Ausgabe 
27.12.1903
 
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

mit Leichtigkeit auf 3⸗ bis 4000 Mark.

handlung ab; wo hoffentlich die einzelnen Fälle genau ans Licht kommen. Zugleich mit dem Bürgermeister ist der Sekretär v. Bül o w verhaftet, aber am Dienstag wieder entlassen worden. Immerhin eine höchst bedenkliche Affaire!.

Aus dem Nreise Dillenburg⸗Herborn.

Der empfindliche Reichstagsabgeord⸗ nete. Herr Dr. Burkhard, der Stöcker'sche Partei⸗ sekretär und Abgeordnete für Dillenburg lief wegen verschledener während der Reichstagswahlen gegen ihn veröffentlichter Flugblätter und Zeitungsartikel zum Kadi und verklagte drei Mitglieder des nationalliberalen Wahlkomitees, den Bürgermeißter Gierlich, den Seminar⸗ lehrer Weiger⸗Dillenburg, sowie einen dritten Herrn wegen Beleidigung. Er blitzte aber damit ab. Sowohl das Amtsgericht in Herborn, wie das Landgericht haben die Klage abgewiesen und den Beklagten den Schutz des§ 193, Wahrung berechtigter Interessen als Reichs⸗ tagswähler, zugebilligt.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

R. Empörend gelogen wird von der Unternehmer- und Reptilpresse über der Crimmitschauer Streik. Eine der frechsten und gemeinsten Lügen ist die, daß der Kampf in Crimmitschau von der So⸗ zialdemokratie heraufbeschworen worden sei. Es ist leicht zu erkennen, in welcher Absicht die Textilbarone diesen Schwindel in die Welt gesetzt haben.

Tatsache ist: Die Unternehmer haben 8000 Arbeiter aufs Pflaster geworfen! Wa⸗ rum? Weil ca. 600 Arbeiter in fünf Fabriken kündigten und zwar mit dem Vorbehalt, daß, wenn die zu erwartenden Zugeständnisse der Fabrikanten genügend seien, diese Kündig⸗ ung sofort als zurückgezogen gelte. Die Antwort der Fabrikanten war: Aus⸗ sperrung von nahezu 8000 Menschen. Geradezu verrückt ist, was bespielsweise das Marburger Reptil über die Weberlöhne erzählt. Da heißt es z. B.:

Wenn daher in einer fünf- bis sechsköpfigen Familie drei oder vier Mitglieder arbeiten, etwa Vater, Mutter und eine Tochter und die Töchter der Arbeiter tun dies regelmäßig, weil sie den guten Erwerb in der Fabrik der Verdingung als Dienstboten vorziehen so stellt sich das Einkommen einer solchen Familie Nach Ver⸗ sicherungen eines Gewerbeinspektors sind auch Jahres⸗ verdienste von 4 bis 5000 Mark nichts Seltenes. Die Arbeit ist leicht auszuführen und leicht zu lernen, so daß der Anfangsverdienst vom ersten Tage der Be⸗ schäftigung an bezogen werden kann.

Jeder Arbeiter, der das liest, wird laut lachen. 5000 Mark! Soviel Gehalt hat ja mancher Reptil⸗Redakteur nicht und die werden gewiß gut bezahlt! Seine Leser muß das Amtsblatt aber für beleidigend dumm halten, wenn es ihnen diesen Kohl vorsetzt. Der durch⸗ schnittliche Wochenlohn der Weber beträgt 14 bis 16 Mark.

Nicht auf den Mund gefallen

war ein Angeklagter, der dieser Tage vor dem Breslauer Schöffengericht stand. Der Vor⸗ sitzende war mit dem Angeklagten in einen Dis⸗ put gekommen, in dessen Verlauf er ihn einen frechen Lümmel titulierte. Der Angeklagte war aber nicht faul und erwiderte:Wenn Sie nicht Richter wären, würde ich Ih⸗ nen eine hineinhauen. Der Staats⸗ anwalt beantragte drei Tage Haft wegen Ungebühr vor Gericht, was der Vorsitzende als Urteil verkündigte. Da aber keine Beratung erfolgt war, widersprach der Angeklagte diesem Gerichtsbeschluß. Das Gericht zog sich auf lange Zeit zurück, bei der Rückkehr verkündete der Vorsitzende nach derBreslauer Morgenzeitung die Ablehnung des staats⸗ anwaltschaftlichen Antrags.

