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U J. in jeder Hütte das ö Siegezodadurch können wir unsere Sache zum
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Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung⸗
Nr. 1
scheidenden Grund zur Bestandung der Wahl gelten lassen.“
Nach Ansicht des Ausschusses ist aber eine direkte Beeinflussung nicht nachgewiesen, wes⸗ halb er beantragt, die Wahl für giltig zu erklären.
Gießener Angelegenheiten.
— Konsumverein für Gießen und Umgegend. Die außerordentliche General⸗ versammlung, die am Sonntag Vormittag im Postkeller“ stattfand, war infolge des schönen
etters nur schwach besucht. Zunächst wird
das Mttglied Paul Nie wisch einstimmig in den Vorstand gewählt. Als Ersatzleute für den Aufsichtsrat werden Krug, Männche und Müller gewählt.— Im Weiteren be⸗ richtete der Vorstand über die Entwickelung des Geschäfts, mit der man ja zufrieden sein könne, die aber bei lebhafterem Interesse der Mitglieder noch bedeutend besser zu gestalten möglich sei. Die Mitgliederzahl ist auf 220 angewachsen.
— Höhere Steuern stehen den Gießenern für das kommende Etatsjahr in Aussicht. Auf eine An⸗ frage unseres Genossen Krumm teilte der Herr Ober⸗ bürgermeister in der letzten Stadtverordnetensitzung mit, daß eine Erhöhung des Gemeindesteuerzuschlages von 100 auf 114 Prozent vorgesehen sei.
— Schulkinder als Versuchskaninchen. In der letzten, am Freitag(20.) stattgefundenen Stadt⸗ verordneten ⸗Sitzung brachte Genosse Stadtverord⸗ neter Orbig zur Sprache, daß auf Veranlassung des Prof. Vossius Schulkinder von Lehrern aufgefordert worden sind, sich in der Augenklinik zu Studienzwecken die Augen untersuchen zu lassen. Dafür sind den Kindern 5 oder 10 Pfg. geschenkt worden. Das sei entschieden unzulässig; umsomehr, als auch dem Schulvorstande dar⸗ über nichts mitgeteilt worden sei. Oberbürgermeister Mecum erklärt, daß eine Genehmigung dazu nicht er⸗ tei t worden sei; er werde dafür sorgen, daß den Lehrern untersagt werde, künftighin an die Kinder solche Auf⸗ forderungen ergehen zu lassen. Es entspann sich dar⸗ über eine Debatte, in welcher Herr Prof. Gaffky be⸗ merkte, daß die Untersuchung in hygienischer Beziehung wertvoll sei, im Uebrigen sich aber den vorgebrachten Bedenken anschloß.
— Eine 1½ Millionen⸗Anleihe hat die Stedt Gren aufgenommen. Die 3 ½ prozentige An⸗ lelhe wurde der Mitteldeutschen Kreditbank, welche das Höchstgebot eingereicht hatte, übertragen.
— Wegen Kuppelei stand vorige Woche ein hiesiger Wirt(vom Neuen Schützenhof) vor der Strafkammer. Der Wirt erhielt 4 Monate Gefängnis, seine Ehefrau 8 Monate. In den Urteilsgründen wurde gesagt, daß die Angeklagten die Kuppelei in schamloser Weise betrieben hätten, wobei die Frau noch schuldiger sei als der Mann. Der Staatsanwalt hatte einen weit höheren Strafantrag gestellt.— Ein anderer Wirt stand unter ähnlicher Anklage,
doch diese Sache wurde vertagt.
