Scite 4.
Mitteldentsche Sount nos Zeitung.
Brocken Fleisch bieten konnte. Lohnerhöhungen folgen bekanntlich den Preiserhöhungen nicht nach, um jeden Pfennig mehr Lohn muß der Arbeiter einen hartnäckigen Kampf mit dem Unternehmertum führen. Denkende Arbeiter sehen auch hier wieder den„Segen“ der Zoll politik, welche die hohen Vieh- und somit Fleisch⸗ preise verschuldet.— Mag sein, daß die Herren Metzgermeister immer noch ganz leidliche Profite eingeheimst und wahrlich nicht umsonst gearbeitet haben; das Resultat der Junkerpolitik ist aber, daß das arbeitende Volk die Zeche bezahlen und entbehren muß.— Auch die Eier⸗ preise befinden sich jetzt auf solcher Höhe wie in früheren Jahren nie um diese Zeit. Und in wie vielen Arbeiterfamilien sind kränkliche Kinder vorhanden, denen es unbedingt nötig täte, daß sie hier und da ein Ei in ihre Suppe bekämen! Es muß aber, weil unerschwinglich, unterbleiben und so wächst eine schlecht ernährte, widerstandsunfähige Bevölkerung heran, die. Volksgesundheit wird auf das Schlimmste ge⸗ fährdet. Da müht man sich ab mit Maßregeln zur Bekämpfung der Tuberkulose, der man erst durch die künstliche Verteuerung der Lebens⸗ mittel den Boden bereitet hat!
—„Wie hessische Sozialdemo⸗
kraten einen Majestätsbeleidiger feiern.“ Am Dienstag hat unser Genosse Adelung in Mainz das Gefängnis in Butzbach verlassen, wo er 3 Monate wegen Majestätsbeleidigung, gesessen hatte, die er durch einen Artikel über die Breslauer Kaiserrede in der„Mainzer Volkszeitung“, begangen haben sollte. Zu seiner Begrüßung in Mainz hatten die dortigen Genossen en gemütliches Zusammen⸗ sein veranstaltet. as hat den„Anzeiger“ verdrossen, er druckte den Bericht des„Offenb. Abendbl.“ über diese Feier ab und setzt ihm obige Stichmarke vor. Er will damit dartun, welch' eine verworfene Menschenklasse diese Sozialdemokraten sind. Nun, unsere Genossen in Mainz haben Recht gehabt, den Zurück⸗ ekehrten, der nichts Unehrenhaftes begangen at, zu begrüßen.— Wir erinnern uns nicht, daß der„Anz.“ etwas einzuwenden hatte, als der Duellmörder Hildebrand in Gumbinnen von seinen Kameraden mit klingendem Spiel nach dem Bahnhofe geleitet wurde!
— Die Ortskrankenkasse Gießen hielt am 18. November im„Postkeller“ ihre regelmäßige General⸗ versammlung ab, die von 71 Vertretern der Mit⸗ glieder und 9 der Arbeitgeber besucht war. Als erster Punkt wird die Wahl des Ausschusses für Prüfung der Jahresrechnung vorgenommen und dazu die Herren Wilh. Schmidt, Sickert und Wigandt bestimmt. Als Entschädigung für seine Arbeit erhält der Ausschuß 300 Mk. statt bisher 210 zugebilligt. Bei den Ersatz⸗ wahlen zum Vorstand werden von Seiten der Mitglieder W. Schmidt, Sickert, Nau und Gentner; von den Arbeitgebern Atzbach und Winn wiedergewählt. — Hierauf erstattete der Delegierte zum Ortskranken⸗ kassentag in Breslau, Herr Wigandt, Bericht über die dort gepflogenen Verhandlungen, dem sich der Bericht über die in Friedberg stattgefundene Generalversammlung des hessischen Ortskrankenkassenverbandes anschloß. In der kurzen Diskusston, diejsich über die Berichte entspann, wurde besonders betont, daß auch die hiesige Orts⸗ krankenkasse das in Breslau verhandelte sich zu nutze machen müsse. Besonders den Arbeitgebern sei anzuempfehlen, das zu beherzigen, was dort über den Zusammenschluß des Krankenkassenwesens gesagt wurde, damit sie ferner nicht durch Gründung von Betriebs-, Innungs⸗ und anderen Krankenkassen die Zersplitterung fördern. Wichtig sei ferner, was einer der Herren Referenten in Breslau gesagt habe in Bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit, wodurch die Gesundheitsverhältnisse gebessert und dadurch auch die Lasten der Krankenkassen vermindert würden. Eine Verkürzung der Arbeitszeit läge daher nach dieser Richtung hin im Interesse der Arbeitgeber. Weiter wurde erwähnt, daß endlich auch in Gießen die Schaffung eines Krankenhauses angestrebt werden müsse, in dem diejenigen Kranken, welchen zu Hause keine richtige Verpflegung geboten werden könne und die auch in der Klinik keine Aufnahme finden, untergebracht werden könnten.— Dann wurden noch die durch die Kranken⸗ kassengesetz⸗Novelle notwendigen Statutenände⸗ rungen beraten. Diese gelangten nach den Vorschlägen des Vorstandes zur Annahme.
