Ausgabe 
29.3.1903
 
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Mitleldeulsche Sonntags⸗Zeitung.

altdorf erregt. Von der Kanzel erließ der getreue Knecht im Weinberge des Herrn folgen⸗ den Bannstrahl gegen die Vereinsmitglieder:

Ihr habt euch eine Teufelskirche hier ge, i gründe und einen Teufels priester gewählt. Der Vorsitzende des Kriegervereins verließ sofort das Gotteshaus und hat sich seitdem gehütet, die Kirche wieder zu besuchen. Der Pfarrer aber setzte am nächsten Sonntag seine Angriffe fort und sagte jetzt, man habe einen Verein ehemaliger Kommißbrodesser, man könnte ebenso gut einen Verein ehemaliger Wickelkinder gründen. Damit hat ja der Pfarrer gar nicht so unrecht; aber es geht ihm im Grunde doch nichts an, was andere Leute für Vereine gründen.

Spiritistischer Schwindel.

ik Vor der zweiten Strafkammer des Land⸗ gerichts 2 Berlin findet gegenwärtig der Prozeß gegen dasBlumenmedium Anna Rothe aus Chemnitz statt. Die Angeklagte, eine kleine untersetzte Person mit energischen Gesichtszügen, aber von leidendem Aussehen, wird aus der Untersuchungshaft zu der Ver⸗ handlung vorgeführt. Sie wird des Betrugs und Betrugs versuchs in 61 Fällen beschuldigt. Ihr Mitangeklagter, der frühere Kognakreisende und spätereImpresario Marx Jentsch ist geflüchtet. Eine große Anzahl Zeugen etwa 100 wurden vernommen.

Kleine Mitteilungen.

e Ausbesseren Kreisen. Vom Amts⸗ gericht Groß-Gerau wurde am Freitag voriger Woche die 20 jährige Tochter des Barons v. Secken⸗ dorf aus Rüsselsheim verhaftet unter dem Ver⸗ dacht, in Fulda vor beinahe 2 Jahren ihr neugeborenes Kind getötet zu haben. Sie wurde der Staatsan⸗ waltschaft Hanau ausgeliefert. Das Kind war ihrem Verhältnis mit dem Reitknecht entsprossen.

. Geständiger Verbrecher. Vor einigen Wochen verschwand in Rödelheim die 12jährige Tochter des Bäckers Simon. Nach wenigen Tagen fand man das Mädchen als Leiche in der Nidda. Als verdächtig, das Kind, nachdem er es vergewaltigt, ermordet zu haben, wurde der Gärtner Strack in Rödelheim verhaftet, der aber jede Schuld leugnete, bon verschiedenen Ortsgrößen auch in Schutz genommen wurde. Jetzt hat er nun eingestanden, daß er das Kind in seine Gärtnerei gelockt und dort zu vergewaltigen versucht habe. Dieser Versuch sei ihm mißlungen, da ihm das Kind entlaufen, und nun aus Versehen in die Nidda gefallen sei. Ob dieses Geständnis den Tatsachen entspricht, muß die weitere Untersuchung ergeben.

ak Meineidiger Stadtrat. Das Schwur⸗ gericht in Köln a. Rh. verurteilte den Fabrikant und ehemaligen Stadtrat Bauer, eine nationalliberale Ordnungs stütze, wegen Verleitung zum Meineld und Unterschlagung zu Jahren Zuchthaus und drei⸗ jährigem Ehrverlust.

. Aus frommem Lande. gericht in Trier wurde gegen den 46 Jahre alten Ackerer Mathias Zeimet, gegen seinen 21 jährigen Sohn Hilarius Zeimet und seine 19 jährige Tochter Elisabeth Zeimet, Alle aus Keim, wegen Blutschande,

Vor dem Schwur⸗

Setundenlang schwankten in den Häusern, namentlich Holzhäusern, Bretter und Balken. Die Erschütterungen waren sehr erust und beängstigend. Viele fürchten den Eintritt der Nacht; an eigentliche Nachtruhe ist nicht mehr zu denken. Unter der Bevölkerung herrschte große Erregung. Prof. Eduard Süß in Wien erklärte, daß die Erdbeben in Böhmen und Sachsen ungefährlich seien.

Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung.

Der Zentralverband der Zimme⸗ rer und verwandten Berufsgenossen veröffentlicht seine Abrechnung für 1992. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 24 483. Vereinnahmt wurden insgesamt 587 321,29 Mk., verausgabt 341 551,88 Mk. An größeren Aus⸗ gaben sind zu erwähnen: Reisenunterstützung 9163,10 Mk., Streiks 209 705,23 Mk., Agi⸗ tation inkl. Bauarbeiterschutz 25 542,70 Mk., Rechtsschutz 7231,54 Mk., Verbandsorgan 47 336,38, Gehälter 9640 Mk. Das Gesamt⸗ 1 des Verbandes beträgt 419 111,81

ark.

