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Nr. 35.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
organ stammt. schäftsjahr einen Ueberschuß von über 70000 Mark geliefert. Der Ueberschuß ist im wesentlichen der Sensationsmache zu ver⸗ danken, die das Blatt mit den oben be⸗ zeichneten Geschichten betreibt.“
Wir begreifen den Schmerz des Anzeigers, bei dem niemals geschäftliche Interessen maß⸗ gebend waren, über die starke Verbreitung des Vorwärts und der soz ialdemokratischen Presse. Unzufriedene Menschen aber, wie wir nun ein⸗ mal sind, genügt uns das noch nicht, sondern wir setzen Alles daran, um unserer Presse noch mehr und allgemein Eingang zu verschaffen. Und da kann es schließlich leicht dahin kommen, daß die Landratspresse blos noch Zwangs⸗Abon⸗ nenten aufzuweisen hat, was sie, nach dem seit Jahren die unerschöpfliche Geldquelle des Reptilienfonds zu fließen aufgehört hat, sehr schmerzlich berühren wird. Darum würden wir dem Anzeiger raten, für baldigen Erlaß eines Gesetzes zu sorgen, das jeden Deutschen verpflichtet, die Kreisblätter zu abonnieren und den unter Strafe stellt, der etwas anders liest, als die Schweinburg⸗Artikel und die Krieger⸗ vereinsfestreden des Wetzlarer Anzeigers.
h. Lohn für treue Arbeit. In der Druckerei des Wetz. Anzeigers wurde ein Schriftsetzer„wegen Mangel an Arbeit“ ent⸗ lassen, der bereits 22 Jahre dort arbeitet. In wenig Wochen muß ein jüngerer dort stehen⸗ der Setzer zum Militär einrücken, bis dahin wäre es wohl der reichen Firma möglich ge⸗ wesen, den Arbeiter weiter zu beschäftigen. Wir wollten das Geschimpfe des Blattes hören, wenn Aehnliches im„Vorwärts“ passierte, über dessen Druckereiverhältnisse das Kreisblatt dumme Bemerkungen zu machen sich erlaubte.
h. Massen⸗ Einquartierungen. Für eine große Anzahl Wetzlarer Einwohner macht sich diesen Tagen der Militarismus äußerst unangenehm fühlbar. Große Massen Soldaten werden in Wetzlar und Umgebung einquartiert, so daß auch arme Teufel, die nur ein Zimmer haben, einen Soldaten beherbergen müssen.— Warum nehmen die Patentpatrioten und Hurraschreier nicht die Kosten auf sich? g
— Die Lassalle-⸗Feier findet nicht in Gleiberg, sondern in Launs bach bei Wirt Wörner am Sonntag statt.
r. Gebildeter Herr vom Gericht. Kürzlich geriet in Hachenburg, wie man uns von dort schreibt, in einem Restaurant ein Gerichtssekretär in heftigen Disput mit einem Lehrer. Dabei vergaß der erstere ganz und gar seine— wie wir annehmen wollen— gute Erziehung und überschüttete den Lehrer mit allerhand Liebens würdigkeiten und schließlich bedachte er ihn mit einer Einladung à la Götz von Berlichingen.„Sie können mich verklagen, wenn's Ihnen nicht paßt!“ schrie er den Lehrer an. Diesem mochte aber das Sprichwort von der Hexe beim Teufel einfallen und er erwi⸗ derte, er würde das allerdings tun, wenn jener nicht Gerichtsbeamter wäre, denn für ihn würde die Strafe wohl recht gelinde ausfallen!— Die Zeugen dieses Vorfalles bekamen eigen⸗ tümliche Begriffe von der„Bildung,“ die Manchem aus den„besseren Kreisen“ eigen ist.
Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.
R. Sehr schlechte Lohnverhältnisse müssen an dem Bahnbau Marburg⸗Dreihausen herrschen. Fast jeden Samstag kommt es dort zu Schlägereien, deren Ursache darin liegt, daß den Erdarbeitern vor ihrer Einstellung ein höherer Lohn versprochen als am Zahltage ausgezahlt wurde. Wenn darüber die Leute zornig werden und sich zu Tätlichkeiten hin⸗ reißen lassen, so ist das gewiß nicht zu billigen, aber es ist auch begreiflich. Am Samstag wurde dem Schachtmeister, weil er den versprochenen Lohn nicht zahlte, das Haus mit Steinen bombardiert und einem Arbeiter ein Auge aus⸗ gehauen. Kürzlich war es dem Unternehmer durch Versprechen hoher Löhne gelungen, einen Trupp Italiener hierher zu locken. Als auch ihnen der versprochene Lohn nicht gezahlt wurde, zogen sie mit Weib und Kind wieder ab und nahmen auch noch manches andere mit.
