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gegen die Deutschen in Rebellion.
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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Nr. 46.
Es wird also wohl nur eine Aufwärmung des alten Kohls herauskommen. Etwas Neues zu entdecken, reicht die Geistesarmut unserer Gegner allem Anscheine nach nicht aus. Uebrigens soll es uns recht sein, wenn die Macher der Kon⸗ ferenz mit ihrer antisozialdemokratischen Agi⸗ tation recht kräftig einsetzen. Da werden wieder viele Leute zum Nachdenken gebracht, an die wir bisher nicht herankommen konnten. Und fangen sie erst an zu denken und sich ihre soziale Lage und die politischen und ökonomischen Mictel zu einer Besserung derselben zu über⸗ legen, dann werden die Herren Sozialistentöter an dem Erfolg schwerlich viel Freude haben.
Dem Flottenkoller
noch weitere große Opfer zu bringen, wird dem deutschen Volke zugemutet. Wenigstens machen die Ordnungsblätter für neue große Flotten⸗ pläne Stimmung. In allen maritimen Kreisen sei man fest überzeugt, heißt es da, daß man mit den im bisherigen Flottenprogramm pro Jahr vorgesehenen Kriegsschiffsbauten nicht mehr auskommen kann; eine wesentlich höhere Forderung dürfte zu erwarten sein. Es sei sehr wahrscheinlich, daß man auch an den Bau von Linienschiffen für das Ausland denke. Ohne ein Linienschiffsgeschwader für das Aus⸗ land und Kreuzerdivisionen für Ostasien, Ame⸗ rika, Afrika und Australien sei in absehbarer Ferne nicht auszukommen. Man kündigt an, der Bau eines dritten Doppelgeschwa⸗ ders werde sich nicht umgehen lassen. „Die Kosten der Flottenverstärkung, wie sie bisher vom Reichstage beschlossen worden ist, betragen fünf Milliarden Mark! Das dritte Doppelgeschwader würde eine neue Mil⸗ liardenvorlage notwendig machen. Wenn uns in dieser Zeit der Finanzverzweiflung etwas vor neuen Milltardenschulden und vor dem dritten Doppelgeschwader schützen wird, so wird es die Furcht der bürgerlichen Volksvertreter vor dem Volke sein. Wenn die Regierung, ohnmächtig gegen die Treibereien der Nickelstahl⸗ interessenten und der von ihnen gewonnenen Faktoren, in ihrem kopflosen Gebahren wie bisher fortfährt, so wird sie sich schließlich noch eine ganz andere Antwort holen, als den Drei⸗ millionenschrei vom 16. Juni.
„Segen“ der Kolonien.
Trübe Nachrichten kamen vorige Woche aus Deutsch⸗Südwestafrika. Danach befindet sich ein Negerstamm, die Bondelszwarts, l 0 Diese soll nach einem englischen Telegramm ihre Ursache darin haben, daß der Kommandant der deut⸗ schen Garnison in Warmbad den Bondelszwarts befohlen hatte, ihre Gewehre behufs Registrie⸗ rung hereinzubringen. Eine Deputation von Eingeborenen traf mit dem Kommandanten zusammen, der von zwanzig Mann begleitet war. Es gab Streit und der Häuptling der Bondelszwarts gebrauchte Ausdrücke, die den Kommandanten entrüsteten, worauf dieser seinen Revolver erhob und den Häuptling nieder⸗ schoß. Dies war das Signal für einen all⸗ gemeinen Angriff der Eingeborenen. Die ganze deutsche Abteilung wurde vernichtet.
A 9 Vom vornehmsten Rock.
Gegen einen Leutnant Bil se vom 16. Train⸗ bataillon in Forbach verhandelte diese Woche das Kriegsgericht in Metz. Der Angeklagte hat einen Roman geschrieben, betitelt:„Aus einer kleinen Garnison“, in welchem die mora⸗ lischen und sittlichen Verhältnisse im Offtziers⸗ korps als äußerst bedenkliche geschildert werden. Durch die Schilderungen der einzelnen Roman⸗ figuren fühlten sich eine Anzahl Ofstziere des erwähnten Truppenteils getroffen und es wurde deshalb Anklage gegen den Verfasser erhoben. Aus den Prozeßverhandlungen ging hervor, daß jene Schilderungen in der Hauptsache zutreffen. Es kamen dabei Dinge zur Sprache, welche alles andere eher als„vornehm“ sind. Wir werden später noch Gelegenheit haben, auf diese Sache zurückzukommen. Bilse wurde zu sechs Monaten Gefängnis und Dtenst⸗ eutlassung verurteilt.
