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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 17.
unzünstiger Umstände einen Fortschritt gemacht hat und jetzt 74 Zahlstellen mit etwa 3 000 Mitgliedern habe. Andererseits wird darüber geklagt, daß die Bleiglaser im u sehr wenig Interesse für die Organisation haben.— Die Abrechnung der Verbandskasse umfaßt drei volle Jahre(1900—1902). In dieser Zeit betrug die Gesamteinnahme 67 002,88 Mk., die A enand don 41 152,01 Mk., so daß ein Kassenbestand von 25 850,87 Mk. bleibt. Unter den Ausgaben finden sich unter Anderm folgende Posten: Fachzeitung 16774 Mk., Streiks und Aussperrungen 11135 Mk., Reise⸗Unterstützung 10 628 Mk., Arbeitslosen⸗Unterstützung 17771 Mark. Auf dem Verbandstage wurde der Uebertritt zum Holzarbeiterverbande erörtert. Man erklärte sich im Prinzip damit einverstanden; aus taktischen Gründen steht man aber zur Zeit davon ab. Die Arbeitslosenunterstützung erfährt in ihrem Bezug einige Aenderungen und wird in Zukunft auch ledigen Mitgliedern gewährt bei einer Mttgliedschaft von 104 Wochen an. Der Sitz des Verbandes und der Preßkommisston bleibt in Karlsruhe, der des Ausschusses in Leipzig. Der nächste Ver⸗ bandstag wird in Mannheim abgehalten. Der Verbandsvorsitzende Eichhorn und der Verbands⸗ gewählt Schwerdt wurden einstimmig wieder⸗ gewãa*
Wer darf wählen?
Mit Rücksicht darauf, daß bereits am 18. Mai die amtlichen Wählerlisten ausliegen werden, veröffentlichen wir folgenden Auszug aus dem Wahlgesetz für den deutschen Reichstag:
§ 1. Wähler für den deutschen Reichstag ist jeder Deutsche, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, in dem Bundesstaate, wo er seinen Wohnsitz hat.
§ 2. Für Personen des Soldatenstandes, des Heeres und der Marine ruht die Berechtigung zum Wählen solange, als dieselben sich bei der Fahne befinden. N
§ 3. Von der Berechtigung ur N, ausgeschlossen:. e e Wahlen sind
1. Personen, webegon?
Lurebes Taeiche unter Vormundschaft oder AEatel stehen; Personen, über deren Vermögen Konkurs⸗ oder Fallitzustand gerichtlich eröffnet worden ist und zwar während der Dauer dieses Konkurs- oder Falliments Verfahrens; 3. Personen, welche eine Armenunterstützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben;
4. Personen, denen infolge rechtskräftigen Er⸗
kenntnisses der Vollzug der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist, für die Zeit der Ent⸗ ziehung, sofern sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind.
Ist der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte wegen politischer Vergehen oder Verbrechen entzogen, so tritt die Berechtigung zum Wählen wieder ein, sobald die außerdem erkannte Strafe vollstreckt oder durch Begnadigung erlassen ist
§ 7. Wer das Wahlrecht in einem Wahlbezirke ausüben will, muß in demselben oder im Falle eine Gemeinde in mehrere Wahlbezirke geteilt ist, in einem derselben zur Zeit der Wahl seinen Wohnsitz haben.
Jeder darf nur an einem Orte wählen.
§ 8. In jedem Bezirke sind zum Zwecke der Wahlen Listen auszulegen, in welche die zum Wählen Berechtigten nach Zu⸗ und Vornamen, Alter, Gewerbe und Wohn⸗ ort eingetragen werden.
Diese Listen sind spätestens 4 Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage zu jedermanns Einsicht auszulegen und dies zuvor unter Hinweisung auf die Einsprachefrist öffentlich bekannt zu machen. Einsprachen gegen die Listen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei der Behörde, welche die Bekannt⸗ machung erlassen hat, anzubringen und innerhalb der nächsten 14 Tage zu erledigen, worauf die Listen ge⸗ schlosen werden. Nur diejenigen sind zur Teilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Listen aufge⸗ nommen sind.
Wenn Arbeiter für längere Zeit außerhalb ihres ständigen Wohnortes beschäftigt sind, nur in längeren Pausen in ihre Heimat zurückkehren, in ihrem Arbeits⸗ orte aber einen festen Wohnsitz haben(Bauarbeiter, Monteure, Landarbeiter), so können sie die Aufnahme in die Wahlliste ihres Arbeitsortes verlangen und dürfen nicht zurückgewiesen werden.