Es hat für das letzte Ge⸗
Den Arbeitern von Marburg und Umgebung sei dies zur Wahrnung mitgeteilt.
r. Zur Landtagswahl. Die Marburger National⸗ liberlae haben beschlossen, als Kandidaten für den Landtag im hiesigen Kreise den Geh. Justizrat Professor Leh mann aufzustellen.
Ein entsetzliches Brandunglück ereigne e sich am Montag in Budapest. Dort ist das sogenannte„Pariser Warenhaus“ in der Kerepeser Straße total niedergebrannt. Um ca. 7/ Uhr abends entstand im ersten Stock jedenfalls durch Kurzschluß Feuer, das rapid um sich griff. In wenigen Minuten ergriff das Feuer auch das obere Stockwerk, wo sich auch Wohnungen befinden. Von dort sprangen viele Personen auf die Straße, da eine andere Rettung unmöglich war. Es dürften etwa 30 Personen bei der furchtbaren Katastrophe das Leben eingebüßt haben. Unter den Opfern der Katastrophe befindet sich auch die Gattin des Eigentümers, Frau Goldberger, sowie ihre Schwägerin und Schwieger⸗ tochter. Die Letztere verbrannte, während die beiden ersteren aus dem vierten Stock auf die Straße sprangen und tot auf dem Pflaster liegen blieben. Ein Vater von sechs Kindern sprang vom Fenster herunter: er wurde glücklicherweise gerettet. Seine Kinder blieben jedoch oben und konnten nicht gerettet werden, sodaß er einen Wahnsinnsanfall bekam. Die Feuerwehr war nach Berichten ihrer Aufgabe nicht gewachsen: die Sprung⸗ tücher waren nicht sofort zur Stelle und wurden außerdem schlecht gehandhabt, so daß viele beim Herabspringen das Genick brachen.— An dem raschen Umsichgreifen des Brandes soll die miserable Bauart die Hauptschuld tragen. Das ganze große Geschäft hatte nur e in en Ausgang. Alle Käufer und Angestellte drängten diesen ein m Aus⸗ gang zu, wobei es zu wilden Szenen kam, weil die Treppen und Korridore so eng waren, daß kaum drei Menschen nebeneinander gehen konnten. Das Tor selbst war kaum breiter als ein Meter. Dabei waren die Gänge größten⸗ teils noch durch Kästen und Packete verbarrikadiert.— Dann hat also die Baubehörde einen großen Teil der Schuld.
Kleine Mitteilungen.
* Bei der Arbeit verunglückte auf dem Gießener Braunsteinwerk der Arbeiter Wilhelm Duten⸗ höfer aus Leihgestern. indem ihm ein Glied vom Finger abgequetscht wurde.—
Ein Großfeuer wütete am Dienstag in Fulda und legte die„Norddeutsche Woll kämmerei in Asche. Auch die in der Nähe befindliche Speditionsfirma Feuer⸗ stein wurde in Mitleidenschaft gezogen, etwa 1000 Zt. dort lagerndes Mehl gingen zu grunde. Der ca 400 000 Mark betragende Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
** Erkrankung durch Fischgift. Die Familie eines pensionierten Obergendarmen, der in Kassel in der Landaustraße wohnte, erhielt von Verwandten aus Ostpreußen eine größere Fischsendung. Nach dem Genuß der Fische, an dem noch eine Reihe von Bekannten im Hause teilnahmen, erkrankten die Betreffenden so heftig, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Der Obergendarm ist gestorben.
* Eisenbahnunfall. Der Personenzug Wald⸗ kappel— Kassel entgleiste am Montag früh bei der Station Bettenhausen. Die Maschine und der nächste Personenwagen sprangen aus. Verletzt wurde von Per⸗ sonen niemand. Die Passagiere des betreffenden Zuges mußten zur Fahrt nach Kassel die elektrische Straßenbahn benutzen.
Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.
