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1 ur. 50.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
Aus dem Kreise Dillenburg Herborn. ES.„Christliche“ Kampfes weise. Aus einem Westerwald⸗Dorfe schreibt man uns: „Verleumde darauf los, es bleibt ja immer etwas hängen.“ Dies scheint der heiligste Grund⸗ satz des pharisäerisch⸗vermuckerten„Cass. Sonn⸗ tagsblattes“ zu sein. So gibt ihm jetzt das Märchen von Bernau Veranlassung, erneut über die Sozialdemokratie herzufallen. Und um es recht wirkungsvoll auszuschlachten, fügt des den bekannten Kreuzzeitungs⸗Erzählungen hinzu:„So geschehen im Jahre 1903, wo weder „ein Bebel noch Singer in Preußen herrscht. Wie wird es erst im Zukunftsstaat in den . Kirchen aussehen?“
g Der Schwindel ist ja längst widerlegt. Aber das fromme Blättchen benutzt die er⸗ wünschte Gelegenheit, seinen Köhlergläubigen
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4 wieder einmal gruselig zu machen und ihnen „zeigen zu können, welch eine religtonsfeindliche hpberkommene Schwefelbande die Sozial demokratie 4 doch nun einmal ist. i — Nun möchten wir doch einmal die Frage aufwerfen: Womit ist denn wahre Religion a am meisten beleidigt, wenn man auf der einen „Seite in eine Kirche, welche sozusagen staats⸗ „amtlich zum Schlachtfeld poltiisher Leiden
schaft bestimmt ward, eine Mahlzeit einnimmt, „oder wenn fromme Sonntagsblättchen in Form 5 religiöser Predigten einen Bericht entstellen, 10 um dadurch den Gegner zu beschimpfen und zu vbverleumden. N
Eine Berichtigung bringt natürlich das
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de
„Blättchen niemals, wenn sich die Unwahrheit einer Mitteilung herausgestellt hat.
oft Eigentlich wäre es doch Pflicht nicht nur der
Sozialdemokratie, sondern eines jeden, dem die Religion mehr als ein Gewerbe ist, solch elenden
— Pharisäern, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig voller Totenbeine und allen Unflats sind(Matth. 23, V. 27) die Maske
er der Heuchelei schonungslos vom Gesicht zu u reißen um ste für jeden kenntlich zu machen. 7. Für die Sozialdemokratie an und für sich, b. ift es eigentlich sogar schmeichelhaft, wenn man u. jedesmal, um ihr etwas am Zeug flicken zu können, die Wahrheit vergewaltsgen muß. Ge⸗ id. finnungslumpige Gegner aber, die uns nie ter anders, als mit Lüge und Verdächtigung zu
bekämpfen wissen, bestätigen dadurch ihren mo⸗ kralischen Bankerott.
Aus dem Kreise Marburg ⸗Kirchhain.
ben r. Reptil-Lügen. Was für ungeheuer⸗ tr lichen Schwindel die„Ordnungs“blätter über le die Sozialdemokratie verzapfen, beweist wieder ern die Notiz, welche kürzlich die hiesige„Ober⸗
hessische Zeitung“ brachte. Da wird nach der nan Halleschen Zeitung berichtet, daß Singer in ter einer Versammlung, wo man über Wohnungs⸗
den reform beraten habe, gesagt hätte: ti⸗„Es fällt mir nicht ein, dem Arbeiter eine besondere ung Wurst zu braten. Denn, wenn er eine besse re der Wohnung hat, so ist er zufrie den, und wenn de er zufrieden ist, so ist er für unsere Zwecke 15 nicht zu haben.“ f
se Und diesem offenbaren Schwindel 105 fügt der biedere„Oberhesse“ hinzu:„Das ist 1 der bekannte Standpunkt der Sozialdemokratie; un Singer hat also nichts neues gesagt. Daß er 1 aber wieder einmal festgestellt hat, wie die ö, sozial demokratische Partei es darauf aalegt, die
. Arbeiter in Unzufriedenheit zu erhalten, ist recht Was hält dann die herrschenden
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0 dankenswert.“
Infanterie⸗Regiment Nr. 153 zu Altenburg wegen haarsträubender Soldatenmiß⸗ handlungen zu 1 Jahr 2 Monaten Ge⸗ fängnis und Degradation verurteilt. Kirchner hatte in zahlreichen Fällen seine Leute so mißhandelt, daß sie in Ohnmacht fielen. Ferner hatte er den Mannschaften gewohnheitsmäßig ins Gesicht gespuckt. Die nichtöffentliche Verhandlung dauerte zwei Tage.
