Ausgabe 
13.12.1903
 
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Seite 10.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 50.

kommen. Das verursachte auf Seite der Ar⸗ beiter gewaltige Erregung und dem Vorsitzenden Banz wurden bittere Wahrheiten gesagt. Man warf ihm vor, daß er das auf seinen Wunsch eingesetzte Schiedsgericht mißachtet und Verrufs⸗ erklärung verübt habe. Als glücklich die Wohl vorgenommen werden konnte, ergab sie als Re⸗ sultat die Wiederwahl des bisherigen Altge⸗ sellen, der die Interessen seiner Kollegen ener⸗ gisch vertrat. Der Vorsitzende, Herr Banz, er⸗ klärte sich mit diesem Resultat nicht zufrieden; er wolle es der Aufsichtsbehörde unterbreiten, mit den Gesellen wolle er nichts mehr zu tun haben. Hierzu machten die Gesellen laute Zu⸗ rufe, was ihn derart alterierte, daß er die Ver⸗ sammlung auflöste. Jedenfalls hat der Vorstand der Schreinerzwangsinnung gemerkt, daß er mit den Arbeitern nicht nach Belieben umspringen kann.

r. v. Gerlach über die Sozialdemo⸗ kratie. Unser Abgeordneter scheint einen ztemlichen Ruck nach links gemacht zu haben. Er sagt imTag über unsere Landtagswahl⸗ taktik:

Wer nicht blind ist oder sich blind stellt, muß doch sehen: die Schuldigen bei den so unendlich bedauerlichen Siegen der Reaktion in Breslau, Charlottenburg und Bielefeld sind allein die Liberalen. Die Sozial⸗ demokraten wären Narren gewesen, wenn ste anders gehandelt hätten, als sie getan haben.

Und über die Wahlbeteiligung unsrer Parteigenossen an sich führt Herr v. Gerlach aus:

Man versetze sich nur einmal in die Seele eines Arbeiters, namentlich zu den Zeiten knapper Arbeits⸗ nachfrage, der an den Wahltisch treten soll, wo sein Arbeitgeber als Wahlvorsteher fungiert. Schlimmerweise hat man seinen eignen Werkmeister als konservativen Wahlmann aufgestellt. Unter den Augen seinesBrot⸗ gebers soll er gegen seinen unmittelbaren Vorgesetzten stimmen. Er hat Frau und Kinder zu ernähren. Alles setzt er aufs Spiel, wenn er nach seiner Ueberzeugung stimmt. Heroismus gehört in solchem Falle dazu, sozialdemokratisch zu wählen. Daß die Sozialdemokratie unter solchen Umständen Hunderttausende an den Wahltisch bringt, das scheint mir fast ein größerer Triumph als alle ihre Reichstagssiege. Eine Unsumme von Disziplin, von Begeisterung und von Tapferkeit

steckt in den Tausenden von Wahlmännersiegen der Sozialdemokratie.

In der Mehrzahl der Fälle haben die Sozialdemokraten jedenfalls weiter nichts getan, als auf strikte Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen zu bestehen. Das war nicht nur ihr gutes Recht, sondern sogar ihre Pflicht, so unangenehm es für alle beteiligten Wahlmänner auch sein mochte. Einem in seiner Grundlage so schändlichen und in seiner Ausführung so schikanösen Gesetz gegenüber, wie es die preußische Drei⸗ klassenwahl ist, ist jede gesetzliche Bekämpfung und Diskreditierung verdienstvoll. Was man tun kann, um es den herrschenden Klassen zu verekeln, muß man tun. Wirklich liberale Männer sollten in jedem solchen Fall den Sozialdemokraten beistehen. Aber wer ist denn noch wirklich liberal? Der 12. und der 20. November haben gezeigt, daß der Liberalismus moralisch noch schwächer ist als ziffernmäßig.

Mit diesen Urteilen ihrer Gegner kann die Sozialdemotratie zufrieden sein. Beinahe komisch muß es aber wirken, wenn es Herr v. Gerlach ausspricht, der bei der Reichstagswahl nicht genug über Taktlosigkeit der Soztaldemokratie eifern konnte!

Erstklassige Menschen.

Das Kriegsgericht in Magdeburg verurteilte in geheimer Verhandlung den Lieutnant C. vom 27. Infanterie⸗Regiment in Halberstadt wegen Fahnenflucht zu 8 Monaten Gefängnis und Ausstoßung aus dem Heere. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß der Ange⸗ klagte ein intimes Verhältnis mit einer Hauptmannsgattin unterhielt. Er war nach der Schweiz entflohen, hatte sich aber später freiwillig gestellt. Derlei Dinge kommen also unter den Trägern des vornehmsten Rockes auch in Magdeburg vor, das doch keinekleine Garnison ist. Das Kriegsgericht in Frank⸗ furt a. d. Oder verurteilte den Oberstleut⸗ nant von Götz und Schwanenflies wegen

schwerer Urkundenfälschung zu Jahre Zucht⸗ haus und den üblichen Nebenstrafen.

Unglückliche Vaterlandsverteidiger.

Ein Soldat der 9. Kompagnie des in Göttingen garnisonierenden 82. Jufanterie⸗ Regiments hatte sich von seiner Truppe entfernt und in den Waldungen bei Northeim versteckt. Jetzt hat man den Unglücklichen in vollständig hülflosem Zustande mit erfrorenen Gliedmaßen aufgefunden. Dem Manne mußten im Garnison⸗ lazarett beide Beine abgenommen werden. Es ist fraglich, ob es gelingt, den unglücklichen Soldaten am Leben zu erhalten. Veelleicht ist es auch besser, wenn ihn der Tod baldmöglichst von seinen Qualen erlöst. Hoffentlich wird eine strenge Untersuchung klarstellen, wer und was den Mann so in Furcht setzte, daß er lieber draußen im Walde wie ein wildes Tier 950515 und erfriert, als bei der Truppe

eibt.

Dackel mit Unterofsiziersauszeichnung.

In derHohenzollerischen Volksztg war

dieses Inserat zu lesen:

Anzeige. Kleiner schwarzer Dachshund,

auf den Namen Feldmann hörend, (Halsband mit Unterofsiziers⸗ tresse u. Sergeantenknöpfen) verloren. Abzugeben gegen Belohnung bei v. Blumröder, Hauptmann.

Ob dem Deserteur wohl zur Strafe die Tressen und Sergeautenknöpfe abgenommen werden? Sicherlich aber hat sich der arme Kerl die Anwartschaft aufs Portepee für alle Zeiten verscherzt.

r Sieben Kinder in zwei Jahren wurden einer Familie in dem Spreewalddorfe Leipe beschert. Die Ehefrau des Kossäten Friedrich Richter in diesem Orte kam im Jahre 1902 mit Zwillingen nieder; im Januar des gegenwärtigen Jahres gebar sie aberm als Zwillinge und am 2. Dezember Drillinge. Sämtliche Kinder waren Knaben. Die beiden Zwillingspaare sind

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