. Der Tischlerstreik in Kassel und die mit demselben verbundenen Aussperrun⸗ gen der Bauarbeiter sind nunmehr in ein neues Stadium getreten. Nach wiederholten Verhandlungen mit beiden Parteien hat das Gewerbegericht als Einigungsamt einen ein⸗ stimmigen Schiedsspruch gefällt, demzufolge die Tischler die Arbeit wieder aufnehmen sollen unter der Bedingung, daß der Stundenlohn sofort um 4 Pfg. erhöht wird, Ueberstunden⸗ und Sonntagsarbeit möglichst zu vermeiden sind und die tägliche Arbeitszeit eine 9 stündige bleibt wie bisher. Die Akkordlöhne werden um 10 Prozent erhöht, notwendige Ueberstunden⸗ und Sonntagsarbeit mit 10—20 Pfg. Aufschlag bezahlt. Alle anderen ausgesperrten Bauarbeiter ziehen ihre nach der Aussperrung erhobenen Forderungen zurück und treten zu den alten Bedingungen wieder ihre Arbeit an. Dieser Schiedsspruch wurde nun von der letzten Ver⸗ sammlung der streikenden Tischler mit 155 gegen 30 Stimmen als Basis der Verhandlungen angenommen. Damit ist aber der Tischler⸗ streik noch keineswegs zu Ende, und gerade
angesichts der beinahe täglich gepflogenen Unter⸗ handlungen ist es jetzt mehr als je notwendig, daß jeder Zuzug nach Kassel für alle Angehö⸗ rigen des Baugewerbes strengstens fernge⸗ halten wird.— Eine größere Anzahl ita⸗ lienischer Bauarbeiter sind von den Unter⸗ nehmern angeworben worden und in Kassel eingetroffen. Als diese italienischen Streikbrecher ankamen und ihre Quartiere aufsuchen wollten, kam es zu Tumulten.
. Ein beachtens wertes Urteil über die Bergarbeiterbewegung im Ruhrbezirk fällte der Essener Korrespondent der„Voss. 310 Er schrieb:
„Wer sich darüber informieren wollte, ob die Erregung unter den Ruhrbergleuten durch das bisherige Entgegenkommen der Gruben⸗ besitzer abgeschwächt worden sei, dem bot sich am heutigen Sonntage hierzu reichliche Gelegen⸗ heit. Fanden doch in den verschiedenen Revieren im ganzen zehn öffentliche Bergarbeiter⸗ Versammlungen statt, in denen meistens hervorragende Führer der Bewegung sprachen. Ich habe drei von diesen Versammlungen besucht und in allen den Eindruck gewonnen, daß die Führer alles aufbieten, um ihre Forderungen auf friedlichem Wege durchzusetzen, was um so bedeutsamer ist, als die an der Spitze des alten Bergarbeiterverbandes stehenden Männer einen großen Einfluß auf die große Masse ausüben.“
. Der Deutsche Bergarbeiterver⸗ band hat seit 1. August 1903 über 3000 Neuaufnahmen von Mitgliedern vollzogen. In einer in Herne stattgefundenen Versammlung, welche von etwa 2000 Bergleuten besucht war, wurden allein mehrere hundert Aufnahmen vorgenommen. Nach einer anderen Meldung traten dem Bergarbeiterverbande allein in der letzten Woche über tausend Mitglieder bei.
. Ein Riesenstreik. Seit Montag wird in der sächsischen Fabrikstabt Crimmit⸗ schau nicht gearbeitet, oder nur vereinzelt gearbeitet, denn 8000 Textilarbeiter und Arbeiterinnen, ein Drittel der gesamten Stadt⸗ bevölkerung liegen im Streik oder sind ausge⸗ sperrt. Von den geplagten Lohnsklaven war die Forderung erhoben worden, die noch immer 11 Stunden währende Arbeitszeit herabzu⸗ mindern. Doch die Unternehmer zogen die Verhandlungen darüber hinaus. Deshalb kün⸗ digten vor 14 Tagen in fünf Fabriken ca. 600 Arbeiter mit der Einschränkung, daß die Kündi⸗ gung als nicht geschehen zu erachten sei, wenn eine Einigung erzielt werde. noch kündigten die protzigen Unternehmer sämt⸗ licher Betriebe mit wenigen Ausnahmen ihren Arbeitern. Damit war der Kampf unvermeidlich. Einigungsversuche der Arbeiterorganisation blieben erfolglos. Jetzt ist nun die Kündigung abgelaufen.— Trotzdem die Streikenden von den Unternehmern und der Polizei auf alle Art provoziert werden, bewahren sie die uner⸗ schütterliche Ruhe, die ihnen von den Führern dringend anempfohlen wurde.
Briefkasteu. Mehrere Einsendungen mußten zurückbleiben. Tr.⸗Hgr. Gedichte in nächster Nr.
Versammlungskalender.
Samstag, den 29. August.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Wirt Karl Rinn (Zur Wilhelmshöhe).
Steinberg. Arbeiterbildungs verein. Abends 9 Uhr Versammlung im Lokale zur Wilhelms höhe,
Marburg. Maurer. Nachmittags 6 Uhr Ver⸗ sammlung bei Jesberg.— Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Jesberg.
Sonntag, den 30. August.
Marburg. Gewerkschaftskommission.
mittags/ 10 Uhr bei Jesberg. Montag, den 31. August.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Marburg. Schneider. berger.
Samstag, den 5. September.
Friedberg. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 8½ Uhr Versammlung in Stadt New⸗York.
Vor⸗
Abends 9 Uhr bei Hill⸗
Am selben Tage