Aus dem Rreise gießen.
p. In Lollar verstarb am Sonntag unser Genosse Ernst Buchwald nach langem schweren Leiden. Der Wahlverein so⸗ wie die Gewerkschaft verlieren in ihm einen treuen unermüdlichen Mitkämpfer. Ehre seinem Andenken! f
— Versammlungen fanden am Sonntag in Allendorf a. d. L., Allertshausen und Clim⸗ bach statt. Der Besuch in diesen Versammlungen war — wohl infolge des schönen Wetters— nur mäßig; aber es fanden die Ausführungen unserer Redner bei den Erschienenen ungeteilte Zustimmung. Im ersteren Orte sprach Genosse Krumm, in den beiden anderen Vetters. Ueberall bemerkt man eine für unsere Partei günstige Stimmung, auch in Orten, wie z. B. Climbach, wo wir 1898 gar keine Stimme erhielten.
Die Hausagitation die von seiten des Arbeiterbildungsvereins Steinberg für die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung unter⸗ nommen wurde, hatte zur Folge, daß sich unsere Abonnentenzahl um/ erhöhte, wir brachten es von auf 65 in Steinberg. Dieses beweist zur Genüge, daß wenn es die Genossen allerorts erusthaft anpacken, der schöne Erfolg nicht ausbleibt. Wir ⸗önnen mit diesem
Resultat vorläufig zufrieden sein. Unsere Auf⸗ gabe aber ist es, nicht eher zu ruhen, bis daß Arbeiterblatt gelesen wird,
nossen ins Rathaus einziehen und gut tun, sich schon
1. Aus Steinberg schreibt man uns: Uunsere Ge⸗ meinde bekommt alljährlich aus den Domänewaldungen Schiffenberg 1056 mtr. Loosholz, welches nach den Bestimmungen unter die 300 ältesten Ortsbürger ver⸗ teilt wird. Loosholzberechtigt ist derjenige, welcher das Ortsbürgerrecht besitzt, oder wer von auswärts zuzieht, sich dasselbe mit der Summe von 90 Mark erwirbt. Soweit ist es hiermit richtig. Unrichtig ist es aber, daß der Herr Pfarrer und noch drei Lehrer, welche auch von auswärts sind, und obige Summe nicht be⸗ zahlt haben, ebenfalls Holz bekommen. Dem Herrn Pfarrer giebt man sogar noch doppelt soviel als ein anderer Ortsbürger bekommt. Der hat dann soviel Holz daß er davon verkaufen muß. Anspruch auf Holz bat nur die erste Lehrerstelle. In dieser Sache brachten unsere Genossen schon im voriten Jahre einen Antrag im Ge⸗ meinderat, wonach eine andere Regelung stattfinden und das Unrecht beseitigt werden sollte. Doch die Mehrheit des Gemeinderats unterstützte den Antrag aus leicht begreiflichen Gründen nicht. Und doch ist die Mehr⸗ heit der Bürger mit den jetzigen Verhältnissen nicht einverstanden, nicht etwa blos unsere Genossen!
aus dem Nreise Alssesd-Cauterbach.
X. Die Alsfelder Gemeinderatswahlen haben einen antisemitischen Schneidermeister so in Auf⸗ regung gebracht, daß der Be dauernswerle den Rotkoller lekommen hat. Wo er geht und steht schimpft er über unsere drei Kandidaten, sogar Prügel stellte er ihnen in Aussicht, ohne indessen die menschenfreundliche und christliche Absicht auszuführen. Dazu fehlt ihm die nötige Kourage. Kein Gemeinderatsmitglied hätte sich neben unsere Senossen gesetzt, wenn sie gewählt worden wären, schtupfte der Spietzer weiter, sie wären keine geboren Alsfelder und hatten nichts auf dem Rathaus zu suchen.— Nun lassen wir das Männlein zetern. Er wird es hoffentlich noch erleben, daß unsere CEe⸗
