Ausgabe 
26.7.1903
 
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Nr. 30.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung

Seite 3.

Kamm geschoren werden, wie die anderen, ja viele von

ihnen leiden noch viel mehr unter obigen Beschlüssen.

r. Wie manzu etwas kommt. Bei der Feldbereinigung in Schwalheim waren Steine übrig geblieben, die friedlich bei dem sogenannten Sauerbrunnen lagerten. Sie er⸗ weckten das Interesse eines als nationalliberale Ordnungsstütze bekannten Schwalheimer Ein⸗ wohners, der sie zu seinem Neubau lecht gut brauchen konnte. Er machte kurzen Prozeß, fuhr mit Knecht und Wagen los, lud die Steine auf, deren jeder einen Wert von zirka 2.50 Mk. repräsentiert und verleibte sie einfach seinem Eigentum ein, vergaß aber nicht, die Zeichen daraus zu entfernen. Auf die Art kann man es allerdings schneller zu etwas bringen als durchFleiß und Sparsamkeit, wie die schönen Redensarten immer lauten. Ob den Mann niemand über seine Verwechse⸗ lung der Begriffe von Mein und Dein aufklärt?

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Wenigstens eiwas. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten lag ein Antrag des Aerztevereins vor, die Kosten für die Leichenschau auf die Stadtkasse zu übernehmen. Es wurde im Sinne dieses An⸗ trages beschlossen; es werden also künftighin Forderungen für Totenschau und den Toten⸗ schein an die Angehörigen der Verstorbenen nicht mehr gestellt werden. Was da beschlossen wurde, ist ja nicht von übermäßig großer Bedeutung; aber es ist ein kleiner Schritt in der Richtung nach unserer Forderung: Unent⸗ geltlichkeit der Totenbestattung.

h. Klagende Antisemiten. Die teutschen Reformer beklagen nicht blos den für sie ungünstigen Ausfall der Reichstagswahl im Wetzlarer Kreise, sie verklagen auch die Sünder, die ihnen in der Hitze des Wahlkampfes mal auf die Hühneraugen getreten haben. Das Kreisblatt berichtet über eine Gerichtsverhandlung in Ehringshausen:Angeklagt wegen Hausfriedens⸗ bruch war erstens ein Handelsmann von Katzenfurt, welcher eine Versammlung der deutsch⸗sozialen Reform⸗ partei in Katzenfurt mehrmals störte und der Aufforde⸗ rung, das Lokal zu verlassen, keine Folge leistete. Durch das Zeugnis von Redakteur Reuther⸗Offenbach wurde der Angeklagte des Hausfriedensbruchs für schuldig

Obs auch ihnen die Augen öffnen wird?

erachtet und zu 3 Mk. Geldstrafe und in die nicht un⸗

bedeutenden Kosten verurteilt. Auch im andern Falle, in einer Privatbeleid'gungsklage des Herrn Dr. Giese gegen einen Gastwirt in Niederlemp, wurde auf dieselbe Strafe erkannt. Der Beklagte hatte in seiner Wirtschaft behauptet, Dr. Giese hätte in Berlin eine Nudelfabrik und die Arbeiter müßten bei ihm arbeiten, daß das Blut unter den Nägel hervortrete ꝛe. Da nachgewiesen war, daß Dr. Giese noch niemals eine Fabrik hatte oder an einer beteiligt war, mußte auch hier die schon oben erwähnte Bestrafung erfolgen. Als Vertreter des Herrn Dr. Giese war Rechtsanwalt Dr. Hahn aus Berlin. Reine Bagatellen! Und solcher Lappalien wegen schleppt der durchgeplumste Doktor einen Berliner Rechtsanwalt daher! Ob die Antisemiten sich durch solche Klagereien neue Anhänger zuführen wollen? Wenn übrigens wegen jeder Schimpferei mit der die Antise⸗ miten andere Leute anzupöbeln gewohnt sind, geklagt würde, reichte ihr Partei- und Privatvermögen nicht zur Bezahlung der Geldstrafen und mancher von ihnen säße im Gefängnis.

h. Vorsicht! Verschiedene Zeitungen wissen von Arbeitermangel in dem Ruhrkohlenrevier zu berichten. Die Bergarbeiter müssen gewarnt werden, sich dort etwa zur Arbeit anzubieten, denn erstens werden die Löhne stets herabgedrückt, den Arbeitern alle möglichen Ab⸗ züge gemacht und Strafen auferlegt, dann aber auch läuft jeder dort Arbeitende Gefahr von der schrecklichen Wurmseuche ergriffen und an seiner Gesundheit schwer geschädigt zu werden.(Wir verweisen auf den Artikel Millionengewinne in der Pol. Rundschau. D. R.)