Flomme Gauner.

In dem in Prag geführten Prozesse gegen die früheren Beamten der St. Wen zel⸗Vor⸗ schußkasse wegen Veruntreuung, über die seit dem 25. November verhandelt wurde, wurde

m Samstag das Urteil gesprochen. Pater

Rechnungsführer Pekeländer zu dreizehn Monaten schweren verschärften Kerkers und Schadenersatz verurteilt. Die Revisoren Bily

und Grünwald wurden freigesprochen.

Freunde und Leser!

Mit der vorliegenden Nummer vollen⸗ det dieWitteldeutsche Sonntags-Zei⸗ tung ihren

zehnten Jahrgang.

Neujahr 1894 erschien die erste Num⸗ mer unter der Redaktion des Genossen Dr. David, jetzigen Reichstagsabgeordne⸗ ten für Mainz, der damals seine Lehrer⸗ stellung in Gießen aufgegeben hatte, um seiner Ueberzeugung gemäß für die Ver⸗ wirklichung der sozialdemokratischen Ziele mitzukämpfen. Wie viele unserer Partei⸗ blätter, so hatte auch das unsere schwere Zeiten durchzumachen, oft genug war sein Weiterbestehen in Frage gestellt. Diese Zeiten sind vorüber! Und gerade die er⸗ freuliche Entwickelung unserer Parteipresse

überall, ist ein Zeichen der Erstarkung un⸗

serer Bewegung.

In dem verflossenen Jahrzehnt das dürfen wir wohl sagen hat dieMittel⸗ deutsche ihre Aufgabe redlich erfüllt. Sie ist stets für die Interessen der Kleinen und Besitzlosen eingetreten, hat stets wider die

Unterdrückungspolitik, Ungerechtigkeit und

Anmaßung der besitzenden Klasse gestritten. Sie bildet das unentbehrliche geistige Band der Parteifreunde in den Kreisen Gießen, Friedberg, Alsfeld, Marburg, Wetz⸗ lar, Dillenburg, Herborn, Limburg und dem Unterlahnkreise bis an den Rhein hin. Wir wissen wohl, daß dem Lesebedürfnis vieler Genossen ein Wochenblatt nicht genügt. Das ist erklärlich, sogar erfreulich und dem Bedürfnis wird in nicht zu ferner Zeit Rechnung getragen werden. Vorläufig ist aber nötig, für noch wéitere Verbrei⸗ tung derMitteldeutsehen Sonn⸗ tagszeitung zu sorgen. Tausende von Arbeitern lesen noch die arbeiterfeindliche Amtsblatt und unparteiische Presse, unterstützen damit ihre Gegner und schädigen sich selbst! Wir haben aber noch viele zu gewinnen. Herz⸗ lichen Dank allen, die bisher wacker mit arbeiteten, wir fordern sie zu neuer Ar⸗ beit auf und wir wissen, daß das nicht vergeblich ist. Unablässiger Kampf gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Aus⸗ beutung, energische Abwehr aller volksfeindliehen Bestrebungen muß unser aller Aufgabe sein! In diesem Kampfe hat sich die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung stets als zuverlässige Waffe bewährt. Ihr immer neue Leser zuzuführen, dazu rufen wir

zum Quartalswechsel alle Gesinnungsfreunde auf!

Vorwärts! sei unsere Parole, im alten wie im neuen Jahre!

DieMitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung erscheint wöchentlich einmal und kostet nur 28 Pfg. den Monat; 75 Pfg. dos Vierteljahr.

Nx. 52. Seite 5. den Strich diese Zuschriften zu veröffent-] Drozd und Direktor Kohont wurden zu sieben g 1 1 lichen. Warten wir ruhig die gerichtliche Ver⸗] Jahren, Kassenverwalter Heicik zu zwel Jahren, Kleine Mitteilungen.

** Opfer der Arbeit. Auf der Grube Schlagkatz bei Ober biel wurde am Freitag der Bergmann Weimer aus Niederbiel durch herabstürzendes Gestein dermaßen verletzt, daß er bald darauf in der Gießener Klinik, wohin er bee wurde, verstarb. Das den ordentlichen

rbeiter betroffene Unglück ruft allgemeine Teilnahme hervor.

