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Nr. 49.
Mitter deutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Aufgaben als Gemeindevertreter gewachsen sei. 2 die Arbeiterkandidaten betrift.. sich bt Wähler darüber keiner Sorge hinzugeben, mehr als die bisherigen Stadtväter leisten sie unter allen Um⸗ ständen. Beteiligen sich die Arbeiter und kleinen Leute zahlreich an der Wahl und wählen nicht wie die Kälber, so ist der Erfolg unserer Kandidaten sicher.
Aus dem Nreise Wetzlar.
— Die berüchtigte Körordnung, na welcher im Kreise Wetzlar nur Stiere der 4158 als Mastvteh sehr ungeeigneten Vogelsberger Rasse angekört wurden, ist nun endlich beseitigt oder wenigstens durchbrochen. Durch diese Maß⸗ nahme war es den Bauern fast unmöglich gemacht, eine andere, für sie nutzbringendere Rasse Vieh zu züchten und sie hoben dadurch nicht geringen Schaden gehabt. Ein Haupt⸗ verfechter dieses Produktes vom grünen Tisch war der frühere Landtagsabgeordnete Schla⸗ bach, er erklärte vor der Reichstagswahl in einer Versammlung in Aßlar: Ehe die Kör⸗ ordnung aufgehoben werde, solle lieber ein „Roter“ in den Reichstag kommen! Nun mußte a erleben, daß seine geliebte Körordnung
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h. Eilige Danksagung. Am Tage der Stadtverordneten⸗Stichwahl konnte man in dem am gleichen Tage erscheinenden Wetzlarer Anzeiger, der um etwa 5 Uhr zur Ausgabe ge⸗ langt, bereits die Danksagung der Herren Müller und Reinhardt lesen. Das Wahlresultat war erst gegen 2 Uhr festgestellt. Wenn man die Zeit zum Setzen und Drucken rechnet, so kommt man zu der Ueberzeugung, daß das Dankinserat schon aufgegeben ewe sein muß, ehe noch das Resultat festgestellt war!
o. Aus Krofdorf. Ein hiesiger Hand⸗ werter beklagte sich kürzlich in einem„Einge⸗ sandt“ des Gieß. Anz. darüber, daß ihn die Gemeinde mit Bezahlung seiner Rechnungen für geleistete Arbeiten länger als ein Jahr warten ließ. In diesem Falle, um den es sich hier handelt, trifft aber nicht die Gemeinde, sondern die Kirche die Schuld, für welche diese Arbeiten ausgeführt wurden. Die politische Gemeinde Krofdorf hat nämlich(leider!) die Verpflichtung, notwendige Reparaturen an und in der Kirche ausführen zu lassen. Nun hatte aber der Herr Pfarrer neue Vertäfelungen machen lassen und diese Arbeit zu bezahlen hat sich die Gemeinde mit Recht geweigert.
8. Ein sittenstrenger Pastor. Aus Oden⸗ hausen schreibt man uns: Der hiesige Gesangverein hatte den Beschluß gefaßt, bei der Trauung eines Mit⸗ gliedes das Brautpaar durch einige Gesangsvorträge in der Kirche zu ehren. Man fragt dabei nicht lange nach diesem oder jenem, es wird ein Brautpaar in dieser Beziehung wie das andere gehalten. Anders dachte der noch nicht lange im Amt als Seelsorger tätige junge Pastor. Der hatte kürzlich herausbekommen, daß ein Brautpaar schon vor Erledigung der standesamtlichen und kirchlichen Aeußerlichkeiten das bekannte Gebot, das der Herrgott dem Adam und der Eva gab(1. Mos. 28) erfüllt haben mußte. Dieses strafwürdige Verbrechen gegen die kirchlich abgestempelte Sittlichkeit mußte ge⸗ rochen werden und deshalb untersagte der Herr Pastor die Liedervorträge des Gesangvereins bei der Trauung. Was glaubt der gute Mann damit zu bezwecken? Denkt er etwa„Fälle“ dieser Art dadurch zu verhüten? Da dürfte er sich gewaltig täuschen. Höchstens stiftet er damit allerlei Unfrieden an. Ein rechter Mann wird seine Frau und sich selbst nicht in dieser Weise bloßstellen lassen, sondern lieber auf die kirchliche Trauung, als auf die Ehrung durch seine Sangesgenossen verzichten.
