r T ˙—— e O

B

F ̃ ˙Üů̃ ̃ ͤ. ‚—

c

*

. EF r ² PX,- rr

—

2

0 1

Nr. 25.

Mitteldeutsche Sonuutags⸗Neitung.

Seite 3.

werde, in die es selbst einmal acht Stunden

lang gepreßt gewesen sei. Seine Hände seien ihm dabei auf den Rücken gebunden worden. ie habe die einfachsten Verrichtungen nicht

selbst vornehmen können und das Essen sei ihm

entzogen worden. Außerdem hatte es die ganze Zeit über knien müssen.

2. sei es einmal von seinen Mitkorrigen⸗ dinnen mißhandelt worden;

3. sei die Korrigendin Augusta von ihren Mitkorrigendinnen so mißhandelt worden, daß sie nun im Elisabethspital liege. Sie sei mit Füßen getreten und mit einem Lavoir geschlagen worden;

4. sei sie erst von den erfahrenen Mit⸗ korrigendinnen, die früher Freimädchen waren, im Kloster verdorben worden.

Was das Kind erzählte, wurde zum Teil von der anwesenden Nonne Schwester Evangelist bestätigt, zum Teil aber in einer Form bestritten, daß der tiefe Eindruck nicht verwischt werden konnte, den die Angaben des Kindes machten. Alle Angaben des verführten Kindes, die den Eindruck vollkommener Glaubwürdigkeit machten, gab der Redakteur der Arbeiter-Zeitung dem Referenten des Landesausschusses, Herrn Landes⸗ sekretär Dr. Hueber, zu Protokoll und knüpfte daran die Bitte, daß das Mädchen H. P. so⸗ fort entlassen werde. Der Beamte erklärte den Landesausschuß für inkompetent, da die Ver⸗ fügung von der Statthalterei getroffen worden sei, und begab sich in der Folge mit dem Redakteur zum Statthaltereirat Grafen Lippe, der der Delegierte der Statthalterei in der „Hauskommission“ ist. Dieser Beamte nahm das Protokoll zur Kenntnis und erklärte, daß die Hauskommission mit größter Beschleunigung den Fall prüfen und die Freilassung des Mädchens erwirken werde.

Königsmörder im Osfiziersrock.

Ueber die scheußliche Schlächterei in Belgrad liegen jetzt Berichte vor, die an⸗ scheinend von den Mördern selbst stammen. Das Wiener„Fremdenblatt“ brachte folgende Darstellung: Die Verschworenen warteten bis 1 Uhr nachts in der Offiziers messe in Kali⸗ mafdan. Sie gingen dann in kleinen Abtei⸗ lungen vor den Konak. Als dort das Bataillon des 6. Regiments erschien, öffnete der mitver⸗ schworene amtierende Adjutant des Königs, Panajodo witsch, die Eisentür des Vorder⸗ gartens. Die Hofgendarmen verweigerten den Eintritt. Es kam zu einem Zusammenstoß, wobei geschossen wurde, auf beiden Seiten kamen Verletzungen vor. Die Hofwache wurde ent⸗ waffnet, worauf die Verschworenen, von Nau⸗ mowitsch geführt, das im Hochparterre be⸗ legene Dienstzimmer öffneten. An der Treppe des ersten Stocks versuchte Generaladjutant Petrowitsch die Verschworenen aufzuhalten, er wurde durch einen Leutuant nieder- geschossen. In diesem Augenblick ging in Folge absichtlicher Störung das elektrische Licht im ganzen Hause aus. Die dreißig Ver⸗ schworenen tappten im Dunkeln über die Stiegen zu den Privatappartements des Königs, wo sie Kerzen fanden und anzündeten, worauf die Suche begann. Die Räume wurden viel⸗ mals vergeblich durchsucht. Die Verschworenen glaubten, das Königspaar sei entflohen. In dem Verbindungsgang zwischen dem alten und neuen Palais wurde in einem Kämmerchen der Kammerdiener der Königin entdeckt, der gezwungen wurde, das Versteck zu verraten, worauf er niedergeschossen wurde. Naumowits ch und Maschin(der Schwager der Königin, Bruder ihres ersten Gatten) übernahmen die Führung; sie versperrten die Tür des alten Palais, die den Axthieben widerstand. Die Verschworenen benutzten Dynamit, wobei Naumowitsch und Kapitän Miljkowitsch getötet wurden. Waschin entdeckte endlich in der Maueröffnung einen kleinen Knopf, der das Versteck des Königs öffnete. Mischitsch rief dem König zu:„Erkläre Deine Resignation! Der König erwiderte:„Wir kommen nur auf Ehrenwort, daß uns nichts geschieht.“ Mehrere

