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Seite 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 14.
Je mehr Mißtrauen und Erbitterung die Regierungen säen, umso mehr werden sie davon ernten. Und aufhalten läßt sich die geschichtliche Ent⸗ wicklung ja doch nicht. Alle Mittelstandsretterei hilft dem kleinen Handwerker auf die Dauer nicht, wenn man ihm durch Zolltarife und ähnliches wieder mehr nimmt, als gibt. Den kleinen Bauern rettet die Großgrundbesitzer⸗ politik nicht. Die Syndikate und Trust's wachsen an, und schon wagt der Staat nur noch ganz zaghaft in diese Entwicklung ge⸗ setzgeberisch einzugreifen. Immer weniger sind die großen Gegensätze mit kleinen und halben Mittelchen zu flicken. So geht's vorwärts, vor⸗ wärts. Und je rastloser wir arbeiten und schaffen, umso rascher wird's weiter gehen. Da⸗ rum heran, all ihr Kleinen, ihr Gedrückten, ihr Ohnmächtigen, vereint seid ihr mächtig, seid ihr die Starken, habt ihr euer Schicksal selbst in der Hand und braucht nicht mehr auf den Brocken zu warten, die von der Herren Tische fallen und die doch keinen satt machen. Tretet ein in das Heer der um Fortschritt und Freiheit kämpfenden Sozialdemokratie! Wir ringen nach materieller, nach geistiger, nach siftlicher Hebung des Volkes, der Menschheit.
beit, diese Hoffnung, das ist der Früh⸗ uns. In ihr fühlen wir den nämlichen ie er in jenem gekreuzigten Juden lebte. wir die Opfer, die für die höchsten er Menschheit gebracht werden müssen. zt uns die Auferstehung Christi feiern. werden wir stegen, wie draußen all⸗ der Frühling stegt, werden siegen, wie heitlichen Bewegungen in der Geschichte ch gesiegt haben. Wir wollen uns mutig üdig aureihen an den großen Zug, von r Dichter Lenau in seinem„Schlußge⸗ r Albigenser“ redet: Licht vom Himmel läßt sich nicht ver⸗ sprengen, läßt der Sonnenaufgang sich verhängen Purpurmänteln oder dunkeln Kutten. Albigensern folgen die Husstten zahlen blutig heim, was jene litten. Nach Huß und Ziska kommen Luther, Hutten, Die dreißig Jahre, die Cevennenstrelter, »Die Stürmer der Bastille und so weiter! ————. ˖§˙Ä
politische Rundschau.
Gießen, den 30. März 1904.
Zschopau⸗Marienberg.
Die am Freitag stattgefundene Stichwahl im 20. sächsischen Wahlkreise hat uns leider elne ebenso empfindliche als unerwartete Nie⸗ derlage gebracht. Dem Ordnungsbrei ist es unter Anwendung der skrupellosesten Mittel ge⸗ Meheh⸗ uns den am 16. Juni mit großer Mehrheit im ersten Wahlgange behaupteten Kreis zu entreißen. Zimmermann erhielt 11956 Stimmen, während unser Genosse Pin⸗ kau es nur auf 11169 brachte. Das ist für uns ein höchst beklagenswertes Ergebnis, wenn auch das Jubelgeheul, in das die bürgerliche Presse darüber ausbrach, durchaus unberechtigt ist. Denn erstens wurde noch nach den alten Listen gewählt— für uns ohnehin ein Nach⸗ tel!— dann sind aber auch Hunderte von Wählern, die seit Juni vorigen Jahres ver⸗ zogen waren, ungesetzlicherweise von der Wahl zurückgewiesen worden, ein Umstand, der zur Ungültigkeitserklärung führen mu ß. Hat doch das sozial demokratische Wahlkomtté festgestellt, daß nicht weniger als 1031 Wähler, weil ste seit Aufstellung der Wählerliste im April vorigen Jahres in einen andern Wahlbezirk verzogen sind, ihres Wahlrechtes beraubt wur⸗ den. Es kommt ferner hinzu, daß die Behörden den geguerischen Parteien im Wahlkampfe allen möglichen Vorschub leisteten, während unserer Partei die Agitationsarbeit nach sächsischer Manter erschwert und fast unmöglich gemacht wurde. Und wie die Ordnungsbrüder gehaust haben, darüber geben zahlreiche uschriften der Genossen an die Partetblätter Auskunft. So heißt es in einer Zuschrift aun die„Leipziger Volksztg.“:
