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Nr. 16.
Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Arbeiter und eine Verlängerung der Pausen für die jungen Arbeiter wäre für den Bergbau sehr bedenklich.“
Also nur nicht die Arbeitszeit verkürzen! Denn davon befürchten die nationalliberalen Schlot⸗ und Grubenbarone Schmälerung ihrer wahrhaftig nicht geringen Ausbeuter⸗Profite. — Uebrigens ist der Widerstand der National⸗ liberalen gegen jede ernsthafte Sozialreform wirklich bekannt genug.
h. Die Nationalliberalen letreiben die Wahl⸗ agitation mit Hochdruck. Sie sinod jetzt dabei, den Kreis Altenkirchen zu bearbeiten und lassen in jeder Ver⸗ sammlung vier Agitatoren auf die bedauernswerten Versammlungsteilnehmer los. Diese, nämlich Herr Abg. Krämer, Herr Osthaus, der Generalsekretär Dr. Johannes und Prof. Moldenhauer werden es hoffentlich fertig bringen, die ländliche Bevölkerung von der Vorzüglichkeit der nationalliberalen Politik zu überzeugen. Das wird umso leichter sein, als in jener Gegend eine Opposition kaum zu erwarten ist und die Herren dem Gimpelfang obliegen können, ohne von den bösen Sozialdemokraten gestört zu werden. Uebrigens dürften die vier Referenten im Verein mit Gensdarm und Bürgermeister in manchen Versammlungen wohl schon die Mehrheit bilden.
Auch die Konservativen halten nächste Woche mehrere Agitationsversammlungen in Wetzlar und Um⸗ gebung mit ihrem Kandidaten, Pfarrer Heckenrot ab.
X. Bauarbeiterstreik. In Limburg befinden sich seit voriger Woche die Bauarbeiter, Maurer, Zimmerleute und Bauhilfsarbeiter im Ausstand zusammen 164 Mann, die zum großen Teil der christlichen Gewerkschaft angehören.
Arbeitswillige gab es bisher nur etwa 20 Mann.
Den ultramontanen Wahlmachern ist der Streik natürlich höchst unangenehm, und sie setzen jetzt alle Hebel in Bewegung, um ihn beizulegen. Da aber die Unternehmer wenig geneigt sind, nachzugeben, werden wohl die Arbeiter zu Kreuze kriechen müssen. Bezeichnend für die Arbeiter⸗ freundlichkeit des Zentrums ist es, daß niemand von den maßgebenden Personen energisch für die streikenden christlichen Arbeiter eintritt.
X. Steuerliches aus dem Westerwald. Eine nette Osterfreude ist den Bewohnern des Westerwaldes durch die zur Verteilung gekommenen Steuerveranlagungs⸗ papiere bereitet worden. Bereits im vorigen Jahre war die Zahl der Reklamanten auf über 600 angewachsen und in diesem Jahr hat die Einschätzungs⸗Kommisston, bestehend aus einem Forstmeister, einem Apotheker, einem Dorfbürgermeister, einem Landmesser und einem Kaufmann, in vielen Fällen wieder weit daneben gegriffen. Erst zwingt man die Leute zur Selbsteinschätzung und verlangt Vorlage aller möglichen Belege und wenn dann die Leute stundenlang im Steuerbureau ihre Zeit geopfert haben, dann macht man bet der Steuer⸗Einschätzung doch was man will. Bei den Voreinschätzungs⸗Kommissionen sind häufig land⸗ rätliche Angestellte mit tätig und trotzdem ergeben sich viele Irrtümer. Man scheint anzunehmen, daß Leute, welche nicht im Verkehrsleben stehen, mehr Verständ⸗ nis für eine richtige Steuer⸗Einschätzung entwickeln. Nach unserer Meinung trifft aber das Gegenteil zu, deshalb wäre es sehr am Platze, wenn Leute aus dem Volke(Handwerker und Landwirte) bei der Steuer⸗Einschätzung mitwirken könnten.— Die Diäten an die Mitglieder der Einschätzungskommission sind so hoch bemessen, daß auch gering Bemittelte diesen Posten sehr gut versehen könnten; der entgangene Tagesverdienst wüede ja fünf⸗ bis zehnfach vergütet. Wie man hört, sind die vorjährigen Reklamationen noch teilweise un⸗ entschieden und nun geht der Rummel wieder aufs Neue los.— Uns kann es recht sein, wenn die Behörden vor den Wahlen so kräftig zu unseren Gunsten in den Wahlkampf eingreifen.
Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.
