Ausgabe 
11.10.1903
 
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ö Kost'schen Trabanten Alles aufgeboten wurde, um die

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ungsanstalt begeben wollte. Kurz nach Ankunft im Bahnhofe aber stellten sich Ge⸗

gerade der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Mat⸗ in der

Mutter mit dem Kinde mittelst Droschke nach dem Hospital gefahren, woselbst jetzt die

Arbeitshause zu!

mann zum Opfer fiel, hat sich nach der Unter⸗

junge Burschen wollten angeblich dem Schreiner

auflauern, ö b kühlen. Bei dieser Gelegenheit erhielt Acker⸗

Nr. 41.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

Turnvereins Burggräfenrode unter der Anschuldigung, einen geschlossenen Umzug ohne behördliche Genehmigung veranstaltet zu haben. Am Sonntag 29. Juni gingen diese 10 Turner nach Beendigung der Turnstunde durch das Dorf. Flugs machten die Kriegervereinler aus dem Zusammengehen einen geschlossenen Umzug und erstatteten der Gendarmerie in Nieder⸗Wöllstadt eine diesbezügliche Anzeige. Diese gab auch gleich der Denunziationder Helden vom 16. Juni durch eine Anzeige der betreffen⸗ den Turner statt. Hierauf erhielten diese ein Straf⸗ mandat in der Höhe von je 11.10 Mk. zugestellt. Die Betreffenden erhoben gegen diese Strafe Einwand, wes⸗ halb das Schöffengericht die Sache zu entscheiden hat. Trotzdem hier wieder, wie am 22. September, von den

Turnerhineinzulegen, erging es ihnen wie bei der Verhandlung am 22. v. M.: alle ihre Beschuldigungen stürzten zusammen wie ein Kartenhänschen. Es erfolgte wiederum die kostenlose Freisprechung, ja das Gericht war von der Haltlosigkeit der Beschuldigungen so überzeugt, daß es selbst die Kosten der Verteidigung der Staats⸗ lasse auferlegte. Allgemein war der Eindruck der Ver⸗ handlung der, daß die Kost und Konsorten, nachdem sie erkannten, daß ihre am 16. Juni vollbrachten Hunnen⸗ taten ein gerichtliches Nachspiel bekamen, mit allen Mitteln darauf hinarbeiteten, ihren Gegnern(dazu gehört auch jetzt der Turnverein) einen Strick zu drehen, denn gewiß fühlten sie schon damals, daß bei Ver⸗ handlungen über den Wahlkrawall diese doch straflos bleiben würden. Um sich jedoch zu rächen, machten sie diese Denunziation, und genau so kläglich wie da⸗ mals, haben sie abgeschnitten. 5 Christliche Nächstenliebe scheint bei dem Friedberger städtischen Hospital auch ein seltener Artikel zu sein. Nach einer durch die Blätter gehenden Notiz kam dort am Sonntag eine Frau mit dem Homburger Zuge an, die sich in die Marburger 0 ier ihrer

burtswehen ein und die Dame wurde durch einige Leute nach dem städtischen Hospital gebracht. Hier aber geschah das schier Unbe⸗ greifliche: mangels einer Aufnahme⸗ bescheinigung wurde die Dame nicht auf⸗ genommen. In ihrer Hilflosigkeit kam die Dame allein wieder nach dem Bahnhofe zurück, woselbst sie bald darauf niederkam. Durch den diensttuenden Bahnhofsportier und andere Bahnbeamte wurde die Stationsverwaltung und die Polizei benachrichtigt. Zufällig kam

thias und leistete die erste Hilfe. Nachdem eine Nachbarschaft wohnende Wirtsfrau Kleidungsstücke herbeigebracht hatte, wurde die

Aufnahme gestattet wur de. g Das ist doch wirklich ein starkes Stück. Zu was ist denn ein Krankenhaus da? Ein solches Verfahren ist doch der reine Hohn auf die einfachsten Gebote der Menschlichkeit. Ein ähnliches Stückchen christlicher Nächstenliebe spielte sich am 30. Sept. in Sten dal ab. Dort verweigerte man einem jungen Mädchen, das von der Niederkunft auf der Straße über⸗ rascht worden war, ebenfalls die Aufnahme in's Krankenhaus und führte es zu Fuß dem

b. Die Bluttat in Vilbel, der am Samstag vor 8 Tagen der Tagelöhner Acker⸗

suchung wie folgt abgespielt: Der erstochene Ackermann begleitete am Sonntag Abend einen Schreiner nach dessen Wohnung. Mehrere

um an demselben ihr Mütchen zu

mann den tötlichen Stich direkt ins Herz, während der Schreiner ohne Verletzung davon kam. Der Täter, Taglöhner Eckhard, hat ein dahingehendes Geständnis abgelegt. Der Er⸗ stochene wird allgemein als ein braver Mensch geschildert; sein tragischer Tod erregt allgemeines Bedauern.