Sozialdemokratische Wahlerfolge.
In Sachsen⸗Weimar haben am 6. Nov. die Landtagswahlen stattgefunden. Unsere Genossen Baudert und Neidt, die beide schon dem Landtage angehörten, wurden in Apolda und Ilmenau wiedergewählt, ob⸗ wohl in den beiden Kreisen Nationalliberale und Freisinnige zusammengingen. Doch konnten sie dadurch den sozialdemokratischen Sieg nicht hindern. 5 1
Bei den Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung in Bielefeld siegten die Sozial⸗ demokraten mit 2642 Stimmen über die ver⸗ einigten bürgerlichen Parteien, auf die 2282 Stimmen fielen. Vor zwei Jahren erreichten die bürgerlichen Parteien rund 250 Stimmen mehr als die Sozialdemokraten. Letztere ge⸗ winnen jetzt ein Mandat und haben damit von insgesamt 39 Mandaten 9 inne.— Bei den Stadtverordnetenwahlen in Luckenwalde wurden in der dritten Klasse 953 sozialdemo⸗ kratische und 88 gegnerische Stimmen abgegeben, sodaß uns sämtliche zur Wahl stehenden Mandate dieser Klasse zufielen.— In Halle hatten die Gegner, um die Sozialdemokraten aus der Gemeindevertretung zu entfernen, aus der ganzen Stadt einen einzigen Wahlbezirk ge⸗ macht, und das Experiment gelang diesmal. In den Arbeiterbezirken erhielt unsere Partei große Mehrheiten, wurden aber von den Bour⸗ geois bezirken wieder überstimmt. Im Vorort Giebichenstein siegte aber Genosse Gering mit 1706 Stimmen gegen Direktor Brandes, der nur 402 Stimmen erhielt. Bei der nächsten Wahl, bei der die Giebichensteiner, Kröllwitzer und Trothaer Bürger aber mit in dem alten Stadtbezirk wählen, besteht Aussicht, sämtliche sozialdemokratische Kandidaten in der dritten Abteilung durchzubringen.— In Barmen erzielten in der dritten Klasse der Stadtverord⸗ netenwahlen die vereinigten bürgerlichen Parteien 4400 Stimmen, die Freisinnigen nur 350, die
Sozialdemokraten 3500 Stimmen.— Dagegen
gelang es in Forst in der Lausitz den ver⸗ einigten Ordnungsparteien durch Anwendung verwerflicher Mittel der Sozialdemokratie zwet Sitze in der dritten Klasse abzunehmen. Durch Verschlechterung des Wahlrechts waren etliche hundert Wähler aus der zweiten in die dritte Klasse gedrängt worden.
Einen glänzenden Sieg erfochten unsere Genossen bei der am Montag stattge⸗ fundenen Stadtverordnetenwahl in Rödelheim bei Frankfurt. Die sozialdemokratischen Kan⸗ didaten Lemp, Rexroth und Neumann wurden mit 246 bis 261 Stimmen gewählt. Von den Gegnern wurde hier das schofle Manöver versucht, durch Aufstellung von an⸗ geblichen Arbeiterkandidaten den sozialdemokra⸗ tischen Sieg zu vereiteln. Das gelang aber nicht, weil die Aufgestellten von dem Schwindel
nichts wissen wollten.
Auch in Wernigerode am Harz errang unsere Partei einen vollen Erfolg bei der Stadtverordnetenwahl. Zu verteidigen war das bisherige Mandat des Genossen Bartels, das glänzend behauptet wurde. Außerdem wurden die Genossen Gerecke und Hahne gewählt, so daß wir nunmehr 3 Vertreter im Stadtparlament haben. Die Gegner sind über den Sieg der„Umstürzler“ rein aus dem Häuschen. a
Bei den badischen Abgeorduetenwahlen
hat unsere Partei noch einen Erfolg zu ver⸗ zeichnen, der nach dem Ausfall der Wahl⸗ männerwahlen nicht zu erwarten war. In Karlsruhe⸗Land siegte unser Genosse elpo⸗ theker Lutz im zweiten Wahlgange mit 85 Stimmen, während nur 65 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt waren. Die Antisemiten
ließen den Konservativen durchfallen, so daß
diese Partei gar kein Mandat hat. Somit kehrt die sozialdemokratische Fraktion in der 1 Stärke von 6 Mann in den Landtag zurück.
