Ausgabe 
17.5.1903
 
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Nr. 20.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

sehr schlecht besucht, die letztere war von eg. 25 Mann von denen Herr Ohlenschlager, der dort ebenfalls sprach, noch eine Anzahl fortredete. Genosse Barthels, der ebenfalls anwesend war, ergriff deshalb das Wort nicht.

h. Antisemitisch⸗christlichsoztale-Wahl⸗ ab machung. In einer Erklärung, die Herr Reuther im Hinterländer Anzeiger erläßt, werden die Antisemiten des Wahlkreises Stegen aufgefordert, für Stöcker einzu⸗ treten, nachdem die Christlich Sozialen in Wetzlar der Reformpartei keinen Gegenkandidaten entgegengestellt habe. Diese Erklärung ist ziemlich gegenstandslos, denn die Antisemiten Zimmermann'scher Richtung hatten 1898 im Siegener Kreise keine Stimmen und im Wetzlarer dürften die christlich⸗soztalen Stimmen dem Pfarrer Heckenroth zufallen.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

Zur Kandidatenfrage. Nach einer Mitteilung derDeutschen Hochwacht, dem Organ Böckels, will dieser bestimmt nicht kandidieren. Dann hat's also damit wohl seine Richtigkeit, daß Oswalt Zimmer⸗ mann aus Dresden für die Antisemiten in Marburg kandidieren wird.

St. Buchdrucker⸗Ausflug. den 17. d. Mts. findet ein Ausflug der hiesigen Buch⸗ drucker nach Dillenburg statt, an welchem Orte die zweite diesjährige Bezirksversammlung des Bezirksvereins Marburg, zu welchem jetzt auch die Druckstädte Dillenburg und Herborn gehören, stattfindet. Hoffentlich ist das Wetter günstig, in welchem Falle eine starke Beteiligung von hier zu erwarten ist.

Der Konsum verein beabsichtigt am Himmel⸗ fahrttage, abends von 8 Uhr ab, inm Hildemann schen Saale(Barfüßertot) einen Familienabend zu ver⸗ anstalten, zu welchen in liebenswürdiger Weise mehrere Damen und Herren sich bereit erklärt haben, durch Klavier⸗ u. Violinvorträge, sowie Gesang zur Unterhaltung der Mitglieder und ihrer Familien angehörigen beizutragen. Außerdem wird Frau Dr. Michels einen Vortrag über das Genossenschaftswesen, speziell über die Stellung der Frauen zu demselben halten und dürfte dies allein schon genügen, um einen zahlreichen Besuch dieser ersten Ver⸗ anstaltung des Konsumvereins auf geselligem Gebiete zu veranlassen. Wir richten jedoch die Bitte an diejenigen Vereinsmitglieder, welche in der Lage sind, durch Deklamattonen oder sonstige Vorträge zur Verschönerung des Abends mitbeizutragen, dies vorher Herrn Geschäfts⸗ führer Fischer mitzuteilen. Zum Schluß wollen wir noch verraten, daß auch ein Tänzchen arrangiert wird, was unserer tanzlustigen Jugend gewiß recht willkommen sein dürfte. Eintrittsgeld wird nicht erhoben; Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.

Eintracht. Der Arbeiter- Gesangverein Eintracht veranstaltet am Himmelfahrtmorgen, wie alljährlich an diesem Tage, einen Spaziergang in die herrliche Umgebung unserer Stadt und werden alle Mitglieder besonders die aktiven ersucht, sich morgens vor 6 Uhr im Vereinslokal bei Jesberg einzufinden. Der Abmarsch erfolgt punkt 6 Uhr nach einem noch zu bestimmenden Ziele; vorausgesetzt natürlich, daß Gott Pluvius keinen Strich durch die Rechnung macht.

Einbruch. Im benachbarten Orte Sarnau wurde kürzlich nachts im Hause eines dortigen Spezerei⸗ warenhändlers ein Einbruch verübt. Aus einem Fenster wurde eine Scheibe herausgeschnitten und ein Sack Mehl gestohlen.

Gegen den Beigeordneten Wolff in Offenbach

wurde vorige Woche in Darmstadt verhandelt. Man legte ihm verschiedene Amtsverfehlungen und Renitenz gegen Vorgesetzte zur Last. Eine große Anzahl Zeugen wurde vernommen. Das am Samstag verkündete Urteil lautete auf Amtsentsetzung und Verurteilung in die Kosten des Verfahrens, doch wurde ihm auf die Dauer von 6 Jahren ein jährliches Gehalt von 1200 Mark zugebilligt. Wolff verstand es nicht, sich mit dermaßgebenden bürger⸗ lichen Sippe gut zu stellen und sich in ihren Dienst zu stellen und das war sein Unglück.

