M.
leber dab Wer gate über ihn feine all. chel⸗ d a en aul fac iel.
un 0 bil hatt, a lt,
del. til. lic N. 9
—
Nr. 8.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
hoffte damals eine Besserung, doch bald wurden die Mietpreise derart gesteigert, daß ein Arbeiter mit seinem kärglichen Lohn sie nicht mehr er⸗ schwingen kann. Es wäre entschieden Sache der Gemeinde, hier einzugreifen, das wird aber nicht eher geschehen, bis sich die Arbeiterschaft aufrafft und einige wirkliche Arbeitervertreter in den Stadtrat wählt, nicht Leute, die vor den Wahlen schöne Versprechungen machen, von vernünftiger Gemeindepolitik aber keine Ahnung haben. Aufwendungen für Wohnungsfürsorge sind jedenfalls besser angebracht als für manche andere Dinge. Mögen das die Arbeiter bei den bevorstehenden Wahlen beherzigen!
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Die Eingemeindung von Nieder- girmes soll am 1. April vor sich gehen. Im Juteresse der weiteren Entwickelung der Stadt ist das gewiß zu begrüßen. Verschiedene Patrioten in Niedergirmes sind aber damit keineswegs einverstanden, denn es ist sicher, daß dann die dortigen Einwohner stärker zu den Abgaben herangezogen werden. Und mehr Steuern zahlt auch der brapste Patriot nicht gern.
h. Als Konservativer Reichstags⸗ Kandidat für den Kreis Wetzlar wird in einem„Eingesandt“ der„Wetzlarer Nachr.“ der Landwirt Keiner in Werdorf empfohlen. Von dem jetzigen Abg. Krämer(ntl.) heißt es in dem Artikel, daß seine Kandidatur aussichtslos sei. Die ländliche Bevölkerung verlange unbe— dingt einen Kandidaten aus ihrer Mitte sonst — stimmten sie sozialdemokratisch.„Dieser Umstand jedoch dürfte unserem ganzen Lande nicht von großem Vorteil sein!“ heißt es weiter. O, das meinen wir denn doch und viele Bauern werden ganz derselben Meinung sein und sozial⸗ demokratisch wählen, ob nun ein konservativer Landwirt kandidiert oder nicht. Im Uebrigen dürfte Herr Keiner immerhin Aussicht haben.
h. Die Musteruug für den Wetzlarer Bezirk findet dieses Jahr vom 4. bis 12. März im„Schützengarten“ statt. Am 12. März haben sich die Militärpflichtigen aus dem Stadtbezirk zu stellen.
Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchha in.
St. Gewerkschaftsfest. Wie bereits
durch Inserat in dieser Zeitung bekannt gegeben, findet am Sonntag, den 22. Februar, Abends von 8 Uhr ab im Saale des Café Quentin (Höck) das Wintervergnügen der hiesigen Ge⸗ werkschaften statt. Das Programm ist sehr reichhaltig, es enthält außer Theater, Gesangs⸗ vorträge des Arbeitergesangvereins„Eintracht“, sowie Konzertstücke der beliebten Kapelle Pauli. Den Beschluß des Festes wird ein Tänzchen bilden. Hoffentlich wird der Besuch ein recht starker sein, sodaß auch die Gewerkschaftskom⸗ mission ihre Bemühungen mit Erfolg belohnt ieht. f 9 Die htesige Volksküche wurde am Donnestag diese Woche im Hause Schneiders⸗ berg Nr. 3 eröffnet. Dieselbe ist vorläufig jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr(außer Sonn⸗ und Feiertags) der Benutzung für die hier beschäftigten Arbeiter freigestellt. Ein Portton Mittagsessen kostet 15 Pfg., ein Stück Brod 5 Pfg., ein Tasse Kaffee mit Zucker oder Milch 5 Pfg. Die Einrichtung dürfte wohl hauptsächlich den zahlreichen Arbeitern aus der Umgegend Marburgs, die seither mit einem Stück Brot und Wurst des Mittags sich begnügen mußten, zugute kommen; denn bei den geringen Löhnen konnten dieselben sich seither kein warmes Mittagsessen leisten.