Partei-Nachrichten.

Die sächsischen Genossen hielten am Sonntag in Mittweida ihren Parteitag ab, der von 68 Dele⸗ girten besucht war. Es wurde der Bericht des Landes⸗ komlte's, sowie Referate über Reichstags⸗ und Landtags⸗ wahlen entgegengenommen. Die Verhandlungen zeigten die alte Kampfesfreudigkeit, die immer bei den sächsischen Sozialdemokraten vorhanden war. Unter anderem gelangte ein Antrag zur Annahme, der sich für die Erhöhung der Parteibeiträge ausspricht. Genosse Reichstagsabgeordneter Seifert erklärte, infolge wirt⸗ schaftlicher Verhältnisse für den 19. sächsischen Reichs⸗ tagswahlkreis nicht mehr kandidieren zu können.

Die Märzfeier der Wiener Arbeiter nahm auch dieses Jahr einen äußerst imposanten Verlauf. Ungeheure Massen marschierten im geschlossenen Zuge nach dem Denkmal der 48er Gefallenen, wo über 100 Kränze niedergelegt wurden. Redner der deutschen, tschechischen und polnischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften sprachen am Denkmal.

Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.

Wir geben den Parteigenossen hiermit bekannt, daß Sonntag, den 12. April(Erster Osterfeiertag), Nachmittags 2 Ühe in Friedberg, Stadt New⸗ Vork, Haagstr. 11, eine Parteikonferenz stattfindet mit der Tagesordnung:Die nächsten Reichstagswahlen. Ref. Genosse Busold. Die Genossen werden gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß, in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, möglichst jeder Ort des Kreises ver⸗ treten ist. Vesonders sei bemerkt, das Vertreter solcher Orte, an denen sich keine Filialen des Kreiswahlvereins befinden, ihre Reisekosten aus der Kreiskasse vergütet erhalten. J. A.: Georg Repp.

Versammlungskolender. Sonntag, den 28. März.

Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Steinberg. Arbeiterbildungs verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Witwe Schmandt. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen notwen dig.

Montag, den 30. Mäcz.

r e Unterhaltungs-Ceil.

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Ein Hlick in denZukunstsstaat.

Von Dr. Robert Michels.

(Schluß.)

Die Rathausuhr schlug halb fünf, als der Boden der Piazza Maggiore in Imola unter den Schritten vieler Tausender erdröhnte und der Zug der Arbeiter mit ihren entfalteten Fahnen unter den Märschen der Musikchöre anrückte.

Die Piazza Maggiore ist, wie der Name schon sagt, der größte Platz der Stadt. Es fällt gleich auf, wenn man ihn betritt, daß die große weite Fläche desselben nicht den in Italien üblichen monumentalen Mittelpunkt aufzuweisen hat. Kein König, kein Staatsmann und kein General stören hier die Ruhe durch ihre mar⸗ mornen oder bronzenen Bildwerke. Imola liegt, wie es scheint, recht weit von Byzanz entfernt. Und dennoch, man sollte es kaum für möglich halten, macht der Platz einen durchaus vor⸗ nehmen Eindruck. Die eine Längsseite desselben wird von dem aus dem 15. Jule hundert stam⸗ menden Palast des Geschlechtes der Sersantt eingenommen, dessen Säulenhallen bis zum zweiten Stock heraufragen, so daß er eigentliche nu eine einzige nach deutschen Bourgeois⸗Begriffer brauchbare Etage, die über den Säulenhaller gelegene, hat. Die beiden Querseiten des Platze. werden von einer Anzahl etwas niedrigerer Häuser begrenzt, von welchen viele ebenfalls im Besitze von Säulenhallen sind. In der Mitte der einen Querseite erhebt sich eine alte ziemlich breitspurig, aber auch ziemlich verlasse ausschauende Kirche und die süböstliche Platzeck wird durch einen alten zacktgen Turm ausgefüllt Das interessanteste Bauwerk des Platzes ist aber der geräumige Palast des Rathauses, Palazzo Communale genannt, dessen Hauptfror! er ist viereckig und besitzt einen großen He in der Mitte fast die ganze Längsseite d. Platzes einnimmt. Mit seinem flachen Da und seinen ziemlich schmucklosen drei Fenste reihen, macht der Palast von Weitem de Eindruck eines jener im Kasernenstil erbaute preußischen Königsschlösser, halb Zwingbur halb Gutsgebäude. Aber das in strengster wenn auch sehr einfachem Renaissance⸗Stil e baute Portal des Palastes verleiht dem ganz. Gebäude eine künstlerische Weihe. Zwei S lule! paare erheben sich zu beiden Seiten des C. gangstores, um den auf dem ersten Stockn befindlichen Altan zu tragen, und setzen sich schlanken Formen als Hochreliefs bis de Dache fort, sodaß die starren Linien des mass Gebäudes gebrochen werden und das G

