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Nr. 49.
Witteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite.
Unsern Genossen gelang es aber zwei bisherige Stadiverordnete, die sich stets— in 7 Beziehung arbeiterfeindlich zeigten, Rechtsan⸗ walt Geiger und Bauunternehmer Lüscher hin auszuwählen. Leider wurde im Bahnhofs⸗ viertel auch der Antisemit Laaß gewählt. Im Bornheimer Bezirk wurde der Genosse Hütt⸗ mann mit 1340 Stimmen gegen den Nat onal⸗ liberalen Aepfelwein⸗ Produzenten Rackles 1063 Stimmen) gewählt. Die Niederlage von
eiger, Lüscher und Caspart wird in unsern Genossenkreisen allgemein mit Genugtuung auf genommen. Der„freisinntge“ Rechtsanwalt Geiger, der schon seit 25 Jahren der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung angehört, bekämpfte unsern Genossen Quarck stets am unanständigsten. Daß aber in Frankfurt ein Antisemit der rück⸗ ständigsten Sorte in die Stadtvertretung gelangt, ist für das dortige Spießertum außerordentlich bezeichnend und im Interesse der Stadt jeden⸗
falls noch mehr zu bedauern, als die Rieder⸗
lage Geigers zu begrüßen ist. Der Pückler⸗ jünger wird sich allerdings bald genug abge⸗ wirtschaftet haben!— In Bingen a. Rh. siegte die Zentrumsliste über diejenige der übrigen Parteien mit knapp 100 Stimmen Mehrheit. — In Dresden siegte am Mittwoch leider wieder der antisemitisch⸗konservative Mischmasch.
Die sozialdemokratische Liste hatte 4000 Stim⸗
men Zunahme zu verzeichnen.
Wie bürgerliche Stadtväter mit den Gemeindegeldern wirtschaften.
Ju Bromberg begeht das Grenadier⸗ regiment zu Pferde Freiherr v. Derfflinger am 16. Dezember sein zweihundertjähriges Regi. mentsjubiläum in Gegenwart des Kaisers. Auf Antrag des Magistrats bewilligte die dortige Stadtverordnetenversammlung zur Ausschmück⸗ ung und Illumination der Stadt einen Betrag von 30000 Markl!
Ein ähnlicher Fall wird von dem Kreistag des Kreises Ahaus(Westfalen) mitgeteilt. Derselbe bewilligte die Mittel für ein Prunk⸗. geschenk zur Hochzeit des Kronprinzen. Kurz vorher hatte derselbe Kreistag aber den Antrag des Amtmännes und Pfarres von Sttenstein um Gewährung einer Unterstützung für zwölf durch Brandunglück geschädigte Familien abgelehnt! Das kommt selbst dem„Gieß. Anzeiger“ so widerspruchsvoll vor, daß er diese Mitteilung unter der Spitzmarke „Sonderbar!“ abdruckt. Oder ist ihm nur die Scheere ausgerutscht?
Ein Streik⸗Drama.
Vor dem Gericht in Cluses(Städtchen im franz. Departement Obersavoyen mit bedeutender Uhrenindustrie) hatten sich vier Söhne des Fabri⸗
kanten Crettiez wegen Totschlags zu verant⸗
worten. Gelegentlich des Streiks der Uhrarbeiter hatten die Burschen ohne Ursache von den Fenstern ihres Wohnhauses auf den Zug der Arbeiter geschossen, drei Arbeiter getötet und mehrere verwundet. Auf der andern Seite waren angeklagt sechs Arbeiter, die bei dem infolge der Handlungsweise der Fabrikanten⸗ söhne entstandenen Tumult in dem Hause des Fabrikanten geplündert haben sollen. Die Verhandlungen verliefen durchweg günstig fur die Arbeiter. Das Gericht sprach sie frei, dagegen wurden drei der Brüder Crettig wegen Totschlags zu je einem Jahre, einer zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde den Verurteilten solidarisch eine Ent⸗ schädigung von 12700 Franks auferlegt.— Gewiß ein mildes Urteil, aber in Deutschland wäre es sicher für die Fabrikanten noch milder, für die Arbeiter aber bestimmt schlechter aus⸗ gefallen.
Nussisch⸗japanischer Krieg. — Vor Port Arthur. Nach japa⸗ nischen Mitteilungen über die Kämpfe um die Festung gelang es den Japanern in heftigen Sturmangriffen unter bedeutenden Verlusten mehrere wichtige Forts zu nehmen. In der Mandschure' ist der Winter mit voller Strenge eingetreten. Die Flüsse sind fest zugefroren. Etwa 30 Kilometer im
Umtreise von Mukden joll die ganze Gegend von den Russen total ausgesaugt sein, die alle Kohlen⸗ und Getreidevorräte requirierten. Die Dörfer verschwinden sehr schnell vom Erdboden. — Es läßt sich sehr leicht denken, daß die Russen hier die„Kulturarbeit“ gründlich be⸗ sorgen!