r. Der Gesangverein„Eintracht“ begeht am Sonntag, den 29. November auf Lonp's Bierkeller sein 30. Stiftungsfest. Der Vorstand hat hierzu ein reichhaltiges Pro⸗
gramm aufgestellt, das jeden Besucher befriedigen wird. Unter anderem wird der Verein den von ihm neueinstudierten Koschat'schen Walzer„Am Wörther See“ mit Mustkbegleitung zur Auf⸗ führung bringen. Zahlreicher Besuch der Freunde des Vereins und der Genossen wird erwartet. Wir verweisen auf das Inserat.
e. Freie Turnerschaft. Aus den Be⸗ richten, die in der am Sonntag im„Pfau“ stattgefundenen Generalversammlung der„Freien Turnerschaft“ gegeben wurden, geht hervor, daß die Mitgliederzahl auf 105 gestiegen ist. Außerdem gehören 17 Zöglinge dem Verein an. Trotz der ungünstigen Lokalverhältnisse war der Besuch der Turnstunden ein recht reger; an den Turnstunden beteiligten sich durchschnittlich 30 Turner. Vielfachen Wünschen entsprechend ist eine Männerriege gebildet worden, durch welche sich die Zahl der aktiven Turner ver⸗ doppeln dürfte. Bedauernd bemerkte der Vor⸗ sitzende noch, daß leider noch viele Arbeiter anderen Turnvereinen angehörten und dem Arbeiterturnvereine, wohin sie doch gehörten, fernblieben. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. Schließlich wies der Vorsitzende noch darauf hin, daß dem Verein von seiten der Stadt die Benutzung einer Schulturnhalle bewilligt worden sei, wo⸗ durch manche bisher bestandene Mißstände ab⸗ gestellt würden.— An jeden der Turnsache geneigten Arbeiter ergeht aber die Mahnung: meidet jene Vereine, die Euch als Hurraschreier gebrauchen wollen, tretet vielmehr dem Arbeiter⸗ Turnverein, der„Freien Turnerschaft“ bei!
— Der Vortrag von Opificius aus Frankfurt, der in voriger Nummer für Sonn⸗ tag, den 22. Novbr. angekündigt wurde, ist auf später verschoben.