Berhaftung eines Hochstapler⸗Ehe⸗ paares. Am Samstag wurde in Berlin Professor Dr. Moritz Meyer und seine Frau verhaftet, nach⸗ dem über 100 Strafanträge gegen das Ehepaar einge⸗ bracht waren. Es war ihnen gelungen, die renommier⸗ testen Berliner Firmen zu prellen. Täglich laufen neue Anzeigen gegen das Paar ein, das sich wegen Betrugs, Unterschlagung und Meineids zu verantworten haben wird. Die Schuldenmasse beläuft sich auf mehr als 100000 Mark.

In der Zwangserzie hungsanstalt St. Martin in Boppard a. Rh. fand die Oberin zwei Mädchen erhängt vor; das eine war tot, das andere konnte wieder ins Leben zurückgerufen wer⸗ den. Die Lebensmüden waren kurz zuvor aus der An⸗ stalt entwichen, jedoch wieder festgenommen worden. Es wäre gewiß von Interesse, zu erfahren, was die Kinder zu ihrer Tat veranlaßt hat,

Partei-Nachrichten.

Das Schriftenverzeichnis ist soeben von der Buchhandlung Vorwärts nen herausgegeben. Es ist bedeutend erweitert und gibt einen Ueberblick über die sozialistische Literatur und sonstige gute und empfeh⸗ lenswerte Bücher, Broschüren, Kunstblätter usw. Es ent⸗ hält in systematischer Ordnung: Parteischriften, Natio⸗ nalökonomisches, Geschichtliches, Naturwissenschaft, Ge⸗ dichte, Romane, Dramen, Photographien, Kunstblätter, Gesetze, Gelegenheitekauf, Flugschriften. Jeder unserer Leser dürfte in dem Verzeichnis das seinem Geschmacke Entsprechende finden. Auf Verlangen sendet die Buch⸗

handlung Vorwärts, Berlin S W., Lindenstr. 69, das

Verzeichnis gratis und franko.

Wegen Majestätsbeleidigung wurde am Mittwoch Genosse Garbe, der veräntwortl. Redakteur unseres Kasseler Parteiorgans, zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung wurde erblickt in einer gegen die bürgerliche Presse gerichteten Lokalnotiz, in der der bürgerlichen Presse vorgeworfen wird, sie brächte nur geistigen Kot, der in amtlichen Be⸗ kanntmachungen über Hausauslosungen, Dünger⸗ gruben und kaiserlichen Danksagungen usw. bestehe. In dieser Zusammenstellung sowohl wie in dem Ausdruck geistigen Kot war die Majestätsbeleidigung erblickt.

Versammlungskalender.

Sonntag, den 27. Dezember. Gießen. Gewerkschaftskartell. Morgens 10 Uhr Sitzung bei Orbig.

Quittung.

Für die ausgesperrten Weber in Crimmit⸗ schau gingen weiter ein: Gießen, H. 1 Mk. K. 10 Mark. H. 0,50 Mk. rs. 1 Mk. Metallarbeiter 60 Mk. Bäcker 12,25 Mk. Schneider 42,65 Mk. Rödchen bei Nauheim 7,45 Mk. Beamte der Ortskasse 2,10 Mk. Krofdorf durch St. 24,30 Mk. Stein berg: Wahlverein 10 Mk. Von H. in der Gen.⸗Vers. d. Consumver. ges. 3,30 Mk. Liste 9 5,04 Mk. Zusammen 18,34 Mk. Marburg(II. Sammlung): Gewerkschaftskommission 20 Mk. Holzarbeiter 31,10 Mk. Buchdrucker(Marburg) 31 Mk. Buchdrucker(Dillenburg) 8 Mk. Metallarbeiter 15,90 Mk. Schuhmacher 13,60 Mk. Fabrikarbeiter und Formstecher 12,55 Mk. Schneider 10 Mk, Maler und Lackierer 5,10 Mk. Summa 147,25 Mk. Gesamtsumme 253, Mk.

Die Gewerkschaftskommission R. Rösler.

Wetzlar. Liste Nr. 2208 Mk. 10,50. L. Nr. 2210 Mk. 1220. In der Quittung voriger Nr. muß es heißen: L. 2211 Mk. 12,80. Ferner statt A. R. 1. Rate.

2. Au unsere Leser und Speditenrel Die

nächste Nr. unseres Blattes(Nr. 1 1904) ge⸗ laugt am Donnerstag, den 31. Dezember zur

Ausgabe. Die Expedition derMitteldeutschen Sonntagszeitung.