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Kleine Mitteilungen.
* Bei Cölbe wurde am Sonntag früh ein Dienst⸗ mädchen vom Zuge überfahren und schwer verletzt. * Opfer der Arbeit. In einer bei Siegen gelegenen Farbmühle fand man die furchtbar verstüm⸗ melte Leiche des dort beschäftigten Arbeiters Schulte im Triebwerk hängen. Der Körper war in mehrere Stücke zerrissen.
e Zu Tumulten kam es bei der Gewerbe⸗ Gerichtswahl in Köln, als abends die Arbeiter in großen Massen sich zur Wahl drängten. Der Wahlakt wurde geschlossen und ein neuer Termin angesetzt.
* Verschwunden ist vor einigen Tagen ein in Frücht bei Lahnstein wohnender Bergmann. Man ver⸗ mutet. daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. * Zugentgleisung. Bei dem Bahnhof Zoll⸗ haus entgleiste am Montag früh der von Nastätten einlaufende Zug. Vier Wagen wurden zertrümmert; doch kamen Personen glücklicherweise nicht zu Schaden. . Gefährliche Künste. Einen gräßlichen Tod erlitt am Sonntag die Tierbändigerin Fischer in Dessau, als sie in der gegenwärtig dort befindlichen, ihrem Manne gehörigen Menagerie Vorstellungen im Löwenkäfig geben wollte. Einer der Löwen wurde wild und gab der Frau Fischer einen solchen Schlag mit der Vordertatze, daß die Schädeldecke zertrümmert und das Gehirn blosgelegt wurde. Nur mit Mühe konnte man die Bändigerin dem wütenden Tiere entreißen, doch war sie nach wenigen Minuten eine Leiche. Die Kinder der Unglücklichen mußten den grausamen Vorfall mit ansehen! EAE—. 0——.—.—
7 7 5 Partei-Nachrichten.
Ein Grabdenkmal für Bruno Schoen⸗ lank wurde kürzlich auf dem Leipziger Friedhofe ent⸗ hüllt. Das Denkmal besteht aus roh behauenem Granit. Eine Bronzetafel trägt oben Schoenlanks Bildnis, um⸗ geben von einem Lorbeerkranze; darunter befindet sich eine Arbeitergestalt. Die Tafel trägt die Strophe, die Schoenlank einst selber für sein Grab wählte:
Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug,
Mich reut der Tag, der keine Wunde schlug,
Mich reut, ich sag' es mit zerknirschtem Sinn,
Daß ich nicht dreifach kühn gewesen bin.
Genosse Vollmar ist nach Mitteilungen aus München schwer an Influenza erkrankt. Die Krank⸗ heit ist derart, daß er seine parlamentarischen Verpflicht⸗ ungen im Reichstag und Landtag kaum wird nachkommen können, sondern im Süden Heilung suchen muß.
Ein Parteiveteran, der Parteigenosse Karl Geck sen. in Offen burg, feierte am Sonntag sein siebzigstes Geburtstagsfest. Er ist einer der ältesten der noch lebenden Genossen, die schon Mitte der 70er Jahre Pionierarbeit für die Partei in Baden verrichteten. Seine parteigenössischen Pflichten hat der Jubilar auch noch in den letzten Jahren getreulich erfüllt. Der Vor⸗ stand der badischen Landesorganisation brachte dem ver⸗ dienten Genossen zu seinem Ehrentage seine Glückwünsche dar und wir tun es hiermit nachträglich.