Ueberall Aussperrungen!

Noch immer liegen in Iserlohn Tau⸗ sende von Metallarbeitern arbeitslos auf der Straße, von den Unternehmern ausgesperrt. Jetzt droht auch der Arbeitgeberverband des Baugewerbes in Köhn mit Aussperrung eines Teiles der Bauarbeiter. Desgleichen sind auch

in Dresden die Bauarbeiter ausgesperrt. Dagegen ist die Aussperrung der Schuhmacher in Pirmasens in gelegt worden.

den letzten Tagen bei⸗

Nächsten Sonntag,

Sitienbild aus den Kreisen der Edelsten und Besteu.

Vor dem Düsseldorfer Schwurgericht kam Freitag die skandalöse Meineids⸗ und Ehe⸗ bruchsaffaire, die vor einiger Zeit so großes Aufsehen erregte, zur gerichtlichen Aburteilung. ImVerein, einem der vornehmsten Klubs

Düsseldorfs, ereignete sich an einem der Winter⸗

abende des laufenden Jahres ein peinlicher Zwischenfall: das Mitglied des Klubs Dr. med. Weidenmüller wurde von einem anderen Mitglied, dem Ingenieur Eck, sowie von dem früheren Leutnant bei den fünften Ulanen in Düsseldorf Freiherrn Erwin v. Loew gestellt und öffentlich geohrfeigt. Dr. Weidenmüller hatte imVerein erzählt, daß er die Ehefrau des Ingenieurs Eck mit dem als Lebemann bekannten Freiherrn v. Loew in das Absteige⸗ quartier des letzteren in der Charlottenstraße nahe dem Hauptbahnhofe hineingehen gesehen habe, und daß demnach die in der Stadt ver⸗ breiteten Gerüchte über das skandalöse Treiben v. Loews in seinem Absteigequartter und über seine unerlaubten Beziehungen zu Frau Eck wahr zu sein scheinen. Die Ohrfeigengeschichte imVerein hatte zwei Prozesse zur Folge. Der Ehemann Eck klagte gegen Dr. med. Weidenmüller wegen verleumderischer Beleidi⸗ gung und letzterer wiederum stellte Strafantrag gegen Eck und v. Loew wegen tötlichen Ueber⸗ falles und Mißhandlung. In dem Beleidigungs⸗ prozeß des Ingenieurs Eck gegen Weidenmüller bekundeten Dr. Weidenmüller sowie vier Zeugen eidlich auf das bestimmteste, daß sie Frau Eck in der Wohnung des Leutnants v. Loew in der Charlottenstraße, die er unter dem Namen Dr. Weigand gemietet hatte, und in der er wiederholte Besuche von Frauen empfing, häufig gesehen hätten. Die dann vernommene haupt⸗ beteiligte Frau Eck beschwor aber, daß sie niemals die Wohnung des Leutnants v. Loew betreten habe. Das Gleiche beschwor Freiherr v. Loew. Auf Grund dieser Aussage erfolgte die Verurteilung des Dr. Weidenmüller wegen Beleidigung zu 500 Mk. Geldstrafe. Hinterher tauchten aber bei der Staatsanwaltschaft Zweifel an der Richtigkeit der Aussage der beiden auf, und bald wurden Frau Eck und Freiherr v. Loew unter dem Verdacht des wissentlichen Meineides in Haft genommen. Ein Antrag der Verwandten der Frau Eck, diese gegen eine

Kaution von einer halben Million Mark aus

der Haft zu entlassen, wurde abgelehnt. Frau Eck machte dann im Gerichtsgefängnis durch Gift ihrem Leben ein Ende. Vorher hatte sie aber ein Geständnis abgelegt. Freiherr v. Loew wurde daraufhin in Bad Nauheim, wohin er gereist war, verhaftet und hat schließlich unter der Wucht dieser Ereignisse ebenfalls einge⸗ standen, einen Meineid geleistet zu haben. Deshalb hatte er sich vor dem Schwurgericht wegen wissentlichen Meineids zu verantworten, das ihn zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurteilte. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Verurteilten belassen.

Kleine Mitteilungen.

