Ausgabe 
22.3.1903
 
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sacher.

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Aus di Mr

Cld⸗Laulerbat

n. Ueber Mißstände bei der Holzver⸗ steigerung klagt man in Schotten recht lebhaft. Dadurch, daß die Oberförster sich bei der Versteigerung an eine Stelle hinstellen und die Nummern der Holz⸗ haufen vorlesen, kommen viele Irrtümer vor und ein⸗ zelne Käufer werden geschädigt, weil sie nicht wissen, was für Holz die verlesenen Haufen enthalten. Die Oberförster haben doch Zeit genug dazu, um mit nach dem Haufen selbst hinzugehen.

n, Aus Schotten schreibt man uns: Wiederholt sind an der Kreisstraße von Schotten nach Rudingshain

Obstbäume abgebrochen worden, es gelang aber noch

nicht, den oder die Täter zu fassen. Das wäre wünschenswert; denn es hat jedermann Interesse an der Vermehrung und Verbilligung des der Gesundheit zu⸗ träglichen Obstes. Die Obstbäume sind auch für die an der Straße liegenden Felder nicht so nachteilig, als die Ahornbäume mit ihrem dichten Laubwerk und

weitem Wurzelgang, deren Beseitigung schon oft vergeb⸗

lich verlangt wurde.

e Vom Unglück verfolgt wird der Spin⸗ nereibesitzer Bischoff in Rainrod Gr. Schotten). Vor mehreren Jahren ertrank eines seiner Kinder, dann brannte ihm die Scheune nieder, bald nachher stürzte seine Frau in die Kalkgrube, wo sie ihren Tod fand. Nachdem sich B. vor ca. 3 Jahren wieder verheiratet hatte, ist ihm am 14. ds. Mts. seine Frau wieder durch ein Unglück entrissen worden. Bischoff hatte in Schotten einen Wagen Wolle geladen, worauf sich er und seine Frau bei der Rückfahrt setzten. An einer abschüssigen Stelle kam der Wagen ins Rollen, B. konnte nicht schnell genug bremsen, die Frau fiel herab und erlitt

einen Genickbruch, der Tod trat sofort ein. Der Jammer

in der Familie ist unbeschreiblich.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h Sinken der Viehpreise wird aus verschiedenen Gegenden, auch der Umgebung von Wetzlar berichtet. Die Fleischkonsumenten verspüren aber davon noch nicht das mindeste, im Gegenteil macht die Metzger⸗Innung einen Aufschlag des Rindfleisches bekannt, das jetzt 65 Pfg. das Pfund kosten soll.

h Die Ortskrankenkasse Wetzlar hielt am Sonntag ihre General⸗Versamm⸗ lung ab. Leider war sie nur schwach besucht. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von Mk. 11560,44 nach, dem Mk. 11507,99 Aus⸗ gaben gegenüberstehen. Unter letzteren befinden sich 6373 Mk. Krankengeld, 2596 Mk. für ärzt⸗ liche Behandlung und Arznei usw., Wöchnerin⸗ nen⸗Unterstützung 157 Mk., Kur⸗ und Verpfle⸗ gungskosten 1183 Mk., Verwaltung 681 Mk., Kapitalanlage 450 Mk. Die Mitgliederzahl betrug im Durchschnitt 800. Die vom Vor⸗ stand beantragte Beitragserhöhung wurde ab⸗ gelehnt.

aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

R. M. Sonntag Abend 8 Uhr hielt der Evangelische Bund hier im Saale des Museums eine Versammlung ab, in welcher die drei Universitätsdozenten Prof. Mirbt, Prof. Leh⸗ mann und Privatdozent Rade, der Schwager des nationalsozialen Pfarrers Naumann, volltönende Reden gegen die Zulassung der Jesuiten in Deutschland hielten. Das Publikum, in welchem sich, der Aeußerung eines der Redner u Folge, jeder nicht mit den Zielen der Ver⸗ e einverstandeneals ungebetener Gast zu betrachten hatte, spendete den Rednern na⸗ türlich großen Beifall. Erheiternd ist es, daß die Veranstalter der Festlichkeit, an der natürlich die Creme der Marburger Bourgeoiste teilnahm, erklärten, nicht aus Furcht zu handeln, sondern eine ungeheure, wenn auch vielleicht unbe⸗ wußte Heuchelei! die Verbannung der Je⸗ suiten nur wegen derAufrechterhaltung des konfesstonellen Friedens fordern zu müssen. Ein logische Gesellschaft, diese Katheder⸗Bour⸗

