Ausgabe 
18.10.1903
 
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Nr. 42.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

die Arbeiterfestlichkeiten verschonen zu helfen. Beitritts⸗ anmeldungen nehmen Middelhoff, Zwischenhausen 9 und Bosch, Schneidersberg 5 jederzeit gerne entgegen. Die Beiträge sind auf monatlich 30 Pfg. für Herren und 15 Pfg. für Damen festgesetzt.

Gegen den Mörder Dippold

nahm in Bamberg eine nach Tausenden zählende Volksmenge, die sich am Bahnhof eingefunden hatte, als der Verbrecher in das Zuchthaus überführt werden sollte, eine drohende Haltung ein. Trotz eines starken Aufgebots von Polizei und Gendarmerie wurde der Häft⸗ ling samt seiner Begleitung etwa 100 Meter weit in die Luitpoldstraße hineingedrängt. Es gelang erst, als die Polizisten mit Gebrauch der Waffe drohten, Dippold in einen Wagen zu bringen. Dieselbe Szene des Johlens, Fluchens und Verwünschens wiederholte sich an dem Tore des Landgerichtsgefängnisses.

Eine empörende antisemitische Roheit ist in Schlochau, der Gegend, wo der Antisemitismus seinerzeit die Winter⸗Affaire zur Welt brachte, verübt worden. Von ehr⸗ samen Bürgern der Stadt, nämlich dem wohl⸗

löblichen Nachtwächter Vergin, dem Schuh⸗

macher Gräber, dem Tischler Stutzke und dem Schlossermeister Hahn ist ein jüdischer Hand⸗ werker, der Schriftsetzer Levi aus Warschau zu Tode geprügelt worden. In der Her⸗ berge, wo der arme Jude einkehrte, wurde er von den wackeren Herren und anderen Gästen damit geneckt, daß er niederknieen und das Vaterunser sprechen mußte. Da er das Gebet aber schlecht oder garnicht konnte, so wurde er derart mißhandelt, daß er in der Nacht starb. Auf Veranlassung der Staats⸗ anwaltschaft ist die Leiche seziert, und die Spaßmacher sind zur Verantwortung gezogen worden. Die Heldentaten russischer Autisemiten lassen offenbar deren deutsche Gesinnungs⸗ genossen nicht schlafen. Für die Kulturgeschichte des deutschen Volkes am Anfang des zwanzig⸗ sten Jahrhunderts, für die Periode der schwärze⸗ sten Reaktion und konfessioneller Verhetzung ist diese scheußliche Tat ungeheuer bezeichnend.

Kleine Mitteilungen.

* Zwei Selbstmorde auf einen Tag wurden Donnerstag, 8. Oktober in Mücke bei Grünberg be⸗ gangen. Im Wald⸗Teiche wurde die Leiche eines Grün⸗ herger Einwohners gefunden, der sich wegen einer ihm zuerkannten Strafe ertränkt haben soll und im zweiten Falle schoß sich ein Geometer⸗Gehilfe eine Kugel durch den Kopf.

** Zu Dillenburg fand man am Diens⸗ tag früh die etwa 60 Jahr alte ledige Näherin Horsch in Mühlbach als Leiche auf.

* Schweinepriester. Drei Geistliche, Lehrer an der Kongregattonsschule von Tou r⸗d' Aigues bei

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Marseille kommen in nächster Zeit vor die Geschworenen wegen Sittlichkeitsverbrechen, die sie sich an den Schülern der Austalt zu schulden kommen ließ n. Ein anderer von derselben Sorte, der Kaplan Manuel San Roman von dem in der Nähe Mailands gelegenen Orte Cara⸗ banchel wurde vom Gericht in Mailand zu 18 Jahren 2 Monaten Zuchthaus verurteilt. Der saubere Priester hat ein 6 jähriges Mädchen vergewaltigt und auf dasselbe außerdem noch eine scheußliche Krankheit übertragen.

Par tei-Uachrichten.

Der Parteivorstand macht bekannt, daß er sich konstituiert habe. Seine Adresse ist wie seither: J. Auer, Berlin S. W. Kreuzbergstr. 30. Im Weiteren fordert der Parteivorstand die Genossen allerorts auf, die Wahlen der Vertrauens personen sofort vor⸗ zunehmen und deren Adressen ihm mitzuteilen.

Die Berliner Parteigenossen protestierten am Montag abend in 16 Versammlungen gegen den vom Berliner Magistrat angeordneten Beginn der Urwahlen zum preußischen Landtag um 2 Uhr nachmittags. Ueberall wurde geltend gemacht, daß ein Beginn des Wahlaktes um 2 Uhr zahlreiche Wähler an der Ausübung der Wahl hindern werde, weil sie nicht in der Lage wären, zu Mittag ihre Arbeitsstelle verlassen zu können. Es soll daher der Versuch gemacht werden, den Magistrat zu bewegen, den Beginn der Urwahl auf eine spätere Tagesstunde zu verlegen.