aus dem Nreise Dillenburg⸗Herborn.
t, Ein Automobil für den Landrat! In der letzten Kreistagssitzung für den Kreis Dillenburg wurde u. a. über die Anschaffung eines— Automobils für Herrn Landrat v. Wussow beraten, damit dieser auf bequemere Weise seine Inspektionsreisen usw. machen kann. Ein wackerer Landbürgermeister war zwar sehr dagegen und meinte, die dafür geforderten 15000 Mark würden besser zur Wegeverbesserung verwandt; aber die großagrarischen Elemente im Kreistage pflich⸗ teten dem Herrn Landrate bei, daß die Anschaffung eines Autos sehr notweudig sei, und so wurde der Ankauf mit 12 gegen 8 Stimmen beschlossen. Es lebe der landrätliche Töff⸗Töff⸗Kurs!
Aus dem Rreise Marburg-RMirchhain.
1. Ueber die Schulfrage sprach am Samstag der Arbeitersekretär Genosse Heiden ⸗Frankfurt im
Wahlverein. Die Versammlung war ziemlich gut besucht. Meserent führte in seinem Vortrage etwa Folgendes aus: Daß Preußen der rückständigste Staat ist, beweist außer vielen rückständigen Gesetzen auf allen Gebieten die Be⸗ handlung wichtiger Tagesfragen, besonders anch der Schulfrage. Noch heute bestehen überlebte Verfügungen, die sich oft widersprechen, zu Recht. Das Schulgesetz, das schon in der Verfassung vom Jahre 1850 ver⸗ sprochen worden ist, ist bis heute nicht zu Stande ge⸗ kommen. Preußens Volksschule, die einmal in vorderster Reihe stand, hat nicht Schritt gehalten mit der geistigen Entwickelung, ja nicht einmal mit den Bedürfnissen, die die Großindustrie an die Ausbildung des Proletarier⸗ kindes stellen muß. Der alte Standpunkt, daß beim Unterricht in der Volksschule das Hauptgewicht auf die Religion gelegt werden müsse, wird von den maßgebenden Parteien noch heute vertreten. Verlangt doch das kon⸗ servative Handbuch, man solle die Kinder zu gläubigen Christen erziehen und ihnen patriotische Gesinnung bei⸗ bringen. Die anderen Unterrichtsfächer(Rechnen, Schrei⸗ ben ꝛc.) sollen dagegen eingeschränkt werden. Wilhelm II. hat nach seinem Regierungsantritte 1889 eine Ordre erlassen, in der er bezüglich der Schule betont, daß vorwiegend das„Religiöse“ und„Historische“(Patrio⸗ tische) gepflegt werden solle. Ferner hat der Kultus⸗ minister Goßler angeordnet, daß die Hohenzollernge⸗ schichten ausführlich gelehrt und die preußischen Könige als Vorbilder hingestellt werden sollen. Wie sehr in den Volksschulen die Religton überwiegt, zeigt die große Menge des religiösen Gedächtnisstoffes. Die Kinder der Volksschule werden nicht erzogen, sondern ihnen werden Kenntnisse beigebracht, von denen sie den größten Teil im Leben nicht verwerten können. Wie die Schulver⸗ hältnisse weiter aussehen, ergibt sich daraus, das 70 Prozeut aller Schulen nur ein⸗ und zweiklassig sind und von einem bezw. zwei Lehrern unterrichtet werden. Sind die einklassigen Schulen überfüllt, so werden die Halbtagsschulen gebildet, das heißt, die eine Hälfte der Kinder geht Vormittags, die andere Hälfte Nachmittags zur Schule.