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1 N g. . 1 Kindestötung und Beiseiteschafung der Leiche verhandelt. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 uhr eine gewisse anmutige Würde zur Schau t⸗. 70 Vater und Sohn haben mit Tochter und Schwester Versammlung bei Orbig. In der Höhe des obersten Stockwerks befindef! 1 g geschlechtlichen Verkehr gehabt. Das dem unnatürlichen VBileffaste von den Säulen umrahmt, eine Nische, in wei 1 1 ö len. Verhältnis entsprossene Kind haben sie getötet. Die i 755 eine Statue der Madonna, etwa in Fel 1 dl Staatsanwaltschaft beantragte gegen Hilarius Zeimet H.⸗Rödgen. Soviel wir aus Ihrer Zuschrift] größe, Platz gefunden hat. Dieser alte J 1 ö 5 1 9 810 e de 95 1 Aue e 7 51 8 1 0 Sie 9000 ieee hat viel erlebt. Er hat die ganze Wandlu. 1 ö aft eimet 1 Jahr Gefäng is und gegen Mathias Zeime zum Vorwurf, daß er für einen Gegner ein esud schichte seines Städtchens mit durchgem 4 0 11 Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ angefertigt, diesem also einen e erwiesen habe. 11 9 0 Pfaffen, Pipstliche und Ahne 0 lacht rechte und wegen Beiseiteschaffens der Leiche einen Monat Das ist doch wahrhaftig keine Sünde! Der betr. Ge⸗ haben in ihm über das Volk befohlen. 1 und 0 Gefängnis. Das Urteil lautete dem Antrage gemäß. nosse hat dann im Gegenteil recht hübsch gehandelt. ehört er der neuen Zeit und es sitzen. J 11 uh* Vier Menschen durch giftige Gase Jeder Genosse soll im privaten Verkehr allen 10 ih A eb e A eltanschauun bes el 9 uu, getötet. Beim Entleeren einer Dunggrube in Menschen, auch seinen politischen Gegnern gegenüber, 1 be 1 1 en, 9 bel gen. f g uc, 10 aferthal bei Mannheim stieg einer der dabel Be⸗ freundlich und gefällig sein. Deswegen braucht er nicht Er ist das Eigentum der sozialistischen Sstadt⸗ 4 sel, 0 1häftigten hinab, um ein Rohr in Ordnung zu bringen.] ein Titelchen seiner Ueberzeugung aufzugeben, kann den verwaltung. 1 1 8 ali u fiel aber lautlos aus halber Höhe von der Leiter politischen Kampf mit aller Schärfe führen. Vor dem Palazzo staute sich erwartung voll 1 geil die Grube. Drei andere Männer, die ihn retten] Sollte sich im vorliegenden Falle der Genosse Ihrer[die Menge. Der vieltausendköpfige Zug hatte ie ei- lien, wur den ebenfalls durch die giftigen Gase Meinung nach etwas haben zu schulden kommen lassen, Halt gemacht und sich aufgelöst und nun standen ügel ü tet. so bringen Sie es getrost auf der Kreiskonferenz, die] Männer und Frauen dicht aneinandergedräugt fall 1955 Vulkanausbrüche und Erdbeben. In] am 1. Osterseiertage in Friedberg stattfindet, zur Sprache. und starrten mit vor Freude glänzenden Augen 3 fil Arb falz, Baden sowie in Süofrankreich wurden am e Genage 0 1 nach dem Balkon hinauf, gerade als ob von 1 kk- ͤw)M! œ.;.. 000 N 5 ten bald 1 5 elben Zeit die Vulkane R.⸗Daubringen. Für einen Ordnungswächter 0 r tanden, ebenso Lug 55 0 ebenfa e 1 1 5 0 550 S.. 1 05 und Mont Pelée passen sich solche Extratouren gewiß am allerwenigsten; e enFührer, Param 1. Jus inique in lebhafter Tätigkeit. Schon inige aber für Erörterung in der Zeitung ist die Geschichte Gele yrte, aber auch wer sonst noch urgenbbie 1 J rtinique in lebhaf 9 i ö l hatte Platz finden kön Bauern, Rei N ö 5 114 orher gab es heftige Erdstöße in mehreren] nicht wichtig genug. Mag ihm sein Vorgesetz er darüber 01 55 1a 900 el können, aulern, 1 öder lichen i des Erzgebirges. In einer Nachricht des aufklären, daß derartige Dinge nicht zu seinen dienst⸗ tertunen, Postbeamten, J, in N 0 755 155 d= 101 Reparsänder Anzeigers aus Untersachsenburg heißt es: lichen Obliegenheiten gebözen. es bis jetzt Gottlob keine Buddes! sell/ st 4 3 15 1 *