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1. 0 Anterhaltungs-CTeil. 1
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Ein Narr des 19. Jahrhunderts. Von Heinrich Zschokke. (Schluß.)
„Aber, Freund Olivier, deine Urteile über stehende Heere, über den Geburtsadel, über die unterdrückten Rechte der Nationen über..“ „O Popio, Freund Norbert! Diese Sätze sind gottlob in Europa als tote Wahrheiten allgemein anerkannt. Man nennt sie in Thesi und in Theorien richtig, in Praxis irrig, und zwar aus triftigen Gründen. Ich habe nichts dagegen. Ich selbst wäre ich Fürst oder Minister, würde mich wohl hüten, ehe ich ein philoso⸗ phisches Volk hätte, Platos Republik zu orga⸗ nisteren. Allein ich habe diese Sätze unter Freunden, unter meinesgleichen ausgesprochen, nicht ste dem Pöbel zur Empörung gepredigt. Ich tat, was heute Millionen in Schrift und mündlichem Wort tun. Ihr müßtet der halben Bevölkerung Europens den Kopf abschlagen, wenn ihr nicht wolltet, daß solche Sachen ge⸗ dacht und gesprochen würden. Eben daß man sie in einer Hälfte des Volkes denkt und spricht, dadurch allein dringen sie auch in die andere Hälfte über. Und ist einmal die Mehrheit vom Bessern überzeugt, dann macht sich alles leicht von selbst, ohne Staatsumwälzungen und Blut⸗ bäder, durch den natürlichen Gang in ver⸗ besserter Gesetzgebung. Wahrlich, nicht deswegen hielt man mich für wahnsinnig, lieber Norbert, nicht deswegen bannte man mich von der übrigen Welt aus. Niemand hätte was dagegen gederkschaften nach dep e eee ere
Tpehübt, wenn ich Baron gegen die Ungerechtig⸗
keit, Barbarei, Thorheit und Schädlichkeit deklamiert haben würde, welche mit dem Institut des bevorrechteten Erbadels verbunden sind; niemand hätte etwas dagegen gehabt, wenn ich bei meinen Deklamationen eine Gräfin oder Baronin geheiratet haben würde. Es treiben's viele so. Aber daß ich folgerecht handelte ob⸗ gleich niemand damit beschädigt wurde; daß ich die Liebe eines schönen und tugendhaften Bettlerkindes dem Vorurteil meiner ahnenstolzen Sippschaft vorzog; daß ich Baron ein von der Landstraße weggenommenes uneheliches Kind zur Gemahlin wählte— das war ein Ver⸗ brechen. Norbert, steh Malchen noch einmal an— dann tritt vor meinen pergamentenen Stammbaum und dann verdamme mich.“
„Mit solchen Dokumenten für dein Recht, lieber Olivier, bist du freilich ein furchtbarer Advokat. Ich denke aber, der Adel hätte dir am Ende diese Sünde gegen seinen Stand wohl hingehen lassen und dich allenfalls als eine Ausnahme von der Regel betrachtet.— Du weißt, man denkt heutigestags in solchen Dingen schon viel duldsamer, der Adel ist nicht mehr wie...“ 8
„Das glaubst du? O mein Freund, betrüge dich nicht über unsere Kaste, in der nicht nur die Physiognomien und nicht nur die Vorrechte, sondern auch die Begriffe und Vorurteile der Familien erblich und durch die Vererbung in vielen Generationen unausrottbar geworden sind. Der Adel hat die eigentlich fixe Idee, von Geburt aus bessern Teiges zu sein als die übrige Menschheit. Und wenn er schon der Gewalt der Revolutionen unterliegen muß: seine fixe Idee bleibt obenan. Sahst du nicht den ausgewanderten Adel Frankreichs im Elend? Seinen Dünkel verlor er nicht, auch da er seine eigenen Schuhe flicken und seine Hemden selbst waschen mußte. Siehe die jungen, im Elend geborenen oder erzogenen französischen Edelleute jetzt in Frankreich wieder. Was treiben sie? Statt mit ihrem Schicksal ausgesöhnt zu sein, klagen sie, weil sie mit Leuten von bürgerlichen Abkunft so viele, ja alle Rechte teilen sollen. Dafür arbeiten sie
wider die Charte, bis keine Charte mehr ist