jetzt mit diesem Gedanken vertraut zu machen, damit er dann nicht in noch größere Aufregung gerät, die für ih selbst nur von größtem Nachteil sein könnte. Schließlich wird er finden, daß es sich unter sozial⸗ demokratischem Regiment besser als unter dem jetzigen lebt und man sich deswegen nicht totzuschießen braucht.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Die Nationalliberalen auf Agitation. Herr Abg. Krämer hielt, unterstützt von dem Partei⸗ sekretär der nationalliberalen Partei, Dr. Johannes⸗ Köln, vergangene Woche eine Agitatian, im Wahlkreise ab. Ob aber die Hercen mit dem Ergebnis derselben zufrieden sind, ist sehr fraglich. Die erste Versammlung fand om Montag in Rodheim statt. Die Mehrzahl der Versammlungsbesucher waren Arbeiter. Herr Krämer sprach zunächst kurz über die seine und der national⸗ liberalen Partei Tätigkeit im Reichstage, wobei er es als ein besonderes Verdienst selner Partei pries, beim Zustandekommen des Zolltarifs mitgeholfen zu haben. Dr. Johannes ergänzte die Ausführungen Krämers, empfahl dessen Wiederwahl und suchte die Haltung der natlonalliberalen Partei in den Fragen, die den Reichs⸗ tag beschäftigten, zu rechtfertigen. Genosse Vetters, der darauf zum Wort kam, legte die Schäden dar, die der großen Masse des Volkes durch den Zolltarif z ge⸗ fügt werden, wies auf die ungeheuren Militärlasten, die großen und zwecklosen Aufwendungen für die Kolonien, sowi⸗ auf die Ungleichheit in der Rechtssprechung hin, erinnerte daran, daß die Nationalliberalen für das Sozialistengesetz eingetreten seien und das Reichstags⸗ wahlrecht lieber heutr als morgen beseitigten. Unter dem Beifall des größten Teiles der Versamm ung for⸗ derte er auf, bei der Wahl für den Sozialdemokraten zu stimmen. In seiner Erwiderung suchte Herr Dr. Johannes, die Angriffe unseres Genossen abzuwehren und glaubte mit tönenden nationalen Phrasen Eindruck zu machen, erntete aber damit nur bei einem kleinen Teile der Versammlung Beifall. Genosse Beckmann beleuchtete die soziale Gesetzgebung, zu der es ohne die Sozialdemokratie nie gekommen wäre. Eilig erfolgte Schluß der Versammlung, von der wir hoffen, daß fie unserer Partei mehr als der nationalliberalen nützte.— Ebenso die an Dienstag in Burgsolms. Diese war zu ca./ von Arbeitern besucht, welche die Ausfüh⸗ rungen unseres Genossen Habicht, der hier den Herren Krämer und Dr. Johannes entgegentrat, begeistert zu⸗ stimmten.— In Schwalbach, am Mittwoch, war die Versammlung ebenfalls stark besetzt. Das ist ein stark antisemitischer Ort, deshalb war auch Herr Reuther erschienen, um Herrn Krämer entgegen zu treten. Die Antisemiten wiegen sich nämlich in der thörichten Hoff⸗ nung, in die Stichwahl zu kommen. Reuther aber, der in seiner kläffenden, polternden Weise auftrat, machte gar keinen Eindruck, dagegen fanden auch hier die Aus⸗ führungen unseres Genossen Habicht den Beifall eines großen Teiles der Versammlung. Das Gleiche war Donnerstag in Niederkleen der Fall, wo die Ver⸗
h. In Launsbach findet Freitag, den 27. März abends 9 Uhr eine Wählerversammlung im Lokale Wittwe Pfaff statt. Die Genossen der Umgebung werden gebeten, zahlreich zu erscheinen.
Streik im Siegener Industriebe⸗ zirk. Vorige Woche wurde berichtet: Die Sprengstofffabrik Nahnsen u. Co. in Anz⸗ hausen hat infolge eines Streiks der Patronen⸗ macher ihren Betrieb vorläufig eingestellt. Die Werksverwaltung hatte den Arbeitern den ge⸗ forderten höheren Lohnsatz bereits bewilligt, doch erklärte sich die Zentrale in Berlin mit diesem Vorgehen nicht einverstanden. So blieb nichts übrig als die Arbetter zu entlassen, und, da Ersatz nicht zu finden war, den Betrieb einzustellen.— Dieses Vorkommnis beweist, daß es im Siegerlande auch eie Arbeiter giebt, was Stöcker vor einiger Zeit in einer dort abgehaltenen Versammlung bestritt. Damit hatte er aber Unrecht, wie in vielen anderen Dingen.
