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Nr. 2.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Burckhardt mit dem in unserem Wahlkreis ver⸗ teilten Flugblatt beschäftigt und seinen Inhalt zu widerlegen versucht habe. Wir bedauern, die Leistung dieses Herrn nicht zu Gesicht be⸗ kommen zu haben, sein Blatt, das Siegener „Volk“ ist hier nur ganz vereinzelt anzutreffen. Wir glauben gerne, daß er sich mit allen mög⸗ lichen Verdrehungen abmühte, da befindet sich dieser Herr in seinem Element; er ist besonders groß darin, Behauptungen zu widerlegen, die gar nicht aufgestellt wurden. Wenn er ferner versucht, aus der Affaire Krupp für sich Kapi⸗ tal zu schlagen und meint, daß„ein anstän⸗ diger Arbeiter der Sozialdemokratie den Rücken kehren müsse“, so glauben wir vielmehr, daß der Fall Krupp und die elende Hetze, welche die christlich⸗sozialen, Scharfmacher⸗ und Mucker⸗ blätter gegen unsere Partei einleiteten, gerade das Gegenteil bewirken wird. Wir sind hier im Westerwald in dieser Beziehung ganz zu⸗ frieden. Bald wird auch der letzte Arbeiter die Arbeiterfreundlichkeit der christlich⸗soz. Lebens⸗ mittelverteuerer erkannt haben.— Aber eine Frage möchten wir an Herrn Dr. Burckhardt richten: Hält er es nach der Entwickelung der e die die Kruppaffaire genommen, mit seiner Wahrheitsliebe und christlichen Näch⸗ stenliebe vereinbar, seine in dieser Beziehung gegen uns erhobenen Verdächtigungen aufrecht zu erhalten? Um Antwort wird gebeten!
Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain.
St. Arbeitszeitverkürzung. In der hiesigen Tapetenfabrik von Kon r. Schäfer wurde die Arbeitszeit, welche seither von 7 morgens bis 7 Uhr abends(inkl. 1½ stündiger Mittags- und je ¼ stündiger Frühstücks⸗ und Vesperpause) währte, auf die Stunden von 8 morgeus bis 5 Uhr nachmittags herabgesetzt. Allerdings nicht, um den Arbeitern eine längere Erholungszeit zu rerschaffen, sondern wegen Mangel von Arbeitsaufträgen. Leider werden die Arbeiter, die ohnehin schon großenteils einen sehr kärglichen Lohn erhalten, durch diese Maß⸗ regel, mit der natürlich eine entsprechende Lohn⸗ kürzung verbunden ist, sehr hart betroffen.
— Kommunales. Der Bau einer neuen Volksschule, von welchem wir schon in vor. Nummer berichteten, wurde in letzter Stadtverdnetensitzung angenommen. Dieselbe soll als Doppelschule(für Knaben und Mäd⸗ Jen) mit Aula und Turnhalle für 24 Klassen an der Biegenstraße im Nordviertel errichtet werden. Der in Aussicht genommene Bauplatz kostet beinahe 60000 Mk. Das ist eine hohe Summe, die die Stadt hätte sparen können, wenn unsere Stadträte die Errichtung der neuen Schule auf einem der Stadt gehörigen großen Bauterrain neben der Oberrealschule genehmigt hätten. Allein da durch eine so nahe Berühr⸗ ung der Volks⸗ mit den höheren Schülern öftere Prügeleten zwischen denselben befürchtet wurden, so ließ man dieses Projekt lieber fallen. — Eine in naher Aussicht stehende und sehr nötige Verkehrseinrichtung rückt ihrer Verwirk⸗ lichung näher. Es ist dies die Errichtung einer Pferdebahn mit 10 Pfg.⸗Tarif. Bei der großen Ausdehnung der Stadt und dem seitherigen sehr primitiven und für die unbe⸗ mittelten Klassen ziemlich teuren Omnibusverkehr ist die Pferdebahn immerhin auch für die Ar⸗ beiter eine Verkehrserleichterung, falls dieselbe gut eingerichtet und verwaltet wird. Zunächst heißt es allerdings abwarten, ob die Herren Stadtverordneten das Projekt auch wirklich zur Ausführung genehmigen werden.