aus dem Nreise Alsfeld⸗Cauterbach.

b. Vom Kriegervereinsfeste. Vor dem Schöffengericht in Alsfeld spielte sich am Montag eine interessante Gerichtsverhandlung ab. Der Be⸗ leidigung und Körperverletzung angeklagt erschienen der

treter der Stöckerei und Muckerei unter dem Namen

Bezirkskriegervereinsfeste in Vadenrod teil. Dort trat Völ⸗ zing, der Mitglied des Kriegervereins ist, an den Tisch des Keutel, schrie diesen an, er sei Sozialdemokrat, schlug auf den Tisch nnd stieß gegen Keutel, der dem Krieger⸗ verein nicht angehört, Drohungen aus. Der Bedrohte warf dem Völzing das Bierglas an den Kopf, daß dieser zu Boden stürzte, 14 Tage arbeitsunfähig war und ärztliche Hilfe in Auspruch nehmen mußte. Völzing erklärte bei der Beweisaufnahme, er sei be⸗ trunken gewesen, wisse nichts mehr von dem Streit, will auch den Wurf kaum bemerkt haben. Dem Keutel sagte der Vorsitzende ganz richtig, es wäre besser gewesen, wenn er dem Feste fern geblieben wäre. K. bemerkte, er habe Vergnügen, nicht Streit gesucht. In seinem Plaidoyer führte der Amtsanwalt aus, Sozialdemokrat sei keine Beleidigung, es sei auch keine Unehre, ein solcher zu sein, auch nicht wisse, was das ist, so liegt doch eine Beleidigung darin, es brauche sich niemand zu Unrecht zum Angehörigen einer beliebigen Partei stempeln zu lassen. Rechtsanwalt Dornseiff, der den Keutel als Nebenkläger vertrat, sieht in der Handlungsweise Keutels einen Akt der Notwehr, die sein Klient auch nicht überschritten habe. Für jeden der Angeklagten bean⸗ tragte der Amtsanwalt 30 Mark Geldstrafe; das Ge⸗ richt verurteilte nur Völzing zu dieser Strafe, während Keutel freigesprochen wurde.

Aus dem Rreise Wetzlar. Zur Landtagswahl. Während die Ver⸗

Deutschkonservativ an dem früheren Landrat Stackmann festhalten, haben die Nationalliberalen ihren Vorsitzenden Justizrat Aldefeld fallen lassen. Der nationalliberale Verein hat unter dem Einfluß des Präsidenten der Handelskammer die Kandidatur einemgeborenen Vertreter der Großindustrie, Berg⸗ werksdirektor Roth angeboten. Die Volksschullehrer scheinen indessen von dieser Wendung der Dinge nicht erbaut zu sein und bringen den Rektor Schmidt in Köln zum Vorschlag. Schmidt ist im Kretse beheimatet und scheint sein Namen innerhalb der Lehrer⸗Organi⸗ sation des Rheinlandes einen guten Klang zu haben. Wenn die Volksschullehrer, welche gegenüber der klerikal⸗ konservativen Reaktion, in erster Linie sich ihrer Haut wehren müssen, mit ihrem Wahlvorschlag Stand halten, so wird der Industrlekandidat diesmal weichen müssen, da ohne die Lehrer die Nationalliberalen auf dem Lande längst abgesägt wären.

I In der Eisenbahnfrage Wetzlar⸗Usingen scheinen sich die herrschenden Gewalten wie Landrat, Handelskammer usw. auf die Solmsbachstrecke festlegen zu wollen. Wir bekämen dann den merkwürdigsten Landes aufschluß, der bis jetzt da war, da diese Strecke bei nur 6 Kilometer Abstand mit der Weilthalstrecke parallel läuft und somit die Hauptsache links liegen läßt.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

Bh. Ueber den Parteitag erstattete unser Delegierter Dr. Michels in der am Samstag im Lokale Jesberg stattgefundenen, gutbesuchten Versamm⸗ lung Bericht. Vorher entschuldigte Genosse Härtling die späte Bekanntmachung der Versammlung, die weder früher noch später stattfinden konnte, weil Gen. Michels ö verreisen mußte. Ausführlich schilderte unser Delegierter