— Kommunales. Das so lange um⸗ strittene Projekt einer Straßenbahn ist nun endlich seitens unserer Stadtväter einstimmig angenommen worden. Dieser Fortschritt im Verkehrswesen dürfte wohl von allen Einwohnern freudig begrüßt werden. Allerdings giebt es keine„Elektrische“, sondern eine Pferdebahn. Erstere wurde sowohl von der Regterung wie auch von Sachverständigen für Marburg als nicht ausführbar erklärt, was bei den teilweise sehr len, engen und krummen Straßen der Altstadt wohl erklärlich ist. Da für alle
Strecken der 10 Pfg.⸗Tarif engen werden
soll, so wird die Bahn auch von den Minder⸗ bemittelten bei der weiten Ausdehnung der Stadt leißig benützt werden, falls die Fahrten nicht, wie zunächst geplant ist, alle Stunden, sondern je öfter, desto besser, ausgeführt werden.
„— Pfarrer Naumann, der bekannte Führer der Nationalsozialen, sprach am Montag Abend im Café Quentin dahier vor vollbesetztem Saale über„die Politik des Grafen Bülow“. In fast 2½ stündiger Rede gab er ein ausge⸗ zeichnetes Bild von der Politik Bülows, nach⸗ dem er zuvor die politische Tätigkeit der drei Vorgänger desselben in ihren Haus tzügen ge⸗ schildert hatte. Eine Volksrede war es nicht, die Naumann hielt, dazu war sie mit zu vielen Fremdwörtern gespickt; aber für die Zuhörer, die zum überwiegenden Teile aus Studenten bestanden, war sie dennoch sehr interessant. Für uns war besonders bemerkenswert, daß Naumann ausdrücklich betonte, in dem gegen- wärtigen wirtschaftlichen Kampfe stände er mit seinen Freunden unerschütterlich auf Seite der Linken. Eine Diskussion fand nicht statt. Eine aus der Versammlung geßellte Anfrage, in wiefern die industrielle Entwickelung auch den Bauernstand hebe, beantwortete N. sehr geschickt und ausführlich, indem er die blühende Landwirtschaft des industriereichen Belgien und Dänemarks, welche Länder keine oder sehr geringe Zölle haben, schilderte und der unsrigen, von hohen Zollmauern umgebenen, und daburch schwer leidenden Landwirtschaft gegenüberstellte.
Nicht jeder Bürgermeister ist so bescheiden.
Oberbürgermeister Lehr in Duisburg lehnte eine Erhöhung seines Gehaltes um Mk. 2000 mit Rücksicht auf die schlechten Zeiten ab.
Recht sonderbare Kindererziehung
betreibt, wie der„Mainzer Volkszeitg.“ berichtet wird, der katholische Seelsorger der Gemeinde Astheim. Wenn die Kinder der ersten Schule auf die Fragen keine Antwort wissen, giebt es 2—3 Stockhiebe auf die Hand. Haben sie Morgens die Kirche nicht besucht, werden sie zur Strafe vom Herrn Pfarrer am Arm schmerzhaft gedrückt. Und wenn dann die Kinder schreien, sagt der Herr Pfarrer:„Geht nur auf die Straße und schreit, ich fürchte mich nicht.“ Bei den jüngeren Kinder in der zweiten Schule ist ein chinesischer Bestrafungs⸗ modus eingeführt. Die Kleinen müssen, wenn sie etwas verbrochen haben, die Hände zusammen⸗ legen und der Herr Pfarrer drückt dann die Nägel der einen Hand in die andere.— Dadurch erzieht mau die Kinder zweifellos zu recht frommen Menschen und— eifrigen Kirchen— besuchern.
Kleine Mitteilungen.
* Opfer der Arbeit. Bei einem Neubau in der Krahnstraße zu Osnabrück ist das Gerüst zu⸗ sammengebrochen. Vier Arbeiter wurden dabei verschüttet, von denen einer seinen Tod fand.— Schwer ver⸗ brannt sind am Dienstag zwei Arbeiter in Frank⸗ furt, die in einem Schachte der Wasserleitung bei der Konstablerwache mit dem Verdichten der Rohre beschäftigt waren. Dazu benutzten sie Theer, welcher mit Benzin verdünnt war. Jedenfalls sind diese feuergefährlichen Stoffe explodiert. Beide Arbeiter wurden mit schweren Brandwunden bedeckt in das Krankenhaus gebracht
z Zyugentgleisung. Am Mittwoch Nachmittag entgleisten im Bahnhof Langensel bold bei Hanau fünf Wagen des D⸗Zuges Berlin⸗Basel. Die Räder der Wagen wühlten sich auf der einen Seit tief in die Erde ein, die Maschine riß sich los. Verletzt wurde niemand. 5
* Wieder Einer. In Odelshausen bei München wurde ein katholicher Geistlicher wegen Sitt⸗ lichkeitsverbrechen verhaftet. Kurz vorher war der dortige Lehrer Lösch wegen des gleichen Vergehens in Haft genommen, aber bald wieder entlassen worden, weil sich die von den beiden Geistlichen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als völlig grundlos herausstellten,
. Sternbergereien. In Berlin wurden der Landmesser Steldt(Leutnant der Landwehr), die Handelsfrauen Remme, Zehde und Giese verhaftet,
weil die Frauen in Verdacht stehen, dem Steldt sowie einer Anzahl zur Zeit noch nicht ermittelter männlicher Personen minderjährige Mädchen im schulpflichtigen Alter zugeführt haben.— g
Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.