— Todesfall. Am Sonntag, den 4. d. M. starb hier in der mediz. Klinik der Schrift⸗ setzer Pfennig aus Wiesbaden an der Be⸗ rufskrankheit. Lange Zeit war der Verstorbene außer Arbeit gewesen und mit körperlichen Ge⸗ brechen behaftet, auf der Suche nach Arbeit nach hier gekommen, wo er zu seiner großen Freude endlich Stellung erhielt. Nachdem er 14 Tage gearbeitet, zwang ihn seine Krankheit, die Klinik aufzusuchen, wo ihn leider der Tod ereilte. Unter zahlreicher Beteiligung der hie⸗ sigen Kollegen fand am Mittwoch nachmittag
gegenüber der betr. Organisation und Partei 105 erfüllt hat, auch im Tode nicht verlassen ist.
Wahlsieg in Hanau.
Bei einer Ersatzwahl zur Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung in Hanau wurde der sozialdeme kratische Kandidat, Bäckermeister Reiß mit großer Mehrheit gewählt.
Die„gesicherte Existenz“ der Arbeiter.
Zitternd stand dieser Tage ein nahezu 70jähr⸗ iges Männchen vor dem Kölner Schöffenge⸗ richt. Es war ein bisher unbestrafter Tage⸗ löhner, der angeklagt war, fuͤnf leere Kalksäcke aus einem Neubau entwendet zu haben. Der alte Mann klagt, daß Not und Armut ihn gezwungen haben, die Säcke wegzunehmen, um sie zum Schutz gegen die strenge Kälte auf sein Bett zu legen, da er Geld zu Decken nicht habe. Später habe er dem Eigentümer die Sachen zurückgeben wollen. Das Gericht sprach den Mann frei, da seine Angabe, die Säcke nur zum vorübergehenden Gebrauch wegge⸗ nommen zu haben, nicht widerlegt sei.
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Kleine Mitteilungen.
n Der antisemitische Amtsrichter Mahr in Darmstadt ist wegen seines von der Straf⸗ kammer mit einer Geldbuße geahndeten Excesses im Eisenbahnwagen noch disziplinar mit einer Verwarnung bestraft worden.
* Ein scheußlicher Lustmord wurde am Sonntag in Unterliederbach bei Höchst a. M. an dem 12 jährigen Mädchen eines Arbeiters verübt. Das Mädchen wurde überfallen, vergewaltigt und ihm dann der Bauch aufgeschnitten sowie schwer der Hals verletzt. Es konnte sich noch ein Stück Weges fortschleppen, brach dann aber bewußtlos zusammen. In hoffnungs⸗ losen Zustande wurde es in das Krankenhaus gebracht. Als Thäter wurde am Dienstag der Arbeiter Hege⸗ mann verhaftet.
r Opfer der Arbeit. Der Bergmann Michel aus Löhnberg stürzte am Montag auf der Grube„Justine“ bei Ahausen in den Schacht. Er er⸗ litt schwere Verletzungen.
* Im Tobsuchtsaufalle erschoß am Montag in Achern Gaden) der 40 jätzrige Kassierer Friedrich Lott seinen 70 Jahre alten Vater; die zwei Schwestern des Tobsüchtigen retteten sich durchs Fenster. Das Dienstmädchen erhielt zwei Schüsse in den Arm, ein⸗ dringende Polizei nahm den Tobsüchtigen fest und vr⸗ brachte ihn in das Krankenhaus.
* Reicher Schuhmachergeselle. Im Nachlaß eines kürzlich in Neuwied verstorbenen Schuhmachergesellen, welcher 20 Jahre lang bei einem Meister gearbeitet hat, fand man eine Hinterlassenschaft von ca. 65000 Mark. Bei diesem Vermögen war der Mann geizig und aß sich kaum satt. Verwandten desselben in Dierdorf können die Hinterlassenschaft gut gebrauchen.
* Durchbrenner. Der zweite Vorsteher der Potsdamer Filiale der Nationalbank für Deutsch⸗ land, Albert Heyde kehrte nicht von selnem Feiertags⸗ urlaub zurück. Es stellte sich heraus, daß Heyde 94 50 0 Mk, aus der Kouponkasse veruntreut hat. Heyde ist seit 1889 im Dienste der Bank.— Ein weniger großer Durchbrenner ist der Hülfsgerichtsdiener des Amtsgerichts in Ehrenbreitstein, der mit einem Geldbriefe von 4500 Mk. das Weite suchte.