Außerdem gibt es noch die Sommerschulen, wo nur 12 Stunden, und die Drittelschulen, in denen gar nur ein Drittel des normalen Unterrichts gegeben wird. Daß die drei letztgenannten Schulen nur den Großgrundbesitzern zu Gute kommen, ist selbstverständlich. Außerdem bestehen iu vielen Gemeinden noch die Hüteferien, während welcher die Hütejungen nur einmal wöchentlich auf zwei Stunden die Schule zu besuchen brauchen.— Wie die Schüler „untergebracht“ sind, ergibt sich daraus, daß 1861000 Kinder in ein⸗ und zweiklassigen Schulen unterrichtet werden. 857000 Kinder besuchen Schulen, in denen die Schülerzahl mehr als 80 in einer Klasse beträgt, also vollständig überfüllt sind. 2735 Schüler konnten überhaupt nicht aufgenommen werden, weil kein Platz da war und mußten deshalb 2 Jahre warten. Hunderte von Schüler müssen mit dem 12. Jahre entlassen werden, um anderen Platz zu machen.— Aus alle dem ersieht man, daß das reinste Schulelend in Preußen herrscht. Hat der Staat die Schulpflicht eingeführt, dann hat er auch die Pflicht, Raum zu schaffen, um die Kinder unterzubringen. Auch die Lehrer sind überanstrengt. Mehr als 30 bis 40 Schüler sollte kein Lehrer haben, 70 bis 88 sind aber gang und gäbe. Hier heißt es also Geld bewilligen für Schulen, die modern und allen hygienischen Anforderungen entsprechend eingerichtet werden können. Aber nur 341 Millionen Mark werden jährlich für Schulzwecke ausgegeben und hiervon mußten die Gemeinden 242 Millionen Mark aufbringen, und nur 99 Milliouen Mark wurden vom Staat geleistet. Welche Unsummen von Geld wird dagegen für Heer und Flotte ausgegeben!— Nachdem der Redner noch das Zedlitzsche Schulgesetz besprochen hatte, kam er auf die Simultan⸗Schulen zu sprechen.— Alsdann besprach er die Stellung der Sozialdemokratie zur Schule,. Unsere Forderungen sind in unserem Programm enthalten. Vor allen Dingen müsse verlangt werden: Trennung der Schule von der Kirche. Unentgeltlichkeit der Lehrmittel, Anstellung von Schulärzten. Damit diese Forderungen anerkannt und schließlich durchgesetzt werden, dafür sollten die Genossen jederzeit eintreten bei Ge⸗ meinde⸗, Reichstags⸗ und Landtagswahlen.— An den Vortrag schloß sich eine ergiebige Debatte, in der mehrere Redner die Ausführungen Heidens ergänzten. — Zur Prüfung der in letzterer Zeit viel umstrittenen Lokalfrage wurde eine Kommission gewählt, welche die Angelegenheit untersuchen soll. Im Verschiedenen ersuchte der Vorsitzende, daß sich die Genossen bei der demnächst stattfindenden Kalenderverbreitung recht zahlreich beteiligen möchten.
1. Kleinliche Chikane. Kürzlich ließ der Weiß⸗ bindermeister Rathenbrock zwei seiner Gesellen wegen Mangel an Arbeit aussetzen. Nach Verlauf von acht Tagen verlangten diese mit gutem Recht Kündigung oder Entschädigung. Der biedere Meister, dem offenbar die Gewerbeordnung gänzlich unbekannt ist, sagte den Gesellen, sie sollten sich bei ihm in die gute Stube setzen, was einer auch tatsächlich machte und dieser fühlte sich soweit ganz wohl dabei. Den zweiten suchte er auf andere
Art zu chikanieren. Das kleinliche Vorgehen des Herru Rathenbrock hat jedenfalls darin seinen Grund, daß die Arbeiter ihrer Gewerkschaft angehören.