„Der Kampf im 20. sächsischen Reichstagswahl⸗ kreise, den die Antisemiten gegen die Sozialdemokratie kämpften, findet seinesgleichen wohl nur in der Zeit der 87er Faschingswahlen. Nicht etwa waren es die Anti⸗ semiten, die hier den Kreis gewannen, sondern es war der sächsische Ordnungsbrei. In einer Versamm⸗ lung in Wünschendorf bei Lengenfeld traten zwei Ge⸗ nossen unsrer Partei dem wüsten Geschimpfe und den unsinnigen Reden des Abgeordneten Gräfe entgegen. Jedem wurden 20 Minuten Redezeit gewährt. Für seine Behauptungen Beweise beizubringen, unterließ Gräfe; dafür wartete er aber mit Zitaten auf, die er aus Auf⸗ sätzen und Reden verschiedener sozialdemokratischer Ab⸗ geordneten aus dem Zusammenhange herausgerissen hatte. Inwieweit sonst noch mit Lügen und Verdreh⸗ ungen operiert wurde, zeigen die von dieser Seite ver⸗ breiteten Flugblätter. Die Genossen Schippel, Calwer und Göhre sowie Dr. Braun spielte man gegen uns in einer Art aus, die für uns einfach widerlich war, bei den ungebildeten Elementen der Wählerschaft aber natür⸗ lich ihre Wirkung nicht verfehlte. Wie weit die Ge⸗ schichte dort oben getrieben wurde, zeigt auch, daß uns in dem benachbarten Lengefeld kein Wirt gegen gutes Geld Nachtquartier gewähren wollte.“
Daß die Pückler-Partei in gewissenloser Verhetzung das Menschenmögliche leistete, glau⸗ ben wir gerne. Als besonders gewichtige Hilfs⸗ kraft hatten sie sogar den wegen unsauberer Manipulationen von den Dresdener Genossen aus der Partei ausgeschlossenen Franz Fricke herbeigeholt. Wir kennen ja die Schwindel⸗ und Hetzagitation dieser rückständigen und bornierten Gesellschaft, die nur mit Verdächtig⸗ ungen und Verleumdungen kämpft und nichts als schimpfen kann, zur Genüge und wir glauben, daß unsere sächsischen Genossen den antisemiti⸗ schen Pöbeleien viel zu anständig gegenüber⸗ getreten find.
Aber ganz gleichgültig; wir haben eine Niederlage erlitten und müssen sie als solche registieren. Es muß nach den Ursachen derselben gesucht werden, damit die Scharte wieder aus⸗ gewetzt wird. In jedem Feldzuge gibt es ja auch für den schließlichen Sieger verlorene Ge⸗ fechte; doch uns trifft ein Rückschlag um so schwerer, weil wir gewissermaßen gewohnt sind, zu siegen. Hier hatten wir unter besonders ungünstigen Umständen zu kämpfen, die Ange⸗ legenheit Göhre, der dadurch verursachte Kan⸗ didatenwechsel mußte ungünstig für uns wir⸗ ken. Und, was das Schlimmste ist, unsere O r⸗ gantsatton läßt in diesem Kreise sehr viel zu wünschen übrig. Diese Mängel müssen ver⸗ schwinden, dann wird es unsern sächsischen Ge⸗ nossen ein Leichtes sein, den Schmutzfleck auf fett schönen roten Wahlkarte Sachsens zu be⸗ eitigen.
Flotten⸗Koller.
Seit kurzer Zeit tauchen Nachrichten in der Presse auf, welche mit ziemlicher Bestimmtheit große, neue Flotten forderungen ankündigen. Den Regterungsblättern sind aber jedenfalls diese Nachrichten„für ein Dementi zu dumm“, sie hüllen sich darüber in dunkles Schweigen, obwohl behauptet wird, daß die Regierung nichts weniger als den Umsturz des Flotten-Programms von 1900 ernst⸗ lich plane. Eine halbamtliche Korrespondenz bestätigt, daß eine Flottenvorlage jedenfalls bald an den Reichstag gelangen werde. Man zsei entschlossen, ein drittes Doppelge⸗ schwader mit den dazu gehörigen Kreu⸗ zern zu fordern und den beschleunigten Bau desselben neben den in den Flottengesetzen vorgesehenen Schiffsbauten zu verlangen.“
Diese Flottentollheiten werden wie gewöhn⸗ lich mit den Rüstungen der anderen Seemächte begründet.— Der deutsche Michel aber wird wieder sehr tief in die Tasche greifen müssen, um das Vergnügen zu bezahlen oder richtiger ausgedrückt, dem arbeitenden und dabei darben⸗ den Volke werden Millionen abgepreßt zur Bereicherung der Panzerplattenfabrikanten und ihres Anhangs. Möge das Volk endlich zur Einsicht gelangen und der verderblichen Welt⸗ und Wasserpolitik ein Ende bereiten.