hierauf die Dresdener Verhandlungen und besprach die vom Parteitag gefaßten Beschlüsse. Auf die Marburger Stichwahlangelegenheit ging er ebenfalls näher ein und bemerkte dazu, daß Heine damals das Telegramm an Gerlach nicht aus Freundschaft, sondern nurim Interesse der Partei gesandt hätte, und daß esnicht so gemeint war, wie wir es auffaßten. Auch sei jetzt die alte Freundschaft zwischen Gerlach und Heine aufgehoben. Redner legte der Versammlung folgende Resolution vor: Die Parteiversammlung erklärt sich mit der Tendenz der auf dem Parteitag in Dresden gefaßten Beschlüsse einverstanden. Sie sieht in denselben die Gewißheit, daß die Partei in ihrer überwiegenden Mehrheit den Weg zur Beseitigung der bürgerlichen Gesellschaft nur in der Wahrung des unversöhnlichen und unüberbrück⸗ baren Klassencharakters der Partei sieht. Rößler beantragte folgenden Zusatz:Die Versammlung spricht dagegen ihr lebhaftes Bedauern aus über den schroffen und gehässigen Ton, der auf dem Parteitag den einzelnen Genossen gegenüber angeschlagen wurde. Die Versamm⸗ lung hätte erwartet, daß die Zeit, die für die persön⸗ lichen Reibereien vergeudet wurde, zu etwas Besserem hätte verwendet werden können. Die Versammlung beschließt in diesem Sinne. Als Vertrauensmann wurde Genosse Härtling wiedergewählt.

R. Ortskrankenkasse. Wie der Vor⸗ stand der Marburger Ortskrankenkasse bekannt macht, findet die Generalversammlung am Donnerstag den 15. Oktober Abends 8 Uhr in der alten Realschule am lutherischen Kirch⸗ hof statt. Da auch in dieser Versammlung die

Maurer Völzing von Oberbreidenbach und der Dienst⸗ knecht Keutel⸗ Storndorf. Beide nahmen an dem

glieder der Krankenkasse, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Namentlich werden die organisterten Arbeiter, die dieser Kasse angehören, ersucht, eine lebhafte Propaganda für diese Versammlung zu entfalten, sintemal die Krieger⸗ vereinler, an ihrer Spitze der altbekannte Herr Haupt aus Ockershausen schon eine leb⸗ hafte Agitation unter seinen Anhängern ent⸗ faltet, um bei der Ersatzwahl des Vorstandes sich und seine Kameraden wieder durchzudrücken. Um dies zu verhindern, ersucht die Gewerkschafts⸗ kommission, bei der Wahl des Vorstandes für die von der Kommission aufgestellten Kandidaten: Peter Wolf und Christian Euler zu stimmen.

Ein schweres Verbrechen wurde in Bad⸗Nauheim verübt. In der VillaSaxonia brach ein Dieb ein, der, als er sich von der dort wohnenden Frau überrascht sah, auf diese losschlug und sie lebensgefährlich verletzte. Die Ueberfallene ist die Frau des Arztes Dr. Stroschein in Dresden.

Seinen Schüler totgeprügelt hat der Hauslehrer des Berliner Bankdirektors Koch, Dippold, der gegenwärtig sich vor dem Schwurgericht in Bayreuth zu ver⸗ antworten hakt. Grauenhaft sind die Einzel⸗ heiten der viehischen Mißhandlungen, die dem Angeklagten nachgewiesen werden.

Kleine Mitteilungen.

l Wieder einer. In Freiburg i. B. wurde der Kaplan Otto Heimlich von Konstanz wegen Sittlichkeits vergehen zu 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.

* Bankschwindler Terlinden aus Ober⸗ hausen, der im Juli wegen Betrugs und anderem zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, hatte gegen das Urteil Revistou eingelegt. Das Reichsgericht hat dieselbe verworfen.

Partei-Uachrichten.

Das Protokoll vom Parteitag ist soeben erschienen. Ein Sprechregister, sowie ein ausführliches Sachregister erleichtern das Nachschlagen der einzelnen Gegenstände der Verhandlungen. Der Preis für das 428 Seiten starke Protokoll ist 74 Pfg., gebd. 1 Mark Zu haben in der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Ztg

Versammlungskalender. Samstag, den 10. Oktober. Heuchelheim. Parteiversammlung. 9 Uhr bei Wirt Heinrich Volkmann. ordnung: Bericht über den Parteitag. Montag, den 12. Oktober. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 14. Oktober. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Sonntag, den 18. Oktober.

Abends Tages⸗

Friedberg. Soz.⸗dem. Wahlverein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Ihl. Tages⸗ ordnung: Berichterstattung vom Parteitag. Ref.:

Busold. Die Orte der Umgebung sind eingeladen. 2

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Stiiullebund- heulte. Spielplan für Giessen. Montag, 12. Okt.(Theaterverein). Gastspiel Sorma: Die versunkene Glocke. Dienstag, 13. Okt.:Miuna von Barnhelm, Volksvorstellung.

Freitag, 16. Okt.:Ueber den Wassern. Spielplan für Marburg.

Ersatzwahl des Vorstandes staltfindet, so ersucht die Gewerkschaftskommisston die Mit⸗

Sonntag, 11. Okt.Blinder Passagier. Donnerstag, 15. Okt.:Ueber den assern.

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