** In Allendorf a. d. Lda. stürzte am Montag eine Scheuer, die umgebaut wurde und deren oberer Teil zu diesem Zwecke abgesprießt war, vollstän dig zusammen. Glückricherweise konnten sich die an dem Bau beschäftigten Arbeiter noch rechtzeitig retten.

a Fromme Schweinekerle. In Obermörlen wurde ein 60 Jahre alter Schuhmachermeister und sein 36 jähriger Sohn, zwei gar fromme Zentrumschristen, wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet und nach Gießen in Untersuchungshaft gebracht. Sie haben sich fort⸗ gesetzt an minderjährigen Mädchen, die kamen, um Schuhe zu bringen oder zu holen, vergangen.

n Bürgerliche Skandalchronik. In Mül⸗ heim a. d. Ruhr vergnügten sich, wie rheinische Blätter mitteilen, einige Pärchen aus den besseren Kreisen eine Zeit lang damit, daß sie allnächtlich im allerleichtesten Kestüm in der Leichenhalle gar putzige Spiele aufführten. Sehr eigentümliche Vergnügungen!

n Felssturz. In Bad Ems löste am Montag sich infolge andauernden Regenwetters hinter dem Hotel Nassauer Hof eine Felswand von 2000 Kubikmeter Inhalt und stürzte zusammen. Menschen sind nicht verunglückt; auch ist keine Mineralquelle beschädigt.

* Matrose Kohler, der s. Zt. den Raubmord

auf derLoreley beging, deswegen vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt, dann aber zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt gebracht wurde, ist vom Oberkriegsgericht zum Tode verurteilt worden.

Par tei-Nachriichten.

Genosse Thiel, der Kandidat für den Wahlkreis Cassel hat nunmehr seine 7 Monate Gefängnis hinter sich und kehrt am 17. ds. Mts. in dieFreiheit zurück. Wir begrüßen herzlich unsern Mitkämpfer!

Zur Unterstützung der Wahlagitation erscheint im Verlag der Buchhandlung Vorwärts eine in Farbendruck hergestellte reich illustrierte Wahlzeitung unter dem Titetel:Rote Wahlen 1903. Einen zündenden Aufruf richtet Genosse Bebel an die Wähler, sie zum Kampfe aufrufend für die Sache des Proletariats. An den einen, auf den es nicht ankommt, wendet sich F. Stampfer, und F. Block beleuchtet in einer geistreichen Satire, wie die verschiedenenArbeiterfreunde um die Stimmen der Arbeiter buhlen. Auch die Illustrationen sollen die Genossen im Wahlkampf unterstützen.Der Kehraus zeigt, wie die Sozialdemokratie die Brotwucherer aus dem Reichstage fegt, währendAm Pranger die Arbeiter an die Taten des Reichstags in den letzten fünf Jahren erinnert. Auch derschlichte Mann aus der Werkstatt hat seinen Platz gefunden. Unser Bild zeigt, wie er sich seinen Wählern vorstellt. So sollRote Wahlen die Arbeit unserer Genossen erleichtern und fördern. Preis 10 Pf., bei Partiebezug 6 Pf.

Ferner erscheinen: Wahlpostkarten in zwei Dar⸗ stellungen:So muß es kommen!Das freie Wahl⸗ recht ist das Zeichen.. Preis: 1000 Stück 20 M., 500 Stück 12,50 M., 100 Stück 3 M.

Zu haben bei der Expedition derMitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung.

Versammlungskalender. Samstag, den 16. Mai.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Gießen. Freie Turnerschaft. Außerordentliche Generalversammlung Abends 9 Uhr im Pfau.

Sonntag, den 17. Mai.

Gießen. Brauerverband. Nachmittags 2 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof).

Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein. Nachmit⸗ tags 3 Uhr pünktlich Versammlung bei Wirt Heinrich Volkmann. Wichtige Tagesordnung.

Donnerstag, den 21. Mai(Himmelfahrtstag).

Gießen. Ausflug nach Annerod. Treffpunkt 7 Uhr

am Siechenhaus.

Brliefkasten.

Wetzl. Wähler. Nr. zu Abdruck. Brgr. G. Wir bemerkten den Fehler, als es zu spät war, Aenderung zu treffen. Aber die Geschichte ist ja so hübsch, daß ein nochmaliger Abdruck nichts schadet! Alsfld. Wir nennen kindisch, was kindisch ist; Vernünftiges werden wir nie so bezeichnen.

Die Wählerlisten liegen in Hessen bei den Ortsbehörden vom 19. bis zum 26. Mai aus. Sorge jeder unserer Wähler dafür, daß sein Name in der Liste verzeichnet steht. Nur wer in der Liste eingetragen ist, kann wählen. In Preußen liegen die Listen vom 18. bis 25. Mai aus.

Parteigenossen, Arbeiter! werbt stets Abonnenten für die Mitteldeutsche Sonntagszeitung

Odenhausen[Lahn]

Sountag, 17. Mai, nachmittags 3 Uhr:

Heffenb, Wdzenessammang

im Saale der WirtschaftZum Lahnthal, F. Klinkel. Tages⸗Ordnung: Die bevorstehenden Reichstagswahlen.

Redner: Theodor Bartels aus Berlin.

Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer.

Gedicht kommt erst in nächster

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