„Hier, mein lieber Advokat, lässen du dich auf einer Schwäche ertappen, die ich zu benutzen viel zu großmütig bin. Was beweisen Menschen jenes Landes für oder wider Menschen unsers Landes? Wer würde aus den Begriffen der indianischen Häuptlinge mit ihren knöchernen Nasenringen eine Anklage gegen unsern hiesigen Adel machen wollen?— Lassen wir das. Aber versteh mich wohl. Ich möchte dich mit der übrigen Welt aussöhnen. Ein kleines Opfer von dir, eine geringe Nachgiebigkeit in unbe⸗ deutenden Aeußerlichkeiten, und, glaube es mir, man wird dir alle deine Meinungen, selbst deine Paradoxien verzeihen. Und wir sind schuldig, Opfer zu bringen. Nur dadurch er⸗ kaufen wir Vertrauen. Und nur im Besitz des öffentlichen Vertrauens können wir öffentlich wirken.“
„Du vexlangst ein kleines Opfer von mir, Norbert. Ich kenne es schon. Du forderst als Kleinigkeiten nichts weniger denn mich selbst mit allen meinen Ueberzeugungen, Grund⸗ sätzen und daraus hervorgehenden Pflichten zu opfern. Aber wenn ich nun meine Ueber⸗ zeugungen und Grundsätze aufgeopfert habe, das heißt mein ganzes Wesen, was tauge ich dann noch in der Welt? Womit soll ich dann Gutes wirken?“
„„Noch mit vielem! Siehe andere weise Männer! Sie stiften, ohne mit der Welt zu verfallen, unsägliches Gute. Warum könntest du es nicht? Was kannst du, selbst durch dein bloßes Beispiel, und du alleinstehend, wirken, wenn dich, wie jetzt geschieht, alle deine Um⸗ gebungen verkennen und glauben, du habest an deinem Verstande Schaden genommen?“
„Die Frage verdient eine Antwort, denn sie ist von allen deinen Fragen die wichtigste. Zuerst gedenke meines Befugnisses als Mensch, daß ich, wenigstens in meinem Hause, auf meinem Boden, gemäß meiner bessern Ueber⸗
Flag. Hg, essen, trinken, mich kleiden, reden
wenn ich düneit war keine
9 5 d deln dürfe, 80 b Da ich nun die Albern⸗
fremden Rechte verletze. 2 1 heiten und Abgeschmackheiten, Künsteleien, Un⸗ natürlichkeiten und Verzerrungen der jetzigen europälschen Menschheit, wie ste sich eben aus dem Schlamm alter Barbarei hervorwindet, lächerlich, schädlich, unnatürlich, verächtlich finde, soll ich, mit aller Neigung und allem Beruf und aller Pflicht zum Wahren und Ge⸗ rechten, keinen Gebrauch von jener Befugnis machen? selbst nicht auf die Gefahr hin, daß ich von unseren Barbaren, den Kunst⸗ und Ge⸗ wohnheitstieren, die es nun nicht besser ver⸗ stehen, ausgelacht werde? Soll der Weltum⸗ segler, wenn die Wilden Indiens ihm Menschen⸗ fleisch zum Schmause vorsetzen, sein Grausen überwinden, die scheußliche Sitte mitmachen, damit ihn die Indianer nicht auslachen?— So viel, Norbert, was meine Person unmittelbar und allein berührt.“ f Hier schwieg Olivier einen Augenblick, als wollte er allfällige Antworten abwarten, fuhr aber bald fort:„Uebrigens, o Norbert, er⸗ innere dich des Bruchstückes aus der Reise des Pytheas und deines eigenen Geständnisses und der getroffenen und treffenden Wahrheit. Du selbst giebst zu, daß sich die menschliche Gesell⸗ schaft unsers Weltteils weit von den Gesetzen der Natur hinweg verloren hat. Ihr alle ge⸗ stehet, daß wir eben darum unendlich viel zu leiden haben; denn die Verletzungen der ewigen Gesetze Gottes führen ihre Strafen gegen die Frevler in sich selbst mit. Keiner von euch leugnet, daß euer gesamter bürgerlicher und häuslicher Zustand, daß eure Verfassungen, Sitten und Lebensweisen nur höchstens ein Bestehen im Natur widrigen sind. von euch lachen, Pine der u den einfachen, ewigen zurüctzutehren An diesem Heldenmut fehlt es! Wohlan, mir ist er nicht fremd! daß einer und einzelne, unbekümmert um Wahn des Guten paß 8 5 Es ist gut, daß einzelne aufstehen, mit 152 herrischen Wahnsinn des Zeitalters
und eine neue Revolution sie abermals ausslößt.“o ff ene Fehde bieten.
mich eurer Sprache zu
Denn durch bloße Lehren
Vernunft, Ordnungen Gottes
Es ist gut, und Gelächter des groben Haufens, das Beispiel
hinstellen. die nicht
itulieren und Accommodement treffen, um 10 15 bedienen, sondern ihm
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