*
————
„
——
——
zerlegt sein können,
1. Oktober 1900 verboten.
Seite 2. Mtteldentsche Sonntags⸗Zeituno. Nr. 13. Das sind sehr angenehme Aussichten. Bei sich allerdings noch sehr. Das Scharfmacher⸗ Duellraufereien politischer Persönlich⸗ den nächsten Wahlen werden alle Kandi⸗ organ, die„Post“, sowie die konser vativen keiten
daten auf Herz und Nieren zu prüfen sein, wie sie sich zur weiteren Heeresvermehrung stellen, und es ist selbstverständlich, daß die Wähler sich nicht mit allgemeinen Phrasen abspeisen lassen, etwa mit den Worten:„Ich werde auf größte Sparsamkeit im Reichshaushalte dringen und nur das bewilligen, was zur Sicherung des Reiches unbedingt erforderlich ist.“ Der⸗ artige Phrasen verpflichten zu nichts; es ist aber unerläßlich, daß ae weitere Heeres⸗ und Flottenvermehrung abgelehnt wird. Die Wähler mögen auf der Hut sein! Von seiten der Regierung wird nicht daran gedacht, den Moloch bescheidener zu machen. Und von allen Parteien bietet einzig die Sozial⸗ demokratie die sichere Gewähr dafür, daß sie unter allen Umständen gegen die kultur⸗ feindliche Mästung des Militarismus ihre Stimme erhebt.
Politische Aundschau. Gießen, den 26. März.
Verteuerung des Fleisches.
Von 1. April ab tritt der Rest des Fleisch⸗ beschaugesetzes in Kraft. Es handelt sich jetzt um die Untersuchung des 47rd Fleisches. Frisches Fleisch darf vom 1. April ab nur noch in ganzen Tierkörpern, die bei Rind(Kälber ausgenommen) und bei Schweinen in Hälften und zwar nur im Zu⸗ sammenhang mit den inneren Organen(Brust⸗ und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, Euter) und Pökelfleisch, mit Ausnahme von Schinken, Speck, Därmen, nur in Stücken von mindestens 4 Kilogramm eingeführt werden.(Für Würste und Büchsenfleisch ist die Einfuhr schon seit Die Einfuhr frischen Fleisches wird noch durch das Verbot der Borsäure als Konservirungsmittel erschwert).
— Für die tierärztliche Untersuchung sind natürlich Gebühren zu entrichten. Für ein Rind betragen diese z. B. 2,50 Mk., Schwein 0,75 Mk., Speck 0,02 Mk. für das Kilo ꝛc. Durch diese Bestimmungen wird sich selbstver⸗ ständlich die Fleischeinfuhr schwieriger und damit teurer gestalten. Wir haben daher vom 1. April ab mit weiteren Verteuerung des Fleisches zu rechnen. Es wird die Zeit kommen, wo das Fleisch für den Arbeiter nur noch ein Leckerbissen ist, den er sich bloß an den drei hohen Festtagen im Jahre gönnen kann.
Sicherung des Wahlgeheimnisses.
Dem Reichstage, der am Dienstag in die Osterferien gegangen ist, ist nun die Vorlage betr. die Abänderung des Wahlreglements zugegangen. Abgeändert werden§§ 9, 11 bis 13, 15 bis 21, 27 und 34 des Wahlreglements. Die wesentlichsten Abänderungen sind:
Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr Vormittags und dauert bis 7 Uhr Nachmittags, also eine Stunde länger als bisher. Die Stimmzettel müssen von weißem Papier und dürfen mit keinem Kennzeichen versehen sein. Sie sollen 9 zu 12 Ctm. groß und von mittel— starkem Schreibpapier sein und siud von dem Wähler in einem mit amtlichem Stempel ver⸗ sehenen Umschlage, der sonst kein Kennzeichen haben darf, abzugeben. Die Umschläge sollen 12 zu 15 Ctm. groß und aus undurchsichtigem Papier hergestellt sein. Sie sind in der er⸗ forderlichen Zahl bereitzuhalten. Ferner sollen Nebenräume im Wahllokal geschaffen oder Nebentische aufgestellt werden, wo der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet in das Couvert legen kanu. Die amtlich gestempelten Umschläge verabfolgt eine im Wahllokal aufzustellende Person an die einzelnen Wähler. Der Wahl- vorsteher hat Stimmzettel zurückzuweisen, welche die Wähler nicht in dem abgestempelten Umschlag abgeben wollen, ebenso die Stimmzettel solcher Wähler, welche sich in den Nebenraum oder an die Nebentische nicht begeben haben.— Ob die Vorlage, die ja immerhin einige Besserungen bringt, so glatt zur Annahme kommt, fragt
Blätter eifern dagegen. Natürlich, dann können eben die Junker, die Fabrik und Bergwerks⸗ besitzer die Abstimmung„ihrer“ Arbeiter nicht mehr in dem Maße kontrollieren, als das bisher der Fall war, wo stellenweise die Ar⸗ beiter wie die Schaafheerden zur Wahlurne geführt wurden.—
Ein Gesetz über Einführung von Diäten für die Rei end wird diesem Reichs⸗ tage, wie berichtet wird, nicht mehr zugehen.