* Ein frommer Spitzbube. Der langjährige Kassierer des Gustav Adolf⸗Vereins in Leipzig Karl Friedrich Jubisch, der sich eines„unbegrenzten Ver⸗ trauens“ bei der Vereinsleitung erfreute, hatte trotzdem die Summe von 5726 Mark unterschlagen. Das Landgericht Leipzig verurteilte ihn dafür zu 2 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust.—
* Gebrochene Staatsstütz e. Der frühere Gemeinde vorsteher Weichelt aus Groß⸗Schönau in Sachsen, der vor einigen Monaten nach Unter⸗ schlagungen in Höhe von 150 000 Mk. flüchtig ge⸗ worden und später verhaftet worden war, ist vorige Woche vom Landgericht Bautzen wegen Betrug, Unterschlagung im Amte und Diebstahl zu sechs Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust ver⸗ urteilt worden.
* Unsittlicher Pfarrer. Vor der Strafkammer in Breslau hatte sich am Sonnabend der katholische Pfarrer Edmund Holthoff aus Kausug zu verantworten. Er war des Sittlichkeitsvergehens an einem 17 Jahre alten Gärtner angeklagt. Der Gerichtshof erachtete den Geistlichen für überführt und verurteilte ihn zu 6
Par tei-Nachrichten.
Hundert sozialdemokratische Landtags⸗ abgeordnete gibt es nach Berechnung der Chem⸗ nitzer„Volksstimme“ in den verschiedenen deutschen Bundesstaaten. Ganz genau stimmt die Rechnung nicht. Für Hessen werden in der Aufstelluug nämlich 7 Ab⸗ geordnete angegeben, es sind aber nur sechs Sozial⸗ demokraten in der hessischen Zweiten Kammer. Genosse Rau gehört derselben nicht mehr an. Treffen die An⸗ gaben des Chemnitzer Parteiorgans sonst überall zu, so blieben also nur 99 Abgeordnete.
Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 15. Februar 1902, Vormittags 10 Uhr
Kreiskonferenz in Gießen, Lokal Orbig, Rittergasse 17. Tagesordnung:
1. Vorstandsbericht und Neuwahl des Vertrauens⸗ mannes; 2. Organisation und Agitation im Kreise (Ref. Gen. Orbig); 3. Die bevorstehende Reichstags⸗ wahl(Ref. Gen. Krumm); 4. Maifeier(Ref. Beck⸗ mann). Die Parteigenossen aller Parteiorte im Kreise werden ersucht, für ihre Vertretung zu sorgen. Jeder Ort hat das Recht, bis zu drei Delegierten zu ent⸗ senden. Etwaige Anträge sind baldmöglichst einzureichen.
Der Vorstand des Kreiswahlvereins.
Versammlungskalender.
Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlung en!
Samstag, den 10. Januar.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag: „Wohlthätigkeit“. Ref.: Vetters.— Brauer. Abendsd Uhr Versammlung bei Jöb, Wiener Hof.
Sonntag, den 11. Januar.
Gießen. Freie Turnerschaft. Mithliederver⸗ sammlung Nachmittags 4 Uhr im Lokale„Zum Pfau.“
Samstag, den 17. Januar.
Gießen. Allgemeine Versammlung. Abends 81% Uhr im Saale zum Len z'schen Felsenkeller. Vortrag von Frau Dr. David.
Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends ¼9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr im„Pfau“.
Briefkasten.
Mehrere Einsendungen mußten zurückgestellt werden. F. Wtzlr. Wir würden Dir raten, den Kerl einfach zu verklagen. Der hat am allerwenigsten das Recht, andern Leuten Lügen und Schwindel vorzuwerfen.
re Se r er
Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins
Gießen, Wirtschaft Orbig— eupfiehlt: Freie Stunden. Beste Romanlitteratur.
striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine
Illu⸗
Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck
aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer.
Wellkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg.
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
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Markeberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 6. Januar: Butter per Pfd. Mk. 0,80 0,90, Hühnereier 1 St. 8— 10 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg.,
Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg.,
Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00—0,00 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 3,50—4, 50, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,70 bis 0,95, Hühner per St. Mk. 1,00—1,20, Hahnen per St. Mk. 0,80— 1,40, Enten per St. Mk. 2,00 bis 2,60, Gänse per Pfd. 58— 70 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 70 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗
die Beerdigung statt und legte beredtes Zeugnis dafür ab, 1 jeder Arbeiter, der seine Pflichten
Monaten Gefängnis.
fleisch 6872 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg.
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