Russische Deserteure melden sich, wie der„Frkftr. Ztg.“ aus Wien berichtet, täglich auf dem dortigen Konsulat, mit der Bitte um Aufnahme in die japanische Armee.
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Reichstag.
Am Dienstag Nachmittag eröffnete der Präsident Ballestrem die Verhandlungen mit einer Ansprache an die Abgeordneten, in der er sie ersuchte, immer recht zahlreich zur Stelle zu sein. Es kamen dann Petitionen zur Beratung. Zuerst solche um Aenderung des Fleisch⸗ beschaugesetzes. Dazu ergriff als erster Redner unser Genosse Scheidemann das Wort, der in frischer und lebhafter Weise mit den Agrariern abrechnete, die das Gesetz als Mittel zur Preistreiberei benutzen wollen. Scheidemann betonte zunächst, daß es sich bei diesem Gesetz um außerordentlich wichtige Dinge dreht. Doch beständen über die Aufgaben des Gesetzes Meinungs⸗ verschiedenheiten. Die Parteien der Linken sind über⸗ zeugt, daß das Gesetz lediglich als sanitäres gehand⸗ habt werden darf, während man auf agrarischer Seite das Gesetz benutzen will zur Fernhaltung der ausländi⸗ schen Konkurrenz auf den Viehmärkten. Nach der Meinung der Agrartier, die im Frühjahr Herr Held vertrat, ist unser nationales Vieh gesund, die deutsche Landwirtschaft lann den heimischen Bedarf decken. Im weiteren zerzauste Scheldemann gründlich diese und ähnliche agrarische Phrasen, die bei Beratung dieses Gegenstandes von Antisemiten, Zentrümlern ꝛc. verzapft worden waren, geiselte das Bestreben der Agrarier, die Untersuchung des vom Lande in die Städte eingeführten minderwertigen Fleisches zu beseitigen. Es steht fest, daß sich ein großer Teil des vom Lande in die Stadt als gesund gelieferten Fleisches bei der zweiten städtischen Untersuchung als verseucht erweist. Es ist also böchst gefährlich, diese zweite Untersuchung abzuschaffen. Reichsgesetzlich be⸗ trachtet. ist der Beschluß des preußischen Landtages, der diese zweite Untersuchung abschafft, direkt ungesetzlich. Eine politische Freibank, in der nicht ladenreine, volksschädliche Gesetze gemacht werden, das ist das preußische Abgeordnetenhaus!(Für diesen Ausdruck zog sich der Redner einen Ordnungsruf zu.) Was die Agearier mit dem Gesetze wollten, schloß unser Genosse unter dem Beifall der Linken, ist nichts Anderes, als alle auswärtige Konkurrenz einfach zu beseitigen, um dann beliebig die Preise zu bestimmen. Das wun⸗ dert mich auch weiter nicht von den Agrariern; Alles, was mich wundert, ist die unbegrenzte Langmut des deutschen Volkes gegenüber den agrartschen Unverschämt⸗ heiten. Aber die Sozialdemokratie wird endlich mit dieser Junkersippe fertig werden.
Gegen Scheidemann rückte eine ganze Kolonne agra⸗ rischer Redner heran, an der Spitze der antisemitische „Stern“ Reventlow, ein eingebildeter Wichtigtuer, aber unser Redner fertigte alle Angriffe mit Leichtigkeit ab.
Dann kam eine Petition auf Einführung des Be⸗ sähigungsnachweises an die Reihe, wozu der Zentrums⸗ mann Erzberger und der Antisemitrich Raab lange Reden hielten. Ihnen antwortete unser Genosse Bö mel⸗ burg mit einer wirkungsvollen Kritik der zünftlerischen Bestrebungen.
Am Mittwoch wurde die Mittelstandsrettung noch weiter und zwar mit dem gleichen Erfolge fort⸗ gesetzt. Es wurde die ganze Sitzung hindurch über eine Erweiterung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb debattiert, ohne daß von den paten⸗ tierten Mittelstandsrettern etwas für den Mittelstand Nützliches vorgebracht worden wäre.
Von Aah und Lern.
Hessisches. Aus dem he ssischen Landtage.
Das Schlachtvieh-Versicherungs⸗ gesetz wurde in der Sitzung vom Donnerstag nach dem Ausschußantrage angenommen. Es bestimmt im Wesentlick en, daß der Versicherung alles in Hessen zur Schlachtung kommende Rindvieh im Alter von mehr als drei Monaten unterliegt, wenn die Schlachtung eine gewerb⸗ liche ist oder das Tier in Folge eines Unglücks⸗ falles sofort getötet werden mußte. Von der Versicherung ausgeschlossen sind Tiere, die dem Reiche oder einem Bundesstaate angehören, ferner solche, die bereits nach ihrem Zustande vor der Schlachtung als zum Genusse für
Menschen e anzusehen sind oder die
innerhalb eines Monats vor der Schlachtung aus einem anderen Staate eingeführt sind.