„Nationale“ Wahlredner gesucht.
Den staatserhaltenden Parteien fehlen für die bevorstehende Wahlbewegung die Leute, welche die Sünden der Wucherzöllner zu ver⸗ teidigen geneigt wären. Darum suchen sie ihre Agitatoren auf dem Wege des Zeitungsinserats. Im Annoncenteil der„Kreuzzeitung“, des Junkerorgans, war zu lesen:
„Herren, welche sich bercits als Redner in Wahlversammlungen für den Mittelstand, gegen Soztaldemokratie und Freisinn, betätigt haben und dies wieder tun wollen, werden um Nachricht gebeten,“ ꝛc.
Man betrachtet also die Personen, welche 199 Ueberredungsgabe in den Dienst der nationalen Parteien stellen wollen, von vornherein als Geschäftsreisende, und dementsprechend werden ihre Anmeldungen eingefordert, als ob es sich um den Vertrieb einer neuen Art von Patent⸗Hosenträgern oder Schweizerpillen han⸗ delte. Man sieht, daß die antisozialistischen Parteien sich ganz richtig einschätzen.
Eine Wahlrechnung. 8
Von den Wahlkreisen, welche die Sozial⸗ demokratie noch nicht im Besitz hat, zählt ein Parteiblatt 27 als aussichtsvoll auf. Das sind alle diejenigen, wo wir bei der letzten Haupt⸗ wahl über 40 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielten. Natürlich ist nicht daran zu denken, daß wir alle diese 27 Kreise gewinnen; es kann uns anderseits auch mancher jetzt in unserem Besitze befindliche Kreis wieder verloren gehen. Wir werden uns tüchtig anstrengen müssen, wenn wir 12—15 Mandate zu den bisherigen 58 gewinnen wollen. Hauptsache ist übrigens, wenn wir eine gewaltige Stimmen⸗ zunahme zu verzeichnen haben!
Zum sächsischen Hofsftandal.
Ueber die„Eheirrung“ in Sachsen war es in der Presse schon so ziemlich ruhig geworden, als ein Erlaß des Königs von Sachsen„an mein Volk“ die Affaire wieder in die öffentliche Diskusston rückte. In diesem Erlasse giebt der König der Hoffnung Ausdruck, daß wieder Ruhe im Volke einkehren und es ihm(dem König) vertrauen möge. Den Vorkommnissen am Hofe liege, wie es wörtlich heißt,„lediglich die ungebändigte Leidenschaft einer schon lange im Stillen tief gefallenen Frau zu Grunde.“ Es ist begreiflich, daß die Prinzessin, als stie von dem Erlaß Kenntnis erhielt, in höchste Aufregung geriet.„Wie ist es möglich, daß man mir mein Schweigen so dankt?“ soll sie ausgerufen haben. Sie hatte die Absicht, mit den Gründen ihrer Flucht an die Oeffentlichkeit zu treten; sie konnte nur mit Mühe von ihren Angehörigen und ihrem Rechtsbeistande davon abgehalten werden. Der Zustand der Prinzessin ist infolge der Aufregung äußerst bedenklich.— Welche Gründe mögen dafür vorliegen, daß man der so schwer angegriffenen Frau verwehrte, sich zu verteidigen? — Der Erlaß des Königs muß übrigens zu mancherlei Gedanken anregen. Zunächst wird sich die Mehrheit des sächsischen Volkes durch die Hofgeschichte kaum viel aus der Ruhe bringen lassen. Wer aber den Erlaß gelesen, dem muß das Gefühl überkommen: Wenn die„Gefallene“, auch weiter„im Stillen“ gesündigt hätte, wäre sie doch noch eine würdige Landesmutter ge⸗ worden, aber nun, da sie unklug die Konse⸗ quenzen ihrer Liebe gezogen hat, ist sie„eine tief gefallene Frau“. Und weiter zeigt sich hier, zu welchen verzweifelten Mitteln das Gottes⸗ gnadentum greifen muß, um seine Sache zu führen und„das Vertrauen“ sich zu erhalten.