* Aus Geiz verhungert ist in Siegen die unverehelichte Katharine Sinz. Die Frau, deren Ver⸗ mögen auf über 100,000 Mark geschätzt wird, bewohnte allein ein großes Haus an der Sandstraße. Als dessen Läden vor einigen Tagen geschlossen blieben, erzwangen sich die Nachbarn gewaltsam Zutritt zur Wohnung und fanden die Frau in bewußtlosem Zustande dem Tode nahe im Bette liegend vor. Man schaffte sie zum Krankenhause, wo sie an Entkräftung gestorben ist. In ihrer Wohnung fand sich nichts Genießbares vor.
aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain.
St. Zur Beachtung! Wie bereits in letzter Parteiversammlung bekannt gegeben, findet wahrscheinlich am ersten Sonntage im eine Flugblattverteilung im Wahlkreise statt.
sich recht zahlreich an derselben zu beteiligen. Die Teilnehmer wollen sich vorher bei unserem Vertrauensmann, Gen. Härtling, behufs näherer Instruktion melden. Derselbe wohnt Ritterstraße 9 J. und ist in der Mittags⸗ stunde sowie Abends von 6 Uhr ab zu sprechen.
— Eine wichtige Entdeckung hat der hiesige Gelehrte Geheimrat Prof. 1 Behring gemacht. Wie er kürzlich in einem in Wien gehaltenen Vortrage ausführte, ist es ihm gelungen, ein Mittel zur Immunistrung der Rinder gegen die Tuberkucose zu präparieren. Die von ihm gemachten Versuche seien vollständig gelungen. Die Sache hat in weiten Kreisen ungeheures Aufsehen erregt. Geheimrat Behring erklärte bei dieser Gelegenheit, daß er hoffe, auch ein Mittel gegen die Tuberkulose der Menschen zu entdecken. Sollte ihm dies wirk⸗ lich gelingen, so wäre dies wohl als die 19 und segensreichste Entdeckung auf iesem Gebiete zu bezeichnen, die es überhaupt geben kann und käme dieselbe hauptsächlich der von jener furchtbaren Krankheit am meisten heim⸗ gesuchten Arbeiterbevölkerung zuteil.
— Nachklänge zur Katser Geburts- tagsfeier. In der Strafkammersitzung am 24. d. Mts. standen zwei schon mehrfach wegen Körperverletzung usw. donde Brüder, Heinrich und Johann Faul stich aus Rüddings⸗ hausen in Oberhessen vor den Schranken. Dieselben hatten am Abend des 27. Januar in Roßberg mit mehreren dortigen Ein⸗ wohnern in den Eisnerschen Wirtschaft daselbst gelneipt und später eine Rauferei mit diesen begonnen, die in eine förmliche Schlacht ausartete, bei welcher es Messerstiche und sonstige Verletzungen in Masse absetzte; auch verübten die Angeklagten Hausfriedensbruch, indem sie mit Gewalt in das verschlossene Lokal eindrangen, aus dem sie vorher hinaus geworfen worden waren. Die Geburtstagsfeier sollte ihnen aber übel bekommen, denn sie er⸗ hielten, außer einer gehörigen Tracht Prügel an Ort und Stelle, vom Gericht eine Gesamt⸗ strafe von 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis für Heinrich, und 2 Jahren Gefängnis für Joh. Faulstich zudiktirt und wurden sofort in Haft genommen. f
Pfarrer und Krieg erverein. Den Zorn des katholischen Ortsgeistlichen
genossen,
verhelfen.
sammlung ebensalls gut besetzt war.
hat der neugegründete Kriegerverein von Nied⸗
Wir ersuchen hierdurch nochmals die Partei⸗
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