eoiste! ZurAufrechterhaltung des sozialen

riedens würde sie wohl auch jedem neuen Sogzialistengesetz freudestrahlend zujauchzen! DieAufrechterhaltung des Friedens bedeutet bei diesen Herren nichts anderes als die Mundtot machung jedes Gegners, die allgemeine Einführung der Kirchhofsruhe. Diesenfreien Protestanten ist nichts so ver⸗ haßt als die Bewegungs⸗Freiheit ihrer Wider⸗ Diesmal handelt es sich um die Jesuiten, ein anderes Mal wird es sich um die Sozial⸗

andere erte!

eutsch! Counig

kraten handeln

den Jesuiten gerne auf. Wir wissen allerdings auch, was wir wollen. Der evangelische Bund aber wird, so wütend er jetzt auch um sich beißt, den Jesuiten zweifellos, sobald diese erst einmal im Land sind, in gesinnungsverwandtschaftlicher Innigkeit die Hand drücken, um mit ihnen gemeinsam der verhaßten Sozialdemokratie wo⸗ möglich eins auswischen zu können.

St. Parteiversammlung. Zur Er⸗ innerung an die in den Märztagen von 1848 für die Freiheit gefallenen Volkskämpfer fand auch in diesem Jahre wieder eine öffentliche Parteiversammlung am vergangenen Samstag Abend im Jesberg'schen Lokale statt, welche erfreulicherweise sehr stark, auch von einer An⸗ zahl Damen, besucht war. Die Feier galt aber insbesondere auch dem Andenken unseres großen Vorkämpfers Karl Marx, seit dessen Tode am 14. März zwanzig Jahre verflossen waren. Genosse Dr. R. Michels gab in stündiger Rede den aufmerksam lauschenden Zuhörer ein anschauliches Bild von dem Leben, Schaffen und den vielerlei Kämpfen des großen Mannes, dem wir soviel zu danken haben. Obgleich es bei uns Führer im Sinne der bürgerlichen Parteien nicht giebt, so besäßen wir doch mensch⸗ liches Gefühl genug, um einen Mann, der sich un⸗ sterbliche Verdienste um die Partei erworben habe, auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Redner schloß mit den denkwürdigen Worten von Karl Marx:Pro⸗ letarier aller Länder vereinigt Euch! Reicher Beifall wurde ihm zuteil und der Vertrauens⸗ mann drückte dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen den Dank der Versammlung aus. Nach einer kurzen Pause gab Genosse Härtling noch bekannt, daß in drei Wochen eine Flugblattverteilung im Wahlkreise statt⸗ finden solle und ersuchte er die Genossen um recht zahlreiche Beteiligung an derselben. Hierauf erfolgte um ½12 Uhr Schluß der sehr schön verlaufenen Versammlung.

Was unsere Bürgersöhnchen für Allotria treiben, davon giebt uns ein Vor⸗ fall Kunde, der sich in einer Nacht kürzlich hier abspielte. Waren da eine Anzahl junger Bür⸗ gersöhne auf dem Hansehause bei einem frohen Zechgelage vereint, bei dessen Verlauf es zu einer Wette zwischen ihnen kam, infolge deren einer von ihnen völlig nackt und nur mit einer Badehose bekleidet, nachts gegen 12 Uhr vom Hansehause bis auf den Markplatz lief, allwo er von einem Schutzmann in Empfang genommen und seine Personalien festgestellt wurden. Ob sich der jungeHeld bei der gerade herrschenden empfindlichen Kühle nicht mindestens einen tüchtigen Schnupfen geholt hat, konnten wir nicht erfahren. Das Treiben dieser hoffnungsvollen Bürschchen, die später zum Teil als Stadtverordnete oder ehrwürdige Ratsväter auf dem Rathause die Geschicke der Stadt leiten, wird hierdurch wieder einmal grell beleuchtet.