Eine Reichstagsersatzwahl
hat infolge des Ablebens unseres Genossen Franz Hofmann im 22. sächs. Wahlkreise stattzu⸗
finden. Dieser Kreis di. sicheren zu rechnen sein; i mann mit mehr als 6000 C umen Mehrheit über den Exjesuit Grafen Hoe sbroich, der als gemeinsamer Kandidat sämtlicher Gegner auf⸗ gestellt war. Für die Neuwahl sind bisher weder von unserer noch von der gegnerischen Seite Kandidaten benannt.
Ausland.
Die österreichische Sozialdemokratie
hielt verflossene Woche ihren Parteitag in Wier ab. Anwesend waren 133 Delegierte und zwar 36 Tschechen, 18 Polen, 2 Italiener, 3 Slo- wenen, 3 Ruthenen und 71 Deutsche. Als Gäste waren die Genossen Sindermann⸗ Dresden, Wengels vom Parteivorstand und Frl. Baader⸗Berlin von der deutschen Parte erschienen. Auf der Tagesordnung des Kon gresses stand außer dem Geschäfts⸗ und parla mentarischen Bericht: Der Dualismus unf die Sozialdemokratie in Oesterreich; die Wahl rechts-Bewegung; Sozialpolitik in Oesterreich; die Konsumgenossenschaften die Arbeiterklasse und die Alkoholfrage.
Wegen des Streiks in Nordfrankreich
interpellierte Genosse Jaures am Samstag in der Kammer. Er weist darauf hin, daß di Arbeitgeber von Armentieres sich weigern das von den Ausständigen vorgeschlagen Schiedsgerichtsverfahren anzunehmen und be⸗ schuldigt sie, den Verpflichtungen, die sie frühe; mit ihren Arbeitern eingegangen seien, nich nachgekommen zu sein und die Arbeiter getäusch⸗ zu haben. Redner weist auf die niedriger Löhne und das Elend der Arbeiter it Armentieres hin und beantragt, die Kamme: solle die Wiederaufnahme der Schiedsgerichts vorschläge gemäß dem Gesetze veranlassen und eine Kommission mit der Untersuchung über die Lage der Spinnereiarbeiter in Armentieres be⸗ auftragen. Die Ausführungen Jaures machen den tiefsten Eindruck. Der Handelsminister erklärt sich mit der Ernennung einer parla mentarischen Kommisston einverstanden, wel“ eine Untersuchung über die Leinenindustrie stellen soll, billigt auch die von Jaures einge⸗ brachte Tagesordnung, in der die Wiederauf⸗ nahme des Schiedsgerichtsverfahrens und die Ernennung einer Untersuchungskommission ver⸗ langt wird. Die Tagesordnung wurde mit 512 gegen 2 Stimmen angenommen.
Ein Minister⸗Selbstmord.
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Der italienische Sin ee 1
Pietro Rosano hat sich am Montag früh
in Neapel erschossen. Gegen ihn wurden 05
in der letzten Zeit öffentlich von radikaler und
mit zu unferen ini siegte Ho,
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sozialistischer Seite Anklagen erhoben, daß er 1
im Jahre 1893, als er Unterstaatssekretär war, an den Finanz⸗Skandalen der„Banca Romana“ beteiligt war. Außerdem soll er e seinen politischen Einfluß dazu benutzt ha
dieser Anklagen soll ihn der Ministerprä dent aufgefordert haben, vorläufig zurückzutreten.
In einem zurückgelassenen Briefe an den Minister⸗
präsidenten erklärk Rosano die gegen ihn er⸗ hobenen Anklagen für falsch und beteuert, daß er unschuldig aus dem Leben scheide.
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Ein Soldat über den Krieg.
Am 31. März 1899 starb in Berlin der
General der Infanterie Hans von Kretsch⸗
mann. Aus den Kriegsbriefen an seine Gattin,
die jetzt von seiner Tochter, unserer Partei⸗ genossin Lily Braun, herausgegeben worden sind, würde man den ganzen Menschen erkennen, selbst dann, wenn die Herausgeberin ihn nicht
in einem biographischen Vorwort ausführlich
Haan hätte: Ein Mann, ganz in den
raditionen des preußischen Offtzierstandes auf- christliche Lehre und an das politische Dogma des Mo⸗
erzogen, starr im Glauben an die
en, sich materielle Vorteile zu verschaffen. In olge 5
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narchismus, aber innerhalb der Stttenbegriffe
seiner Gesellschaft von starken ethischen Gefühlen