Der Raubmord in Heldenbergen.
Bisher gelang es noch nicht, den Mörder des Pfarrers Thöbes zu ermitteln. Als mut⸗ maßlicher Täter wird der 26 Jahre alte Metzger⸗ geselle Oskar Hudde aus Schalke in West⸗ falen steckbrieflich verfolgt. Er soll sich in Frankfurt aufhalten.— Die tausend Mark, die dem ermordeten Pfarrer Thöbes in Heldenbergen kurz vor seinem Tode von einem Unbekannten zu wohltätigen Zwecken übersaudt worden waren, sind, wie bei der Testamentseröffnung festgestellt wurde, dem Raubmörder nicht in die Hände gefallen, wie bisher angenommen wurde. Man fand sie in einem Geheimfach eines Sekretärs. Die gesamte, auf 10000 Mk. geschätzte Haus⸗ haltungs einrichtung erhält die Haushälterin des Pfarrers.
Partei-Uachrichten.
Totenliste der Partei. In Frankfurt a. M. starb der Sattler Schwindt, einer derjenigen Partei⸗ genossen, welche schon während des Scozialistengesetzes für die Sozialdemokratie kämpften. Schwindt hat, ohne öffentlich viel hervorzutreten, jederzeit für die Partei getan, was er konnte und deshalb wird ihm die Partei ein gutes Andenken bewahren.
Gemeindewahlen. Bei der am Donnerstag in Mainz stattgefundenen Stadtverordnetenwahl siegte die Liste der vereinigten liberalen Parteien und der Sozialdemokratie mit 5583 gegen 2406 Stimmen, die auf die Zentrumsliste fielen. Wegen des Zusammen⸗ gehens unserer Partei mit den Liberalen hat sich in unserer Parteipresse eine heftige Polemik entsponnen, die jedenfalls auch die nächste hessische Landeskonferenz be⸗ schäftigen dürfte.— In Pirmasens wurden sechs Sozialdemokraten gewählt.
Landkarte von Hessen.
Der heutigen Gesamtauflage unseres Blattes liegt ein Prospekt des Verlags des Offenbacher Abendblattes in Offenbach a. M., Wandkarte vom Großher⸗ zogtum Hessen und Provinz Hessen⸗Nassau mit an⸗ grenzenden Landesteilen bei. Eine Karte hängt in unserer Expedition zur Ansicht aus und übermitteln wir auch, um den einzelnen Bestellern unnötiges Porto, be⸗ sonders durch Nachnahme, zu ersparen, die Bestellungen an die Expedition des Offenbacher Abendblattes. Wer aus unserem Leserkreise die oben näher bezeichnete Karte wünscht, wolle die Bestellkarte der Expedition der Mittel⸗ deutschen Sonntags⸗Zeitung in Gießen, Rittergasse 17, baldigst zusende n.
Versammlungskalender. Samstag, den 3. Dezember.
Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Heuchelheim. Turnabteilung des Arbeiter⸗ bildungs⸗Vereins. Abends 8½ Uhr Ver⸗ sammlung im Turnlokal.
Sonntag, den 4. Dezember.
Lollar. Wahlverein. Nachmittags ½4 Uhr
Versammlung bei Fr. Schupp. Dienstag, den 6. Dezember.
Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr
Sitzung bei Orbig.
Auskunftsstelle für Arbeiter⸗ Angelegenheiten. Kirchenplatz 11 III. Unentgeltlich. Sprech⸗
stunden: Werktags 11—1 Uhr, Sonntags /½9
bis 10 Uhr. Bei Anfragen von außerhalb
wolle man das Rückporto beifügen. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen:
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg.
Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg.
Die Volksschule, wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg.
Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.
Von Otto
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