Geistlicher als Giftmischer.

Vor dem Schwurgericht in Klagenfurt (Kärnten) stand am 11. ds. Mts. der Kaplan Thomas Maschek, der des versuchten Meuchelmordes und Diebstahls angeklagt war. Die Anklage legte ihm zur Last, daß er mittels Nachschlüssel, die er sich anfertigen ließ, aus dem Kasten des Pfarrers ein Sparkassebuch der Böhmischen Sparkasse auf 3842 Kronen stahl und durch ein gefälschtes Telegramm der Sparkasse den Pfarrer zu beruhigen suchte. Er suchte dann den alten Herrn Pfarrer zu beseitigen, indem er ihm zuerst in die Suppe und in den Tischwein Salpetersäure schüttete und schließlich dem Meß wein Cyankali beimengte. Der Pfarrer wäre auch gestorben, wenn er nicht den Wein nach dem ersten Schluck wieder ausgespuckt hätte. Die wenigen Tropfen, die er geschluckt, hatten schon schwere Folgen. Er stürzte am Altar bewußtlos zusammen, wurde aber in einigen Tagen wieder hergestellt. Der Kaplan Maschek wurde wegen versuchten Meuchelmordes an dem Pfarrer Strnadt und wegen Diebstahls schuldig erkannt und vom

Wir nehmen ben stampf mir

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Shofe zufünfzehn Jahren schweren Kerters sowie zum Ersatze der gestohlenen 1175 91 5 re N e verur⸗

5 er Angeklagte hatte bis zuletzt Schuld in Abrede gestellt. 1

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Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung.

7 Bei der am Montag stattgefundenen Ge⸗ werbegerichtswahl in Mainz 10 auf der Arbeitnehmerseite selbstverständlich die freien Gewerkschaften mit großer Mehrheit über die Liste der christlichen Gewerkschaften.

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Kleine Mitteilungen.

k Von Dieben erschossen. In Ful der Lokomotivheizer Rinn aus Gie ß 8. 91 e 1 wo 92 1 7 8 0 eingebrochen waren

rfolgte, von einem derselben nieder 5

Mörder wurde verhaftet. 8 eee

55 Zärtliche Verwandten. Die Strafkammer in Fürth verurteilte drei Frauen, welche bei der Be⸗ erdigung einer Verwandten, mit der sie verfeindet waren laut aufgelacht, in die Hände geklatscht und gerufen hatten:So, jetzt liegt sie drinn, das ist recht! wegen Vergehens wider die Religion zu je einem Monat Gefängnis.

* Wieder einer.

Der frühere Kaplan Peter

Wilhelm Knipp aus Aachen war einige Zeit an einer

Dresdener Volksschule als Religionslehrer angestellt und hat in dieser Stellung sich gegen eine Anzahl Knaben sittlich schwer vergangen. Das Gericht verurteilte Knipp zu 2 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehr⸗ verlust. Er wird nach Hanau transporttert, wo er sich wegen ähnlichen Straftaten zu verantworten hat.

* Opfer der Arbeit. Auf der Zeche Moltke bei Essen wurden 6 Leute, die im Schacht Maurer⸗ arbeiten ausführten, durch hereinbrechende Erdmassen in die Tiefe gerissen. Alle sechs fanden dabei ihren Tot.

Versammlungskalender.

Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen!

Sonntag, d. 21. März. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends Uhr Versammlung in Stadt New⸗York. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter.

Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Briefkasten.

F. W. M. Kinzenb. Wenn Sie Steuern zahlen sollen, müssen Sie natürlich einen Zettel, auf dem der Betrag verzeichnet ist, bekommen. Ob das nun ein auf das ganze Jahr lautender Steuerzettel, oder nur ein sog. Aufforderungszettel ist, bleibt sich gleich.

Parteigenossen! Gedenket des Wahlfonds!

%%%%%% Oeffentliche Versammlung.

Dienstag, den 24. März, Abends 8/ Uhr im Café Ebel,

Vortrag des Redakteurs Damaschke⸗Berlin über:

Wohnungsfrage und Erbbaurecht.

Eintritt frei. Bund deutscher Vodenreformer.

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