K. M. Die„Hess. Landesztg.“— bekannt⸗ lich nationalsoziales Organ— die sich in letzter Zeit als Sozialistentöterin aufspielt, wahrscheinlich um uns für eine etwaige Stich⸗ wahl von einem wenn auch unwahrscheinlichen, so doch immerhin möglichen Eintreten für den Kandidaten v. Gerlach abzuhalten, bringt in dem steghaften Bewußtsein, keine Antwort am Orte erhalten zu können, in Nr. 85 schon wieder einen Angriff auf uns, in welchem ste uns in der ihr eigenen„rabiaten“ Weise (der Ausdruck„rabiat“ stammt von ihr selber, wenn sie ihn auch nicht auf sich selbst bezieht) unsere antimonarchische Haltung vorwirft. Der Bürgermeister von Kopenhagen, Gen. Jensen, dient ihr dabei als Sprungbrett. Derselbe habe sich, meint das wohlinformierte Blatt, um
„einen Empfang beim deutschen Kaiser bemüht“;
und unser parteigenössisches Blatt„Sozial⸗ demokraten“ hätte dem Kaiser sogar mit einem „ehrerbietigen Artikel“ begrüßt. Die„H. L.⸗ Ztg.“ ist auf dem Holzwege. Dänisch ist auch eine schwere Sprache und deshalb ist ihr die Verdrehung der Tatsachen, die ste geliefert hat, diesmal zu verzeihen. Wie es mit dem Begrüßungsartikel in Wirklichkeit aussteht, ist schon in letzter Nr. unseres Blattes erwähnt. Die„Sozialdemokraten“ haben in dem bewußten Leitartikel u. a. geschrieben, daß sie für den Antisozialisten⸗Kaiser keinerlei Sympathie empfänden. Wenn die H. L.⸗Ztg. das„ehrer⸗ bietig“ nennt, dann hat ste von diesem Wort sonderbare Begriffe. Wir würden ihr raten, ein andermal weniger„rabiat“ und desto vor⸗ sichtiger zu sein.
St. Zur Reichstagswahl. Die Vor⸗ bereitungen und Rüstungen zum Wahlkampf für die bevorstehende Reichstagswahl werden nun⸗ mehr, nach kurzer Unterbrechung durch das Osterfest, mit verdoppeltem Eifer wieder aufge⸗ nommen. Für uns gilt es zunächst, die in starker Auflage gedruckten Flugblätter in richtiger Weise im Wahlkreise zu Verteilung zu bringen. Deshalb sollte kein Parteigenosse dabei fehlen. Hier muß Jeder, der es ehrlich und ernst mit der Arbeitersache meint, am Platze sein und mit dazu beitragen, daß durch weitgehendste Verbreitung unseres Flugblattes, welches in kurzen und klaren Sätzen den Wählern ver⸗ kündet, was unsere Partei will, resp. wofür unser Reichstagskandidat, Schriftsteller Paul Bader in München, einzutreten gewillt ist. Aber nicht allein bei der Flugblattverteilung sollten sämtliche Parteigenossen tätig sein; auch sonst müssen sie bei jeder Gelegenheit nach besten Kräften aufklärend zu wirken suchen. Auf dem Lande ist das hierorts bei unseren Bauern zwar nicht leicht und oft mit Gefahr verbunden, eine tüchtige Tracht Prügel zu er⸗ halten, wie z. B. kürzlich bei einer Bündler⸗ Versammlung in Ellnhausen es beinahe einigen jungen Nationalsozialen ergangen wäre. Wer unsere Bauern nicht kennt, sollte da lieber die Hand davon lassen. Hier ist es Aufgabe der einheimischen, mit den hiesigen Verhältnissen vertrauten Parteigenossen, eine rege Agitation auf dem Lande zu entfalten.— Betreffs der Zählkandidatur des Zentrums bemerken wir, daß nicht der Redakteur der Fuldaer Zeitung, sondern der Reichs- und Landtagsabgeordnete Müller⸗Fulda aufgestellt ist.— Seitens der Konservativen und Bündler ist für allernächste Zeit eine Versammlung betreffs Präsentation ihres Kandidaten Frh. v. Pappenheim zu erwarten, der, wie die Konservativen überhaupt, die Bekämpfung der Sozialdemokratie als Wahlparole ausgiebt. Was natürlich nur ge⸗ schieht, um den Wählern Sand in die Augen zu streuen und ihre Aufmerksamkeit von den brennenden Fragen der Gegenwart abzulenken. Umsomehr ist es unsere Pflicht, alles zu tun, was geeignet erscheint, die Machinationen unserer Hauptgegner, der Konservativen und Bündler, zu vereiteln und unserer gerechten Sache zum Siege zu verhelfen!
— Konsum verein. Am Samstag, den 25. April, abends 9 Uhr, findet im Restaurant Jesberg dahier die ordentliche Frühjahrs⸗ Generalversammlung des hiesigen Konsumver— eins, dessen Mitgliederzahl bereits auf 214 ge⸗ stiegen ist, statt. Hoffentlich ist ein recht zahl⸗ reicher Besuch zu erwarten.