riefen:„Vorwärts, mit Dir wird nicht

verhandelt.“ Der König weigerte sich, von der bebenden Draga zu weichen. Er wurde in die Mitte des Gemaches gezerrt. Da er auf den Zuruf!„Danke ab!“ nichts erwiderte, traten die Kapitäne Anjelkowitsch, Lazarewitsch, Dimitrjewitsch, Radjwojewitsch und Toipkowitsch vor und gaben die ersten Schüsse ab. Die Anderen feuerten nach. Alexander wurde von Kugeln för mlich durchlöchert und sank tot zu Boden. Hierauf wurde die vor Schreck halbtote Draga ergriffen und dicht an der Maueröffnung von einer Salve Revolverschüssen niedergestreckt. Ein Gewährsmann des Korrespondenten versichert, es sei unwahr, daß die Leichen durch ein Fenster in den Park geworfen wurden. Es wurde wohl der Antrag gestellt, doch Mischitsch erklärte, es wäre eine Rohheit. Er ließ die Leichen in Leinentücher hüllen und nach dem neuen Konak bringen.

Wie die ärztliche Obduktion ergab, ist der König von 27 Revolverkugeln durchbohrt, Draga hatte fünf Schüsse und mehrere Dolchstiche, außerdem soll ihr Körper nach weiteren Berichten fürchterlich zerfetzt gewesen sein. Der Unterleib sei aufgeschlitzt gewesen, eine Brust abgeschnitten.

Bezeichnender Weise findet man in der deutschen bürgerlichen Presse ebenfalls wenig Tadel für die Anarchisten im vornehmsten Rock ausgesprochen. Mit kühler Ruhe wurden die Nachrichten über das Blutbad in Belgrad erzählt. Und doch war Alexander auch ein „Gesalbter“. Als König Umberto von einem Halbverrückten erschossen wurde, als die öster⸗ reichische Kaiserin Elisabeth von einem geistig nicht normalen Menschen erdolcht wurde, ja als Selma Schnapke ein Küchenbeil und Schlosser Weyland eine Schienenlasche gegen Wilhelm II. warf, da gab es ein fürchterliches Geheul über die schrecklichen Taten der„Umstürzler“, und die Scharfmacherpresse schrie nach Ausnahme⸗ gesetzen gegen die Sozialdemokratie, die doch wahrlich mit all diesen Dingen nicht das Geringste zu tun hatte. Aber das Gemetzel in Belgrad wird mit Seelenruhe verzeichnet und irgend ein Vorwurf gegen die Mörder nicht erhoben. Wie kommt das? Nun, in Belgrad haben Offiziere, Angehörige des ersten Standes, Träger des vornehmsten Rocks und wie sie sonst noch genannt werden, mit der Bestialität von Schinderknechten ihren An⸗ gestammten, dessen Frau und eine Reihe anderer Personen umgebracht. Nicht die Tat, sondern die Täter resp. der Stand der Täter kommen für die Beurteilung in Betracht.

Zum neuen König von Serbien hat die Skuptschina, die serbische Volksvertretung, nunmehr den Peter Karageorgewitsch proklamiert. Dieser befand sich bisher in Genf. Er ist ein Verwandter des montenegrinischen Fürstenhauses. Ueber seinen Aufenthalt an der Universität Zürich in den 80er Jahren berichten bürgerliche Blätter, daß er damals ein eifriger Besucher der sozialistischen Partei⸗ versammlungen gewesen sei, wo er vielfach unter dem Namen„Der rote Peter“ bekannt war. Damals existierte noch eine kleinere Verbindung sozialistischer Parteiführer unter dem Namen„Mohrenklub“. Neben hervor⸗ ragenden Schweizer Genossen waren auch die heute noch lebenden deutschen Führer v. Vollmar, Richard Fischer und Kautsky Mitglieder und in den Sitzungen dieses Klubs war Karg⸗ georgewitsch ein häufiger Gast.— Das ist, wie der„Vorwärts“ mitteilt, ein Märchen. Wohl habe ein Serbe damals in den Kreisen unserer Genossen verkehrt, der aber auf den in Serbien sehr gebräuchlichen Namen Reodoro⸗ witsch gehört habe. Die regierenden Häupter Europas brauchten also den neuen Vetter nicht wegen sozialdemokratischer Gesinnung in Verruf zu erklären. 12