— Wegen Betrugs hatte sich am Diens⸗ tag der Immobilienmakler Abraham Jakob von hier vor der Strafkammer zu verantworten. Vor zwei Jahren vermittelte der Angeklagte den Verkauf der Wirtschaft„Zur Germania“ in Lollar für den damaligen Besitzer Geißler. Käufer war der Wirt Kremer, der das Anwesen für 46500 Mk. erstand. Als er etwa 8 Monate im Besitz desselben war, überredete ihn Jakob, es wieder zu verkaufen und erbot sich, es für 55000 Mk. an den Mann zu bringen. Dafür beanspruchte er 3000 Mk. Provistion. Kremer war damit einverstanden und auf das öffentliche Ausschreiben hin fand sich der Wirt Kübler aus Niederrad als Reflektant ein. Von diesem, der die„Germania“ für 55000 Mk. erwarb, hatte sich Jakob ebenfalls 2 Prozent der Ver⸗ kaufssumme, also 1100 Mk. Provision aus⸗ bedungen. Als Kübler hörte, daß 5 Makler von dem Verkäufer schon 3000 Mk. erhalten habe, strengte er gegen ihn einen Zivilprozeß mit dem Erfolg an, daß ihm J. die 1100 Mk. zurückzahlen mußte. Nunmehr leitete die Staats⸗ anwaltschaft das Strafverfahren gegen Jakob ein. Nach Vernehmung zahlreicher Zeugen hält der Staatsanwalt den Tatbestand des Betrugs für vorliegend und beantragt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Stulz⸗Frankfurt begründet 75 Antrag auf Freisprechung damit, daß bei derartigen Geschäften sowohl der Käufer als der Verkäufer dem Vermittler Provision zahlten.— Das Urteil wird am Dienstag verkündet.
— Lebensgefährliches Gedränge herrschte Freitag früh vor dem Verhandlungs- saale der Strafkammer, wo die Verhandlungen gegen die wegen der bekannten Laden⸗ diebstähle bei Nowack angeklagten Frauen statt⸗ fand. Unter den Zuhörern stellten die Frauen das weitaus größte Kontingent. Der Präsident drohte den in den Saal Eindringenden mit Anklage wegen Hausfriedensbruch! Der Wert der veruntreuten Sachen beträgt ca. 2500 Mk. Die Verhandlung dauert bei Drucklegung des Blattes noch fort.
Vom„Wahren Jakob“ ist soeben die Nr. 24 des 20. Jahrgangs erschienen. Auch diese Nummer weist wie alle vorhergegangenen einen äußerst reichhal⸗ tigen Inhalt auf. Außer den beiden farbigen Bildern „Der Zweifrontenmann“ und„Enttäuschung“ sind fol⸗ gende Illustrationen hervorzuheben:„Der Fall Simon“, „Standesgemäße Lebenshaltung“,„Die Finauzminister⸗
konferenz“,„Bedenkliche Verwandtschaft“,„O, über diese sündige Welt“,„Hofschlächtermeister Friedrich Wilhelm Müller“(als Beginn einer von Edmund Edel gezeich⸗
„Der Tod und die Automobilisten“(mit dazugehörigem Gedicht),„Kartoffelernte“ und„Schlagende Beweisfüh⸗ rung“. Die Nummer enthält sodann Porträt und Nachruf für Franz Hofmann, den verstorbenen Abgeordneten für Reichenbach⸗Neurode, ferner zahlreiche Gedichte und andere interessante Beiträge.
Aus dem Nreise gießen. — Wieseck. Im Wahlverein sprach Genosse
setzgebung im allgemeinen. Er wies dabei besonders nach, daß die Entwickelung des Kapitalismus die körper⸗ liche und geistige Entartung der arbeitenden und befitz⸗ losen Masse zur Folge habe, weshalb man sich genötigt gesehen habe, Gesetze zu erlassen, welche weniastens einigermaßen die übermäßige Ausbeutung einbeschränken. Doch ohne die Sozialdemokratie, welche erst nachdrück⸗ lich auf die Mißstände hinwies und Abhülfe forderte, hätten wir die von den Gegnern so viel gerühmten Versicherungs⸗ und Arbeiterschutzgesetze nicht.— Diesen Sonntag, den 22. November wird abends 8 Uhr eine weitere Versammlung stattfinden— das Lokal wird bekannt gegeben— in der Vetters das Krankenver⸗ sicherungsgesetz in seinen Einzelheiten behandeln wird. r. Aus Steinberg. Der sozialdemokr. Wahl⸗ verein hielt am Sonntag eine gut besuchte Mitglieder⸗