Gegen die Sozialpolitik unternahmen hierauf die Bauernbündler einen Vorstoß, holten sich damit eine gründliche Niederlage. Nach alter Schablone reden diese Leute von „übertriebener Sozialpolitik“, welche das Klein⸗ gewerbe ruiniere. Die Bündler Erk und Brauer hatten einen Antrag gestellt, der die Regierung ersucht, dahin zu wirken, daß Bestimmungen über Sonntagsruhe und Nachtarbeit im Müllereigewerbe nur auf Dampfmühlen, nicht aber auf die Mühlen, die durch unregel⸗ mäßige Wasserkraft betrieben werden und drei oder weniger Arbeiter beschäftigen, zur Anwen⸗ dung kommen. Ministerialrat Braun wies den Antragstellern nach, daß ste im Begriffe seien, von den Behörden zu fordern, die Beamten zu einem sogar strafrechtlich verfolgbaren Vor⸗ gehen zu veranlassen. Das könnten ste doch wohl kaum ernstlich von der Regterung ver⸗ langen. Brauer warf der Regterung vor, ste kenne die Verhältnisse in den kleinen Mühlen nicht und lasse es überhaupt in jeder Beziehung an einer genügenden Berücksichtigung des Klcin⸗ gewerbes fehlen. Von der Regierung werde Volksverhetzung betrieben! Staatsminister Rothe und Ministerialrat Braun wiesen die plumpen und unmotivierten Angriffe mit Ent⸗ schiedenheit und in sichtlicher Erregung zurück. Letzterer wies den Bauernbündlern nach, daß ste die gesetzlichen Bestimmungen kritisterten, ohne ste überhaupt zu kennen. Wenn es nach dem Willen jener Herren ginge, wären die Arbeiter im Müllereigewerbe schutzlos der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Den Rückgang der kleineren Müllereibetriebe auf die Einführung sozialpolitischen Maßnahmen zu ück⸗ zuführen, sei einfach lächerlich. Aus dem Rechte des Arbeiters auf Besserung seiner so⸗ zialen Verhältnisse entspringe die Pflicht des Staates, einzugreifen und zu helfen. Für solche Gesinnung muß sich nun die Regierung den Vorwurf gefallen lassen, sie betreibe Voltsver⸗ hetzung. Derartige unerhörte Angriffe verbitte ich mir auf das Allerentschie denste. Ich über⸗ lasse dem ganzen Lande das Urteil, wer die Verhetzung des Volkes betreibt, ob die Regier⸗ ung oder der Abg. Brauer und seine Freunde. Die Rede des Regierungsvertreters blieb auf das Haus nicht ohne Eindruck. Dann führte Genosse Ulrich noch den Herren eindringlich vor, wie wencg eigentlich für wirklichen Arbeiter⸗ schutz getan werde. Er lache darüber, wenn mau ihn(Ulrich) einen Hofsozialdemoklaten nenne, freue sich aber, wenn die Regierung etwas tue, worin er sie unterstützen könne.— Die Bauernbündler standen da, wie begossene Pudel und änderten ihren Antrag dahin, die Regierung möge erwägen, wie die Härten, die im Müllereibetriebe durch die gesetzlichen Be⸗ stimmungen hervorgerufen seien, sich beseitigen lassen. Dieser veränderte Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Frei⸗ sinnigen mit schwacher Mehrheit augenommen. Und diesen plumpen Angriff, der so recht die Rückständigkeit dieser Gesellschaft kennzeichnet, nennt das Friedberger Antisemitenorgan „Morgenluft im Landtag“! Cloakenduft wäre wohl richtiger..
— In Mainz wurden am Sonntag die Wahlen der Vertreter zur Generalversammlung der Ortskrankenkasse vorgenommen. Auf der Arbeitnehmerseite erhielt die Liste bes Ge⸗ werkschaftskartells 2037 Stimmen gegen 952 vor drei Jahren. Die Liste der christeich⸗ nationalen Kandidaten erhielt nur 411 Stimmen, trotzdem von dieser Seite gewaltige Anstreng⸗ ungen gemacht wurden.
Gießener Angelegenheiten.
— Die Preise im Volksbad. Wir erhalten folgende Zuschrift:„Gestatten Sie mir noch Einiges über das„Volks“bad und dessen „billige“ medizinische Bäder zu sagen. An einer Gelenkerkrankung leidend, war ich nach Aus⸗ steuerung aus der Krankenkasse, sowest herge⸗ stellt, daß mir der Arzt„Salzbäder“ verordnete. Im Volksbad mußte ich bezahlen:
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