Wenn Peter Karageorgewitsch wirklich mit Sozialdemokraten verkehrt und von ihnen etwas gelernt hätte, würde er mit den militärischen Mordbanden von Belgrad nichts zu tun haben und aus ihren Händen sicher keine Krone an⸗ nehmen wollen. Man mag über Alexander und seine Draga denken, wie man will, für die bestialischen Schlächtereien giebt es keinen

Schein von Entschuldigung. Die„poluische Notwendigkeit“ bedingte ihre Entfernung aus Serbien, aber gewiß nicht den Mord. Die Gesellschaft, die sich stark genug wußte, den Konak zu überfallen, wäre auch stark genng gewesen, ohne Blutvergießen die Absetzung des Königs durchzuführen.

5 Genossen! Freunde! Auf zur Stichwahl!

Agitiert unermüdlich, damit die Sache des Volkes zum Siege gelange!

—

Pon Nah und Fern.

Heran zur Arbeit! Parteifreunde, Arbeiter! Nachdem bei der Hauptwahl eine endgültige Entscheidung nicht gefallen ist, müssen wir uns nochmals mit ganzer Kraft in die Agitation für die Stichwahl stürzen. Bis zum Stichwahltage haben wir nur eine ganz kurze Spanne Zeit zur Verfügung, die nach besten Kräften ausgenutzt werden muß. Tretet des⸗ halb alle zur Arbeit an! Zunächst findet diesen Sonntag eine Flugblatt⸗ Verbreitung statt, zu der alle Genossen antreten müssen. Stelle sich jeder zur Verfügung. Je mehr Leute, in desto weniger Zeit ist die Arbeit erledigt. Wir müssen alle unser Möglichstes tun, um den Sieg an unsere Fahne zu heften. Nehmen wir uns ein Beispiel an den sächsischen und Berliner Genossen!

Ebenso werden am Stichwahltage viel Leute gebraucht. Wer irgend es ermöglichen kann, lasse die Arbeit wenigstens für den Nach⸗ mittag ruhen und helfe mit bei der Wahl⸗ arbeit! Es ist ja nur alle fünf Jahre einmal Wahl! Wir müssen arbeiten, arbeiten bis zur Erschöpfung. Nehmen wir uns ein Beispiel an unserm alten Bebel, der seit Wochen un⸗ ausgesetzt auf Agitation sich befindet, der trotz seiner 64 Jahre neulich in Meerane drei Ver⸗ sammlungen an einem Abend abhielt. Tretet deshalb in großer Zahl an, Parteifreunde! Es gilt mitzuhelfen, damit endlich einmal bessere, menschenwürdigere Zustände herbei⸗ geführt werden. Friede, Freiheit und Wohl⸗ fahrt für alle Menschen ist unser Kampfesziel!

Die Reichstagswah' im Kreise Gießen⸗Grünberg-Nidda.

Die Reichstagswahl hat auch im Kreise Gießen, wie fast überall, ein Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen gezeigt. Gegen 1898 hat unsere Partei über 1500 Stimmen gewonnen, ein Ergebnis, mit dem wir zufrieden sein können, wenn auch mancher unserer Genossen eine größere Zunahme erwartet hatte. Aber auch unsere beiden Gegner haben eine Zunahme ihrer Stimmen zu verzeichnen und zwar ge⸗ wannen die Liberalen 1200, die Autisemiten 300. Das vollständige Resultat ist: Krumm 6034, Heyligenstaedt 5352, Köhler 5022 Stimmen. Zum ersten Male seit 10 Jahren ist der Antisemit aus der Stichwahl gedrängt.

Folgende Zusammenstellung zeigt, in welcher Weise sich die Parteiverhältnisse im 1. hessischen Wahlkreis entwickelt haben:

Natlib. Freisiun. Autis. Sozdem. 1884: 8648 6843— 497 1887 10918 7941— 387 1890: 4363 5905 4566 1732 1893: 4300 1883 5606 2352 1896: 2447 2192 4177 3371 1898: 4174 4703 4577 1903: 5355 5087 6034

In den früheren Wahljahren hatten wir Stimmen: 1881: 256; 1878: 381; 1877: 1431; 1874: 151 und bei der ersten Reichs⸗ tagswahl im Jahre 1871 wurde für die Sozialdemokratie nicht eine einzige Stimme abgegeben. Berücksichtigen muß man hierbei, daß bei den Wahlen von 187887 unsere ganze Agitation unter den Einfluß des Sozia⸗ listengesetzes stand.

* 2

222

5