Gemeinderat das Ersuchen zu richten, alle Gemeinderat⸗ sitzungen, soweit Verhandlungspunkte von allgemeinem Interesse find, öffentlich und abends abzuhalten, sowie deren Zeit und Tagesordnung mindestens drei Tage vorher ortsüblich bekannt zu machen. beschlossen, alle 14 Tage eine Mitgliederversammlung abzuhalten und in dieser zur gegenseitigen Aufklärung bestimmte politische und wirtschaftliche Fragen zur Dis⸗ kusston zu stellen. In der nächsten Versammlung soll das Parteiorgan besprochen werden; zwei Genossen er⸗ klärten sich zur Uebernahme des Referats bereit. Wle berechtigt unser Antrag auf Oeffentlichkeit der Gemeinde⸗ ratssitzungen ist, zeigen verschiedene Beschlüsse desselben aus der letzten Zeit. Diesen Sommer hatte unser Herr Pfarrer vom Kreisamt verlangt, daß im Pfarrhof ein neuer Brunnen angelegt werden solle, weil die beiden ganz in der Nähe des Pfarrhauses befindlichen ungesundes Wasser enthielten. Der Kreisarzt Dr. Haberkorn er⸗ klärte jedoch das Wasser als durchaus gesund und des⸗ halb lehnte der Gemeinderat den Prunnen ab und be⸗
kam nun der Herr Pfarrer wieder mit seinem Antrage und jetzt bewilligt der Gemeinderat den neuen Brunnen gegen die drei Stimmen unserer Genossen!— Dagegen lehnten die Herren Gemeinderäte— wieder gegen die Stimmen unserer Genossen— die Herstellung eines Steges über den sogenannten„Pens“ ab. Und hier handelte es sich um eine von jedermann anerkannte Notwendigkeit, hier können beim Weiterbestehen des jetzigen Zustandes sogar Menschenleben in Gefahr kommen, und der Steg hätte bei weitem nicht sov iel Kosten verursacht als der Brunnen! Ebenso ging es mit dem Antrage eines Bauern, der die Anschaffung eines zweiten Ebers beantragte. Wie die Dinge hier liegen, ist dieser Antrag ganz gerechtfertigt. Trotzdem wurde er gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Der(antisemitische) Antragsteller mit samt seinen Ge⸗ nossen mag daraus entnehmen, wer es ist, der die „Landwirtschaft ruiniert“. Auch Herrn Hirschel in Offenbach, der diesen Sommer in der Langgönser Ver⸗ sammlung gegen unsere Partei auch mit dem Vorwurf operierte, daß unsere Partei die Landwirtschaft ruiniere, sei dieser Fall zur Beachtung empfohlen! Nur die Sozialdemokratie ist es, welche die Interesse des gesamten Volkes in Staat und Gemeinde vertritt!
— In Leihgestern sind unter den Kindern in der letzten Zeit zahlreiche Diphtheritis⸗Erkrankungen vorgekommen, die gefährliche Krankheit hat auch schon einige Opfer gefordert. Fleißiges Lüften der Wohnungen und Desinfizieren derselben ist in Orten, die von der Krank⸗ heit heimgesucht sind, dringend zu empfehlen.
Aus dem Nreise griedberg⸗Büdingen.
h. Stammheim. Sonntag, den 22. Nov. nachmittags 3 Uhr findet im Saale des Herrn Gastwirt Musch eine Versammlung des Wahlvereins stath in der Genosse Busold⸗ Friedberg über den Dresdener Parteitag Bericht erstatten wird. Zahlreicher Besuch unserer Parteifreunde wird erwartet. f
Aus dem Nreise Alsfesd⸗Cauterbach.
b. Kein billiges Vergnügen. Das Kriegerfest in Vadenrod macht dem Als⸗
Nr. 47.
neten Serie„Bourgeoistypen“),„Sächfische Wablreform“, 1
Vetters am Sonntag über die sozlalpolitische Ge.
versammlung ab. Unter anderem wurde beschlossen an den
Weiter wurde
richtete dementsprechend an das Kreisamt. Vor Kurzem b
felder Schöffengericht viel Arbeit. Am Mon⸗
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