— Ein Bild soztalen Elends zeigte sich neulich bei einer Verhandlung der Straf⸗ kammer hiesigen Landgerichts am Dienstag. Ein Auslaufer und Kassenbote der Tapeten⸗ fabrik Kon r. Schäfer, des Vorsitzenden des hies. konservativen Vereins und des Flotten⸗ vereins, hatte sich wegen Unterschlagung von über 200 Mk. einkassterter Flottengelder und solcher seines Arbeitgebers zu verantworten und wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe war deshalb verhältnismäßig niedrig bemessen worden, weil der Angeklagte, der verheiratet ist, bei 14 Mark Wochenlohn sich in einer Notlage befunden habe. Kommentar hierzu ist überflüssig.
Kleine Mitteilungen.
k Hohes Alter. In Großen-Buseck starb vorige Woche Frau Karoline Hunsinger im Alter von 95 Jahren.
a Die neue Bahnstrecke Laubach⸗Mücke geht ihrer Vollendung entgegen und soll im Laufe des Sommers eröffnet werden. Damit ist dann eine Ver⸗ bindung der Main⸗Weser⸗Bahn und der Gießen Fuldaer Linie zwischen Friedberg und Grünberg(Mücke) quer durch die Wetterau hergestellt.
Rüstet zur Maifeier Die Wählerlisten
liegen bei den Ortsbehörden vom 19. bis zum 26. Mai aus. Sorge jeder unserer Wähler dafür, daß sein Name in der Liste verzeichnet steht. Nur wer in der Liste eingetragen ist, kann wählen.
Bei der Flugblattverteilung, die in den nächsten Tagen stattfindet, bitten wir die Genossen allerorts, den Verbreitern möglichst behülflich zu sein und mit dafür zu sorgen, daß die Flugblätter in die Hand jedes Wählers kommen.
Versammlungskalender.
Samstag, den 18. April.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Sonntag, den 19. April.
Alsfeld. Versammlung auf der„Pfefferhöhe“
nachm. 4 Uhr. T.⸗O.: Maifeier, Reichstagswahl, Montag, den 20. April. Gießen. Vertrauensmännerversammlung Abends 9 Uhr bei Orbig. 5 Dienstag, den 21. April. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.
Quittung. Für den Wahlfonds gingen weiter ein: Amdt. Mk. 0.20; Brch. 0.30. Landmannstr. 2.—; G. H. 1.—; Chr. 2.50; Kl. 1.—; G. 1.—; N. L. 0.50; C. 0.50; Fr. 0.50; D. 0.60; R. 0.90; O. 2.—; Schn. 2.50; X. Y. 10.—; die alte Garde 4,50; M. 0.50; F. 10.—.
Briefkasten. Kleinaltenston. C. D. In diesem Falle kann die Verletzte Anspruch erheben. O.-Lahnst. Ob jene Dresdener Kasse empfehlenswert ist, können wir im Augenblick nicht sagen. Wir wollen Exkundigungen einziehen. Alsfeld. Mußte zurückgestellt werden. Immer nur auf einer Seite beschreiben!
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Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.
+Metallarbeiter⸗Aussperrung in Iserlohn. Am Ostersamstag wurden in Iserlohn 4200 Arbeiter, darunter etwa 1000 weibliche, ausgesperrt. 20 Gensdarmen sind aufgeboten. Die Ausgesperrten verharren in musterhafter Ruhe. Daß ste entschlossen sind, den Kampf, den ihnen die Unternehmer auf⸗ gezwungen haben, mit Entscheossenheit durchzu⸗ führen, daran ist nicht zu zweifeln. Wie bei ähnlichen Gelegenheiten, so handelt es sich auch bei dieser Aussperrung für die Großunternehmer, die die Urheber und Führer in diesem Kampfe sind, darum, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits soll die Organisation der Arbeiter vernichtet werden, und andererseits rechnet man darauf, daß sich die Kleinunter⸗ nehmer, wenn ihre Betriebe längere Zeit still liegen, wirtschaftlich verbluten. Letzteres dürfte bei einem großen Teile der Kleinfabri⸗ kanten sicher erreicht werden.
+ Das Zentral-Arbeitersekretariat in Berlin, dessen Errichtung der vorjährige Gewerkschaftskongreß beschlossen hat, ist, wie das„Korrespondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften“ bekannt giebt, am 1. April in vollem Anfange in Tätigkeit getreten. Das Sekretariat hat nach dem Beschluß des Gewers⸗ schaftskongresses die Rekurse, die von Mitgliedern der Gewerkschaften beim Reichs⸗Versicherungs⸗ amt anhängig gemacht werden, zu bearbeiten und in der Verhandlung mündlich zu vertreten. Da das Institut durch die Gewerkschaften geschaffen ist und durch sie unterhalten wird,