h. Wildschaden. Aus verschiedenen Gegenden wird über bedeutenden durch Rotwild angerichteten Schaden berichtet, das in großen Heerden auf die Felder austrete. Ein Jagdpächter in Neu⸗Ludwigsdorf im Kreise Biedenkopf sah kürzlich ein Hirsch⸗Rudel von 36 Stück. Daß durch solche Heerden großer Schaden auf den Feldern angerichtet wird, ist erklärlich. Wie es aber mit dem Ersatz des Wildschadens aussieht, dafür haben wir in letzter Nr. ein Beispiel aus Krof⸗ dorf angeführt.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

* Genosse Bader wendet sich in einer Zuschrift an denVorwärts gegen diesen wegen seiner Stellung⸗ nahme zur Marburger Stichwahl und erklärt, daß

die Marburger Genossen mit ihrem Beschluß auf Stimmenenthaltung auch formell im Recht gewesen wären, weil sie sich auf den Beschluß des Münchener Parteitages stützten. Demgegenüber verteidigt derVor⸗ wärts seine Haltung und sagt, die Ereignisse nach dem Parteitag hätten eine andere Situation geschaffen.

R. Das Gewerkschafsfest am Sonntag erfreute sich trotz des trüben Wetters eines recht zahlreichen Besuches. Zum ersten Male war ein Festzug arrangiert, der ebenfalls gute Beteiligung aufwies. Auf dem Festplatze herrschte heiterste Feststimmung, die auch durch einen inzwischen niedergegangenenNassauer nicht getrübt werden konnte. Für Unterhaltung war in jeder Hinsicht gesorgt; man vergaß auch die Kinder nicht, die reichlich beschenkt wurden. Die Kleinen erkennen diese Fürsorge sehr wohl an; sie erscheinen mit jedem Jahre zahlreicher auf unsern Festen und ihre Fröh⸗ lichkeit erweckt die hoffentlich nicht zu späte Reue manches Hagestolzen, deren es ja auch unter uns vereinzelte gibt. Die Festrede des Genossen Dr. Michels, die mit großer Auf⸗ merksamkeit angehört und sehr beifällig aufge⸗ nommen wurde, schloß mit einem Hoch auf die Alrbeiterschaft, in das Alles begeistert einstimmte. Abends bewegte sich ein langer Fackelzug nach dem Restaurant Hildmann, wo man sich noch einige Stunden beim Tanz vergnügte.

St. Konsumverein. Die dritte dies⸗ jährige orden liche Generalversammlung des hiesigen Konsumvereins, dessen Mitgliederzahl bereits auf über 240 gestiegen ist, findet am nächsten Montag, den 27. d. Mts., abends 9 ¼ Uhr im Lokale von D. Jesberg, Wehr⸗ daerweg 2, statt. In derselben wird zunächst der Geschäftsführer den Bericht über das zweite Quartal erstatten, worauf der Bericht des Aufsichtsrates folgen wird. Ferner sind ver⸗ schiedene Neuwahlen für statutengemäß aus⸗ scheidende Aufsichtsrats⸗ und Vorstandsmitglieder vorzunehmen. Ein aus Mitgliederkreisen ein⸗ gegangener Antrag auf 8 Uhr⸗Ladenschluß, der von einschneidender Bedeutung für den Verein ist, dürfte jedenfalls eine recht rege Aussprache über diesen wichtigen Punkt hervor⸗ rufen und einen zahlreichen Besuch der General⸗ versammlung sehr wünschenswert erscheinen lassen. UnterVerschiedenes werden jedenfalls auch noch einige interessante Punkte zur Sprache kommen.

Polizeispitzel⸗Ende.

Im Untersuchungsgefängnis zu Heilbronn hat sich am 16. Juli der wegen Sittlichkeits⸗ verbrechen verhaftete Schreinermeister Waib⸗ linger erhängt. Dieser Mensch verrichtete während der Zeit des Sozialistengesetzes, als er noch in Stuttgart als Schreinergeselle ar⸗ beitete, neben seiner Berufsarbeit Polizeispitzel⸗ dienste und lieferte manchen Geuossen ans Messer, bis er durch desSchicksals Tücke entlarvt wurde. Und das ging, wie unser Stuttgarter Parteiblatt berichtet, so zu. W. arbeitete auswärts, von wo er einen Geschäfts⸗ brief an seine Firma richtete, zugleich aber auch einen an die Stuttgarter Polizei. Er verwech⸗ selte nun, wie das sonst nur in Theaterstücken oder bei zerstreuten Professoren vorkommen mag, die Kouverts und so gelangte der Polizei⸗ brief in die Hände des Geschäftsführers der betreffenden Firma, während aus dem Geschäfts⸗ brief sich die löbliche Polizei ihren Part zur Sozialistenverfolgung entnehmen konnte. Die Geheimschrift mag ihr böses Kopfweh gemacht haben. Der Spitzelbrief gelangte natürlich zur Kenntnis der Parteigenossen, worauf die öffent⸗ liche Entlarvung des Puttkamer'schen Nicht⸗ gentleman seligen Angedenkens erfolgte. Moralisch defekt, hat er nun auf eine traurige Weise geendet in einer Zeit, wo die Partei, gegen die er den Judas gespielt hatte, eben die schönsten Triumphe feiern durfte. Uebrigens machte er schon im vorigen Jahre, als über sein Vermögen der Konkurs verhängt wurde, einen mißlungenen Selbstmordversuch. Ja, jede Schuld rächt sich auf Erden!