Ein trauriges Ereignis hat die Familie des Genossen Sabor in Frankfurt, der von 1884— 1890 Reichstags⸗Abgeordneter für Frankfurt war, in tiefes Leid versetzt. Vorige Woche hat sich sein hoffnungs⸗ voller Sohn, der auf dem Polytechnikum in Darmstadt studierte, und in letzter Zeit praktische Bauarbeit verrichtete, in einem Anfalle von Schwermut erf chossen. Der sonst sehr tüchtige junge Mann war nervenleidend und man vermutet, daß er die Tat aus Furcht vor längerem Siechtum beging.
Nichts wie Anklagen! Gegen den verant⸗ wortlichen Redakteur der„Mainzer Volkszeitung“, Genossen Döller, ist ein Strafverfahren wegen Be⸗ leidigung des Eisenbahnbau⸗Inspektors Scherr ein⸗ geleitet worden. In dem Blatte waren die Maßrege⸗ lungen der organisierten Arbeiter in der Darmstädter Eisenbahnwerkstätte, die den Genossen Kramer zu seiner von uns in der letzten Nummer besprochenen Inter⸗ pellation im Landtage veranlaßt haben, einer herben Kritik unterzogen.
Quittung.
Für die ausgesperrten Weber in Crimmit⸗ schau gingen ein: Von L. in Leihgestern gesammelt
Versammlungskalender.
Samstag, den 12. Dezember.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗
lung bei Löb„Wiener Hof“.— Brauer. Abends
9 Uhr Versammlung bei Zöb(Wiener Hof.)
Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends
8½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Sonntag, den 13. Dezember.
Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr
Gener al⸗Versammlung bei Orbig.
Gießen. Kartell⸗Kommission. Abends 8 Uhr Sitzung bei Orbig. (Die für 13. geplante Gewerkschaftsversammlung
fällt aus). — KKB ññ—
Empfehlenswerte sozialistische Schriften.
Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt:
Der NeueWelt⸗Kalender für 1904. Reicher Inhalt und viele Illustrationen. Preis 40 Pfg.
Die Volksschule wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg.
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer.
Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. A 10 Pfg.
Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg.
Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!
Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.
Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg.
Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg.
Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.
Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 Pfg.
Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.
Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg.
Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk.
Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg.
Sozialdemokratie und Zentrum.(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrums politik). Preis 20 Pfg.
Der Umsturz im Reichstage.(Die Kämpfe um den Zolltarif.) Preis 20 Pfg.
Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg.
Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ tritit. Preis brosch. 2 Mk.
Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernste in. Preis brosch. 2 Mk.
Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk.
Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch.
Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitit. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 9 Mk.
Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und stizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗
tn Klassen ab, die Arbeiter zufrieden zu machen? , Man schaffe doch bessere Wohnungen, dle stelle ihre sonstigen Beschwerden ab, mache sie an, zufrieden! Damit kann die„Oberh. Ztg. sech. die Sozialdemokratie vernichten und— wir sind un, selber damit einverstanden.
D* Das Schwurgercht verhandelte am Mittwoch ant, gegen die Ehefrau Elisabeth Weiershäuser von Goß⸗ in felden, die im Streit ihrem Mann mit einem vorher Hel“ für etwaige Prügeleien bereit gestellten Stück Holz den loß Schädel eingeschlagen hatte, sodaß der Tod ein⸗ 1 trat. Sie wurde uater Annah ne mildernder Umstände t zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
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„% Aus der Ferienkolonie.
*— Vom Kriegsgericht der 8. Diviston zu Halle wurde der nterofftzier Kirchner vom
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über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgahe.)
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