Dividenden ⸗Schlucker. 40 Prozent Dividende gegen 35 im Vorjahre, zahlt die Arenbergische Bergbaugesell⸗ schaft per 1903! Bevor diese Riesendividende
ausgerechnet wurde, hatte man 486577 Mark für Abschreibungen und 300 000 Mk. für einen besonderen Reservefonds zurückgestellt. Sonst hätte die Dividende noch bedeutend höher ver⸗ rechnet werden müssen.
Der durchschnittliche Schichtlohn der Arbeiter bei dieser Gesellschaft ist 1903 aber nicht gestiegen, wie der Werksbericht selbst zugesteht! Anders stände es bestimmt, wenn die Bergarbeiter auch so unzersplittert daständen, wie die Unternehmer.
Dieselbe Erscheinung zeigt sich in der ganzen Bergindustrie. Riesige Ueberschüsse, stei gende Profite auf Seite der Unternehmer; für die Arbeiter dagegen sinkende Löhne, vermehrte Arbeitsleistung, kurz, intenstvere Ausbeutung!
Junkerliche Kinderausbeutung.
Ein ehemaliger Volksschullehrer in der Prov. Posen, Dr. F. Skowroneck beleuchtete kürzlich in der„Berl. Ztg.“ die Schulzustände im Osten und besonders die Kinderausbeutung auf der herzoglich Ratiborschen Besitzung, wo er als Lehrer fungierte. Er erzählt da wörtlich:
Kein Kind kommt frisch in die Schule. Alle haben sie schon vom Morgengrauen an in der Landwirtschaft gearbeitet,... sie 915 schon mit zehn Jahren in Lohn und
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Sowie die kleinen Burschen und Mädels sich auf die Schulbank setzen, fallen ihnen die Augen zu. Was soll der Lehrer, dem das Herz vor Mitleid wehtut, tun? Etwa strafen? Aber das„Klassenziel“ soll erreicht werden! Das einzige Mittel ist: singen! Mit⸗ ten im Rechnen:„Auf! Wir singen: In der Heimat ist es schön.() Das hilft für eine Weile. Nach wenigen Tagen Denun⸗ ziation: Der Lehrer lasse fortwährend singen statt zu unterrichten...
Zur Kolorierung des Bildes gehört die Zeit des Rübenziehens, wenn die Kinder mit Händen ankommen, die mit Wunden bedeckt sind, die bei der leisesten Beweg⸗ ung... aufbrechen und bluten! Da kann man Resultate im Schönschreiben erzielen! Ich wünschte, ichhättemir ein Dutzend der blutbefleckten Schreibhefte auf⸗ bewahrt und könnte sie den Parla⸗ menten auf den Tisch des Hauses legen. Dann würde vielleicht den Gegnern des Kinderschutzes die Schamröte in die Wangen steigen.
Bei der Beratung des neuen Kinderschutz⸗ gesetzes ist bekanntlich die Sozialdemokratie die einzige Partei gewesen, die für die Aus⸗ dehnung des Kinderschutzes auf die Land⸗ wirtschaft energisch eintrat. Der Vorschlag fand aber bei dem Gros der bürgerlichen Par⸗ teien fanatischen Widerstand und fiel.— Herr Skowroneck überschätzt aber die Parteien, wenn er meint, daß sie der Anblick von vertrocknetem Kinderblut umzustimmen imstande wäre. Wenn nur der Herzog v. R. seine Rüben rechtzeitig einbekommt und seinen Profit einsackt, so ist es sehr gleichgiltig, wie die Schreibhefte anssehen. Natürlich ist es dem Junker auch gleichgiltig, ob die Kinder etwas lernen, denn:„Die dümmsten Arbeiter sind vie besten.“
Pfaffen⸗ Terrorismus.
Vorige Woche wurde vor dem Landgerichte in Beuthen(Ober⸗Schlesien) ein Beleidigungs⸗ prozeß verhandelt, den der Kardinal Kopp gegen den Redakteur des radikal⸗polnischen Blattes„Gornoslazak“(„Oberschlester“) v. Wols ki angestrengt hatte. Die Beleidigung soll begangen sein durch den Abdruck eines Artikels des Warschauer Blattes„Przeglad Katolicki“, der eine scharfe Kritik der Stellung des Kardinals und seiner oberschlesischen Geist⸗ lichen zum Polentum enthält. U. a. wird in dem Artikel gesagt, das Auftreten des Klerus gegenüber dem polnischen Volke sei eine mora⸗ lische Nichtswürdigkeit, eine Vergewaltigung der Naturrechte und der Rechte der Kirche und in ihren Folgen ein Verrat an der katholischen Sache— aus Gefälligkeit gegen den Staat! Der Artikel beschuldigt dann oberschlestsche Geist⸗ liche, niedrige Intrigen gegen den Abgeordneten
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