Gottesgnadenmenschen.

Mit derBildung des ermordeten Alexanders von Serbien muß es schlimm

ausgesehen haben. Der russische Schriftsteller Korolenko erzählt, er habe im Jahre 1889 Jalta(Südrußland) besucht und dort auch mehr⸗ fach die Königin Natalie von Serbien mit ihrem Sohne Alexander gesehen. Bei einer Besichtigung der Ausgrabungen im alten Cher⸗ sones wurden die Touristen von einem Kloster⸗ bruder, der ihnen als Führer diente, gebeten, ihre Namen in das Fremdenbuch eintragen zu wollen. Als Korolenko in dem Buche blätterte, erblickte er plötzlich die UnterschriftNatalie. Dicht unter derselben aber stand in großen, von unbeholfener Kinderhand hingemalten Lettern zu lesenAlaxandar. Die ungefügen Buch⸗ staben, die merkwürdige Sympathie für den Buchstaben a alles das verfehlte nicht, auf die Touristengesellschaft ihre erheiternde Wirkung auszuüben.Zu jener Zeit, so fährt Korolenko fort,war Alexander 13 Jahre alt. Ein Knabe aus mittlerer kleinbürgerlicher Familie wäre bereits in der dritten Klasse des Gym⸗ nastums gewesen und hätte den ziemlich kompli⸗ zierten Kursus des Gymnasialunterrichts zu bewältigen gehabt. Der serbische Prinz hatte die neun Buchstaben, aus denen sein Name be⸗ stand, noch nicht fest inne.... Und das war im Jahre 1889. Vier Jahre später aber ver⸗ haftete Alexander die Regenten, erklärte sich für volljährig und übernahm die Herrschaft über ein ganzes Land mit Millionen von Ein⸗ wohnern, mit all ihren Bestrebungen, Ansichten, Beschäftigungen, Bedürfnissen und Interessen. In verschiedenen Artikeln, die dem Andenken des unglücklichen Königs gewidmet waren, lese ich nun, daß er einevorzügliche Bildung ge⸗ nossen habe. Es entsteht nun die interessante Frage: Was nennt man eine vorzügliche Bildung? Im Jahre 1889 schlechte Schreib⸗ kenntnisse, im Jahre 1893 ein Staatsstreich! Da blieb wohl für eine Vervollkommung der Bildung kaum viel Zeit übrig. Es wird noch manche Gottesgnadenmenschen geben, deren all⸗ gemeine Bildung nicht viel besser ist, als die demAlaxandar eigen war und die trotzdem als hochgebildet und überaus klug und weise den gläubigen Völkern vorgeführt werden.

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Kleine Mitteilungen.

** Verschwunden. Die Tochter eines Bauern in Wetterfeld bei Laubach, die Ende voriger Woche zur Arbeit auf das Feld gegangen war, kehrte nicht wieder zurück. Auf dem Acker fand man die Hacke, welche das Mädchen mitgenommen hatte.

* Unglücksfälle. In Ettingshausen bei Lich stürzte der Wagner Schmidt beim Kirschenpflücken

vom Baume und blieb bewußtlos liegen, Er erholte sich aber bald wieder. ** Bestrafter Halsabschneider. Das Leip⸗

ziger Schwurgericht verurteilte den Privatier Fried⸗ rich, den Besitzer vieler bedeutender Grundstücke und eines Vermögens von einer halben Million, wegen zwiefachen Meineids, schwerer Urkundenfälschung und versuchten Betrugs unter Versagung mildernder Umstände zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Der alte Geizhals war namentlich als Bedrücker von Handwerksmeistern bekannt.

r Adliger Betrüger. Ein Edelster und Bester, der Freiherr v. Lerchenfeld jr., Sohn des bayrischen Kammerherrn v. Lerchenfeld, ist wegen Betrügereien verhaftet worden.

Das internationale sozialistische Bureau tagte am Sonntag unter Anseeles Vorsitz in Brüssel. Aus Deutschland waren die Reichstagsabgeordneten Fischer und Pfannkuch anwesend. Man setzte die Tagesordnung für den nächsten internationalen Kongreß in Amsterdam fest; die hauptsächlichsten Punkte sind: der Generalstreik, die Kolonialpolitik, Politik und Ge⸗ werkschaften.

Versammlungskalender.

Samstag, den 25. Juli.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Dienstag, den 28. Juli.

Lollar. Oeffentl. Metallarbeiterversamm⸗ lung. Abends 9 Uhr im Gasthaus zum Schwanen.

Referent: Fritz Ehrler- Frankfurt.

Briefkasteu. R.⸗Mbg. Den babylonischen Turmbau sehen wir uns in der nächsten Nummer an.

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