I Die Schriftgießer streiken in Frank⸗ furt und in Offenbach. Hier zeigte sich so recht die Unternehmer ⸗Solidarität. Es waren nämlich die Offenbacher Schriftgießer mit ihren Fabrikanten in Differenzen geraten, weil diese vorher gemachte Zugeständnisse wieder zurückzogen. In Offenbach wurde des⸗ halb die Arbeit niedergelegt. Da kamen die Frankfurter Unternehmer und erklärten ihren Arbeitern, daß wenn in Offenbach die Arbeit nicht sofort wieder aufgenommen würde, sämtliche Schriftgießer in Frankfurt gekündigt würden, was denn auch geschah. Seit Donn ers⸗ tag ruht die Arbeit in den Frankfurter Betrieben.
Partei-Nachrichten.
Die Kaiserreden im Reichstage und dite Sozialdemokratie.
Unter diesem Titel giebt die Buchhandlung Vor⸗ wärts eine Broschüre heraus, welche die Reden Voll⸗ mars und Bebels nach dem sten graphisch en Reichstags⸗ berichte enthält. Diese Broschüre kostet 20 Pfg.; die Agitationsausgabe 100 St. 6 Mk. Beziehbar von der Kolportage-Kommission Gießen
Reichstagskandidaturen. Unsere Frank⸗ furter Pacteigenossen hielten am Dienstag im Ge⸗ werkschaftshause eine große Parteiversammlung ab, in welcher der bisherige Abgeordnete Wil h. Schmidt wieder als Kandidat proklamiert wurde.
Ein tragisches Ereignis. Gegen den Partei⸗ sekretär Genossen Leist in Nürnberg war vor einiger Zeit ein Ermittelungsverfahren unter der Anschuldigung des Sittlichkeitsvergehens eingeleitet worden, weshalb Leist von seinem Parteiamt suspendiert worden war. Ende voriger Woche wurde das Vorverfahren eingestellt, weil sich die vollständige Schuldlosigkeit Leist's ergab; er trat seinen Dienst wieder an. Er befand sich seitdem in großer Aufregung. Am Sonnabend früh stürzte er nach etwa halbstündiger Anwesenheit im Bureau aus dem dritten Stockwerk aus dem Fenster auf das Straßen⸗ pflaster, wo er mit zerschmettertem Schädel und ge⸗ brochenen Gliedmaßen liegen blieb. Zu dem im gleichen Zimmer arbeitenden Genossen sagte er, er wolle das Fenster schließen, weil es kalt sei und zu diesem Zwecke stieg er auf den Tisch. Es kann möglich sein, daß ein Unfall vorliegt, doch wird angenommen, daß er sich im Zustande geistiger Umnachtung absichtlich aus dem Fenster gestürzt hat.
Versammlungskalender.
Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen!
Samstag, den 21. Februar.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versamwlung bei Orbig.
Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung im Vereinslokal.
Sonntag, den 22. Febzuar.
Gießen. Glaser⸗Verban d. Nachmittags 2 Uhr Versammlung bei Orbig.
Lollar. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Schupp.
Staufenberg. Volksversammlung. Nach⸗ 3½ Uhr bei Wirt Geißler.
Ruttershausen. Volksversammlung. Abends 8 Uhr beim Brückenwirt.
Mittwoch, den 25. Februar. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.
Gießen. Jeden Dienstag, Abends punkt ½9 Uhr Diskussions⸗ und Unterrichtsstunde im„Wiener Hof“ bei Lö b(oberes Zimmer).
An die Parteigenossen!
Diejenigen Orte, welche Versammlungen wünschen, wollen sich an den Vorsitzenden des Wahlkomitees, Gg. Beckmann, Grün⸗ bergerstr. 44, oder an die Redaktion unseres Blattes wenden.
48 eee 2
72
— ——


