über den Wahlausfall. Er schimpft und tobt, daß die Hälfte der besseren Bauern für die Sozialdemokraten gestimmt hätten. Es werden nicht bloß die besseren, sondern auch die vernünftigeren Bauern gewesen sein! Nun, lassen wir den Mann schimpfen, unsere gewählten Genossen werden ihre Pflicht tun und das in ste gesetzte Vertrauen rechtfertigen.

Sie wollen keine Steuern be⸗ zahlen, die Herren von der Kirche näm⸗ lich. Der evangelische Pfarrverein unterbreitete der Zweiten Kammer eine Resolution, in der eine Abänderung des Gesetzes über die Erb schafts⸗ und Schenkungssteuer gefordert wird und zwar dahingehend, daß Zuwendungen an Kirchengemeinden von dieser Steuer befrekt sein sollen. Wir sind der Meinung, daß in solchem Falle die Steuern mindestens ebensogut wie von Privaten bezahlt werden können.

Ueber die Disziplinarstrafen in Volksschulen hat das hessische Mi⸗ nisterium des Innern eine neue Verord⸗ nung erlassen, worin folgende Strafen vor⸗ gesehen sind: a) Verweis durch den Lehrer, b) Zurückbehaltung und Nacharbeitenlassen in der Schule, c) Verweis von dem Schulvor⸗ stande und d) körperliche Züchtigung. Die Strafe der körperlichen Züchtigung ist aber nur dann zulässig, wenn nach der Eigenart und dem ganzen Verhalten eines Schulkindes anzu⸗ nehmen ist, daß die übrigen Schulstrafen sich als unwirksam erweisen würden, namentlich wenn ein Schulkind in Trägheit und Lügen⸗ haftigkeit versunken ist, offenbaren Trotz und Böswilligkeit an den Tag legt oder die Gesetze der Zucht und Sittlichkeit gröblich verletzt. Nach den bisher in Hessen geltenden Bestimm⸗ ungen war in der Schule jede körperliche Züchtigung für Mädchen überhaupt und für Knaben unter 12 Jahren verboten. Die neue Verordnung bedeutet also einen Kulturrück⸗ schritt, wie wie kürzlich schon einmal hervor⸗ hoben. Vom Knuten⸗Oertel und seinen Gesinn⸗ ungsverwandten ist die Verordnung natürlich freudig begrüßt worden. 5

Der Beleidigungsprozeß wegen der Kreischmann⸗Kriegsbriefe, der gegen unsere Genossen Adelung und Döl ler von der MainzerVolkszeitung angestrengt ist und der auf vergangenen Montag angesetzt war, ist auf unbestimmte Zeit vertagt wor⸗ den, weil einer der Hauptzeugen, Oberleutnant Balser in Darmstadt wegen Erkrankung nicht erscheinen kann.

Ortskrankenkassentag. Wie alljährlich, fand auch in diesem Jahre wieder eine Zusammenkunft der Vertreter der Ortskrankenkassen Hessens und zwar in Auerbach a. d. Bergstraße statt. Sie war aus allen Teilen Hessens stark besucht; anwesend waren der Bürgermeister von Auerbach, ferner die Kreisamtmänner