sind in Frankreich noch viel im Schwange. Auch unsern Genossen Jaurés wollte der frühere Kriegsminister Cavaignac zum Duell zwingen. Jaurés ließ den Hanswurst gehörig abblitzen. Cavaignac hatte in einer Versamm⸗ lung behauptet, Jaurés bekannte Friedensrede wäre von den Gegnern der Protestler in Metz in deutscher Sprache öffentlich angeschlagen und zu einer antifranzösischen Agitation benutzt worden. Jaurés hatte durch das Zitat eines Artikels des Metzer Blattes„Le Messen“ ge⸗ antwortet, worin diese Behauptungen Cavaignacs als absolut erfunden bezeichnet werden. Cavaignac warf nun Jaures in einem offenen Brief, den die„Liberte“ publizierte, vor, daß er eine Verleumdung vorgebracht und eine Feig⸗ heit begangen habe. Jaures lehnte es darauf ab, sich mit Cavaignac zu schlagen und macht das Publikum zum Richter darüber, ob Cavaignac durch ein entstelltes Zitat aus einem Metzer Blatte das Recht verwirkte, als loyaler Gegner erachtet zu werden.
Der Kampf der amerlkanischen Kohlenbergleute
im vorigen Jahre ist bekanntlich dadurch beendigt worden, daß im Einverständnis mit den Grubenbesitzern die Forderungen der Arbeiter zur Entscheidung einem Schiedsgericht überwiesen wurden, das Präsident Roosevelt zu berufen hatte. Dieses hat den Bergleuten eine 17 15 rozentige Lohnerhöhung zugebilligt. ach den mittlerweile eingegangenen näheren Nachrichten soll diese Lohnerhöhung rückwirkende Kraft haben und von November an zahlbar sein, was für die Arbeiter drei Millionen Dollars ausmachen würde. Ferner hat das Schiedsgericht eine Verkürzung der Ar⸗ beitszeit für verschiedene Arbeiterkategorien bestimmt. Die übrigen Forderungen wurden abgeschlagen, indessen empfiehlt die Kommission den Grubenbesttzern, die Gewerkschaft anzuer⸗ kennen. Auch die Abschaffung der Kinderarbeit wurde e Das Schiedsgericht veran- schlagt den Gesamtverlust durch den Kohlenstreik auf 100 Millionen Dollars.
Die Wahlbewegung.
Im Wahlkreise Dillenburg-Herborn ist, wie berichtet wird, der christlich-soziale Kandidat v. Oertzen zurückgetreten. An seiner Stelle ist dem bekannten Parteisekretär der Stöcker'schen, Herrn Privatier Dr. Burckhardt in Godesberg, die Kandidatur übertragen worden. Herr Dr. Burckhardt wird sich also den Wählern als der„schlichte Mann aus der Werkstatt“ demnächst vorstellen.
K
Polizeilich aufgelöst wurde am Sams⸗ tag eine sozialdemokratische Wählerversammlung in Trier, in welcher Dr. Erdmann⸗Köln sprach und die von ca. 500 Personen besucht war. Heutzutage wirds aber selbst in dieser schwarzen Gegend nicht mehr gelingen, mi solchen plumpen Polizeistücken unsere Bewegung zu unterdrücken.
*
Einen Mischmasch sehr merkwürdiger Art planen die gegnerischen Parteien in Würz⸗ burg. Dort wollen Nationalliberale, Frei⸗ sinnige, Demokraten und— der Bauernbund zusammengehen. Unsere dortigen Genossen, die am Sonntag den Landtagsabgeordneten Franz Schmitt in München als ihren Kandidaten proklamierten, erklärten zugleich, daß der Misch⸗ maschkandidat, falls er in die Stichwahl käme, nicht auf sozialdemokratische Unterstützung rechnen könne.
*
Im Wahltreise Marburg, den bisher Dr. Böckel vertrat, sind eine respektable Anzahl Kandidaten aufgestellt. Große Anstrengungen macht der Nationalsoziale v. Gerlach, der den Kreis schon monatelang bearbeitet. Konser⸗ vativer Kandidat ist Frhr. v. Pappenheim:
als Antisemit Zimmermannscher Richtung soll