Ein Opfer des Gefängnisses. Am Montag starb nach langen und schweren Leiden in jungen Jahren unser Parteigenosse Richard Levy in Erfurt. Er ist als Redakteur der ErfurterTribüne das Opfer jenes Majestätsbeleidigungs⸗Prozesses geworden, der wegen des Abdrucks eines gleichgültigen Scherzes mit der Verur⸗ teilung zu einem Jahre Gefängnis endigte. Zwei Tage vor Weihnachten wurde er wegen Fluchtverdachts ver⸗ haftet, obwohl er an einer schmerzhaften Ohrenent⸗ zündung erkrankt und trotzdem eine hohe Kaution ange⸗ boten worden war, Unterdessen starb ihm seine Mutter. Acht Monate blieb er im Kerker. In dieser Zeit ent⸗ wickelte sich eine schwere Lymphdrüsen⸗Krankheit, zu der die Disposition vielleicht schon in ihm lag, deren furcht⸗ bare, schließlich zum Tode führende Entwicklung aber nach ärztlicher Meinung durch die lange Haft verschul⸗ det ist. Er mußte abermals aus dem Gefängnis beur⸗ laubt werden und siechte seitdem rettungslos dahin. Levy hat nur ein Alter von 30 Jahren erreicht. Die Partei wird diesem schlichten Manne, der so früh im Kampfe verblutete, ein herzliches Andenken bewahren.

Versammlungskalender.

Samstag, den 17. Oktober.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Sonntag, den 18. Oktober.

Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Ihl. Tages⸗ ordnung: Berichterstattung vom Parteitag. Ref.:

Busold. Die Orte der Umgebung sind eingeladen. Briefkasten. S.⸗Wtzl. Es sind uns schon eine ganze Reihe

Mitteilungen gemacht worden über Pflichtwidrigkeiten, die

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Arbeiterschuhe und Stiefel

in der Verwaltung der Bürgermeisterei Atzbach⸗Launs⸗ bach vorgekommen sein sollen, doch wollen wir vor⸗ läufig von einer Veröffentlichung absehen. Wenn die von dem Jagdpächter K. für Odenhausen gestifteten 100 Mark nicht in der Jahresabrechnung erschienen sind, so können Sie ja durch eine Anfrage auf der Bürger⸗ meisteret feststellen, wie es sich damit verhält.

Die preußischen Landtagswahlen.

Am 12. November finden die Urwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause, dem Dreiklassen⸗ parlament, statt. Unsere Partei wird sich dies⸗ mal in allen Kreisen, wo es irgend möglich ist, an den Wahlen beteiligen. Das Wahlsystem, welches hierbei zur Anwendung kommt, von Bismarck selbst einmal als daselendeste aller Wahlsysteme bezeichnet, sowie auch die ver⸗ zwickte Technik des Wahlverfahrens haben die Arbeiter bisher von der Wahlbeteiligung abge⸗ halten. Und allerdings scheint das famose Wahlgesetz zu dem Zwecke ausgeklügelt zu sein, den Wählern und besonders den Arbeitern die Wahl zu verekeln. Indessen sind das Schwierigkeiten, vor denen die Sozialdemokratie nicht zurückschrecken darf; sie hat schon schlimmere Widerstände stegreich überstanden man denke nur an die sozialistengesetzliche Zeit. Heute ist man sich darüber einig, daß die Wahlbeteiligung von erheblicher Bedeutung für die Schulung der breiten Schichten der Parteigenossen sein wird.

Ob wir Mandate erobern werden, ist aller⸗ dings sehr fraglich. In den weitaus meisten Wahlkreisen würde das nur mit Hülfe der freisinnigen Wahlmänner geschehen können. Für den Sozialdemokraten und damit gegen das Junkertum und die Reaktion zu stimmen, dazu scheint sich aber der Freisinn nach den Aeußerungen seiner führenden Organe nicht aufschwingen zu können. Dann hat jedoch unsere Partei nicht die geringste Veranlassung, die Freisinnigen herauszuhauen, sondern wir werden sie einfach ihrem Schicksale überlassen. Durch ein schamloses Wahlsystem ist die stärkste Partei in Preußen entrechtet; und wenn der Freisinn nicht einmal den Mut hat, der unter⸗ drückten Partei einige Mandate zu stchern, so mag er getrost von der Bildfläche verschwinden. Es kann uns dann gleichgültig sein, ob solche

Freisinnige oder Konservative im Dreiklassen⸗ 1 hause sitzen. Es ist dann die eigene Schuld 1 0 des Freisinns, wenn er vom polttischen Schau⸗ 4 735 platz weggefegt wird.. 1 Unterdessen wird es gut sein, wenn wir für 1

unsere preußischen Leser kurz die hauptsächlichsten Bestimmungen anführen.

Die Hauptmerkmale der Landtagswahlvor⸗ schriften gegenüber dem Reichstagswahlrecht sind:

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Carl Geismar, Uhrmacher

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Donnerstag, den 29. Oktober, abends 8/ Uhr:

Rezitations⸗Abend.

Heiteres und Ernstes. Rezitator: Herr Emil Wallkotte.

1.Die Antwort des Kapitalisten.Der steife Grog, von Mex Hofmann. 2.Der Mistkäfer, Ohrwurm und Fliege,Die Hammelherde, von Hans Hrch.⸗Ewers. 3.Der Stiefelknecht,Der Regenschirm, v. Peter Rossegger.

Eintritt 20 Pfeunig. Die Gewerkschafts mitglieder wollen ihre Karten bei den Kartell⸗

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erten in Empfang nehmen. 5 5 Das Gewerkschaftskartell.

Si dieb- IMeuler.

Spielplan für Giessen. Sonntag, 18. Okt.:Geschwister Lemke. Dienstag, 20. Okt.:Der blinde Passagier. Mittwoch, 21. Okt.Der zerbrochene Krug. Geschwister. Wallensteius Lager. Freitag, 23. Okt.:Geschwister Lemke. Spielplan für Marburg.

Donnerstag, 22. Okt.:Geschwister Lemke.

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